notiz: "Unglaublich ist das, was da gemacht wird" - oder wie die klassische mafia wieder mal vor neid erblasst

so ähnlich wie dem zitierten user aus dem forum der tagesschau ging es mir gestern gleichfalls bei der neuigkeit des tages, nämlich der versicherung der us-administration an die global player: "zockt ihr nur hoch genug und verzockt euch - wir holen euch raus mit der kohle von den dummen schafen (=restbevölkerung)".

und das zocken ist wortwörtlich zu nehmen:


Verbot für Wetten auf fallende Kurse

so steht´s da, und tatsächlich ist die in diesen tagen oft zitierte metapher vom casino für die börsen eher eine korrekte beschreibung des treibens dort.

ein treiben, das die erwartbaren
folgen nach sich ziehen wird:

(...)"Die in Aussicht genommene Gesamtverstaatlichung der privaten Bankenschulden stellt ein gigantisches Programm der
Pauperisierung dar. Erhebliche Teile des Geldes müssen der Realwirtschaft entnommen werden, so dass Löhne und Sozialleistungen sinken. Auf die kommende Armutswelle reagierte die Frankfurter Wochenendbörse mit Enthusiasmus. Die Kurse stiegen. "Die Märkte haben votiert. Sie finden diese Lösung gut", zitiert die New York Times einen Wall-Street-Manager. Der deutsche Finanzminister (SPD) lobte die US-Regierung am Freitag für ihre bisher getroffenen Entscheidungen."

eine kleine
erinnerung an erst kürzlich vergangene tage:

(...)"Der Bürgermeister hat in einem Präzedenzverfahren die 21 größten Banken der Wall Street, die in das Spekulationsgeschäft mit Billig-Hypotheken ("subprime") verwickelt sind, auf Hunderte Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Der Vorwurf: Die Milliardenkonzerne - darunter auch die Deutsche Bank - hätten aus reiner Profitgier ahnungslose Bürger abgezockt und die Kommune an den Rand des Ruins getrieben. Die Unternehmen seien nicht viel besser als die Mafia, wettert Jackson.

"Für mich ist das nichts anderes als organisierte Kriminalität oder Drogenhandel", sagt der Bürgermeister über das "Subprime"-Geschäft. "Es hat auf die Stadtviertel die gleichen Auswirkungen wie Drogenaktivität. Es ist eine Art organisiertes Verbrechen."(...)


das stichwort ist gefallen, und regelmäßigen leserInnen hier dürften ähnliche assoziationen auch schon gekommen sein:

mafia

ich hatte bspw.
hier und hier schon früher einiges zur verquickung der ehrenwerten gesellschaften mit der "legalen" ökonomie & politik geschrieben. und an anderen stellen ebenso davon, dass die grenzen zwischen "legalen" und "illegalen" geschäften inzwischen so durchlässig und fließend geworden sind, das es schwerfällt, genauer zu bestimmen, wo eigentlich nun die genaue grenzlinie liegt.

wenn Sie sich nun aber klarmachen, dass bei den üblichen geschäftszweigen der mafia neben dem glücksspiel auch der waffenhandel eine rolle spielt, und sich noch die folgende
nachricht zu gemüte führen (die - ganz unerklärlicherweise - ziemlich untergegangen ist):

"Der US-Senat bewilligt 612,5 Milliarden Dollar für das Militär"(...)

- dann kommen Sie möglicherweise genau wie ich zum ergebnis, dass ein staat wie die usa, die "führungsmacht" der westlichen welt, mit gravierenden inneren problemen wie verrottender infrastruktur, massenhafter verarmung u.a. konfrontiert, natürlich nichts besseres tun kann, als milliarden und abermilliarden dafür aufzuwenden, um

- für die spielschulden einer bande von den hals nicht voll genug kriegenden zockern aufzukommen

und

- der rüstungsindustrie & dem militär die möglichkeit einzuräumen, massenhaft neue destruktive & tödliche produkte zu produzieren, anzuschaffen und wahrscheinlich auch irgendwann in flammen, rauch & blut aufgehen zu lassen.

