notizen

Samstag, 20. Oktober 2012

notiz: "14N / N14" - erster transeuropäischer generalstreik am 14. november [update am 03.11.]

selten genug, dass es in all diesen monaten und jahren mal etwas zumindest potenziell positives zu berichten gibt. in diesem fall jedoch dazu noch die ankündigung eines ereignisses, welches sich das strapazierte attribut "historisch" durchaus verdienen könnte.

die idee für einen gemeinsamen streik- und aktionstag der in europa besonders in die mangel genommenen länder des südens ist eigentlich naheliegend und durchaus nicht neu; meines wissens sind in den letzten jahren mindestens zwei versuche in die richtung gescheitert - nicht nur aus gründen nationaler egoismen, sondern auch wegen zögerlichen bis offen reaktionären gewerkschaften, die sich quer durch europa immer noch nicht so recht an den seit langem offen erklärten klassenkampf von oben gewöhnen mögen - und das betrifft nicht nur die jeweiligen und meist kapitalgepamperten funktionäre, sondern ebenso große teile der basis.

inzwischen haben jedoch die dimensionen der sozioökonomischen und auch psychosozialen verelendung nicht nur in griechenland, sondern auch in portugal, spanien und zunehmend italien ein ausmaß angenommen, welches den widerstand gegen die unter dem unwort "austeritätsmaßnahmen" laufende plünderungs- und umverteilungspolitik existenziell werden lässt (wer für beides eine art unvollständiger chronologie sehen will, sei einmal mehr auf
diese seite verwiesen).

und es dürfte am ende nicht zuletzt dieser existenziellen wucht zu verdanken sein, die sich seit wochen auf den strassen und plätzen des europäischen südens manifestiert, dass sich jetzt selbst die bisher mehrheitlich sehr staats- und systemtragenden führungsfunktionäre der jeweiligen großen landesgewerkschaften dazu genötigt sehen, eine der schärfsten waffen der bisher deutlich schwächeren partei in diesem klassenkampf nicht nur zu zeigen, sondern auch sozusagen zu modifizieren. denn auch, wenn ein tag generalstreik weiterhin nur eine, wenn auch starke, symbolische aktion darstellt: die premiere eines bewusst und zusammen organisierten transnationalen streiks lässt sich durchaus aus mehreren gründen als schritt in eine bessere richtung begreifen:
  • zum einen wird damit endlich einmal dem schon lange transnational betriebenen ständigen drehen an der krisenschraube auf gleicher ebene begegnet.
  • zum anderen ist das ein starkes und überfälliges signal gegen alle nationalistischen und rasssistischen "krisenlösungen", deren schärfste und übelste ausprägungen momentan wahrscheinlich in griechenland (aber nicht nur dort) zu betrachten sind. dieser unheilvollen tendenz eine ganz andere erfahrung und auch perspektive entgegenzusetzen, ist überfällig. und dazu eignet sich der kommende transnationale streik in idealer weise.
  • und nicht zuletzt wäre das auch einmal eine zur abwechslung wirklich positive form der europäischen einigung
*

bisher sind bestätigt die folgenden länder beteiligt:
  • portugal
  • spanien
  • malta
  • zypern
mit unterschiedlicher wahrscheinlichkeit werden bzw. könnten dazu kommen:
  • griechenland (sehr wahrscheinlich)
  • italien (diskussionen laufen)
  • frankreich (hier wird darüber nachgedacht, die zu diesem datum geplanten solidaritätsaktionen auch in form von streiks durchzuführen)
  • belgien (ähnlich wie frankreich)
und wenn es so tatsächlich passieren sollte, dass an diesem tag dann der gesamte europäische mittelmeerraum plus große teile westeuropas lahmliegen, dann wäre das ein signal, welches weder zu überhören noch zu ignorieren wäre - nicht von den "eliten", aber besonders auch nicht von den streikenden selbst, denen so die leider nur allzuoft als entleerte phrase daherkommende "internationale solidarität" einmal als lebendiger teil des eigenen aktiven handelns begegnen kann. und eine solche erfahrung ist in zeiten wie diesen nicht zu unterschätzen.

*

noch eine kleine materialsammlung: für einen allgemeinen überblick zur jeweils aktuellen entwicklung dieses projektes empfiehlt sich
europeanstrike. ebenfalls ist das ein neues schwerpunktthema beim labournet, dessen schwerpunktseiten zu solchen aktionen nicht nur wegen der dortigen einblicke in das innenleben der europäischen gewekschaften zu empfehlen sind. und auch telepolis hat begonnen, sich mit dem thema zu beschäftigen.

*

die nächsten wochen werde ich bei gelegenheit in diesen beitrag und die kommentare immer wieder mal updates einbauen; und auch die frage, ob und was hierzulande in diesem kontext passiert, soll noch thema werden.

logo 14n

update 1 am 03.11.: yo, der
kommentar von mrs. mop (danke & gruß!) unten veranlasst mich neben ein paar freien stunden heute dazu, etliche nachträge los zu werden - es hat sich zwischenzeitlich eine menge getan. bevor ich auf das thema des kommentars bzw. die situation rund um 14N hierzulande komme, zunächst ein europäischer überblick:
  • die anfangs genannten länder sind fest dabei; in spanien rufen auch die zunächst noch nicht im boot befindlichen anarchosyndikalistischen gewerkschaften (CNT und co.) mit zum 14. auf.
  • ich persönlich kann den griechischen status immer noch nur auf "wahrscheinlich" lassen, obwohl griechenland quer durch viele seiten als teilnehmendes land benannt wird. ich habe schlicht und einfach noch nirgends etwas "offizielles" seitens der gewerkschaften dort gefunden. kann aber auch sein, dass diese mit dem für die kommende woche geplanten zweitägigen generalstreik am mittwoch & donnerstag erstmal voll beschäftogt sind.
  • neues aber aus italien: hier wird nun - neben vielen weiteren aktionen - gewerkschaftsübergreifend zu einem vierstündigen (general-)streik aufgerufen.
  • ebenfalls hat mindestens eine der großen belgischen gewerkschaften einen streikaufruf draussen.
  • in frankreich läuft die mobilisierung v.a. neben den gewerkschaftsapparaten bzw. direkt an der basis - neben vielen strassenaktionen sind auch hier streiks in nicht vorhersagbarem ausmaß zu erwarten.
  • neu dazu auf der karte kommt großbritannien; auch hier hat eine größere mobilisierung gestartet und es scheint eine gewisse chance dafür zu geben, dass sich auch das gewerkschaftliche schwergewicht TUC einklinkt.
quellen zum obigen sind neben den bereits verlinkten seiten auch viele facebook-pages, die - aus meiner sicht bedauerlicherweise - bei dieser mobilisierung europaweit eine große rolle spielen. schon länger ist einer der zugrundliegenden aufrufe lesbar, nämlich der vom "europäischen gewerkschaftsbund" (egb) - hier in einer
übersetzten version. und unter punkt fünf dürfte eine wesentliche motivation für diesen aktionismus zu lesen sein:

"Der Exekutivausschuss konstatiert einen wachsenden Widerstand der Bürger/-innen und Arbeiter/-innen in den betroffenen Ländern..."

und in gewisser weise setzen sich quer durch europa alle im egb organisierten gewerkschaften mit solchen aktionen auf diesen widerstand drauf; teils mehr, teils weniger freiwillig. aber auch wenn weniger freiwillig, so schaffen sie mit dem ereignis an sich doch eine art präzedenzfall, hinter den sie zukünftig nur schwer zurückkönnen, weil die bisherige mobilisierung darauf hindeutet, dass der 14. november durchaus ein bemerkenswerter tag werden wird.

