in eigener sache

Mittwoch, 26. September 2012

ein verschwundener kommentar...

...und seine möglichen hintergründe haben sich inzwischen erledigt; danke nochmal für die mail.

Sonntag, 1. Juli 2012

von halbzeiten und arbeitsgruppen

so, mit den heutigen fortsetzungen der gastbeiträge von j.e. mertz hätten wir bei diesem projekt die halbzeit erreicht. und nicht nur aus zeitgründen will ich das fazit meiner eigenen eindrücke zu diesen texten erst nach dem ende ziehen; die kapitel und vor allem die argumentation(en) bauen aufeinander auf, und deshalb ist es für mich naheliegend, so lange abzuwarten. ich lese aktuell die beiträge übrigens primär im kontext der aktuellen krise(n), und wie ich es damals in meiner einleitung zur reihe schon geschrieben hatte, stellen sie aus meiner sicht einen wesentlichen baustein zum tieferen verständnis der situation dar, in der wir uns allesamt befinden. einer situation, die von tag zu tag absurder, aber auch gefährlicher wird.

*

apropos krise: einige von Ihnen / euch lesen ja mehr oder weniger regelmässig
hier mit, und mittels der kleinen sammlung, die dort mittlerweile über monate entstanden ist, lässt sich tatsächlich ganz gut ein zwar unvollständiger, aber trotzdem realistischer eindruck der situation bekommen, die in vielen ecken des planeten jetzt herrscht - eine situation, die... siehe den ersten absatz.

und dabei focussieren wir uns dort bisher "nur" auf die ökonomischen verwerfungen und ihre spürbarsten (a-)sozialen folgen; die ganze komplexität der krisenkaskade innerhalb von ökonomie, ökologie, ressourcen und der sozialen menschlichen welt lässt sich dabei nur erahnen. aber neben der recherchearbeit für die infothreads laufen natürlich die letztlich relevanten aktivitäten in der realwelt ab, egal ob es sich dabei um - z.zt. meist kleinere - aktionen vor den örtlichen "jobcentern" handelt, oder aber um die arbeitsgruppen, die neben plenum und forum einen ganz zentralen teil der strukturen von echte demokratie jetzt! bilden, und zwar nicht nur in unserer stadt.

und bezgl. dieser arbeitsgruppen bin ich schon etwas erfreut darüber, dass ein projekt, welches ich fast von beginn an im kopf hatte, seit kurzem realität geworden ist - innerhalb der edj bremen existiert seit kurzem eine ag mit dem arbeitstitel "psychosoziale krise", und in all den - inzwischen - jahrzehnten, die ich selbst in diversen, selbst organisierten politischen "zusammenhängen" verbracht habe, ist das das erste mal in meinem erleben, dass eine explizit politisch agierende gruppe / bewegung dieses attribut in einem weiteren sinne begreift und auch mehr oder weniger versucht, daraus konsequenzen zu ziehen - ein resultat daraus ist jetzt diese ag.

an themen kristallisieren sich z.zt. die folgenden hinaus:
  • die psychosoziale situation von erwerbslosen / "hartz-IV"-betroffenen / leih- und zeitarbeitenden in der brd; u.a. geht es dabei um fragen bezgl. der weitverbreiteten apathie, des rückzugs und der isolation innerhalb dieser bevölkerungsgruppen
  • damit zusammenhängend werden wir beginnen, uns mit der deutschen geschichte speziell unter dem gesichtspunkt identifizierbarer kollektiver traumata zu beschäftigen
  • drogen: nicht im sinne der suchtfrage, sondern eher geht´s um die funktion von drogen als "schmiermittel" für die herrschenden innersystemischen funktionen, die ohne aufputscher, antidepressiva und "verdränger" (zentral: alkohol) für viele menschen nicht mehr erträglich wären. ein thema übrigens, welches im blog generell bisher zu kurz gekommen ist.
  • soziopathie: aufklärung und informationsvermittlung zu ihrer gesellschaftlichen bedeutung
insgesamt ist das bisher für mich persönlich eines der spannendsten projekt innerhalb der edj; und da das natürlich auch zeit erfordert, wird die arbeit am blog auch bis auf weiteres nur sporadisch erfolgen können. eine situation, mit der ich ebenfalls weiterhin nicht glücklich bin, aber jetzt wissen Sie immerhin auch, warum das zur zeit so ist.

ich würde es übrigens als eine schöne vorstellung empfinden, wenn sich auch in anderen städten - und nicht unbedingt nur in edj- /occupystrukturen, obwohl diese aus meiner sicht dafür den größten raum bieten - thematisch ähnliche ag ´s bilden würden. vielleicht kann sich ja der eine oder die andere der leserInnen hier vorstellen, so etwas bei sich vor ort auch zu initiieren? bei konkreten an- und rückfragen diesbezgl. würde ich um eine mail bitten, siehe unter "kontakt".