denn, wo ist nun die oben erwähnte grenze zwischen "legal" und "illegal"? den einzigen unterschied, den ich noch sehe: klassische mafiosi werden bisher nicht gewählt. zumindest nicht bewußt, aber meine hand für die erste aussage würde ich nicht ins feuer legen wollen, wenn ich´s mir genauer überlege. aber halt, einen weiteren unterschied gibt es dann doch noch: die "legalen" kartelle drehen regelmässig die dicksten dinger. die innere struktur zwischen beiden arten des organisierten verbrechens jedoch ist nicht mehr voneinander unterscheidbar.

und mit diesen gedanken verabschiede ich Sie ins wochenende, welches ich nutzen möchte, um weiter am beitrag zur soziopathie zu arbeiten - selten gab es derart viel material wie gerade, um den beweis zu führen, dass sich besonders die westlichen gesellschaften ganz entscheidende teile soziopathischen denkens & fühlens zu ihren leitbildern gemacht haben. und als kleinen vorgriff kann ich mir die anmerkung nicht verkneifen, dass die gesamtgesellschaftliche agonie ebenso wie das vielfältig anzutreffende fassungslose staunen (nicht nur in den usa) im angesicht auch noch eines derart dreisten betrugs wie gerade verblüffende ähnlichkeiten mit den reaktionen einzelner konkreter menschen besitzt, die in ihrem leben mit soziopathischen persönlichkeiten konfrontiert werden. dazu aber demnächst mehr.
kandinsky (Gast) - 21. Sep, 17:47

Donnerstag, 25.9.2008

Hallo mo :),

tja, was du hier gebloggt hast, habe ich in verschiedenen Beiträgen in einem bekannten Forum gepostet. Am Donnerstag, 25.9.2008 wird wohl Deutschland in punkto Entschuldung sozial notleidender Banken nachziehen. Ich habe jetzt schon einen dicken Hals und ne relative Hasskappe...

3 Millionen Kinder, Tendenz steigend, leben in ärmlichen Verhältnissen. Viele Kinder gehen zur Schule und haben Hunger, da es zu Hause nix zu Essen gab und gibt, dank Hartz4 und der organisierten Kriminalität in Berlin.

Sollte diese Woche bekannt werden, das sich Deutschland diesem irssinigen Pakt zur Entschuldung der Banken anschließt und sich der deutsche Michel nicht rührt, sich dieses eindeutige Verbrechen gegen die Menschlichkeit gefallen läßt, bin ich jedenfalls fertig mit diesem Volk.
Mit Magendrücken schreibe ich das hier: ich habe zum Glück die Wahl, denn Ende 2008 Anfag 2009 werde ich nach Südfrankreich gehen und so wie es aussieht niemals wieder zurückkehren.
Was mich bedrückt ist eher: was passiert, oder was machen die Leute, die keine Wahl und Möglichkeit haben ?

Zusammenbrechen wird das System trotzdem. Hier geht es nur noch darum, das die Kriminellen sich aus der Affäre ziehen. Ob nun mit Depression(Hunger und Armut) oder Repression(Polizei und Militär), und wenn es gar nicht mehr anders geht, kommt das Allbekannte: Krieg(Iran, Russland, China).
Sie haben Schiß um ihre Macht und Möglichkeiten und sie haben höllische Angst am nächsten Laternenpfahl aufgeknüpft zu werden...; wohl weniger in Deutschland.

Ich bin gespannt auf nächste Woche...

Gruß,
Kandinsky

Tamara (Gast) - 22. Sep, 11:19

Ist die aktuelle Wirtschaft nicht ...

... das Spiegelbild der Gesellschaft im Abschwung? Dieser Gedanke geht mir nach dem Lesen des neues Buches von Gunter Dueck "Abschied vom Homo Oeconomicus: Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen" nicht mehr aus dem Kopf, weil es stimmen könnte.

Simulationen von Leben im dauernden Hochstress bzw. Verselbständigt nach einer für den Körper zu langen Phase des negativen Stresses? Weil negative Stress die Wahrnehmung verengt und den entweder Kampf, Flucht oder Verharren auslöst, somit erstmal das neodarwinististische/neoliberale Denken allgemein fördert, weil u.a. der Kampf ja die offensivste und "vitalste" Stressreaktion darstellt?

