notiz: von new york nach athen

ich schaffe es momentan nicht, eine neue folge der krisennews zu schreiben, aber natürlich passieren gerade im bereich widerstand immer wieder genügend aktionen in verschiedensten ländern, die hierzulande im mainstream nicht oder nur verzerrt dargestellt werden - und die ich deshalb immer wieder versucht habe, in den news zu dokumentieren. dann also diesmal ausserhalb - besser als gar nicht.

*

eine größere aktion - demonstration plus eher symbolischer bankenstürmung - ist am vergangenen donnerstag in der
wall street gelaufen:

(...) "Es ist der größte Massenprotest gegen die Wall Street seit dem "Bailout" vor zwei Jahren, als die US-Regierung die Finanzbranche mit 700 Milliarden Dollar vor dem Kollaps rettete. Die Polizei schätzt die Zahl der Demonstranten im Finanzdistrikt auf 7500. Die Veranstalter, allen voran der US-Gewerkschaftsverband AFL-CIO, sprechen von 15.000. (...)

Es sind Gewerkschafter, Lehrer, Bauarbeiter, Angestellte, verschuldete Hausbesitzer, Bankkunden, Arbeitslose, Geistliche, Gemeindeführer. Ein paar hundert haben es sogar geschafft, kurz die gläsernen Eingangshallen von JP Morgan Chase und Wells Fargo in Midtown zu stürmen, mit geballten Fäusten, bevor die Polizei sie friedlich abführte." (...)


letzteres ist thema dieses kurzen videos:



wenn ich mich so an die berichte erinnere, die mir seit herbst 2008 aus den usa vor augen gekommen sind, dann gehört diese demo schon zu den auffälligeren, sowohl was beteiligung als auch zusammensetzung anbelangt. ich habe zu wenig einblick in die (potenzielle) linke oder auch linksliberale opposition dort und die sich teils doch sehr von europa unterscheidenden bedingungen und eigenarten. auch per indymedia nyc oder andere einschlägige seiten war nichts wirklich aufschlussreiches zu erfahren. wer diesbezgl. also mehr infos hat, möge die bitte per kommentar teilen - würde mich freuen.

*

fast täglich geht der blick gen griechenland, wo es immer wieder zu solchen
szenen wie ebenfalls am donnerstag kommt:

(...) "Während ihrer Proteste gegen die Sparmaßnahmen der Regierung haben Hunderte Lehrer versucht, das Finanzministerium in Athen zu erstürmen. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, vereinzelt habe es auch Rangeleien gegeben, sagte ein Sprecher der Behörden. Verletzt wurde jedoch niemand. Vor dem Parlamentsgebäude warfen etwa 50 Vermummte Steine auf Polizisten, die ihrerseits mit Schlagstöcken gegen die Randalierer vorgingen." (...)

"kleine scharmützel", würden militärfreaks jetzt vermutlich sagen. bemerkenswert aber die durchaus wahrnehmbaren ansätze zur militanz selbst bei berufsgruppen, von denen hierzulande wohl kaum ein mitglied auf ähnliche ideen kommen würde.

aber die reaktion großer bevölkerungsteile wird bei der jetzt unter iwf- und eu-regie anstehenden finanziellen brachialamputation eben dieser bevölkerung eine sehr wichtige und große rolle mit bedeutung weit über griechenland hinaus spielen - verweigern sich nämlich relevante mengen den geplanten "spar"- ( bzw. umverteilungs-) programmen hauptsächlich zugunsten diverser banken, dann wird es zukunftsweisend sein, wie die "eliten" mit so einer verweigerung umgehen werden - die zeit der militärdiktaturen in europa ist ja bspw. eigentlich vorbei, obwohl sich manch einer der antisozialen organisierten kriminalität solche repressiven gebilde zurückwünschen dürfte, lassen sich doch gerade in deren friedhofsruhe ungestört kapitalistische exzesse organisieren und umsetzen.

bereits heute wird sich aber aller wahrscheinlichkeit nach schon abzeichnen, wie zugespitzt die situation nun real tatsächlich ist - der
erste mai könnte diesbezgl. ein sehr symbolträchtiges datum sein:

(...) "Im ganzen Land finden wieder die traditionell eher friedlichen Mai-Demonstrationen statt. Aber in diesem Jahr erhalten sie vor dem Hintergrund der härtesten Sparmaßnahmen seit dem 2. Weltkrieg eine besondere Dringlichkeit, da Premier Papandreu am Sonntag die Einzelheiten der Kürzungen öffentlich verkünden wird. (...)