Dienstag, 20. März 2012

linktipp: krisennews in anderer form (und an anderer stelle)

einige leserInnen haben sie damals sehr geschätzt: die reihe "krisennews", die es vom herbst 2008 bis ende 2009 hier im blog mit ihren "spezial"-ausgaben zusammen auf über vierzig folgen brachte (und als eine art unvollständiger chronologie zu der - von heute aus gesehen - ersten offenen phase der globalen systemkrise, die damals als bankenkrise in die öffentliche wahrnehmung eindrang, finde ich die beiträge auch heute noch aufschlussreich. als beispiel sei auf die news von 2009 verwiesen.)

schon damals ging einiges an informationen wegen zeit- und anderen problemen flöten; und ich habe mir besonders in den letzten beiden jahren immer wieder überlegt, die reihe weiterzuführen, was allerdings die anderen, mir gleichfalls wichtigen, blogschwerpunkte zu stark in hintertreffen geraten lassen hätte. noch stärker als im jetzigen zustand, der mir nicht gefällt, aber den ich gerade nur begrenzt ändern kann.

mittlerweile aber hat sich durch meine aktivität bei "echte demokratie jetzt" eher zwanglos eine art fortsetzung der damaligen arbeit ergeben, mit einigen vorteilen, aber auch änderungen: erstens trage ich die recherchen nicht mehr nur alleine; zweitens ergibt die gleich vorgestellte form der informationen in einer anderen art und weise interessante einblicke. und um das gemeinte einfach deutlich werden zu lassen, hier der link:


infothreads im forum von echte demokratie jetzt! bremen

wir haben für diesen bereich, wie faktisch auch den rest des forums, eine ganze zeit das gleiche prinzip angewendet: zugang erhält, wer uns direkt - sei es vom wöchentlichen plenum, sei es von aktionen - persönlich bekannt ist. bei den infothreads hingegen gab es schon längere zeit eine diskussion darüber, sie aus diversen gründen öffentlich zu machen - ich kann hier meine nennen: die spezifische form der struktur - angeordnet nach ländern - macht erstens sehr gut chronologische entwicklungen nachvollziehbar und lässt zweitens vergleiche zu (betrachten Sie als beispiel einmal die infos zu ungarn, rumänien und irland), die bei der sonstigen zerstreuung dieser informationen nur schwer zu ziehen sind. drittens aber fehlt meines wissens bis heute eine seite im netz, die wirklich global alle relevanten informationen prüft, zusammenfasst, bündelt und bei bedarf auch kommentiert. über so ein projekt wird nicht nur bei uns nachgedacht, und bis es möglicherweise einmal so weit ist, können solche angebote wie im link als überbrückung genutzt werden. anspruch auf vollständigkeit erheben wir nicht, das könnten wir auch nicht leisten. aber etliches an interessanten informationen können wir schon anbieten, und besonders jenen, die die damaligen krisennews hier vermissen, möchte ich den link als etwas anderes, aber nichts schlechteres, ausdrücklich empfehlen.

(nebenbei lässt sich da auch ein grund für meine derzeitige häufige abwesenheit hier nachvollziehen - aber das ist ein anderes thema).

Mittwoch, 21. September 2011

"äh, was´n das?!?" [update]

ich versuche zur zeit, jeden tag wenigstens ein paar minuten online zu sein - mails checken, im blog vorbeischauen und ein blick auf die nachrichten. beim heutigen kurztrip bin ich dann zufällig über das hier gestolpert, und meine spontane reaktion ist in der überschrift zu sehen.

um es klar zu sagen: ich habe erstens mit diesem - offensichtlich ganz frischen - twitter-account nichts zu tun, und weiß zweitens auch nicht, von wem das kommt.

