Freitag, 24. Juni 2011

tv-tipp: "der pakt mit dem panda" - heute, 21.00 h, "eins-extra"

ich bin darum gebeten worden, einen weiteren sendetermin dieses erst kürzlich gelaufenen films nochmals bekanntzumachen und komme dem aufgrund des interessanten themas gerne nach - aus der programmvorschau:

(...) "Vor 50 Jahren wurde der WWF gegründet - am 11. September 1961. Heute ist der WWF die einflussreichste Lobbyorganisation für die Umwelt - weltweit. Dank bester Kontakte zur Politik und zur Industrie. Eine ständige Gratwanderung zwischen Engagement und Käuflichkeit. Ein ganzes Jahr arbeitete der Dokumentarfilmer Wilfried Huismann an einem Film, der das grüne Bild des WWF entzaubern wird. Hinter der Öko-Fassade entdeckte der Autor während seiner Dreharbeiten weltweit Geschichten voller Sprengkraft." (...)

wer nicht vom termin abhängig sein will:
hier findet sich der film in der ard-mediathek; und hier (in zwei teilen) bei youtube.

etliche interessante
historische hintergründe zum wwf sind noch nachzureichen; und ebenfalls für die hintergründe des films ist ein kritischer offener brief von dutzenden umweltorganisationen an den wwf relevant.

notiz: "strategische ölreserve" teilweise angezapft

mein "analoges exil" wird noch etwas andauern; bis dahin sind mir weiter nur kurze netzbesuche möglich. was an sich nicht weiter schlimm ist, wäre da nicht die mir einmal mehr auffallende extreme diskrepanz zwischen der reinen quantität und teils auch qualität von "alten", vor allem printmedien, und der nachrichtenwelt des netzes. mir scheint, bestimmte und teils sehr relevante gesellschaftliche diskussionen finden inzwischen zu großen teilen fast nur noch innerhalb der virtuellen welt statt, was nicht nur alle faktisch ausschließt, die aus welchen gründen auch immer keinen zugang (in mehrfacher hinsicht gemeint) zu den online-medien finden. das dürfte auch einen gewissen teil der gegenwärtigen gesellschaftlichen verfasstheit hierzulande - illusionäre blasen, apathie - miterklären; nicht als hauptsächlicher grund natürlich.

*

beim überfliegen der news bin ich in der fülle über eine gestolpert, die in mehrfacher hinsicht bemerkenswert ist und etliche fragen aufwirft. darum hier ein paar kurze hinweise dazu.

(...) " Die Internationale Energieagentur (IEA) will im Zusammenspiel mit seinen Mitgliedsländern 60 Millionen Barrel Öl in den Markt geben. Quelle für dieses Öl sind die strategischen Reserven der Länder und der IEA. Die Hälfte dieser Menge kommt von den USA, Deutschland trägt 4,2 Millionen Barrel bei. Als Begründung wird der Libyen-Konflikt genannt, der zu einem Ausbleiben von 132 Millionen Barrel bis Ende Mai führte.

Der Spiegel titelt "Industriestaaten fluten Märkte mit Öl" - doch im Vergleich nehmen sich die 60 Millionen Fass bescheiden aus. Der tägliche Tagesverbrauch liegt derzeit bei über 80 Millionen Fass. Es ist erst das dritte Mal, dass die in der IEA versammelten Länder ihre Reserven gemeinsam anzapfen, als entsprechend "historisch" darf man diesen Schritt sehen. Der Ölpreis übt bereits im aktuellen Niveau starken Druck auf die Wirtschaft aus, da Öl in nahezu allen Produktionsbereichen eine wichtige Rolle spielt." (...)


so fasst
peak-oil.com in einer ersten meldung die gestrige entscheidung der "internationalen energieagentur" IEA für den in der überschrift genannten schritt zusammen, der nicht wenige leute vor allem rund um die ölmärkte tatsächlich überrascht zu haben scheint. meine ersten unsortierten gedanken dazu waren die folgenden:
  • der ausfall der libyschen förderung ist tatsächlich gravierender, als anfangs öffentlich zugegeben wurde. die menge aus libyien mag im vergleich auf den internationalen märkten gering erscheinen, aber dabei wurde meist immer unterschlagen, dass das rohöl aus diesem land als eines des qualitativ hochwertigsten, weil chemisch reinsten, der welt gilt. was meines wissens bedeutet, dass es insgesamt unproblematischer zu verarbeiten ist - also mit weniger materiellem, letztlich dann auch finanziellem aufwand -, als öl aus anderen quellen
  • warum jetzt gerade zu diesem zeitpunkt? die menge hat, wie peak-oil.com richtig schreibt, primär nur einen symbolischen wert - wer soll mit diesem zeichen beeindruckt werden? an erster stelle stehen die verdächtigen auf den märkten selbst, genauer die fraktionen, die mit den ölpreisen spekulieren. die sind in der öffentlichen wahrnehmung ja auch primär hauptverantwortlich für die hohen preise, die uns spätesten seit 2008 immer wieder begleiten. was letztlich ein krasse fehleinschätzung sein dürfte in dem sinne, dass spekulation zwar einen gewissen einfluss auf die preise hat, "die märkte" aber letztlich nur ein indikator für ein weit tieferliegendes und strukturelles phänomen darstellen - die physikalische verknappung des angebots aka peak oil
  • wenn ich die meldungen richtig interpretiere, haben die usa, genauer die obama-administration, eine hauptrolle bei der entscheidung zu diesem schritt gespielt. damit rücken einerseits der us-amerikanische wahlkampf, andererseits die dortige desolate ökonomische situation ebenso wie die langsam weiter absaufende weltkonjunktur als weitere gründe in den focus. hohe ölpreise weit über 100 $ pro barrel können ebenso wie 2008 eine globale rezession mindestens befördern, wenn nicht sogar selbst einleiten. die iea-entscheidung könnte als warnschuss betrachtet werden, allerdings auf ein ziel - "die spekulation" -,welches eben nicht ursächlich für die turbulenzen bei den ölpreisen verantwortlich ist.

