notiz: allgemeines elitäres am-rad-drehen ausgerufen

ich weiß, dass das folgende eigentlich alles todernst in dem sinne ist, das es sich dabei um handlungen und äusserungen handelt, die ganz reales leid nach sich ziehen - und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, spüre ich immer wieder ein hysterisches gelächter hochsteigen - viele meldungen dieses wochenendes haben eine derart bizarre note, dass ich immer wieder eine imäginäre geschlossene psychiatrische abteilung für wirklich schwere fälle vor meinem geistigen auge sehe - ein vergleich, der aber realistisch gesehen durchaus den bedauernswerten insassen solcher abteilungen unrecht tun dürfte - die fratze wirklich bösartiger wahnzustände lugt jedenfalls, nur noch mühsam beherrscht, immer öfter und deutlicher bei den herrschaften in den schicken anzügen durch ihre vom starrhaften grinsen und x-mal wiederholten phrasen eingefrorenen seriösen und amtlich genehmigten masken hindurch. also, es kommt jetzt wirklich hard stuff - einblicke in völlig entglittene innere zustände.

*


Westerwelle will Hartz-IV-Empfänger Schnee schippen lassen - tja, all die dekadenten kraftstrotzenden nichtstuer, die dem w. und seinen leistungsträgern die ganze schöne kohle wegnehmen, bevor sie die in die schweiz schaffen können - da ist tatsächlich eine besinnung auf altbewährte liberale traditionen vonnöten. und schneeschippen geht auch am besten mit dem spaten - auch das ein rückgriff auf zu unrecht vergessene traditionen.

*

und was meinen die leistungsträger dazu?
Investmentbanker: "Ihr strampelt, wir werden reich" - das sollte schliesslich auch die natürliche ordnung der dinge sein:

"Gerald Hörhan ist Investmentbanker und geht auf Heavy-Metal-Festivals. Er ist reich. Und er tut Dinge, „von denen ihr nur träumt“, sagt er. Mit „ihr“ meint er die Mittelschicht. Jene, die schuften, während die Reichen immer reicher werden, sagt Hörhan. „Es wird wenige geben, die viel haben. Und es wird immer mehr Menschen geben, die nichts haben.“

recht so. ausserdem lernen wir: das ist echter punk:

"Man muss ein intelligenter Punk sein. Punks hinterfragen das System, das ist gut. Sie ziehen aber die falschen Schlüsse. Für Anarchopunks sind Unternehmer, Vermieter und Politiker die Bösen. Ohne die gäbe es aber eine feudalistische Plutokratie. Intelligente Punks dagegen versuchen, sich mit kreativen Ideen von den Konventionen der Mittelschicht zu verabschieden. Ich nenne sie Investmentpunks."

investmentpunks - ist
lloyd blankfein am ende gar nur der sid vicious der wall street?

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aber das mutterland des punks ist natürlich immer noch großbritannien, und da ist aktuell gerade eine variante des
politpunks schwer angesagt - und die heisseste location liegt in der downing street:

(...) "Downing Street hat die "bösartigen Unterstellungen" zwar zurückgewiesen, aber Rawnsley, der 500 Zeugen befragt haben will, verteidigt seine Quellen als "24-karätig". Einer dieser Informanten ist der mächtigste Mann der britischen Ministerialbürokratie: Sir Gus O'Donnell - als Kabinettssekretär der Chef aller Regierungsbeamten -, sah sich angesichts zunehmender Beschwerden und Klagen von Mitarbeitern über den pöbelnden Premier gezwungen, Brown zur Rede zu stellen: "So kann man das nicht machen", will er ihn ermahnt haben.

Wie Brown es freilich machte, dafür liefert das Buch zahlreiche Beispiele: Eine Sekretärin kippte er kurz entschlossen aus ihrem Stuhl, weil sie ihm zu langsam war, statt ihrer übernahm er selbst den Platz am Computer. Seinen stellvertretenden Stabschef packte er, so Rawnsley, am Anzugrevers und schrie ihm ins Gesicht: "Die sind alle hinter mir her." Als er europäische Botschafter treffen sollte, brannte ihm die Sicherung durch: "Warum zwingt ihr mich, diese Scheißer zu empfangen?"

Immerhin behandelt Brown jedermann gleichermaßen grob: Telefonistinnen ebenso wie seinen Schatzkanzler. Letzteren putzte er herunter, als der 2008 die aufziehende Rezession als schlimmste Wirtschaftskrise seit 60 Jahren angekündigt hatte. "In sechs Monaten" sei alles ausgestanden, brüllte Brown Alistair Darling an." (...)


das ist wahrhaft groß - ein interessantes gemisch aus narzissmus, rücksichtslosigkeit,
paranoia und überhaupt absolutem durchballern. das sind die heute gefragtesten eigenschaften für die wirklichen spitzenpositionen. (zurisikenundnebenwirkungenfragenSieIhrenpsychiaterodertherapeuten.)

*

im vatikan sitzt ein seltsam kostümierter mann - womöglich auch eine art punk - auf einem stuhl und hebt seinen zeigefinger -
Benedikt: Klerus in Irland hat versagt - hm...

"Papst Benedikt XVI. hat den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen als „abscheuliches Verbrechen“ und schwere Sünde bezeichnet. Angesichts des tausendfachen Missbrauchs in irischen Kircheneinrichtungen warf der Papst dem Klerus des Landes Versagen vor und forderte die Bischöfe zu einem mutigen und ehrlichen Umgang mit dem Skandal auf."

