notiz: und nochmal - auf den müllhaufen der geschichte, aber subito !

"Darunter steht auf dem Regal ein Foto des Teenagers Barry in Uniform. Dem 18-jährigen Katholiken mit irischen und mexikanischen Wurzeln, der auszog, gegen das "Böse" zu kämpfen. "Schon auf der katholischen Highschool haben sie uns eingetrichtert: Kämpft gegen die Kommunisten, schützt die vielen Glaubensbrüder in Vietnam", sagt Barry Romo. Er meldet sich freiwillig."

("Nachts, wenn die Toten zurückkommen")

"Und auch über das Töten? Auch das wird immer häufiger Alltag eines deutschen Soldaten. Was sagen Sie als Geistlicher dazu, wo doch das biblische Gebot das Töten verbietet?

"Als Militärgeistlicher unterstütze ich ja nicht das Töten. Ich bin für die Menschen da, und die Soldaten der Bundeswehr sind keine Killermaschinen, sondern Menschen, die bei der Erfüllung ihres Auftrags in Gewissensnöte kommen können. Viele fragen sich, wie es ist, wenn sie schießen müssen. Was, wenn sie dabei töten? Damit setzen sie sich auseinander - und beantworten die Frage für sich so, dass sie es jedenfalls theoretisch mit ihrem Gewissen vereinbaren können."


(aus einem interview mit einem katholischen militärpfarrer bei der bundeswehr in afghanistan)

*

es ist ja nicht so, dass speziell die katholische kirche "nur" wegen ihrer besonders gegen kinder gewaltaffinen institutionellen struktur in die tonne gehört, obgleich das alleine schon völlig ausreichen würde - nein, auch was das sog. kriegshandwerk, das
segnen der waffen, die bereitstellung pseudomoralischer korsette (wie oben im zitat) für zweifelnde sowie die ideologische unterfütterung von kriegen und diktaturen ("für gott, kaiser und vaterland") im allgemeinen betrifft, hat die katholische sekte derart viel historisches unheil angerichtet, das sie längst - wenn´s das denn gäbe - ein wahrhaftiges gottesgericht mit blitz, donner und sintflut mehr als verdient hätte. da solche fiktionalen gebilde wie götter den vorteil haben, dass man sie bei bedarf wie das kaninchen aus dem zaubererhut hervorziehen kann, und dieser trick auch bei allen großen und kleinen sekten weltweit sozusagen zum fundamentalen handwerkszeug gehört, lässt sich gegen derlei treiben bis auf weiteres u.a. nur die methode einsetzen, ihnen den jeweils sichtbaren dreck solange unter die nase zu reiben, bis der gestank schier unerträglich wird - und das gilt von "scientology" bis hin zum vatikan.

*


perfide und infam hatte ich letzteren schon genannt - und was in den paar tagen seit diesem letzten beitrag alles folgte, unterstreicht dieses urteil auf eine art und weise, die neben wuterzeugend schon regelrecht ekelerregend ist. einen klopper nach dem anderen hauten die kostümierten mumien heraus, gefolgt von an den haaren herbeigezogenen ausreden, lächerlichen dementis, abstrusen rechtfertigungsversuchen und ständigen belegen einer wachsenden paranoia. und nein, ich habe gerade keine lust mehr, mich hier noch so nüchtern auszudrücken wie das die "frankfurter rundschau" in einem kommentar tut:

(...) "Vom Propaganda-Vorwurf an die Kritiker ("Geschwätz des Augenblicks") über die Solidaritätsadresse an den Papst bis hin zum Antisemitismusvergleich hatte Rom alles zu bieten, was zu einem ordentlichen PR-Desaster gehört." (...)

ja, als "pr-desaster" lässt sich das alles auch begreifen, und für den konzern "katholische kirche", der ja als hauptprodukte "seelenheil" und "moral" unters volk bringen will, ist das derzeitige geschehen aus einer sozusagen betriebsökonomischen sicht ein ähnliches debakel wie durchdrehende gaspedale für einen autokonzern. aber dieser blickwinkel ist zu beschränkt - darum jetzt noch mal die widerlichkeiten des wochenendes der reihe nach.