*

und nun zur brd: nach dem in vielen städten bereits bündnisse mit vereinzelter teilnahme gewerkschaftlicher organisierter entstanden sind, und dazu - auch via facebook - die dgb-führung ein gewisses ausmaß an verärgerter post zu bewältigen hatte, kam vor ein paar tagen die folgende erklärung an die öffentlichkeit:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

besten Dank für das Interesse an dem europäischen Solidaritäts- und Aktionstag am 14.11.2012.

Dieser Solidaritäts- und Aktionstag wurde von der Exekutive des EGB am 17. Oktober 2012 beschlossen. Den Resolutionstext senden wir anbei.

Der Geschäftsführende Bundesvorstand vom DGB hat am 29.10.2012 hierüber beraten und folgendes beschlossen.

Der DGB wird Solidaritätsaktivitäten anlässlich des europaweiten Solidaritätstages am 14.11.2012 durchführen. Die DGB-Bezirke werden gebeten diesen Solidaritäts- und Aktionstag zu unterstützen, in dem sie in ihrem Bereich Solidaritätsbotschaften organisieren. Insbesondere bieten sich hierzu auch Städtepartnerschaften mit den Krisenländern bzw. anderen Kooperationsstrukturen – wie zum Beispiel Partnerregionen – an.

Eine Solidaritätsbotschaft wurde verabschiedet, die wir Ihnen in der Anlage übersenden. (...)

Mit den Mitgliedsgewerkschaften des DGB ist verabredet, dass diese auf betrieblicher Ebene insbesondere von Euro-Betriebsräten verabschiedet werden.

Die DGB-Bezirke werden unterschiedliche Aktivitäten zu diesem Aktionstag entwickeln. Nähere Informationen erhalten Sie bei Ihrem zuständigen DGB-Bezirk.

Wir werden ab spätestens 05.11.2012 hierüber auch regelmäßig auf unserer Internetseite http://www.dgb.de informieren."


der erwähnte resolutionstext kann inzwischen an vielen stellen im netz nachgelesen werden; da es sich hierbei um wohlfeile worte handelt, die niemandem weh tun, spare ich mir die dokumentation. und das es sich bei der empfohlenen "aktion" des verfassens von "solidaritätsbotschaften" um das absolute minimum handelt, unterhalb dessen nur noch das blanke nichts-tun rangiert, lässt aus meiner sicht durchaus rückschlüsse auf die tatsächliche motivation der deutschen gewerkschaftlichen funktionärsschicht zu (ausnahmen bestätigen wie immer die regel). das die führung dann den bezirken (und in weiterer konsequenz dann auch den einzelgewerkschaften) einen gewissen spielraum für eigenes lässt, wird bspw. von der führung der ig metall als vielleicht der einflussreichsten einzelgewerkschaft in einem sinne genutzt, der
verräterisch antisozial daherkommt:

(...) "Bereits beim Manager-Forum auf Phoenix am 14. Oktober pöbelte der IG Metall Vorsitzende Huber, die spanischen Gewerkschaften hätten durch hohe Lohnabschlüsse ihre Vorteile verspielt (...). Er verließ damit nicht nur die gebotene Solidarität der europäischen Gewerkschaften, sondern hinterging die Vereinbarung, durch eine koordinierte europäische Tarifpolitik mindestens die Reallöhne zu sichern.

Im Gespräch mit der Zeitung Schwäbisches Tagblatt vom 25.10.2012 ging er jetzt noch einen Schritt weiter in der Zerstörung europäischer gewerkschaftlicher Zusammenarbeit, indem er die geplanten Streiks in einigen Ländern als voluntaristischen Unfug bezeichnete und allen Solidaritätsaktionen der IG Metall an diesem Tag eine Absage erteilte: Das eine ist ein Aufruf, das andere die Frage der Organisation. Die europäische Gewerkschaftsbewegung sei relativ schwach. Die einzige Gewerkschaft, die keine Mitglieder verliere, sei die IG Metall. Doch für einen Streik, wie ihn vier Länder planen, brauche es hierzulande eine Urabstimmung. Stattdessen will Huber in den Betrieben mit den Leuten reden. Er hat wohl bewusst ignoriert, dass im EGB-Aufruf von Streiks, Versammlungen und anderen Aktionen die Rede ist. Es ist weit mehr und anderes vorstellbar und gewünscht, als in den Betrieben mit den Leuten zu reden auch unterhalb von Streiks, die, zumal in Deutschland, eine lange Vorbereitungszeit benötigten. Und worüber will Huber mit den Leuten reden? Vielleicht über Subventionen und Steuererleichterungen für die deutsche Industrie?" (...)


das bestätigt nur einmal mehr, was von dieser gewerkschaftsführung mit ihrer unlösbaren anklettung an die chefetagen und die spd zu erwarten ist: nämlich genau nichts.

nichtsdestotrotz werden von den "üblichen verdächtigen" der wie auch immer linken außerparlamentarischen potenziellen opposition (potenziell deshalb, weil´s in diesem land schlicht keine reale opposition gibt) plus den übriggebliebenen occupy- und edj-strukturen (doch doch, die gibt´s noch) nach meinen infos bisher in folgenden städten aktionen verschiedener art geplant:

düsseldorf, köln, bochum, dortmund, bremen, hamburg, kassel, berlin, frankfurt/main

die eine oder andere stadt dürfte bis zum 14. noch dazukommen. eventuell etwas verwirrender könnte der ganze tag - in einem positiven sinne - dadurch werden, dass vom 14. bis zum 21. november eine globale woche der bildungsproteste bevorsteht (für d-land mehr z.b.
hier), was sich bei uns in der stadt (bremen) dann zb. am 14. in einem stadtweit ausgerufenen schulstreik äussern wird. etwas, woran sich nach vielen erfahrungen durchaus immer ein paar tausend schülerInnen beteiligen. die kontakte hinsichtlich 14N sind geknüpft, was bei diesem thema ebenso wie in südeuropa nicht nur naheliegt, sondern schlicht eine notwendigkeit darstellt. durch diese am gleichen tag startende aktionswoche jedenfalls dürften die strassen in vielen europäischen städten zusätzlich belebt werden, und zumindest einen hauch dessen könnten wir auch hierzulande verspüren.

die situation in meiner stadt zum 14N will ich, weil sie durchaus einiges über die allgemeinen deutschen zustände aussagt, in einem eigenen beitrag thematisieren.

Montag, 14. Mai 2012

assoziation: "So werden ... Bürger mit Meinungen konfrontiert, denen sie nicht oder nur schwer ausweichen können" - europa im mai 2012

diesem satz voran geht "Blockaden beeinträchtigen regelmässig die Rechte anderer Menschen", und zu finden ist diese insgesamt ungemein bemerkenswerte aussage auf seite 10 der verbotsverfügung an occupy frankfurt (auf der seite am ende verlinkt). ganz recht, die verfügung an occupy, nicht blockupy. wobei letzteres den grund für die angekündigte "partielle" räumung des ersteren darstellt, aber nicht nur die occupistas vor der ezb gehen davon aus, dass dieses "partiell" am ende durch "dauerhaft" ersetzt werden wird.