...
hmmm...:

""2003 berichtete der Observer von einem vertraulichen Dokument, das vierzig Jahre zuvor mit dem Siegel von Papst Johannes XXIII an alle katholischen Bischöfe weltweit gesandt wurde (...).

2005 legte das amerikanische Polit-Blog Daily Kos nach. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger, heute besser bekannt als Benedikt XVI, hatte 2001 in einem weiteren Rundschreiben ausdrücklich die Weitergeltung des päpstlichen Dokuments von 1962 bestätigt.

Für den Fall, dass die Opfer des Missbrauchs sich an kirchliche Stellen wenden, sollen auch sie einen Eid schwören, dass sie Stillschweigen bewahren werden." (...)


naja, der mann ist schließlich schon alt - da kann man schon mal einiges von dem vergessen, was einem in langen berufsjahren so alles an papier vorgelegt wurde - oder?

*

verweilen wir noch einen moment in bella italia, wo wir jetzt lernen können, dass es nicht nur investmentpunks, sondern auch
oppositionsbanken gibt:

"Nicht hundert, sondern 35 Mrd. Euro sind nach der Steueramnestie 2009 ("scudo fiscale" ) nach Italien zurückgekehrt. Die Zentralbank Banca d'Italia hat Regierungsdaten von 95 Mrd. Euro zurückgekehrten Kapitals widerlegt, was ihr prompt den Vorwurf einbrachte, sie spiele sich als Oppositionsbank auf, wie der Minister für "Vereinfachung der Bürokratie" , Roberto Calderoli (Lega Nord), wetterte.

Der "scudo fiscale" habe zur Reinwaschung von Mafia-Geld gedient, sagt Oppositionspolitiker Elio Lannutti. (...)


die ehrenwerte italienische regierung hat´s aber auch wirklich schwer - alle sind hinter ihr her und wollen ihr böses tun - erst waren´s richter und staatsanwälte, die dem duce berlusconi ans leder wollten, jetzt ist´s die zentralbank - womöglich stecken auch da überall fiese geistige sozialisten hinter?

*

in innovativen europäischen wettbewerb um neue begriffe und eine neue definiton des alten sponti-mottos "legal-illegal-scheissegal" möchte auch die nordrhein-westfälische cdu nicht abseits stehen und steuert das wohlklingende wort
partnerpaket bei:

"Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat versucht, vertrauliche Gespräche mit ihrem Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und seinen MinisterInnen an zahlungskräftige Sponsoren zu verkaufen. Für den CDU-Landesparteitag am 20. März hat die Parteizentrale in Düsseldorf Unternehmern in Werbebriefen sogenannte Partnerpakete angeboten, in denen auch "Einzelgespräche mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen" versprochen wurden.

20.000 Euro sollte ein solches "Partnerpaket" kosten. Ein 15 Quadratmeter großer Ausstellungstand ist beim CDU-Parteitag dagegen schon für 14.000 Euro zu haben - allerdings ohne persönliche Unterredung mit dem Regierungschef. Geboten werden dann nur noch ein "Fototermin und Rundgang mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen". (...)


lumpige 6000 euronen für ein gespräch mit einem echten politischen leistungsträger - ich bitte Sie! wer wird sich denn wg. solcher peanuts aufregen? richtig: die geistigen sozialisten wollen auch hier unseren geliebten führern frei gewählten regierenden nur aus neid an die wäsche gehen:

(...) "Die Opposition hält Rüttgers dennoch für käuflich. SPD-Generalsekretär Michael Groschek warf der CDU vor, "sich den Staat zur Beute" zu machen. Der Bundesvize der Linkspartei, Klaus Ernst, hält das CDU-Angebot für "beschämend" und sprach von einer "illegalen Parteispende". Die grüne Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger fragte ironisch, ob die Christdemokraten, wenn schon "nicht käuflich, so doch zumindest mietbar" seien. Und der Chef der SPD-Landesgruppe im Bundestag, Axel Schäfer, rückte Rüttgers gar in die Nähe des Rotlichtgewerbes: "Wenn sich jemand auf Zeit einer nicht bestimmten Zahl von Menschen gegen Geld anbietet, nennt man das im alltäglichen Sprachgebrauch Prostitution", sagte Schäfer der taz." (...)

ach, pappelapapp. das waren schliesslich nur mindere diener - zu hartz-IV mit tem purschen!

"Doch hinter den Kulissen muss Rüttgers Generalsekretär Wüst um seinen Job bangen. Die Spekulationen sind nicht die erste peinliche Panne, für die der erst 34-Jährige die Verantwortung trägt. Im vergangenen Jahr musste die CDU einräumen, dass die permanente Beobachtung der SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft nicht aus der Parteizentrale in der Düsseldorfer Wasserstraße, sondern mit Steuergeldern direkt aus Rüttgers Staatskanzlei gesteuert wurde.

Im Dezember musste Wüst dann zugeben, unrechtmäßig Zuschüsse des Landtags zu seiner eigenen privaten Krankenversicherung kassiert zu haben. Jetzt lässt die Wut seines Regierungschefs Wüst devot werden: "Ich bedauere ausdrücklich, dass ein falscher Eindruck entstanden ist, und entschuldige mich insbesondere bei dem Vorsitzenden der CDU Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers", lässt er seine Pressestelle mitteilen. (...)


auch das ist eine alte schöne tradition - nämlich die der bauernopfer. schach ist ein schönes spiel, besonders dann, wenn man es mit lebenden figuren spielen kann.

*

apropos schach: wird zeit, die ganzen könige auf dem brett endgültig matt zu setzen.
maiko (Gast) - 23. Feb, 02:11

manchmal können sogar bauern den könig matt setzen, das mag ich am schachspielen

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