Die letzten zehn bis fünfzehn Jahre hatte ich in den kurzen Zeiten der kleinen Aufschwünge häufig den Eindruck die Wirtschaft redet eine kleine Rezession herbei um Kürzungen und Massenentlassungen weiter durchführen zu können. Dann irgendwann war es "normal geworden" trotz kurzer eher guten Zeiten Mitarbeiter aufgrund des Gewinnes der Firma zu entmachten, zu drücken, zu Zugeständnissen zu bewegen und/oder später doch zu entlassen.

Es erschreckt mich weniger, wie jetzt in der Bankenkrise agiert wird. Sondern vielmehr der Eindruck, dass die „Oberen“ mal wieder wirklich glauben, was sie sagen. Wenn dieser Eindruck stimmen sollte, wissen sie ja wirklich nicht was sie tun, weil sie es nicht sehen können.

Für mich sind die Überlegungen von Dueck eine prima Ergänzung. Sie ergänzen für mich die Arbeiten von Liedloff, Miller und auch die von Bauer. An den Arbeiten Millers stört mich nur eine Kleinigkeit: mein Eindruck (der ja auch falsch sein kann) der Ausschließlichkeit psychische und psychosomatische Störungen immer auf die Kindheit zurückzuführen. Ich glaube Menschen können auch später durch ihre Umgebung ausgelöst solche Störungen entwickeln - auch wenn mir klar ist, dass die Wahrscheinlichkeit viel geringer sein wird.

Trotz dieser ganzen Entwicklungen glaube ich daran, dass der Mensch eigentlich ein auf Kooperation "gepoltes" Wesen ist, welches in Zeiten der Not auch unglaublich aggressiv werden kann - wenn seine Bedürfnisse nach Zwischenmenschlichem (alles andere ist für mich oft ein Ersatz, welcher fehlende soziale Bindung zu kompensieren sucht, zu sein) nicht mehr erfüllt werden können. Maslow hat meiner Ansicht nach bei einer Pyramide das Bedürfnis nach Zwischenmenschlichem zu weit oben angesiedelt. Ich glaube dieses Bedürfnis gehört nach ganz unten - mindestens auf gleicher Stufe mit den körperlichen Bedürfnissen.

Zynisch könnte man sagen Soziopathen sind am Besten angepasst an eine neoliberale Welt - an eine Welt des Kampfes. Das ist es doch, was sie von sich sagen, oder?

Ich persönlich sehe es anders herum: Soziopathen machen sich Umstände zu Nutze um die Welt dazu zu bewegen sich ihnen anzupassen. Da sie aber oft kaum oder keinen Zugang mehr zu ihren Gefühlen haben, kennen sie keine Grenzen mehr. Sie machen sich oft für sie gerade passende Glaubensgrundsätze und "Schwächen" (aus ihrer Sicht) der eher kooperativen Menschen zu nutze. Sie versetzen andere Menschen in Hochstress, um diese besser "steuern"(sie sich ihnen anpassen) zu können.

Hochstress engt die Wahnehmungsfähigkeit aller Menschen ein. Meist überlassen sie das aktive Ausüben auch noch anderen Menschen. So schließt sich der Kreis. Gefährlich wird nur der, der keinen oder kaum Stress empfindet ... da werden manchmal selbst Soziopathen kooperativ oder ziehen sich zurück ... glauben sie doch einen der ihren vor sich zu haben.

Gruß,
Tamara
monoma - 22. Sep, 21:58

kurz nur auf der durchreise, aber bingo!

"Zynisch könnte man sagen Soziopathen sind am Besten angepasst an eine neoliberale Welt - an eine Welt des Kampfes."

genau das ist es. die implikationen daraus sind gewaltig, aber wie gesagt - mehr in der nächsten zeit.
mo (Gast) - 29. Sep, 12:40

war ja klar:

Der Steuerzahler zahlt die Zeche - jetzt auch in diesem theater!

ich muss da an krüge, brunnen usw. denken.

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