über diesen satz in der verbotsbegründung komme ich aber immer wieder ins meditieren. ist damit eigentlich im wörtlichen sinne meinungsfreiheit gemeint, also ein zustand, in dem sich niemand mehr von irgendwelchen meinungen beunruhigen, aufregen, berühren... lassen muss? frisch und frei bei der deutschen bank geschäfte machen - "spekulation mit nahrungsmitteln? davon will ich nichts hören" -, bei bp (bzw. aral) tanken - "deep water horizon? ist das ein neuer science fiction-film?" - und mit monsantos giften den eigenen kleingarten einnebeln - "wie, agent orange? monopolisierung der agrarproduktion? geh mir wech!"

faszinierend. es gibt scheinbar eine art recht auf ignoranz und selbstverblödung? anders kann ich mir diesen satz nicht erklären, weil er anders keinen sinn macht. interessant aber, dass er nur in eine richtung zu gelten scheint - ich fühle mich nämlich bspw. immer dann belästigt und genötigt, wenn ich mich beim einkauf oder am kiosk mal wieder mit irgendwelchen "bild"-schlagzeilen konfrontiert sehe, die irgendwas von faulen griechen verkünden. oder aber die allgegenwärtigen werbewände und litfaßzsäulen in den städten, bei deren anzahl es schwerfällt, den botschaften - "kaufen Sie nur unseren mist!" - irgendwie auszuweichen. man möchte ja nicht ständig mit geschlossenen augen durch die strassen laufen.

warum habe ich bloß das gefühl, dass solche meinungen damit nicht gemeint sind? sondern eben jene, die von z.b. von einer sitzblockade (wobei: im prinzip lässt sich diese neueste innovation deutscher bürokratenhirne eigentlich auf jede demonstration ausweiten) vor einer bank verbreitet werden und deren kunden darauf hinweisen könnten, mit was für einer kriminellen organisation sie gerade im begriff sind, ein geschäft zu machen? würde mich ja interessieren, ob in dem büro des frankfurter ordnungsamts, in dem jener satz ausgebrütet wurde, ein sinnspruch ungefähr der folgenden art an der wand hängt:

"selig sind die einfältigen und profitablen schäfchen in unser aller demokratiesimulation, ihnen gehört das himmelreich des nichtwissens und der willigen selbstaufgabe, das shopping und die neuesten klingeltöne für ihre überwachten handys".

ja-und-amen.

*

um diese art der meinungsfreiheit für seine schäflein auch durchzusetzen, greift der freiheitlichdemokratischerechtsstaat [TM] dann natürlich zum ganzen arsenal der verfügbaren schutzmaßnahmen - da wird dann nicht nur
alles verboten, nein, es wird noch mehr verboten - geht nicht gibt´s nicht:

stadtverbotsverfügung blockupy ffm

alle jene, die bei der durchaus eskalierten, aber keinesfalls, wie medial suggeriert, als ganzes die stadt in schutt & asche legenden märzdemonstration in frankfurt in irgendeiner form polizeilich auffällig geworden sind - und das heisst auch, z.b. nur in einer personalienkontrolle gelandet sind, und weder verhaftet noch irgendwie angezeigt wurden -, erhalten in diesen tagen nach den
verfügbaren informationen also ein partielles stadtverbot von mehreren tagen dauer, durchsetzbar sofort gegen androhung von zwangsgeld oder ersatzweise haft.

können Sie sich den medialen rummel vorstellen, den solche maßnahmen hier in den medien produzieren würde, wenn sich derartiges in der ukraine, weißrussland... zutragen würde? (nicht, dass es solches bzw. ähnliches dort nicht geben würde - aber das sind ja schließlich auch undemokratische, ja fast schon autoritäre systeme mit diktatorischen tendenzen - so lernen wir es nicht ganz unberechtigt aus unseren unabhängigen [TM] medien).

aber hier geht es ja um meinungsfreiheit (also die "freiheit", sich nicht mit dem befassen zu müssen, was der eigene "way of life" so anrichtet) und die aufrechterhaltung des ungestörten geschäftsbetriebs - das sind genau genommen schon erstrangige staatsziele, zumindest dann, wenn sich ein staat (und teilweise auch große teile der sedierten bevölkerung) primär als willige(r) büttel der herrschenden ökonomischen "eliten" begreift.

*

anderswo wird der letztgenannte zustand gerade klarer - madrid am gestrigen sonntagmorgen, und auch heute morgen sah das dort und in anderen spanischen städten ähnlich aus...




...und noch klarer...

Italiens Regierung berät über Einsatz von Armee:

"Die italienische Regierung berät in dieser Woche über den Einsatz der Armee, um das Rüstungsunternehmen Finmeccanica und die Steuerbehörde Equitalia zu schützen. Beide sind in der jüngsten Zeit Ziele von Anschlägen geworden, was Sorgen über eine Eskalation der politischen Gewalt weckte.

Im krisengeschüttelten Land nehmen gewaltsame Proteste vor allem gegen die Steuerbehörden zu." (...)


...um am ende völlige klarheit zu schaffen:




was da zu sehen ist? das:

"Die Zusammenarbeit militanter Faschisten mit der griechischen Polizei findet immer unverhohlener statt. Beide Seiten versuchen seit der letzten Wahl nicht mehr ihre Zusammenarbeit zu verbergen. Am 09.Mai führten Nazis der Partei "Golden Dawn" und Beamte der YMET eine gemeinsame Operation gegen migrantische Straßenhändler durch.

"Golden Dawn" ist eine faschistische Partei, die bei der Wahl ins Parlament einzog. YMET sind Riot-Bullen, die nicht so kampfstark und gut ausgerüstet sind wie die MAT. YMET wird zum Objektschutz und für Razzien eingesetzt. Bei diesen Razzien in Athen wurden in den letzten Monaten tausende MigrantInnen festgenommen und teilweise in Internierungslager eingeliefert.

Im Zuge dieser Razzien wurde schon oft von einer Zusammenarbeit von Nazis und Polizei berichtet, selten liegen aber so offene Beweise vor wie jetzt.

Der Einsatz wurde auf der Pattission Straße geführt. Eine Busladung YMET rückte zusammen mit ca. 20 unvermummten Faschisten vor. Die migrantischen Straßenhändler stehen immer vor der ASOEE Universität und verkaufen Handys, Uhren und Taschen. Sie kommen vor allem aus Afrika und Pakistan. Die Nazis näherten sich mit Eisenstangen und warfen Steine. StraßenhändlerInnen, StudentInnen und herbeigeeilte GenossInnen verteidigten sich.

Polizei und Nazis nahmen Anlauf von Westen, aus dem Bereich Viktoria Platz; ein Platz der bis vor kurzem stark bevölkert war, inzwischen aber abends aufgrund der Angriffe leer ist. Das schockierende ist die offene Zusammenarbeit am hellichten Tag. (...)

Die griechische Polizei wird übrigens von deutschen Beratern unterstützt. Dies geschieht im Rahmen von FRONTEX und Programmen gegen "Euroanarchisten".


klartext: staatsmacht und faschisten hand in hand gegen jene, die nicht etwa zu den krisenverursachern und -profiteuren gehören, sondern gleich mehrfach zu den losern.