*

die rede des "persönlichen predigers" von ratzinger, cantalamessa, hatte ich ja schon im letzten beitrag kommentiert. nachdem die internationale kritik immer heftiger wurde, hat der vatikan das ganze als "nicht repräsentative einzelmeinung" und
bedauerliches missverständnis versucht zu dementieren:

(...) "Indes bemüht sich der offizielle Vatikan um Schadensbegrenzung. "Ich dementiere auf die strikteste Weise, dass dies ein vom Vatikan angeregter Vergleich zwischen dem Antisemitismus und der derzeitigen Situation die Pädophilie betreffend wäre", erklärte Lombardi. Das Zitat habe allein ein "Zeugnis der Solidarität" von einem Juden sein wollen. Dies habe absolut kein Angriff auf die jüdische Welt sein sollen und sei auch "kein passender Vergleich", so der Vatikansprecher." (...)

auch cantalamessa versuchte sich selbst mit der sinngemässen aussage zu dementieren, dass er ja nur "einen solidarischen brief eines jüdischen freundes" zitiert hätte (den er übrigens nicht nennen will; und seltsam genug: wenn denn dieser angebliche freund tatsächlich so solidarisch ist, warum spricht er dann nicht selbst?); ratzinger hätte von der predigt "nichts gewusst" (und hat sie sich kommentar- und auch sonst ziemlich regungslos angehört) und überhaupt hätte er das "natürlich" alles gar nicht so gemeint (wie´s sowohl bei großen organisationen von überlebenden der innerkirchlichen gewalt in den usa als auch bei vielen jüdischen gruppen / organisationen angekommen ist). festzuhalten bleibt für mich zweierlei: die besondere perfidität, die darin liegt, dass, was man sich selbst nicht auszusprechen traut, dann einen - womöglich (!) noch imaginären - , scheinbar "neutralen" dritten sagen zu lassen. und eben auch die durchschimmernde feigheit der ganzen funktionäre, die im gleichen moment als sie merkten, was ihre institution da für einen rohrkrepierer produziert hat, versuchten, alles kleinzureden bzw. zurückzunehmen. hat glücklicherweise nach meinem eindruck nicht ganz so funktioniert, wie es sich die kostümierten vielleicht vorgestellt haben.

*

letzteres lag zu einem nicht geringen teil auch an dem, was kurze zeit später ein weiterer funktionär meinte von sich geben zu müssen - sodano heisst er, und ist jetzt für folgende
unverschämtheit bekannt:

(...) "Umso ungewöhnlicher war es, dass einer der einflussreichsten Kardinäle in Rom, der Dekan des Kardinalskollegiums, zu Beginn der Messe das Wort ergriff und den Papst der rückhaltlosen Unterstützung versicherte. Vom "unbedeutenden Geschwätz dieser Tage" würden sich die Gläubigen nicht beeinflussen lassen, sagte Kardinal Angelo Sodano. "Die Kirche ist mit dir", versicherte der 82-Jährige dem Papst - und das gelte nicht nur für Kardinäle und Bischöfe auf aller Welt, sondern vor allem für die 400.000 Priester, die im Dienst der Kirche stünden. Der Papst sei "der makellose Fels der heiligen Kirche Christi". (...)

das "unbedeutende geschwätz dieser tage" sieht zb. so aus -
"Ich verwalte meinen Körper nur noch" - oder auch so: Scham fressen Seele auf. vom ozean der "stinknormalen" prügel, demütigungen und ängste innerhalb (ja, nicht nur!) kirchlicher institutionen gar nicht zu reden. sodano hat immerhin klartext geredet und überdeutlich gemacht, was von den vielen rhetorischen schuld- und reuebekenntnissen seitens der sekte in der letzten zeit wirklich zu halten ist (ich finde es übrigens keinen zufall, dass es sehr ähnlich auch besonders im herbst und winter 2008 von einer anderen, ebenso nutzlosen, überflüssigen und destruktiven gesellschaftlichen gruppe zu hören war: die bankster und ihr gesinde in der sog. "politik" wimmerten und jammerten ähnlich "voller reue" herum, bevor sie dann im großen und ganzen kollektiv den beweis dafür antraten, dass es schuld- und reuebekenntnisse von leuten eines solchen kriminellen kalibers kostenlos für alle - und besonders für sie selbst - im grabbeltisch am ausgang gibt - quasi zur allgemeinen sedierung).