ich hatte mir vor einiger zeit mal überlegt, ob ich zumindest auf twitter - facebook ist grundsätzlich keine option - einen entsprechenden account einrichte, konnte aber dann erstens ausser der möglichkeit, eventuell neue leserInnen zu erreichen, nicht so recht einen sinn darin erblicken, und zweitens bedarf es auch bei so einem account etwas, von dem ich bis auf weiteres nicht genügend über habe: zeit.

ich weiß gerade noch nicht, was ich von dieser sache halten soll und würde die person hinter dem account bitten, sich bei mir
per mail zu melden - ein paar (er-)klärende worte würde ich ganz nett finden, zumal er / sie explizit blogname- und addresse nutzt. ich beanspruche da kein copyright drauf, würde aber wie gesagt ganz gerne einige dinge wissen - auch, um ein blödes gefühl wegzubekommen.

*

edit am 22.09.: ich weiß ja nicht, ob es überhaupt irgendwen interessiert - aber inzwischen ist der account wieder gelöscht, und ich habe eine interessante mail bekommen - nein, nicht von der oben angesprochenen person, sondern von einer, die hier seit beginn mitliest - und wenn ich die mail richtig verstanden habe, war dieser seltsame account letztlich die folge bzw. ausdruck einer mir völlig unbekannten marketingaktion... sachen gibt´s...

eventuell mehr, wenn ich diese geschichte wirklich verstanden habe.

Montag, 9. Mai 2011

mit musik geht alles besser ? vielleicht.

immer noch geht es mir grundsätzlich gerade so, wie anfangs der letzten beiden beiträge skizziert - aber inzwischen ist mir selbst klarer geworden, dass diese partielle schreibblockade auch zu einem großen teil aus einem gefühl "alles viel zu viel!" stammt - ist ja nicht so, dass ich keine nachrichten mehr wahrnehme oder meine üblichen recherchezüge durchs netz zu den themen, die mich besonders interessieren, eingestellt hätte. aber mir persönlich geht es so, dass ich so drastisch wie vielleicht niemals zuvor in den letzten monaten den begriff informationsoverkill mal wirklich mit einem seinszustand assoziieren kann. syrien, libyien, überhaupt die ganzen arabischen und afrikanischen aufstände? fukushima? die weiter schwelenden finanz- und wirtschaftskrisen? das ölige debakel im golf von mexico? peak oil, die frage von ressourcen / rohstoffen und damit einhergehenden bereits laufenden und künftigen krisen überhaupt? der zustand der menschlichen spezies überhaupt?

kaum sind zu einem bereich mal gefühlt etwas tragfähigere gedanken entstanden, passieren mindestens in drei anderen thematischen gebieten wieder dinge, die dringend der näheren beschäftigung bedürfen; und / oder es tauchen auf einmal informationen auf, die wiederum ganz neue lichter werfen. ganz neu ist dieses phänomen ja nicht, aber wie gesagt: persönlich habe ich noch nicht ansatzweise so eine dadurch induzierte art lähmung verspürt wie zur zeit.

*

ich weiß nicht mehr, wo ich vor jahren den sinngemäßen satz gelesen habe, der einzige wirklich angemessene seinszustand in der konfrontation mit der existierenden menschlichen welt sei die melancholie. inzwischen kann ich damit mehr anfangen als früher, auch wenn ich oft genug - und ich finde, glücklicherweise - einfach nur wütend bin beim anblick dieses gebirges aus erbärmlichkeit, niedertracht und dummheit, welches unsere spezies in der kurzen zeit ihres daseins innerhalb der evolutionären zeitleiste bereits erzeugt hat. beim gleichzeitigen erahnen dessen, das alles so anders sein könnte...



für mich eine wirklich wunderschöne musikalische umsetzung des oben gemeinten - und damit willkommen in der welt von deep house! für mich schon seit jahren neben detroit-techno und drum`n´bass mit der bevorzugte stil von elektronischer musik. nicht zufällig - vor längerer zeit schrieb ich mal in einem ähnlichen
zusammenhang:

"ich höre musik sehr stimmungsabhängig, und meine vorlieben für funk, jazz, und die meisten sparten elektronischer musik haben sowohl etwas mit rhytmus zu tun als auch mit den jeweils assoziierten inneren bildern, besonders bei den beiden letzteren stilen."

