notiz: das komische zeug namens geld...

...bzw. dessen ärgerliche rolle in dieser seltsamen gesellschaft sorgt dafür, dass ich die nächste woche(n) größtenteils nicht in diesem virtuellen raum hier anwesend sein werde.

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für diese zeit ein kurz-update zu diversen themen bzw. kurze hinweise auf netzfundstücke:

eine neue studie bringt thesen zum verhältnis zwischen autismus und empathie auf den tisch, die ich in einem eigenen beitrag kommentieren möchte. sie widersprechen diversen ansichten, die ich hier im blog an verschiedenen stellen präsentiert habe, und verdienen eine eingehende beschäftigung - es geht um etwas ziemlich entscheidendes:

(...)"Psychologen schreiben vermehrt über Gemeinsamkeiten zwischen Autisten und Psychopathen, die sie angeblich gefunden haben. J. Arturo Silva konstatiert „eine Assoziation zwischen der Psychopathologie des autistischen Spektrums und dem Verhalten von Serienmördern“. Pierre Flor-Henry schreibt: „Asperger-Syndrom und Psychopathie … teilen sich einige Charakteristika, insbesondere die völlige Abwesenheit jeglicher menschlicher Empathie.“(...)

„Die längste Zeit wurde Autismus als Empathiestörung bezeichnet – in ebenso fälschlicher wie unverantwortlicher Weise“, kritisieren die New Yorker. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, Autisten den Platz im empathischen Spektrum zu geben, den sie verdienen.“ Der ist jedenfalls nicht auf der Seite von Psychopathen. Denn diese besitzen in der Regel eine sehr gute soziale Wahrnehmung. Zu erfassen, was in anderen vor sich geht, bereitet ihnen keinerlei Probleme. Charakteristisch ist vielmehr, dass sie diese Fähigkeit einsetzen, um ihre Opfer zu manipulieren. Psychopathen fehlt die affektive Empathie, sie empfinden also tatsächlich kein Mitleid.

Beim Asperger-Syndrom verhält es sich andersherum, wie die Wissenschaftler jetzt erstmals zeigten."(...)


eine diskussion über diese aussagen könnte sehr aufschlußreich werden. interessanterweise sorgte aber im newsbereich der letzten wochen zum autismus etwas anderes für relativ großes mediales aufsehen - stellvertretend sei hier auf diese meldung Ältere Väter haben häufiger autistische Kinder verwiesen. auch das ist eine these, welche der näheren betrachtung bedarf.

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die nutzung der hauptstadt der elfenbeinküste als deponie für europäischen giftmüll sorgt inzwischen - neben weiteren toten und immer mehr verletzten - für eine schwere innenpolitische krise des landes. und wirft etliche fragen zur verantwortung europäischer behörden auf. mal davon abgesehen, dass es sich hier auch um ein symptom des alten und quasi traditionellen europäischen rassismus handeln könnte:

(...)"Zunächst zählt eine einzige Frage, und da ist die Antwort eindeutig. Hier in Europa wusste jemand sehr genau, dass der Giftmüll seinen Weg nach Afrika finden würde, und das ist nach europäischem Recht strafbar. Ob sie die Behörden vor Ort korrumpierten, ignorierten oder täuschten, ist in Europa zweitrangig, wenngleich für die Klärung der Vorfälle in der Elfenbeinküste selbst von höchster Bedeutung. Auf europäischer Ebene geht es um die Ausfuhr von Giftmüll von Europa nach Afrika. Dies geschieht häufiger als vermutet. Nur weil diesmal die Millionenstadt Abidjan betroffen war und nicht ein fernes Savannengebiet, dessen Bewohner sich kein Gehör verschaffen können, wurde daraus diesmal ein internationaler politischer Skandal.

Wer meint, die Antwort darauf liege allein im juristischen oder technischen Bereich, greift zu kurz. Der Kern des Problems liegt darin, dass es noch immer Europäer gibt, die sich auf dem südlichen Nachbarkontinent wegen der Armut und der Schwäche der Institutionen dort Verhaltensweisen erlauben, die sie sich zu Hause nie trauen würden. Dies reicht von Ausbeutung von Angestellten bis zur Forderung nach Sonderbehandlung durch Behörden und der Erwartung, sich mit Geld alles kaufen zu können. Die Überheblichkeit des weißen Mannes, wenn er afrikanischen Boden betritt und dort endlich ungestraft sämtliche niederen Herrscherinstinkte ausleben darf, hinterlässt giftige Spuren auch dort, wo sie chemisch nicht nachweisbar sind. Das ist das eigentlich Beschämende an der Affäre von Abidjan.(...)"


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bisher kommen die flüchtlinge an den südlichen eu-außengrenzen hauptsächlich aus verschiedenen regionen afrikas - aktuell ist eine neue entwicklung festzuhalten, die einen kleinen eindruck davon geben kann, in welchen dimensionen sich die globalen flüchtlings- und migrationsbewegungen mittlerweile befinden:

(...)"Am Donnerstagabend hatte die spanische Küstenwache vor der Kanareninsel Teneriffa das Boot mit 216 überwiegend pakistanischen Flüchtlingen entdeckt

Wie die Regierung der Kanareninseln berichtet, wurden 18 gesundheitlich angeschlagene Migranten in den südlichen Hafen von Los Cristianos gebracht. Die übrigen 198 Flüchtlinge sollen am Freitagvormittag die Hauptstadt Teneriffas, Santa Cruz, erreichen. Unter ihnen befindet sich die senegalesische Bootsmannschaft.(...)