*

ohne die situation eins-zu-eins gleichzusetzen, zum schluß eine frage: haben Sie sich jemals gefragt, wie sich die leute so ca. 1931/32 in europa gefühlt haben?
(und nicht nur in europa)

Samstag, 5. Mai 2012

notiz: der mai ist gekommen

blockupy frankfurt

und ich kann mich des eindrucks schon seit längerer zeit nicht erwehren, dass dieser monat in bezug auf vieles, was den weiteren verlauf der fundamentalen systemkrise (der beitrag ist übrigens 2009 geschrieben) beeinflussen wird, eine entscheidende rolle spielen könnte. und in erster linie auffällig wären da zunächst die international zu beobachtenden reaktionen auf die "neuen" oppositionellen bewegungen des letzten jahres - egal, ob sie occupy, democracia real ya! oder sonst wie heissen. der diesjährige mai ist global als neubeginn, fortsetzung und verstärkung der letztjährigen aktivitäten angelegt, und während damals auch das überraschungsmoment eine rolle gespielt hat, reagieren die repressiven apparate jetzt in der einzigen form, die sie kennen und die ihren inhalt ausmacht: mit verboten, druck und (physischer) gewalt.

blockupy frankfurt bspw. stellt einen in d-land selten genug zu beobachtenden versuch dar, nicht nur "neue" und "alte" widerstandsstrukturen hierzulande zusammen zu bringen, sondern auch auf die internationale bzw. europäische krisenchoreografie von oben endlich den startschuss zur lange überfälligen analogen reaktion von unten zu geben. mittelerweile sind bewegungen, organisationen und gruppen aus italien, griechenland, slowenien, spanien, großbritannien, niederlande, belgien... an der europäischen mobilisierung beteiligt, die richtigerweise direkt zu einigen der hauptakteure in sachen "austeritätspolitik" (heisser kandidat für das unwort des jahres) führt: ins frankfurter bankenviertel mit der europäischen zentralbank im mittelpunkt. das gestern von der stadt frankfurt erlassene totalverbot der gesamten aktionstage passt sich nun durchaus den reaktionen anderer staaten auf analoge proteste an und läuft auf das hinaus, was in einer aktuellen petition gegen das verbot so formuliert wird:

(...) "Damit sollen die Proteste gegen eine Krisenpolitik, die tief in das Leben von Millionen Menschen in Europa eingreift, komplett verhindert werden. Das Bündnis plant während der Aktionstage Proteste gegen die Sparpolitik der europäischen Regierungen und der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF und hatte einen Teil davon als Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und demonstrative Versammlungen (Asambleas) demonstrationsrechtlich angemeldet.

Dieses Verbot ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger skandalöser Vorgang und eine offene Verletzung des verfassungsrechtlich garantierten Demonstrationsrechts." (...)


*

diese tendenz zum puren administrativen niederschlagen aller proteste, die als nucleus für weiteres dienen könnten, ist in den letzten wochen ebenso in den usa - wo im vorfeld der von occupy usa ausgerufenen aktionen zum ersten mai zb. in new york razzien und hausdurchsuchungen
stattfanden, an denen interessanterweise nicht nur die new yorker polizei, sondern auch das fbi beteiligt war; und während des tages selbst an vielen aktionsorten nicht nur eine massive polizeipräsenz, sondern auch viele größere und kleinere zusammenstöße zwischen demonstrierenden und eben dieser polizei zu verzeichnen waren -, wie auch in der vielleicht deutlichsten art & weise in spanien sichtbar geworden, wo die angekündigten neuen gesetze deutlich auf die bewegung M15 / die indignados zielen:

(...) "Ein (...) im Parlament eingebrachter Gesetzesentwurf sieht drastische Strafen für die Organisatoren gewalttätiger Ausschreitungen vor. Mindestens zwei Jahre Gefängnis will der Politiker des rechten Partido Popular (PP) für Anstiftung zur Störung der öffentlichen Ordnung durch Medien oder soziale Netzwerke durchsetzen. Der Minister warnt vor "Gewalt in großem Ausmaß", die mit "Techniken der Stadtguerilla" organisiert werde.

Auch Blockaden öffentlicher Gebäude sollen unter das neue Gesetz fallen, ebenso "aktiver oder passiver Widerstand gegen die Sicherheitskräfte". Somit würde es der Polizei erleichtert werden, gegen Demonstranten vorzugehen, die sich Räumungsanordnungen widersetzen.

Besonders die Jugendbewegung der "Indignados" (Empörten) hatte im Vorjahr zu friedlichen Platzbesetzungen aufgerufen." (...)


das bedeutet im klartext nichts anderes, als das bereits eine reine - und passive - sitzblockade von mit ihren armen eingehakten menschen künftig mit knast bedroht ist und mittels der juristischen winkelzüge per definition bereits irgendwo im vorfeld des "terrorismus" angesiedelt wird. es blieb dem katalanischen innenminister vorbehalten, die logik hinter diesen deutlich selbst die rudimentärsten mindeststandards der sog. bürgerlichen demokratie aushebelnden maßnahmen in die welt zu tröten:

(...) "Puig betonte, dass die Strafrechtsreform nicht erreichen solle, dass mehr Menschen im Gefängnis landen, sondern dass er darauf hoffe, dass "die Leute mehr Angst vor dem System haben und deshalb nicht mehr so wagemutig sind". (...)

dieser satz ist immerhin von erfreulicher offenheit, macht er doch für alle mit auch nur einem hauch von wahrnehmungsvermögen nicht nur den aktuellen systemstatus (aus der perspektive von oben) deutlich, sondern schafft auch klarheit darüber, wohin die reise (ohne groß zu spekulieren lässt sich hier meiner meinung nach sagen: der gesamten sog. westlichen, bürgerlich-kapitalistischen demokratiesimulationen) hingehen soll. und das dabei angst einmal mehr eine hauptrolle spielt, dürfte nicht nur für die stammleserInnen hier
keine neuigkeit darstellen.

wie sich eine solche innere verfassung dann auf den strassen darstellt, liess sich u.a. am ersten mai in barcelona beobachten - die vermummten und "zivil" gekleideten schlägertrupps aus dem innenministerium sind alleine durch ihre armbinden als amtspersonen erkennbar:




*

in diesen zusammenhang gehören gleichfalls die in etlichen ländern zu beobachtenden extrem rechten bis
offen faschistischen bewegungen, die trotz ihrer als-ob-systemfeindlichen rhetorik durch und durch selbst einen teil der strategischen kalküle seitens der "eliten" darstellen, auch wenn das potenzial an psychophysischer destruktivität, welches sie anzapfen und ihm ausdruck verleihen, durchaus eine sozusagen authentische option in größeren bevölkerungsteilen darstellt (dass diese option allerdings auch nicht vom himmel gefallen ist, sollte eine binse sein).

jedenfalls: staatliche repression plus faschistische aggression = "elitäre krisenbewältigung". es scheint, dass sich manchmal geschichtliche tragödien doch wieder als tragödien wiederholen wollen. wenn nicht vorher wirkungsvolle grenzen gezogen werden. und in diesem sinne:

wir sehen uns am
12.mai, und danach in frankfurt.