*

hatte ich damals den detroit-techno aufgrund seiner geschichte und den erzeugten atmosphären deutlich zu den (für mich) traumatischen tönen sortiert, mit dem potenzial zur transformierenden bearbeitung unerträglicher realitäten, so empfinde ich bei deep house etwas anderes im vordergrund. sind die allermeisten house-stile doch sowohl im guten wie im schlechten der inbegriff von zeitgenössischer party-musik - und das wort "party" verwende ich hier im durchaus negativen sinne von oberflächlichkeit, beliebigkeit, rücksichtslosem hedonismus, narzissmus und egozentrismus.

und es ist eine ironie der geschichte, dass ausgerechnet in dieser musik mit dem deep house so etwas wie ein - hm, dialektischer umschlag stattgefunden hat - vieles der housemusic seit ende der 1980er erscheint im nachhinein von den dort vermittelten stimmungen wie der perfekte musikalische ausdruck des rasend gewordenen neoliberalismus. als eine art subgenre existierte deep house eine ganze zeit eher unauffällig mit, und wurde vor etwa zehn jahren hierzulande versuchsweise
so definiert:

(...) "Es geht um Tiefe und Wärme. Um die Beschwörung eines zurückgenommenen, repetitiven Grooves. So einer, der sich Zeit lässt, um zu kommen. (...)

Eine Fusion von Techno und Soul. Eine Verfeinerung von Garage, dem New Yorker Nachfolger von Disco mit wilderen, elektrifizierten Beats.

Doch wo Garage oder Disco House den klassischen Songstrukturen von Strophe und Refrain treu bleiben, dehnt Deep House einfach die Zeit, seziert dabei rhythmische und harmonische Strukturen wie in einem anatomischen Lehrfilm. Beseelte Stimmen deuten den Song dabei oft nur an. Hochdosiertes Soul-Extrakt. Wie ein Flaschengeist kann es im entkorkten Zustand für kurze Momente Urgewalten entfachen. Andeutung, Verzückung, Steigerung, Glück." (...)


*



ich würde ja die attribute um intensität, weite, verlassenheit, trauer und sogar bedrohlichkeit erweitern - ich kenne deep house-tracks, die das deutlich rüberbringen.

und natürlich eine überwältigende und oft genug paradoxerweise gleichzeitig sehr warme melancholie. das meinte ich mit dialektischem umschlag: musik für clubabende und euphorische, tagelange partys bis zum exzess tastet sich plötzlich zu den realitäten jenseits dessen vor - ich habe hier tracks auf cd, die nicht zufällig titel tragen wie alone again oder into this lonely crowd. im moment der größten euphorie, irgendwann am frühen morgen, schleicht sich die erkenntnis heran - all das war eine berauschende show, all die glücklichen verschwitzten gesichter um mich herum sind letztlich unerreichbar - was auf gegenseitigkeit beruht. der daraus entstehende enorme blues mit seinen extrem widersprüchlichen gefühlen stellt für mich persönlich letztlich das im- oder auch ganz explizite berührende hauptthema von deep house dar.



*

nicht nur bei den entsprechenden videos bei yt, sondern auch auf vielen covern von cds und lps aus dem bereich finden sich auffällig viele motive von menschenleeren landschaften, oft genug (traum-)strände, aber auch seen, weite himmel, wolken, leere bis zum horizont. ebenfalls großstadtpanoramen, in denen allerdings meist auch keine menschen erkennbar sind. die repetitive eindringlichkeit der beats bildet zusammen mit den oft genug schwer hypnotischen flächen (solche empfinde ich persönlich meist von herzzerreissender schönheit - als ich den ersten track oben, deep love, das erste mal gehört habe, war ich schlicht sprachlos bei diesen flächen. im passenden moment können auch durchaus tränen fliessen) letztlich den schlüssel, um innere räume, deren unbekannte weiten, aufzumachen zu können (eine eigenschaft, die ich beim detroit techno und bei vielen drum`n´bass-tracks auch feststelle.) für diese räume lassen sich die benannten bildmotive durchaus als versuchte annäherung begreifen. und diese räume sind immer nur zugänglich im sinne eines ganz individuellen und zutiefst persönlichen erlebens. bittersweet - ich würde solche räume oft genug sehr gerne in all ihrer mysteriösen großartigkeit teilen. aber - alone again.