Nach Informationen der spanischen Tageszeitung El País ist die Mehrzahl der Flüchtlinge im westafrikanischen Guinea-Bissau an Bord gegangen, wo sie mehrere Wochen gewartet hatten."(...)


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bei telepolis gab es in den letzten tagen u.a. beiträge zu posttraumatischen störungen bei us-amerikanischen soldaten des vietnamkrieges; thematisch zusammenhängend damit weitere erkenntnisse der hirnforschung zur erinnerungsspeicherung von belastenden erfahrungen. dürfte beides für viele leserInnen hier zwar nicht unbedingt viel neues enthalten, eignet sich aber als einstieg in die traumathematik im weitesten sinne.

über die möglichen zusammenhänge zwischen dem dasein als sog. "vip" und (übersteigertem) narzissmus bzw. der diagnose einer entsprechenden persönlichkeitsstörung machen sich in den letzten jahren ja so einige leute ihre gedanken - dito dieser, imo leider etwas arg verkürzende tp-beitrag. und sozusagen ganz frisch kommt gerade noch ein artikel, der sich auf eine britische diskussion zur zukunft der kinder im 21. jahrhundert bezieht und ein paar interessante fragen aufwirft.

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fragen, die hier leider erstmal genausowenig ausformuliert werden können wie diejenigen, die das neue buch von sabine bode zum thema "german angst" spontan bei mir hervorgerufen hat - ich schätze ihr erstes buch zum thema der unterschätzen traumatischen folgen des zweiten weltkriegs als informativen überblick (siehe literaturliste); befürchte jedoch so einige fehlschlüsse nicht nur von ihr, was die - imo zweifellos vorhandenen - traumatischen strukturen und ihre auswirkungen in der aktuellen realität dieses landes betrifft. was ich meine, lässt sich bspw. hier nachlesen - wenn neoliberale irrläufer beginnen, sich an diesen und anderen themen bezgl. der individuellen und kollektiven psychophysischen zustände zwecks (ideologischer) instrumentalisierung zur rechtfertigung antisozialer "politik" zu bedienen, wird mir sehr schnell übel. mehr dann, wenn ich das buch von bode selbst gelesen habe - ich hege bezgl der bisherigen öffentlichen aufnahme einen bestimmten verdacht, den ich erstmal überprüfen möchte.

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ausblick: ich möchte die nächsten wochen und monate dafür nutzen, endlich die längst überfälligen schwerpunkte trauma und dissoziation in basisbeiträgen zu bearbeiten. dafür kann ich zwar einige frühere texte von mir an anderer stelle nutzen, aber insgesamt sind diese themenbereiche - zu denen auch die vermutlich "politischte" aller psychiatrischen diagnosen überhaupt zählt, die posttraumatische belastungsstörung - derart komplex und weitreichend, dass sich die reihe dazu über etliche zeit erstrecken wird. wie üblich also die bitte um etwas geduld an Sie, falls die jeweiligen fortsetzungen auf sich warten lassen. beginnen wird das ganze nach bisheriger planung mit einem beitrag, der letztlich u.a. auch weiteres über die zusammenhänge zwischen religion und traumatischen gesellschaftlichen bedingungen enthalten wird, dargestellt anhand der biographie einer recht bekannten historischen persönlichkeit. lassen Sie sich überraschen.

ich werde übrigens auch von zeit zu zeit am index der notizen weiterbasteln und hoffe, dass dieses projekt in absehbarer zukunft soweit auf den letzten stand gebracht sein wird.
Wednesday - 16. Sep, 10:03

Hallo! :-) Wenn ich Beiträge wie den über Asperger und Empathie lese, denke ich an Kinder, die diese oder ähnliche Leiden hatten (haben) und für den Zustand, für und gegen den sie nichts können, endlos und grausam bestraft wurden.
Ganz zu schweigen vom Tod im Meer oder im Container, oder dem Wahnsinn der Religion. Das ist so scheußlich, daß sich mir die Haare aufstellen. Dieser Mechanismus wiederum ist ein Relikt aus tierischer Zeit; so mancher Pelzträger sträubt sein Fell, wenn ihm angst und bange wird, eine Geste, die der Hund bestens versteht, wenngleich er mit der Katze ansonsten arge Kommunikationsschwierigkeiten hat.

Leben ist Kommunikation; und menschliche Sprache stellt in der Kommunikation oft ein Hindernis dar. Das fällt mir dort auf, wo man sich nicht 'Blöße' gibt und sich aus gesellschaftlicher Konvention nicht berührt (zB spontan umarmt, um zu trösten), und daher hauptsächlich mit Worten hantiert und Mimik sowie Gesten unterdrückt; noch extremer ist das freilich in der rein schriftlichen Kommunikation. Was mich an gewisse amtliche Formbriefe erinnert, die den Empfänger in nackte Wut oder tiefe Depression versetzen können.

In meinem Job sitzen manchmal verzweifelte Menschen vor mir; bei ganz wenigen weiß ich, daß ich sie berühren darf, zB die Hand streicheln. Bei den anderen wird mir angst und bange: die Gestik reduziere ich unwillkürlich, die Mimik geht irgendwie baden. Das ist manchmal so anstrengend, daß ich mich frage, ob es nicht besser wäre, ein Psycho würde meinen Job machen. :-D

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