*

und nicht nur vor dem hintergrund des obigen werden auch die am wochenende gefallenen salbungsvollen erklärungen und versprechungen verschiedener hiesiger kirchenfunktionäre - "bischöfe" - zurechtgerückt (innerhalb der hierarchischen kirchenlogik und -struktur müssten sie sich, wenn sie es denn ernst meinen würden, ebenso ernsthaft mit ihrem obersten "weltlichen" chef und seinem apparat anlegen - dafür gibt es nicht das geringste anzeichen) - nein, auch die unterstützung dieser leute für den notorischen mixa widerlegt ihre frommen wünsche auf das allerdeutlichste. die fragen am ende dieses
beitrags stellen sich nach den jüngsten äusserungen mixas nochmals verschärft:

(...) "Mixa kann sich indes nach eigenen Angaben nicht an die Personen erinnern, die ihm Misshandlungen vorwerfen. Zugleich erneuerte der Bischof sein Angebot, mit ihnen zu sprechen.

Mixa sagte der "Welt am Sonntag": "Diese Leute können sich doch gar nicht mehr an mich erinnern." Angesprochen auf die aktuellen, in Zeitungen veröffentlichten Fotos der Personen fügte er hinzu: "Ich erinnere mich auch nicht mehr an sie."

Er wolle sich weiterhin "gerne mit den Betroffenen zu persönlichen Gesprächen treffen, um zu erfahren, was ihnen widerfahren ist", sagte er der "Bild am Sonntag". Er werde für sie beten, denn für ihn als Seelsorger seien sie Opfer, denen offenbar Unrecht geschehen sei." (...)


also doch eine (praktische) amnesie? ein durchaus beliebtes mittel bei angehörigen von "eliten" jedenfalls; oft genug schon bewährt bei kriegsverbrechen, waffengeschäften, korruptionsfällen und parteispenden - "ich bin klein, mein herz ist rein, mein hirn ist leer und meine geldbörse schwer" - mixa würde sich damit bei einer ganzen armee sehr illustrer gestalten einreihen, die plötzlich und unerwartet einfach ihre erinnerung "verloren" haben - bevorzugt vor irgendwelchen untersuchungsauschüssen, oder aber ganz generell in der öffentlichkeit.

schier unerträglich ist jedenfalls weiterhin seine herablassende attitüde gegenüber seinen opfern - perfide und infam sind auch hier angemessene worte. wäre ich selbst betroffen, würde ich ihm seine gebete persönlich vor die füße spucken.

mir kommt es übrigens nach ansicht des fr-artikels so vor, als hätten in der zwischenzeit neben den zehn in meinem damaligen beitrag schon genannten betroffenen jetzt weitere ihren mut zusammengenommen - schilderungen ähnlich den folgenden sind zumindest für mich neu:

(...) "Derweil berichtete ein 40-jähriger Mann aus dem Rosenheimer Raum, der von Mixa in der Grundschule unterrichtet worden war, dem in Ingolstadt erscheinenden "Donaukurier" (Samstagausgabe) über Misshandlungen durch den heutigen Bischof. "Mixa war nicht nett, er hat uns an den Haaren und den Ohren gezogen", wird der Mann zitiert. Er sei ganz anders gewesen, als der Augsburger Bischof sich in den Medien darstelle, behauptete der Mann. Es sei Zeit, dass die Dinge ans Licht kämen.