*

und warum ich das jetzt alles schreibe? zum einen, um vielleicht den einen oder die andere mit einer musik bekannt zu machen, die wirklich verborgene schätze zu bieten hat. dann aber ist das für mich gerade der perfekte soundtrack zu diesem kuddelmuddel, welches ich am anfang beschrieben habe. und deshalb werde ich in der kommenden zeit öfter beiträge damit sozusagen illustrieren, um eine weitere informationsebene zu installieren. bestimmte widersprüchlichkeiten lassen sich so womöglich deutlicher und verständlicher rüberbringen als mit manchmal einfach hilflosen worten.

und wo ich gerade widersprüchlichkeiten schrieb: auch das thema verzicht ist bei musik aus strom, deren existenz ohne eine recht weit entwickelte technologie nicht denkbar wäre, ein durchaus relevantes, in diesem fall speziell für mich.

ich werde mich übrigens nicht an eine ganz starre definition des genres halten, wenn ich zukünftig hier öfter tracks einstelle - es gibt fliessende grenzen genauso zu vocal house, house mit latin-einflüssen sowie dem ganzen bereich, der sich nu jazz nennt. aber welche schublade man nun auch aufmacht - diese musik kann in verschiedener hinsicht ein
look to the future sein.

Dienstag, 29. März 2011

weiteres update zu den (neuen und alten) ölverschmutzungen im golf von mexico

und das möchte ich heute nur als kurzen hinweis loswerden: 8. update.

Dienstag, 21. Dezember 2010

zwischendurch kurz zur blogroll - bye bye, "spiegelfechter"

vermutlich wird es den meisten leserInnen hier gar nicht aufgefallen sein, aber um eventuelle fragen präventiv zu beantworten: ja, den spiegelfechter habe ich gestern spontan herausgenommen. die gründe dafür sind folgende: weniger eine rolle spielte meine eigene und seit längerem sehr gesunkene besuchsfrequenz dort im vergleich zu den allermeisten anderen verlinkten blogs. für mich ist das dort geschriebene im laufe der zeit immer uninteressanter geworden, was damals bei der verlinkung logischerweise noch anders gewesen ist.

stärker ins gewicht fielen aber zwei artikel dort in der allerjüngsten zeit, die ich inhaltlich so bauchschmerzerzeugend fand, dass ich das nicht ignorieren konnte und wollte. einmal handelt es sich dabei um gastbeitrag des "oeffinger freidenkers" (stefan sasse), eines selbsterklärt "linksliberalen", tatsächlich aber durch und durch sozialdemokratischen (wer will, darf das durchaus als schimpfwort benutzen) bloggers mit dem titel
"Wir brauchen einen aktiveren Staat". unter dem vorwand einer attacke gegen die a-sozialen folgen des totalitären kapitalismus wird dort nicht nur der typisch deutschen staats- und autoritätshörigkeit gefrönt, sondern - eben durch und durch sozialdemokratisch - auch noch schlicht reaktionäre ideologie verbraten. einige beispiele aus dem text:

"Das Grundversprechen unseres Gesellschaftssystems, dass jeder, der fleißig arbeitet auch gut leben kann, wird nicht mehr eingelöst."

muss man wirklich noch erwähnen, dass dieses angebliche "grundversprechen" von vorneherein nichts weiter als eine lüge gewesen ist, geboren keinesfalls aus altruismus, sondern als weiterentwickelte befriedungsstrategie gegen ein einstmals aufmüpfiges proletariat? neben der völlig unreflektierten übernahme der "fleissigen arbeit" als metapher für den hierzulande besonders monströs vorhandenen fetisch (lohn-)arbeit stösst mir ebenfalls übel auf, dass verschwiegen wird, wer wo für dieses "gute leben" auch während der angeblich "guten zeit der alten brd" nicht nur monetär, sondern meist mit blut, schweiß und tränen bezahlt hat.

"Brennende Autos und sich der Kontrolle des Staates entwindende, in gewalttätiger Anarchie versinkende Vorstädte bleiben vorerst ein Problem, das wir gebannt und wohlig schaudernd in Fernsehberichten über Frankreich beobachten können."

ich erwarte einfach von sich selbst als "politisch bewussten" bezeichnenden bloggern und bloggerinnen, dass sie zumindest die einfachsten begrifflichkeiten angemessen benutzen und bspw. zwischen anomie und anarchie unterscheiden können. hier drängt sich jedoch der verdacht auf, dass diese falsche nutzung an dieser stelle keineswegs nur aus ahnungslosigkeit erfolgt ist.

zu den unmittelbar darauf folgenden sätzen gleich noch etwas.