Samstag, 10. März 2012

notiz: fukushima. war da was? ja, und da IST noch was

vor fast einem jahr hatte ich hier den ersten beitrag zu einer - wie wir heute wissen - der größten katastrophen des atomzeitalters geschrieben. und es wird nicht nur zeit, sich an die damaligen geschehnisse zu erinnern, sondern sich klar zu machen, das die katastrophe noch längst nicht vorbei ist und möglicherweise noch nicht einmal ihren gipfel erreicht hat. das folgende kann ich nur mit einer dringenden seh-empfehlung versehen - zwei teile:





trotz seiner etwas reisserischen aufmachung macht der film nachdrücklich einiges klar:
  • erstens: das akw in fukushima war bereits vor dem 11. märz 2011 in einer verfassung, die mit dem wort "schrottreaktor" noch freundlich beschrieben ist
  • zweitens: ebenfalls noch freundlich ist die wertung "mafiös" für das gezeigte treiben von behördlicher "atomaufsicht", japanischer politik und "tepco". es sieht schwer danach aus, als würde genaueres nachbohren beim "atomdorf" schnell zur yakuza führen, der tatsächlichen (und bestens mit politik und ökonomie verbandelten) japanischen mafia. die dort wie überall anders auf der welt "nur" die reinste inkarnation kapitalistischer und antisozialer maximen darstellt
  • drittens: für den fall eines wie im film erwähnt wahrscheinlichen weiteren schweren bebens innerhalb der nächsten jahre könnte sich auf dem atomaren schrottplatz etwas zutragen, was sich wie ein motiv aus einem billigen sci fi b-movie anhört: eine weitere kernschmelze, diesmal allerdings gleich unter freiem himmel
  • viertens: über das volle ausmaß der nicht nur in japan, sondern auch im pazifik vorhandenen verstrahlung innerhalb des letzten jahres werden wir vermutlich erst etwas in weiterer zukunft erfahren
*

alles in allem ist das thema genauso unerfreulich und bedrückend wie so ziemlich alles andere, was sich derzeit in der welt abspielt. nicht nur die vielzahl von - im wahrsten sinne des wortes - brennpunkten zwingt mich dazu, das stück für stück aufzugreifen; auch bin ich derzeit und die nächsten wochen so von meiner (lohn)arbeit eingespannt, dass es hier auch weiterhin erstmal nur mit größeren abständen weitergeht. aber ich möchte auch den lesern und leserinnen danken, die bei den letzten beiträgen unten bewiesen haben, dass sich das lesen der kommentare in aller regel ebenfalls lohnt - ganz ohne mich ;-) bis demnächst also.

Mittwoch, 15. Februar 2012

notiz: solidarität mit der griechischen bevölkerung! [update]

Wenn in Griechenland Schulkinder im Unterricht vor Hunger umkippen, die Zahl der Obdachlosen explodiert, Eltern ihre Kinder abgeben, weil sie diese nicht mehr ernähren können und bereits 4% der Bevölkerung von Hunger bedroht sind; wenn dazu das Gesundheitswesen kollabiert, die Suizidrate steigt und die Heizkosten unbezahlbar werden, dann sind das bewusst in Kauf genommene Resultate einer Politik, die aufgrund ihrer autoritären und teils offen erpresserischen Durchsetzung von Marktinteressen nicht mehr nur als antidemokratisch gelten, sondern auch als offen antisozial bezeichnet werden muss.

Die unsozialen Bestrebungen der europäischen Regierungen in der Euro- und Finanzkrise entsprechen in keiner Weise den Grundvoraussetzungen eines solidarischen Zusammenlebens auf der Welt.

Wir distanzieren uns von der Art und Weise, wie unter der Federführung der Vertreter von EU-Institutionen die Interessen von Banken und Wirtschaftseliten durchgesetzt werden und die soziale Fürsorge minimiert wird. Zu allen diesen fundamentalen zukunftsrelevanten Entscheidungen gab es weder Wahlen noch ein Referendum. Die Regierungen sind daher zu solchen Maßnahmen nicht legitimiert.

Sonntag Nacht konnten wir Zeugen des bisherigen Höhepunktes einer Entwicklung werden, die uns hier in der Bundesrepublik Deutschland als alternativlose Notwendigkeit verkauft wird:

Während das griechische Parlament das neueste "Sparpaket" noch in der Nacht durchpeitschte um "den Aktienmärkten in Tokyo ein positives Signal zu geben", macht sich auf den Strassen von Athen und in vielen anderen Städten Griechenlands die Wut und Verzweiflung von Hunderttausenden auf drastische Weise Luft.

Generalstreik, Massendemonstrationen, Plünderungen, Straßenschlachten und brennende Innenstädte.
Dies alles spricht nicht nur jedem Gerede vom "Friedensprojekt Europa" Hohn, sondern lässt schlaglichtartig auch einen Blick auf unsere nähere Zukunft zu.

Denn nach Griechenland werden Portugal, Spanien, Italien, Belgien, Irland... folgen. Eine - maßgeblich von der Bundesregierung mitzuverantwortende - Politik, die ihr höchstes Ziel in der Beruhigung der sog. "Märkte" und der ständigen Sorge um "die Banken" sieht. Welche jegliche "Belastung" der besserverdienenden Schichten ablehnt, aber das Kaputtsparen der Renten- und Gesundheitssysteme und die Zerschlagung noch der geringsten sozialen Errungenschaft als Allheilmittel betrachtet.

Diese Art der Politik ist schlicht und einfach ungerecht und führt im Kern zu sozialen Verwerfungen und Konflikten von, in der jüngeren europäischen Geschichte, nicht gekannter Art.

Die drastischen Kürzungen im Sozialbereich, die zu menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen führen, gehen auf Kosten derjenigen, die diese Krisen weder verursacht haben noch für das Scheitern eines ganzen Finanzsystems verantwortlich gemacht werden können. Ihnen gilt unsere volle Solidarität.

Gegen diese scheinbar unaufhaltsamen Auswüchse einer zunehmend imperialistischen, anti-demokratischen und neoliberalen Politik müssen wir gemeinsam Widerstand leisten. Mit Menschlichkeit und offenen Herzen, denn Europa ist mehr als nur ein Wirtschaftsraum: Es ist unser aller Lebens- und Handlungsraum

Lasst uns zusammen diesen Raum zurückerobern, vereint im gemeinschaftlichen Widerstand gegen diejenigen, die uns unsere Lebensgrundlagen streitig machen wollen.

Einen Widerstand, den die Menschen in Griechenland schon lange leben; einen Widerstand, dem wir uns anschließen!

Konkret fordern wir:

• Schluss mit dem Wahnsinn einer "Sparpolitik", die Massenverelendung erzeugt!

• Keine "Rettungspakete" mehr, die alleine Banken und sog. "Investoren" die Taschen füllen!

• Keine weiteren deutschen Rüstungsgeschäfte mehr mit der griechischen Regierung!

• Schluss mit der medialen und offiziellen (aus Parteien und Regierung) Hetze gegen "die faulen Griechen / Südländer"!

• Für sofortige finanzielle und materielle Unterstützung der Notleidenden in Griechenland

• Für echte Demokratie, nicht nur in Griechenland

Σας βλέπουμε. Σας ακούμε. Σας αγκαλιάζουμε.
Wir sehen Euch. Wir hören Euch. Wir umarmen Euch.