Ein weiterer, in Innsbruck lebender Mann sagte dem Blatt, von Mixa geschlagen worden zu sein, weil er aus dem Heim abgehauen gewesen sei. Als die Polizei ihn zurückgebracht habe, habe er sich "vom damaligen Stadtpfarrer Mixa" wortlos eine gefangen. Eine Frau aus Weilach behauptete, Mixa habe sie im Firmunterricht geschlagen, danach habe sie ihm die Hand küssen müssen." (...)


aber klar, alles "lügen", "unbedeutendes geschwätz" von bösen menschen, die der heiligen kirche und ihren heiligen kostümträgern aus zielichtigen gründen ans bein pissen wollen. natürlich kommen dafür dann auch prompt entprechende
gemeindeschafe als zeugen zum vorschein:

(...) "Gewalttätige Übergriffe des damaligen katholischen Stadtpfarrers von Schrobenhausen hätten sie niemals miterlebt, schreiben knapp 20 Bürger, die damals Ministranten waren oder sich als Jugendliche in der Pfarrei St. Jakob engagierten, in einem Offenen Brief. Sie können sich auch nicht vorstellen, dass Mixa zu solchen Übergriffen fähig gewesen wäre." (...)

die können sich offensichtlich so einiges nicht vorstellen - mit etlicher wahrscheinlichkeit deshalb, weil sonst ihre scheinheilige idylle zusammenbrechen würde. ich glaube mixa nach wie vor kein einziges wort.

*

um die dimensionen des ganzen widerwärtigen schauspiels, welches die katholische sekte gerade bietet, einigermaßen zu komplettieren, sei hier noch kurz auf zwei interessante artikel hingewiesen: einmal die zeit mit der aufschlußreichen und detaillierten darstellung der mittel, methoden und handelnden personen in einem deutlichen fall von vertuschung in den usa -
Geheimprotokoll belastet wichtigsten Mitarbeiter des Papstes; zum anderen spon mit einem einblick in die derzeitige situation in mittel- und südamerika:

(...) "In der Kathedrale von Mexico City begann die Karwoche mit einem Eklat: Die Oppositionspolitikerin Julia Klug legte vor dem Gotteshaus ein Tuch aus, auf dem Parolen gegen Kardinal Norberto Rivera und den Papst prangten: "Benedikt und Norberto Rivera schützen Vergewaltiger! Was sind das nur für Gottesvertreter?", war auf dem Banner zu lesen. (...)

Mexiko fühlt sich besonders betroffen: Marcial Maciel Degollado, der vor zwei Jahren verstorbene mexikanische Gründervater des einflussreichen Ordens Legionäre Christi, aus dem sich eine große Zahl des Priesternachwuchses rekrutiert und der im Vatikan längst glänzend vernetzt ist, verging sich jahrzehntelang an Jungen und Mädchen, mehr als 70 angebliche Missbrauchsopfer haben sich gemeldet.

Als Kardinal und Chef der Glaubenskonkregation leitete Joseph Ratzinger im Jahr 1997 eine Untersuchungskommission im Vatikan, die alle Vorwürfe gegen Maciel aufklären sollte. Maciel, der eine "Einladung" der Kongregation nach Rom erhalten hatte, erschien nicht - aufgrund seiner schlechten Gesundheit wurde das Verfahren eingestellt. Er wurde jedoch in ein Kloster verbannt. Die Legionäre Christi hielten es inzwischen für geboten, sich offiziell und "zutiefst erschüttert" von ihrem Gründer Maciel - der übrigens mindestens drei Kinder zeugte - loszusagen." (...)


auch interessant - und beunruhigend - ist die darstellung der evangelikalen fundamentalistischen sekten, die in das vakuum drängen, welches die katholen zunehmend produzieren. pest oder cholera ist in keinem fall, egal in was für bereichen, eine akzeptable wahl.

*

soweit die mir nötig erscheinenden nachträge speziell zur kk. ein kleiner, aber durch ein paar eigenarten besonders widerlicher ausschnitt aus dem ganzen bild der gewalt gegen kinder und jugendliche, welches in diesem
kommentar umrissen ist. und das wird hier weiterhin thema bleiben.

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