"Der Staat ist nicht so unfähig, nicht so gehemmt, nicht so machtlos wie dies den Anschein hat. Er ist, vor allem, alternativlos. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass ohne eine starke Rolle des Staates blankes, anarchisches Chaos herrschen wird, in dem die Stärksten alle Schwachen rücksichtslos in den Staub treten."

das TINA-prinzip auf sozialdemokratisch. begründet mit dem klassischen, rechten und reaktionären evergreen von "der mensch ist des menschen wolf" aka "der-mensch-ist-böse", und zwar grundsätzlich. zu diesem völlig pervertiertem welt- und v.a. menschenbild passt perfekt die entsprechende
antwort des "unsichtbaren komitees"; ebenso hatte ich hier vor jahren zur "wolfsgesellschaft" bzw. dem, wofür dieser begriff als symbol steht, aus meiner perspektive bereits das meiste geschrieben.

es ist dabei kein zufall, dass sasse konsequent alles ausblendet, was es an handfesten indizien und beweisen dafür gibt, dass so ziemlich alle staaten heute sich selbst bewusst positioniert haben, und zwar gegen die weitaus meisten teile ihrer bevölkerungen. "aktiver staat" bedeutet in der realität vor allem eines: monströs aufgeblähte schnüffel- und repressionsapparate, ständig wuchernde kontrollambitionen und potentiell staatsterroristische übergriffe gegen jede ernsthafte form der opposition. und das alles nicht etwa, weil "der an sich gute" staat etwa in zentralen punkten "gekapert" worden ist und jetzt "fehlgelenkt" wird - nein, die gute zusammenarbeit von vielen staaten mit der mafia (als synonym für die organisierte kapitalistische kriminalität begriffen) ist strukturell bereits im wesen eines jeden (national-)staates angelegt. anders: der schutz von "eigentum" und dem status der besitzer von produktionsmitteln und großen finanziellem vermögen hat seit eh und je zur hauptaufgabe des kontruktes "staat" gezählt. die sog. wohlfahrtsstaaten, nach denen sich sasse ganz offensichtlich zurücksehnt, waren lediglich ausdruck einer gewissen und, wie wir inzwischen wissen, sehr begrenzten historischen phase des 20. jahrhunderts, in denen der kapitalismus u.a. aufgrund der existenz einer wie auch immer in der realität vorhandenen pseudo-systemalternative dazu gezwungen gewesen ist, zeitweilig kreide zu fressen. was wir heute erleben, ist keinesfall etwa ein "entglittenes" o.ä. staatswesen - nein, eher lässt sich sagen: die (national-)staaten finden wieder zu ihrem authentischen ausdruck - drängelnd, bevormundend, repressiv und im klarsten fall deutlich terroristisch. das, und nichts anderes, war und ist ihre eigentliche funktion in der geschichte. alles andere sind märchen.

*

wer so argumentiert wie oben dargestellt, muss dann zwangsläufig nach A auch B sagen:

"...bricht systematisch das Bewusstsein weg, dass wir ein Volk sind, eine Gesellschaft, durch das Versprechen auf allgemeinen Wohlstand aneinandergebunden zum Nutzen aller."

"wir" sind "ein volk". der beschwörung der objektivistischen konstruktion "nationalstaat" folgt zwangsläufig die beschwörung der ebenso objektivistischen einbildung des zugehörigen "volkes". nein, vielen dank. weder ist das "mein volk" noch "mein staat". im zweifelsfall stehen beide zuverlässig und regelmässig antagonistisch gegen alle authentisch menschlichen interessen und bedürfnisse. gerade dieses land hat dafür bereits historisch mehrfach nachdrücklich den beweis geliefert. und die hiesige variante der sog. sozialdemokratie, im zweifelsfalle immer zuverlässig und bis zur besinnungslosigkeit staatstragend, hat mit leuten wie sarrazin, clement und all den anderen zombies genau das passende personal dafür. doch, das sind durchaus sozialdemokraten. so wie auch noske einer war.