Echte Demokratie Jetzt Bremen

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das obige bildet einen teil der nötigen kommentare zur aktuellen situation, und im großen und ganzen kann ich die inhalte nicht nur so unterschreiben, sondern vertrete sie sowohl für mich als auch als beteiligter an edj mit. in zeiten wie diesen gewinnt das das altbackene und vielfach abgenudelte wort "demokratie" einen revolutionären touch, und diese tatsache sagt mehr als vieles andere alles darüber aus, auf welch katastrophalen wegen wir uns mittlerweile befinden.

*

ansonsten: ich habe grad viel zu viel um die ohren, hoffe aber, dass sich das ab märz in bestimmten bereichen beruhigt - und spätestens dann wird hier auch wieder mehr passieren.

*

edit am 17.02.: es gibt für morgen, samstag den 18.02., einen europa- und weltweiten aufruf für solidaritätsaktionen; auch in griechenland selbst dürfte sich wieder einiges an widerstand regen. real democracy now greece hat einen
überblick zu den bisher bekannten und geplanten aktionen.

Mittwoch, 11. Januar 2012

notiz: tja...

...da hatte ich im letzten beitrag etwas verprochen, was ich dann nicht halten konnte - darum und aus weiteren gründen verzichte ich bis auf weiteres auf entsprechende ankündigungen. ich stelle nach ein paar monaten aktivität bei "echte demokratie jetzt" einfach fest, dass mich das zeitlich mehr "fesselt", als ich vorher dachte - zwei dazugekommene wöchentliche termine plus eine steigende zeit im zugehörigen forum neben meiner lohnarbeit lassen die arbeit am blog momentan etwas ins hintertreffen geraten, und dazu trägt dann auch mein immer noch vorhandenes angewiesensein auf öffentliche onlinezugänge sein scherflein bei - wobei: wenn letzteres anders wäre, hätte ich vermutlich schon länger mit den folgen von schlafmangel zu kämpfen...

nichtsdestotrotz wird es hier natürlich weitergehen, wenn auch wahrscheinlich die nächste zeit erstmal in größeren abständen. um Sie zwischenzeitlich trotzdem auf trab zu halten ;-), gibt´s in der folge ein wahres sammelsurium an links, die mir die letzten wochen aufgefallen sind - alles zu themen, die hier schon irgendwo und irgendwann angesprochen wurden und geeignet, um vieles zu vertiefen, aufzufrischen oder auch neu zu betrachten. ich wünsche einige anregende lesestunden!

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"Konformität - Wem gehört mein Leben?"

gut lesbarer artikel mit einem schwerpunkt der kritik am in dieser gesellschaft verbreiteten begriff der "individualität", die ja nicht nur meiner meinung nach keine ist - jedenfalls keine authentische -, sondern real eher auf vereinzelung hinausläuft, bei der dann mittels gesellschaftlich vorgegebener schablonen mittels konsum individualität simuliert wird.

(...) "Innerhalb bestimmter Vorgaben haben wir unendliche Bewegungsfreiheit. Wir dürfen entscheiden, ob wir blaue, rote oder weiße T-Shirts kaufen. In welcher Disco wir uns abends die Birne zuknallen. Ob wir am Ende unseres Lebens lieber ein traditionelles oder modernes Begräbnis haben wollen – wie uns derzeit die Hamburger U-Bahn-Werbung wieder erinnert. Und was ist mit dem Rest?" (...)

könnte sein, dass die ernsthafte beschäftigung mit dieser frage umstandslos zu depressionen führt.

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ein zusammenhang, der sich als verdacht schon länger aufdrängt:
"Kinder mit geringerem IQ neigen später eher zum Rassismus:

(...) "Wer als Zehnjähriger in Intelligenztests schlecht abschneidet, pflegt als Erwachsener eher rassistische Vorurteile, berichten Psychologen um Gordon Hodson von der Brock University in Kanada (Psychological Science, online).

Rechts-konservative politische Anschauungen spielten dabei die Rolle als Katalysator, argumentieren die Psychologen: Menschen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten neigten eher politischen Meinungen vom rechten Rand zu, "weil diese Stabilität und Ordnung im psychologischen Sinne bieten". Da diese Ideologien den Erhalt des Status quo betonten, förderten sie Vorurteile gegen andere soziale Gruppen, die diesen vermeintlich gefährdeten. Die Psychologen analysierten Daten aus zwei Langzeitstudien mit etwa 16.000 Briten.

In einer zweiten Studie untersuchten die Psychologen die Einstellung von etwa 250 US-Studenten zur Homosexualität. Je geringer die Fähigkeit der Probanden zu abstraktem Denken war, desto heftiger fiel auch die Ablehnung gegen Homosexuelle aus." (...)


wobei ich sagen muss, dass ich die ergebnisse erstens nicht überraschend finde, zweitens aber die betonung / focussierung auf die primär kognitiven (instrumentell-analytischen) fähigkeiten ihrerseits für einen denkfehler. es wäre aufschlussreicher, wenn hier nicht nur der "intelligenzquotient" beforscht worden wäre, sondern vor allem der jeweilige psychophysische status der probanden in verbindung mit ihrer sozioökonomischen situation. "kognitive defizite" können ( nicht müssen) symptome für traumatische biographien sein; ebenso (und oft genug in verbindung damit) für ökonomische armut, die wiederum stark verdächtig ist, direkt auf die
frühkindliche (hirn-)entwicklung negativ einzuwirken. immer noch ist die etablierte wissenschaft so ziemlich aller bereiche im netz ihrer eigenen dissoziierung ("fachidiotentum") gefangen. würde sie sich darüber hinausentwickeln (einzelne tun das durchaus), müsste sie quasi sofort zu einer analyse der heutigen sozialen verhältnisse kommen, die in ihrer radikalität kaum vorstellbar wäre - es wäre eine vernichtende analyse. ansätze dazu finden sich zaghaft übrigens u.a. in den neurowissenschaften.

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stichwort dissziation:
"Bin ich viele?" . ein text, der einen ganz brauchbaren überblick zum aktuellen status der diagnose "dissoziative persönlichkeitsstörung" liefert:

(...) "Unter extremer Belastung könne der Mensch Gefühl und Verstand voneinander trennen. Er könne Teile seines Gedächtnisses, seiner Wahrnehmung oder seines Identitätsgefühls von seinem Bewusstsein abspalten. Doch heute seien diese Symptome weniger stark ausgeprägt als früher, zum einen, weil der Umgang mit Missbrauch und Misshandlungen offener geworden ist: "Die Patienten sind eher bereit über solche Erfahrungen zu sprechen, damit gelingt die Integration der abgespaltenen Funktionen leichter." Zum anderen auch, weil Therapeuten heute mehr Erfahrungen mit dissoziativen Störungen haben. (...)

als jemand, der bereits jahrzehntelang mit einem dissoziierten ("multiplen") menschen sehr gut befreundet ist, kann ich sowohl die existenz als auch den teils skandalösen umgang mit diesem phänomen seitens großer teile der medizinischen zunft bestätigen. und es ist typisch, das im gegensatz zu anderen, wesentlich zweifelhafteren diagnostischen modellen gerade dieses regelrecht zur anerkennung durchgekämpft werden musste. zu einer spezifischen und primär körperlichen variante von dissoziationen siehe übrigens
diesen beitrag hier von neulich.

