kontext 58: der antisoziale nachwuchs...

...macht dieser tage wieder vielfältig von sich reden:

"Spuren an der Jacke verrieten ihn: Ein 14-jähriger Förderschüler soll die neunjährige Kassandra brutal misshandelt und in einen Gully-Schacht gesteckt haben.(...)

Er wird verdächtigt, die Neunjährige brutal misshandelt und lebensgefährlich verletzt in einen Gully-Schacht geworfen zu haben. Ein Richter erließ am Samstag Haftbefehl wegen versuchten Mordes." (...)


ich habe gerade keine lust, die früheren beiträge zu anderen, ähnlich gearteteten "fällen" herauszusuchen, bei denen seitens polizei und/oder staatanwaltschaft fast wortwörtlich gleichlautende beobachtungen zu konstatieren waren:

(...) " Der 14-Jährige sei bereits am 15. September als Zeuge vernommen worden.

Damals habe er völlig gelassen und abgeklärt gewirkt und - wie die Ermittler inzwischen glauben - immer wieder "spontan gelogen". Der Leiter der Mordkommission, Wolfgang Siegmund, nannte das Verhalten und die Gefühllosigkeit des 14-Jährigen bei den Vernehmungen "in höchstem Maße beeindruckend".

Die Familienverhältnisse des Jugendlichen seien unauffällig. Sein Vater sei Geschäftsmann, seine Mutter Hausfrau. Er habe zwei Geschwister. (...)

Eltern hatten sich beschwert, dass der Jugendliche die kleineren Kinder ärgere und provoziere." (...)


die fatale kombination von stark ausgeprägten
simulativen fähigkeiten und der gesellschaftlich deutlich eingeforderten gefühls- und rücksichtslosigkeit - wobei beides bekanntlich derart zusammenhängt, dass erstere zur maskierung der letzteren fungieren, um einen allerletzten rest pseudosozialer tünche in der hinterhand zu behalten -drückt sich nicht nur in solchen taten und tätern aus - auch zum sog. "amok" von ansbach gibt es jetzt neuigkeiten aus seinen schriftlichen aufzeichnungen, welche die inkarnation der aktuellen gesellschaftlichen "werte" in die psychophysis gerade jüngerer leute eindrucksvoll belegen:

(...) " In seinem Tagebuch, in dem sich Briefe an eine fiktive Freundin namens »Summer« finden, schwärmt er vom »Töten im dreistelligen Bereich« und träumt von einem »Sturm auf die Schule«, der ihn als »Massenmörder« berühmt machen werde. Das Tagebuch beginnt am 26. April 2009, dem siebten Jahrestag des Massakers am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, das Georg R. sich zum Vorbild erkoren hatte.

Obwohl von den gut 80 Seiten umfassenden Aufzeichnungen, die der Gymnasiast hinterlassen hat, bislang nur Bruchstücke an die Öffentlichkeit gelangt sind, machen bereits diese deutlich, dass Georg R. weder ein Sonderling noch ein »Problemschüler« im üblichen Sinn gewesen ist, sondern weit besser als erfolgsorientierter Streber beschrieben werden kann, der sich seiner »sozialen Verantwortung« voll bewusst war: Als Ziel seiner Tat benennt er ausdrücklich, die Welt von »Unwürdigen säubern« zu wollen, zu denen er nicht nur seine Lehrer und Mitschüler, sondern alle »sozial Schwachen« rechnet. Sich nach seinem Gemetzel das Leben zu nehmen, lehnt er in vollem Einklang mit dem hierzulande üblichen Ehrenkodex als »Kapitulation« ab, stattdessen sei es seine Aufgabe als »überlegene Persönlichkeit«, möglichst viele der »Maden« auszutilgen, die sich heutzutage ohne jedes Recht an den Gymnasien tummelten. Obwohl er sich, im Gegensatz zu den Einschätzungen seines Umfelds, als »Außenseiter« fühlte, der bei »hübschen Mädchen« keine Chance habe, beschreibt er sich stolz als »klar denkenden Menschen«, der seiner Umgebung intellektuell überlegen sei.

Entsprechend monströs und minutiös scheint sein Planungseifer gewesen zu sein: Die Schule in Brand zu setzen, sollte nur der Anfang sein. Danach wollte er an strategisch günstigen Stellen auf Flüchtende warten, um sie mit den mitgebrachten Haushaltsutensilien der Reihe nach zu töten. Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, er habe in seine Planungen ebenso viel Energie und Konzentration investiert wie ein konventioneller Streber in das exzellente Bestehen einer Klausur." (...)


ich stimme dabei einigen späteren schlußfolgerungen des artikels nicht zu: auch, wenn sich der täter ganz offensichtlich im vollen einklang mit einigen propagierten "grundwerten" der durchkapitalisierten gesellschaft befindet, so greift hier die klassische ideologiekritik meiner meinung nach eindeutig zu kurz. die ideologie ist etwas sekundäres, mit deren hilfe sich der täter seinen eigenen defekten wahrnehmungszustand in etwas "gesellschaftlich nützliches" umkonstruiert. die demonstrierte empathielosigkeit, die verachtung gegen alles "schwache" etc. sind bereits symptome einer pathologischen entwicklung, die zwar durch die entsprechenden ideologien in gewissem sinne gerechtfertigt wird, die ihre basis jedoch in den sozio- und psychookönomischen mikroverhältnissen besitzt, in denen solche leute aufwachsen und geprägt werden. und dazu gehört untrennbar die täter-opfer-dialektik.

nichtsdestotrotz müssen sich aber vor solchen hintergründen typen wie der unsägliche
sarrazin und seine gesinnungsgenossen berechtigt als geistige brandstifter bezeichnen lassen, die das tor weit für eine regelrechte eskalation antisozialer bis soziopathischer verhaltensweisen aufgestossen haben. wer solchen leuten zustimmt, stimmt deshalb auch immer letztlich seiner / ihrer eigenen zukünftigen opferung zu - die hoffnung, sich u.a. durch opportunismus aus der zielgruppe der loser entfernen zu können, wird in die irre führen.

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