und dann noch der "wohlstand" als klammer für "staat & volk" - das ist eine weltsicht, die von der "insm" über den "bdi" und cducsuspdfdpgrünedielinke so ziemlich alle mitglieder der selbsterklärten "eliten" mit unterschreiben können - vermehrung materieller dinge (und keineswegs die befriedigung der tatsächlichen materiellen menschlichen bedürfnisse in sachen nahrung, wohnen, gesundheit etc.) als sinnersatz und kompensation, ohne jeden tatsächlichen sinn und verstand, aber mit enorm destruktiven nebenwirkungen für die gesamte menschliche und nichtmenschliche welt. (materieller) "wohlstand" dieser art wird in zeiten von ressourcenverknappungen und ökologischen desastern niemals mehr als sinnstiftendes leitbild für irgendjemanden auf der welt eine möglichkeit darstellen - glücklicherweise. nur scheinen das längst noch nicht alle gemerkt zu haben.

im kontext des obigen zitats wurde vorher wortreich das folgende beklagt:

"Die Gesellschaft löst sich immer weiter auf, schon jetzt bröckelt der Kitt, der sie zusammenhält, mehr und mehr: Einheimische gegen Migranten, Arbeitende gegen Arbeitslose, ALG-I-Empfänger gegen ALG-II-Empfänger, Alte gegen Junge, Arbeiter gegen Angestellte, Angestellte gegen Beamte – wo man hinsieht wird der Neid und Hass der Gruppen aufeinander geschürt," (...)

hm. offenbar ist sasse nicht aufgefallen, dass sein ebenso sozialdemokratischer gastgeber und gesinnungsgenosse jens berger nur einen artikel vorher unter dem titel
"Feministin schlägt Neger - der politsch semikorrekte Spielspaß fürs Fest" eben unter der scheinheiligen parole von "satire-darf-alles" unverblümtes product placement für ein erbärmliches quartettspiel betreibt, welches zu dem beklagten "neid und hass der gruppen aufeinander" sein scherflein beiträgt. und keinesfalls zufällig ist das ein spiel, welches auch gestalten wie sarrazin "lustig" finden würden - geht´s hier doch einmal mehr gegen den - primär von ganz rechtsaussen aufgebauten - pappkameraden einer angeblich omnipräsenten und "herrschenden (!) political correctness". dazu nur soviel: es ist historisch belegbar (und auch bereits vielfältig geschehen), dass das tatsächlich ein originär rechter diskurs ist, der zwangsläufig von allen unterstützt wird, die darauf aufspringen. es gibt an dieser ursprünglich eigentlich für sehr spezifische verhältnisse an us-amerikanischen universitäten entwickelten methode, mit sprache hinsichtlich ihrer diskrimierungs- und ausgrenzungspotenziale anders und neu umzugehen, durchaus einiges zu kritisieren, besonders dann, wenn sie nicht modifiziert auf anderen gesellschaftlichen feldern benutzt wird. die rechte anti-pc-kampagne, hierzulande nachweisbar seit der ersten häfte der 1990er jahre, und auch solche wie vom "spiegelfechter" gepushten spiele haben jedoch nichts mehr mit irgendeiner kritik zu tun, sondern nur mit einem: dem bedienen von hassaffekten. und zwar den hassaffekten genau der gleichen gruppen, die sich zb. von den sozialrassistischen hetzereien eines sarrazins "befreit" fühlen und beifällig dem papierprügel mit den vier buchstaben zuklatschen: "man wird ja wohl noch sagen dürfen..."

che hat drüben passenderweise einen längeren exkurs zur geschichte der "pc" veröffentlicht, dem ich bis auf den teil zur "linken szene" weitgehend zustimme. ich habe selbst mitte der 90er in einem kleinen printmedium einen text mit ähnlicher richtung geschrieben, in dem ich mich vor allem mit den reaktionen der "neuen rechten" auf die pc befasst habe, den ich an dieser stelle hier eigentlich gerne hinzufügen würde, an den ich aber momentan nicht herankomme. aber da che bei sich schon etliches ebenso bearbeitet hat, sei sein text deshalb ausdrücklich empfohlen.

*

zu den herren sasse und berger nur noch dieses: wenn es überhaupt eine positive wirkung der sog. globalisierung zu verzeichnen gibt, dann ist das die schwächung der nationalstaaten. diese verteidigen zu wollen, heisst lediglich, den teufel mit beelzebub austreiben zu wollen. ein unterfangen, welches nicht gelingen kann, und zwar auch deswegen nicht, weil man(n) sich dafür zwangsläufig in die sphäre explizit und originär reaktionärer und rechter diskurse begeben muss, wie beide eindrücklich selbst bestätigt haben. solche strömungen echter "deutscher" sozialdemokratischer gesinnung haben nicht nur nichts mit tatsächlicher emanzipation zu tun, sondern stellen sich dem konträr in den weg, und zwar als irreführendes hindernis. und aus diesem grund also:

bye bye, "spiegelfechter".