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das thema mafia - als synonym für eine global verbreitete form hoher strukturierter organisierter kriminalität - gehört ja aus gründen zu den inhaltlichen dauerbrennern hier. und das folgende passt darum nicht nur in den kontext "wirtschaftskrise":
"Mafia ist Italiens solideste Bank":

(...) "Das organisierte Verbrechen kann mit einer Liquidität von 65 Milliarden Euro rechnen, so viel wie kein Geldhaus im Stiefelstaat, geht aus dem Jahresbericht des Kaufleuteverbands Confesercenti hervor. "In dieser Krisenphase ist die Mafia AG die einzige Struktur, die über liquide Mittel für Investitionen verfügt", warnte Confesercenti-Präsident Marco Venturi.

Die Mafia nutze die Krise aus, um immer tiefer in das Wirtschaftssystem in Nord- und Mittelitalien einzudringen. Das organisierte Verbrechen sei Italiens Unternehmen mit dem höchsten Umsatz. Wie aus der Studie hervorgeht, steht die Kriminalität in dem Mittelmeerland mit 140 Milliarden Euro Umsatz für sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der Jahresbericht von Confesercenti nannte illegale Müllentsorgung, Schutzgelderpressung, illegalen Geldverleih, Diebstahl, Betrug und Schmuggel als Hauptgeschäftsbereiche der kriminellen Organisationen.

Die Mafia dringe jedoch auch immer tiefer in den Verkehrs- und Logistikbereich sowie in die Glücksspielbrache und in den Sport ein." (...)


da muss ich dann nochmal ein "tja!" hinterherschieben.

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vor einigen wochen hatte ich "occupy nigeria!" angekündigt - pläne von gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen gruppen, gegen die streichung der subventionierung von benzin für die bevölkerung dort mittels taktiken und bezugnahme auf die globale occupy-bewegung anzugehen. sie haben sich dort an ihren zeitplan gehalten; seit letzten montag kommt es zu diversen aktionen und teils militanten massenprotesten, die hierzulande fast völlig im medialen rauschen um die islamistischen anschläge in nordnigeria untergehen - darum hier eine mediale ausnahme, weil sich die zustände dort inzwischen in die richtung eines
unerklärten generalstreiks entwickeln:

(...) "Während des landesweiten Streiks in Nigeria gegen die stark gestiegenen Benzinpreise hat die Polizei am Montag nach Gewerkschaftsangaben einen Demonstranten erschossen. Der Vorfall habe sich in der Wirtschaftsmetropole Lagos ereignet, teilte der Vorsitzende des Nigeria Labour Congress (NLC), Abdulwahed Omar, mit. In der nördlichen Stadt Kano gab es laut Rotem Kreuz bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten mindestens 14 Verletzte, davon sieben mit Schusswunden. (...)

Ein AFP-Reporter berichtete aus Kano, die Polizei habe in die Luft geschossen und Tränengas eingesetzt, als tausende Demonstranten versuchten, das Büro des Gouverneurs zu stürmen. Einige Demonstranten setzten zwei Fahrzeuge in Brand und versuchten, das Haus von Zentralbankgouverneur Lamudi Sanusi anzuzünden, wurden aber von der Polizei daran gehindert. (...)

Es wird erwartet, dass nicht nur Angestellte der Ölindustrie, sondern auch Mitarbeiter zahlreicher anderer Branchen die Arbeit niederlegen werden. Der britische Sender BBC berichtete, dass sich unter anderem auch Anwälte und Studenten an den Protesten beteiligen wollten. Wie lange der Streik dauern wird, war zunächst offen. Obwohl der Krisenstaat das größte Öl-Förderland Afrikas ist, leben die meisten Menschen weiter in bitterster Armut." (...)


im prinzip auch ein streik gegen
"shell" (ganz nach unten im beitrag scrollen). die proteste werden übrigens nicht nur in den usa wahrgenommen.

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überhaupt occupy / democracia real ya!: lassen Sie sich nicht vom abflauen des medialen hypes täuschen - in sehr vielen ländern sind seit dem letzten herbst arbeits- und tragfähige strukturen entstanden, die sich allesamt auf ein turbulentes und womögliches entscheidendes jahr 2012 vorbereiten. ich werde den letztens angekündigten beitrag zu meinen eigenen erfahrungen noch nachreichen; für den moment ist es für leserInnen in diesem land vielleicht am interessantesten, sich jetzt schon mit einigen terminen des frühjahrs vertraut zu machen. ganz nah ist bereits der
15. januar - der kommende sonntag stellt weltweit für die diversen occupy-bewegungen den start ins jahr dar. der 31. märz wurde nicht aus dem occupy-umfeld initiiert, was aber erstens nichts macht und zweitens auch niemanden von der teilnahme abhalten soll und wird. der european day of action against capitalism wird bisher von linken gruppen und basisgewerkschaften aus d-land, griechenland, spanien, polen und österreich getragen und soll die erste - logische -aktion des jahres werden, die die zwar zunehmende und nötige, aber immer noch unzureichende vernetzung des europäischen widerstands gegen die aufdiktierten krisenmaßnahmen bündelt und ausdrückt.

mit ähnlichen intentionen wird gleichzeitig bereits der
15. mai vorbereitet. als zentrales datum der spanischen bewegung "m-15" anlaß für "jubiläumsfeiern" größeren ausmaßes:

"...seit 2011 findet die Krise ihren Widerhall endlich auch in einer Vielzahl von Assambleas und Besetzungen weltweit: Tunis, Kairo, Madrid, Barcelona, Tel Aviv, Athen, New York, Oakland... Seit Monaten belagern Zelte der occupy-Bewegung auch die EZB in Frankfurt. Den Finanzplatz Frankfurt im Visier zu behalten, ist von entscheidender Bedeutung: hier trifft sich die Troika von EZB, IWF und EU-Kommission, hier wird ausgehandelt, was die deutsche Bundesregierung und ihre Verbündeten europaweit durchsetzen wollen.

Deshalb wollen wir mit einer europaweiten Mobilisierung nach Frankfurt ein unübersehbares Zeichen der internationalen Solidarität und des antikapitalistischen Widerstandes setzen. Wir wollen zeigen, dass auch in Deutschland, dem Herzen der Bestie der europäischen Krise, keine Ruhe mehr herrscht. Wir wollen zeigen, dass sich die Bewegungen in Europa nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern den Kampf gegen die Kürzungsdiktate der Troika gemeinsam führen. Wir wollen zeigen, dass handzahmer Protest gegen die sozialen Angriffe nicht ausreichend ist, sondern dass es europaweit massenhaften und entschlossenen Widerstand geben muss.

Deshalb rufen wir zu ungehorsamen Massenaktionen im Mai auf: Machen wir Frankfurt dicht, blockieren wir den Verkehr, die Banken, die ganze Stadt. Unterbrechen wir das Geschäft derer, die uns für ihre Krise in Haft nehmen wollen ..."


occupy usa mobilisiert dazu noch für den 29. februar (doch, den gibt´s dieses jahr) für einen us-weiten aktionstag unter dem motto...


shut down the corporations

shutdown the corporations. es wird also keinerlei große pausen geben, schon deshalb nicht, weil sich trotz solcher (nötigen) internationaler großaktionen die wichtigste arbeit im alltäglichen abspielt, in den camps, virtuellen und realen foren und asambleas der bewegung. aber zu letzterem wie gesagt in einem der nächsten beiträge mehr.