Der Blog
"teacher dude" eines in Thessaloniki lebenden "Citizen-Journalist" und Englisch-Lehrers, wagt eine Vorhersage für den 1. Mai. Der Blog gilt seit dem Beginn der Krise als einer der bestinformierten Europas.

"Teacher Dude" misst der Verkündung der Details der Sparmaßnahmen an einem Sonntag eine besondere, nicht zufällige Bedeutung zu, die ihre einschneidende Bedeutung für die Bevölkerung betonen soll.

Dann kommt der blog zu einer Einschätzung des 1. Mai.

Normalerweise seien die Maikundgebungen im Land eher friedlich und durch einen rituellen Charakter als durch einen leidenschaftlichen revolutionären Antrieb gekennzeichnet. Der 1. Mai sei auch für Linke nur ein sekularer Feiertag.

Der morgige Tag verspreche allerdings anders zu werden. Der Ärger über die in den nächsten Jahren zu erwartenden Lohnkürzungen und Absenkungen des Lebensstandards werde sich höchst wahrscheinlich sein Ventil suchen.

Gewerkschaften, Arbeiter des öffentlichen Dienstes, die Opppostition und der ganz normale Bürger werden auf die Straße gehen, wütend wegen der ausweglosen Lage, in die sie die PASOK-Regierung gebracht hat.

In dem die Regierung den Sicherheitskräften bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung freien Lauf lasse, trage sie dazu bei die explosiven Mischung zu verstärken, die durch die augenfällige Wut der Menschen entstanden ist.

Im vollen Bewußtsein dass die Augen der Finanzwelt auf Griechenland gerichtet sind, versuche die Papandreu-Regierung alles in ihrer Macht mögliche um eine Wiederholung des Dezember 2008 zu verhindern.

Auf der anderen Seite sei die Riot Police (MAT) dafür bekannt, dass ihre Einsatztaktik am 1. Mai genau die Bilder produzieren werde, die Papandreu so verzweifelt verhindern will."


vor diesem hintergrund schreibt der
lesende arbeiter auf indy sehr berechtigt:

(...) "Auffallend ruhig bleibt es dagegen auf der linken Seite. Wo hat man bisher von Solidaritätskundgebungen für die streikenden griechischen Lohnabhängigen in Deutschland gelesen? Dabei hat die griechische Linke Solidarität aus anderen europäischen Ländern erbeten: So schrieb der Vorsitzende der griechischen Partei »Koalition der Linken, Bewegungen und der Ökologie«, Synaspismos (SYN), Alexis Tsipras, vor einen Tagen in einen Brief an den Vorsitzenden der Europäischen Linken (EL), Lothar Bisky, und an die Vorsitzenden der in der EL zusammengeschlossenen Parteien:

"Wir fordern euch auf, den Mitgliedern eurer Parteien, der Arbeiterklasse und den Menschen eurer Länder nicht nur Solidaritätsbotschaften mit der griechischen Bevölkerung zu übermitteln, sondern auch Botschaften der Mitwirkung für eine Koordinierung in der Praxis, damit sich in ganz Europa Kämpfe gegen den Angriff entwickeln, dem heute unsere Bevölkerung und morgen alle Menschen Europas ausgesetzt sind. Lasst uns alle zusammen Widerstand leisten! Lasst uns alle zusammen Europa verändern und in ein Europa des Friedens, der Demokratie und der Gerechtigkeit verwandeln! Es ist an der Zeit."

Der 1.Mai, der immerhin einmal als internationaler Arbeiterkampftag entstanden ist, wäre eine gute Gelegenheit, um diese Bitte praktisch zu beantworten. Dabei braucht man gerade in Deutschland nicht bei moralischen Solidaritätsappellen stehen bleiben. Kundgebungen vor den Zeitungen, die sich mit der Hetze gegen Griechenland besonders hervorgetan haben, könnten ein Signal an die griechische Bevölkerung sein, dass es in Deutschland Menschen gibt, die sich davon nicht anstecken lassen. Es gäbe auch genügend weitere konkrete Anknüpfungspunkte für diese Solidarität. So weigert sich die deutsche Regierung noch immer, Reparationen für die Verbrechen während der NS-Besetzung des Landes zu zahlen. Die geschuldete Summe beläuft sich auf mehr als 50 Milliarden Euro. Andererseits geht mittlerweile 13 % des deutschen Rüstungsexports nach Griechenland. Auch hier böte sich eine Möglichkeit an, Solidarität mit der griechischen Bevölkerung zu zeigen." (...)


da sind durchaus ein paar bedenkenswerte ansätze dabei, finde ich.
monoma - 3. Mai, 20:02

situation in griechenland


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