letzteres wird u.a. auch in einem
artikel in der "zeit" als verdacht formuliert, wobei peak oil allerdings nur am rande unausgesprochen im hintergrund mitschwingt, während der "hauptsächliche" grund wie folgt formuliert wird:

(...) "Die IEA macht mit dem Markteingriff deutlich, was viele Experten schon lange beklagen: Der Ölmarkt funktioniert nicht. Der Preis wird zu sehr von der Opec und Hedgefonds bestimmt. Die meisten Petrostaaten brauchen mittlerweile extrem hohe Ölpreise, um sich innenpolitischen Frieden zu erkaufen.

Die Industrieländer, insbesondere die USA, können und wollen solche Preise nicht mehr akzeptieren, weil sie fiskal- und konjunkturpolitisch bereits auf Kante genäht sind. Der Konflikt mit der Opec ist nun offen ausgebrochen, was angesichts der prekären Lage in der gesamten arabischen Welt nichts Gutes für den Ölpreis verheißt." (...)


bei einem treffen der "opec"
anfang juni kam es ebenfalls zu einem sehr seltenen ereignis, nämlich dem, dass sich die mitgliedsstaaten nicht auf eine ausweitung der produktion einigen konnten. das argument mit den "innenpolitischen turbulenzen" in einigen - nicht allen - vor allem arabischen ölstaaten, die sich wie saudi-arabien und die golfemirate daraus neben reiner repression auch sozusagen mit der wohlfahrtsstaatlichen gießkanne befreien wollen, dürfte durchaus eine rolle spielen - wobei saudi-arabien, vermutlich in der rolle als treuer alliierter des westen, sehr stark auf eine ausweitung gedrängt haben soll und letztlich angekündigt hat, im alleingang die eigene förderung um zehn millionen barrel pro tag zu erhöhen (was sich zwar viel anhört, aber gerade mal ein achtel des täglichen weltverbrauchs darstellt). zu vermuten ist aber auch noch etwas ganz anderes, was öffentlich meines wissens nicht thematisiert wurde: was wäre denn, wenn sich die förderung in vielen ländern gar nicht mehr nennenswert steigern lässt? und wenn besonders die saudis wieder einmal so tun, als ob? (als ob sie die förderung selbst noch merklich steigern könnten - in einem beitrag anfang märz zu der aufstandswelle u.a. auf der arabischen halbinsel hatte ich damals eine entsprechende meldung zitiert:

(...) "Die USA befürchten, dass Saudiarabien, die grösste Exportnation von Rohöl, nicht genug Reserven hat, um der Preisspirale Einhalt zu gebieten. Dies geht aus Dokumenten hervor, welche die Enthüllungsplattform Wikileaks im britischen «Guardian» veröffentlicht hat. Einmal mehr handelt es sich dabei um vertrauliche Depeschen von Diplomaten. Ein US-Diplomat, der in der saudischen Hauptstadt Riad stationiert war, appellierte in der Depesche an seine Regierung, sie solle die Warnungen eines arabischen Öl-Experten ernst nehmen.

Sadad al-Husseini, Geologe und ehemaliger Chef des staatlichen Ölkonzerns Aramco, hatte dem US-Diplomaten gegenüber gesagt, die Ölreserven im Land würden geschönt dargestellt. Gegenwärtig könne fast 40 Prozent weniger gefördert werden, als man dem Westen weismache." (...)


und auch dazu geschrieben, dass entsprechende gerüchte und meinungen schon seit jahren nicht nur in der peak-oil-szene rumgehen. das verhalten der saudis auf der letzten konferenz wäre aus der perspektive als große inszenierung zu werten, um in mehrfacher hinsicht "ihr gesicht zu wahren" - vor allem gegenüber den usa.)

*

erstmal kam es gestern und abgeschwächt auch heute zu einem deutlichen
preiseinbruch bei vielen wichtigen ölsorten. im artikel findet sich desweiteren bezgl. saudi-arabiens folgende aussage:

(...) "Nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank könnte sich die Entscheidung der Energieagentur mittelfristig allerdings als Bumerang erweisen. „Jetzt ist es fraglich, ob sich Saudi-Arabien an seine Zusage gebunden fühlt, die Ölproduktion kurzfristig auf zehn Millionen Barrel pro Tag auszuweiten“, hieß es in einem Kommentar." (...)

was den ölprinzen möglicherweise ganz gut in den kram passen würde. insgesamt stellen sich die hintergründe der ganzen aktion bei näherer betrachtung als ziemlich rätselhaft dar, und das führt zwangsläufig dazu, dass die
spekulationen an vielen orten anfangen zu sprießen. es ist auf jeden fall angebracht, das geschehen rund um ölmärkte, -produzenten und auch die großverbraucher wie die usa und china noch genauer im blick zu behalten als bisher.

*

ansonsten verweise ich nochmals auf die eigene
beitragsreihe zu peak oil vor ein paar jahren; ebenfalls lässt sich mit dem begriff über die seiteninterne suche rechts unten etliches an material finden; ebenso im index. und als wochenendlektüre empfehle ich einen längeren text zu einigen implikationen von peak oil bei der zeitschrift streifzüge.

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