Freitag, 30. Dezember 2011

notiz: zwischenzeiten

ja, ich habe mich etwas rar gemacht die letzten wochen - primär sind´s zeitgründe, dann immer noch das angewiesensein auf fremde onlinezugänge. dazu kommt dann noch ein größeres engagement im (halböffentlichen) forum unseres örtlichen "echte demokratie jetzt"-ablegers. in der nächsten woche jedoch habe ich mehr zeit und raum, um mal zumindest einiges liegengebliebene aus dem dann vergangenen jahr nachzuholen. es war ohne jeden zweifel ein jahr mit diversen zäsuren, und ich würde einiges darum geben, einen zeitsprung von zwölf monaten unternehmen zu können - das nächste jahr muss und wird einige einschneidende entscheidungen zur zukunft dieser welt bringen.

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für die nächsten tage bietet sich das schauen des folgenden films an:




ich werde in der nächsten woche noch einiges zu meinen eigenen erfahrungen und eindrücken von und mit "occupy / echte demokratie jetzt" schreiben und spare mir deshalb an dieser stelle einen kommentar zum film.

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und sonst? die indexaktualisierung muss weiter warten; eventuell muss ich das teil für teil in angriff nehmen. da der fehlende zeitraum nun über eineinhalb jahre umfasst, wird das ein hübsches stück arbeit werden. die linkliste(n) werde ich mir ebenfalls noch mal anschauen; es gibt besonders bei den blogs ein paar kandidaten, die nachzutragen wären.

und zum schluß: danke an die leser und leserinnen hier für Ihre / eure aufmerksamkeit und die kommentare. kommen Sie gut rein und rüber.

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edit: hab noch was vergessen, und zwar zwei links auf interviews, deren themen und auch deren art & weise ich sehr interessant und ansprechend fand, und die sich beide auch für die nächsten tage zur lektüre eignen, weil sie etwas zeit voraussetzen. einmal wäre das
"Es gibt eine quasi-religiöse Sehnsucht der Menschen, etwas Überwältigendes zu erleben" - ein interview über die sich seit ca. mitte der 1990er jahre in europa wahrnehmbar ausbreitenden ayahuasca-"ritualkreise". es ist wahrscheinlich - neben lsd - die überhaupt stärkste bekannte psychoaktive mischung verschiedener pflanzlicher inhaltsstoffe, und hat eine sehr spannende geschichte, wie ich finde. weitere infos finden sich hier. überflüssig zu erwähnen, dass ich den konsum weder empfehle noch verdamme.

und dann wäre da noch ein interview mit zwei dozentInnen der "psychologischen hochschule berlin" zum oberthema
"Warum haben die Menschen psychische Störungen?". beide interviews berühren natürlich inhaltlich an vielen stellen dieses blog und haben auch untereinander etliche verbindungslinien; darum seien sie hier empfohlen.

Freitag, 16. Dezember 2011

notiz: "wir sinken nicht, wir sinken nicht, wir sinken ni...blubb"

statt vieler worte zur eindeutig tag für tag immer absurder werdenden zeit heute ein passender filmischer kommentar, entstanden vor jahrzehnten unter der regie von terry jones (mitglied bei monty python, wie sich unschwer sehen und hören lässt). passt perfekt.

Montag, 12. Dezember 2011

notiz: in der kommenden nacht...

...empfiehlt es sich für alle, die zeit und gelegenheit (ich habe weder das eine noch das andere gerade) haben, einen medialen blick auf die westküste der usa zu werfen:

westcoastportshutdown

das hat neben den zunehmenden aktionen in sachen zwangsräumungen und hausbesetzungen in den usa das potenzial dafür, eine echte kraftprobe in vielerlei hinsicht zu werden - über die häfen der westküste laufen faktisch alle china-importe, die reaktionen der hafen- und transportarbeiter werden interessant sein, und nicht zuletzt stellt sich auch wiederholt die frage, wie die staatsgewalt reagieren wird.

direkt zur mobilisierungsseite:
westcoastportshutdown.

vielleicht kann jemand noch livestreams nachtragen?

Samstag, 3. Dezember 2011

notiz: zustandsbericht aus griechenland

ich hatte vor einigen wochen schon die schulkinder erwähnt, die im unterricht vor hunger ohnmächtig werden, oder aber auch die pflegekräfte einer psychiatrischen klinik, die hauptsächlich ihre zeit damit verbringen, nahrung für ihre patientInnen zu organisieren - das solche meldungen keine übertreibungen sind, macht eine momentaufnahme aus dem "gelben forum" deutlich - die autorin lebt als auswanderin in griechenland:

(...) "Was die soziale Lage vor Ort betrifft, so muss ich aufpassen, nicht in Katastrophismus und Gejammere zu verfallen. Nicht mich persönlich betrifft das, Gott sei Dank. Ich versuche das mal, in recht dürre Worte zu fassen. Die Krise hat nunmehr die „unteren Schichten“ voll erfasst. Die Medien sind mehr und mehr voll von Berichten über Hunger, Obdachlosigkeit, Verzweiflung. Auch in meinem Umfeld kenne ich nunmehr mehrere Familien, die vor dem absoluten Nichts stehen. Keine (NULL) Einnahmen, weil es ein soziales Netz in Griechenland nicht gibt. Sie sitzen in kalten Häusern (in Nordgriechenland derzeit Nachttemperaturen gegen Null, tagsüber maximal 10) und freuen sich, wenn Bekannte vorbei kommen und etwas zu Essen vorbei bringen. Ein wenig Brot zaubert ein Lächeln auf die Lippen.

Ich kenne Kinder, die keine Winterschuhe haben, keine warme Jacke. Es ist erschreckend, wie schnell das ging – und (mal ganz ehrlich), es macht auch sprachlos. Ich gehöre zur privilegierten Generation, ich kannte keine Not. Alles wenn dann nur aus dem Fernsehen oder Büchern. Jetzt ist es in der Nachbarschaft, bei Freunden angekommen. Wie gesagt, kein Gejammere. Nur eine Nachricht an alle, die so was immer noch nicht für wirklich möglich halten, für surreal da außerhalb des Erfahrungshorizontes: Es geht schnell. Sehr schnell.

Heute war ein relativ windstiller Tag. Die Luft ist durchzogen von Rauchschwaden. Über Thessaloniki hängt dicker Smog wie sonst im Sommer. Die Menschen heizen mit Holz. Heizöl ist zu teuer geworden. Heute wieder gesehen: Ein alter Mann, der einen Bollerwagen mit Reisig hinter sich her zog. (...)

An den Straßen verkaufen Menschen das, was sie grad anzubieten haben. Eier, ein paar Kräuter, selbst gestrickte Socken ...

Die „mittleren Schichten“ sind verzweifelt. Denn sie wissen, dass sie nur noch ein Schrittchen von all dem entfernt sind. Das Schlimmste ist wirklich die Hoffnungslosigkeit. Keiner weiß, wie es weiter gehen soll. Und die Troika spricht von weiteren Austeritätsmaßnahmen als Voraussetzung für das nächste „Hilfspaket.“ In Milliardenhöhe. Fünf Pensionsfonds sind pleite." (...)


behalten Sie das im hinterkopf, wenn Sie das nächstemal wieder die fratzen von merkel, sarkozy, lagrange, barroso, ackermann et al. irgendwo sehen - das ist das, was diese herrschaften real produzieren. und auch diejenigen, die immer von "schwarzmalerei" reden, sollten sich besonders das merken:

"Es geht schnell. Sehr schnell."

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