Sonntag, 12. Dezember 2010

kurze durchsage

ich war - wie der eine oder die andere bemerkt haben dürfte - die ganze woche offline, was gründe hatte, die jetzt nicht so wahnsinnig interessant sind. ab heute werde ich jedenfalls wieder öfter meinen senf dazugeben.

ebenfalls ab heute ist rechts in der sidebar direkt unter dem menü das logo von wikileaks zu sehen, und das nicht nur zur show: ein klick darauf führt direkt zu einer der inzwischen an die zweitausend zählenden mirror-sites im netz, und damit direkt zu den geleakten depeschen. das ist eine aktion seitens des
bewegungsblogs der "taz", die ich gerne unterstütze.

mit dem thema wikileaks bzw. den inzwischen fast unübersehbar angeschwollenen reaktionen auf allen ebenen wird sich auch der nächste beitrag hier nochmals beschäftigen - dann als eine art erstes fazit. bis dahin wünsche ich einen schönen wochenendausklang.

Samstag, 9. Oktober 2010

neue rubrik: gastbeiträge

immer wieder erreichen mich erfreulicherweise neben den kommentaren im gästebuch auch mails mit anmerkungen, hinweisen auf interessante themen und artikel, zustimmung und kritik sowie vereinzelt auch ganzen texte. da letztere meist über einen "reinen" kommentar hinausgehen, habe ich mich jetzt dazu entschlossen, ihnen hier einen eigenen raum zu geben.

*

bedingungen? nicht viele - natürlich sollten beiträge von leserInnen hier mit den sonstigen blogschwerpunkten kompatibel sein; ebenso ist vermutlich klar, dass ich texte mit rassistischen, nationalistischen ... etc. parolen in den müll befördere. inhaltlich konträres zu bspw. meinen eigenen thesen ist ansonsten kein problem, wenn es denn argumentativ gefüllt ist. ferner sollten quellen und zitate belegbar und kenntlich gemacht sein.

ich werde inhaltlich natürlich nichts verändern, behalte mir aber jeweils eventuelle rechtschreibkorrekturen vor, v.a. wenn sie zu ansonsten zu verständnisproblemen führen können (und nein, kleinscheibung ist auch keine vorbedingung). sollten in diesem zusammenhang auch einmal größere grammatikalische umstellungen in textteilen oder sätzen nötig sein, werde ich vorher mit dem/der jeweiligen autorIn kontakt aufnehmen. deshalb sollte mindestens eine gültige mailadresse vorhanden sein; völlig anonyme zuschriften haben deshalb nur geringe bis keine chancen auf veröffentlichung.

die namenswahl - der name wird in der überschrift auftauchen - bleibt selbstverständlich den autorInnen überlassen; ob klar- oder nickname, ist mir persönlich dabei egal.

soweit kurz zu den spielregeln. sollten sich weitere notwendigkeiten ergeben oder zeigen, werde ich das an dieser stelle hinzufügen.

Freitag, 6. August 2010

fünf jahre...

...alt ist dieses blog vorgestern geworden - das finde ich einerseits bedauerlich, weil ich mir zustände wünschen würde, bei denen ich nie auf die idee für dieses projekt gekommen wäre. andererseits bin ich selbst überrascht über diese zeitspanne, und auch darüber, was sich währenddessen alles so angesammelt hat. mir hat das immer wieder zu einigen stückchen mehr klarheit verholfen; und ich hoffe, dass das auch das mindeste ist, was es für die leser und leserinnen hier leistet.

an letztere geht auch heute explizit mein dank für viele und meistens inspirierende kommentare - auch wenn ich nicht auf jeden reagiere, so lese ich doch alles und habe oft genug weitere anregungen bekommen, die dann wieder ins blog geflossen sind.

wer will, kann
hier und hier einen kleinen zeitsprung ins jahr 2005 veranstalten - das waren die ersten beiden postings, und sie besitzen leider bis heute weiterhin gültigkeit.

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