assoziation: wenn die masken fallen - und einiges unsortierte zum *schrecklichen gelächter* (1) (update)

besonders die angehörigen der sog. politischen "eliten" müssen ja bekanntlich angesichts der hohen präsenz von kameras und mikrofonen in ihrem alltag besonders darauf achtgeben, dass die als-ob-fassaden (simulieren von verantwortlichkeit, humanität, friedensliebe...) gut sitzen. sonst können dabei solche sachen geschehen wie vor ein paar jahrzehnten dem damaligen us-präsidenten reagan, der bei (irrtümlich) schon laufenden mikros fröhlich seine geheimen träume ausplauderte:

"My fellow Americans, I am pleased to tell you I just signed legislation which outlaws Russia forever. The bombing begins in five minutes.

(Liebe amerikanische Mitbürger, ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich gerade ein Gesetz unterzeichnet habe, das Russland für immer für vogelfrei erklärt. Die Bombardierung beginnt in fünf Minuten.)"


solches wurde und wird dann normalerweise mit auffälliger rücksichtnahme und irgendwie peinlich berührt schnell unter den teppich gekehrt, und als "mißglückter bzw. schlechter scherz" abgehandelt.

so ist es auch gerade wieder zu beobachten, und das stichwort rußland liefert den übergang von reagan zu einem seiner heutigen kollegen im antisozialen geiste, dem russischen leader putin:

(...)"Beim Treffen mit Israels Regierungschef Ehud Olmert sagte er, dieser möge den israelischen Präsidenten Mosche Katzav, der der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung beschuldigt wird, grüßen lassen: „Was für ein starker Kerl! Zehn Frauen hat er vergewaltigt. Das hätte ich ihm nicht zugetraut. Er hat uns alle überrascht. Wir beneiden ihn alle.“ So zumindest übersetzen die Nachrichtenagenturen das Zitat aus der russischen Zeitung Kommersant. In Wirklichkeit hat Putin nicht „vergewaltigt“ gesagt, sondern: „Mit zehn Frauen ist er fertig geworden“."(...)

was es natürlich kein stück besser macht. solche zitate, die neben dem bekannten handeln dieser leute die antisozialen bis soziopathischen (mindestens) teile ihrer persönlichkeitsstruktur sehr deutlich machen, kommen bezeichnenderweise nur durch eine art pannen überhaupt in die öffentlichkeit:

(...)"Der Journalist kommentierte das Gehörte mit den Worten, das sei einer jener Momente gewesen, in denen man seinen Ohren nicht traue."

(überall auf der welt sind die schäfchen darauf konditioniert, in ihren henkern stets nur gütige und verantwortungsvolle schäfer wahrnehmen zu wollen.)

"Der Journalist äußerte die Vermutung, Putin habe offenbar nicht bemerkt, dass die Mikrofone noch eingeschaltet waren und dass Kolesnikow sich als einziger Journalist noch im Saal aufhielt."(...)

und die für die medienpolitik verantwortlichen in der russischen administration haben offensichtlich keinerlei ahnung davon, wie solche "erklärungen" eigentlich ankommen:

(...)"Es habe sich um einen Übersetzungsfehler gehandelt, versuchte der Kreml heute die Wogen zu glätten. Bei der Übertragung vom Russischen ins Englische werde ein Witz oft nicht richtig wiedergegeben, sagte ein Sprecher heute."(...)

einen witz wollt´ er sich also machen. wer über die verhältnisse in rußland, putins biographie, üblichen männlichen sexismus und das noch kaum verstandene weltweite revival patriarchaler strukturen plus deren gewalttätigkeit länger nachdenkt, wird diesen "witz" einzuschätzen wissen, von dem übrigens ein hintergrund das hier ist:

(...)"In Israel bereitet die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Katzav vor. Zwei ehemalige weibliche Angestellte werfen dem Präsidenten vor, er habe sie mit Drohungen sexuell gefügig gemacht. Nach der Veröffentlichung dieser Vorwürfe hatten sich weitere Frauen gemeldet, die dem Staatsoberhaupt sexuelle Nötigung vorwerfen. Katzav beteuerte wiederholt seine Unschuld und bezeichnete sich als Opfer eines Erpressungsversuchs."(...)

derartige und andere gewalt witzig zu finden, ist ein wahrlich bemerkenswerter zug - oder zutreffender: vielleicht schon ein klinisch relevantes symptom, zb. für die in der icd unter F60.2 registrierte krankhafte störung?

*

edit am 23.10.: der beitrag ist jetzt bei den assoziationen gelandet, und das nicht ohne grund - die frage "was wird eigentlich warum als witzig empfunden?" beschäftigt mich immer wieder mal, und hat bspw. anläßlich des sog. "karikaturenstreites" vor einiger zeit zu einem (nicht veröffentlichten) beitrag geführt, aus dem ich im folgenden einiges entnehme.

zunächst aber ein paar ergänzungen: 1. reagan hat bei seinen zitierten massenmordwünschen gelacht. 2. es ist imo hinsichtlich des hier thematisierten uninteressant, ob putin seine sprüche womöglich "ironisch" gemeint hat (ich glaube das bei betrachtung des handelns von putin und seiner "administration" sowohl innen- wie außen"politisch" absolut nicht - solche leute haben keinen humor, bzw. eher eine bösartige abart davon). 3. ich habe vom revival patriarchaler strukturen geschrieben - und finde das jetzt einen klaren fehler, aus mehreren gründen: von einem revival kann höchstens unter einem bestimmten blickwinkel hinsichtlich der verhältnisse in den westlichen ländern gesprochen werden - susan faludi hat das in den 1990ern in "backlash" speziell bezgl. der lage weißer frauen aus der sozioökonomischen mittelklasse ganz gut herausgearbeitet. im rest der welt sieht und sah es nicht viel besser aus als in den letzten jahrhunderten. dazu kommt, dass eigentlich eine neudefinition des patriarchatsbegriffs längst überfällig ist - in kürze skizziert, würde unbedingt dazu gehören: die koppelung männlichkeit/objektivität aufzulösen (letztere ist geschlechtslos); die ansatzweise begonnene thematisierung patriarchaler verhältnisse in und unter männern weiterzuführen; und die ebenfalls ansatzweise begonnene diskussion zu frauen als täterinnen ebenfalls fortzusetzen. klingt für Sie wie böhmische dörfer? macht nichts, wird zukünftig hier im blog etwas deutlicher werden, was ich selbst unter den benannten punkten verstehe - zb. beim traumathema.

*

was das schreckliche lachen anbelangt, habe ich bereits in anderen inhaltlichen zusammenhängen hier öfter die these vertreten, dass die nazis bei der kenntlichmachung bestimmter essentieller machttechniken und auch bei der sichtbarmachung der durch machtverhältnisse stattfindenden bzw. diese verhältnisse selbst mit hervorbringenden bösartigen psychophysischen deformationen bis heute quasi unerreicht sind. und ich neige in den letzten jahren mehr und mehr zum standpunkt, dass ganz wesentliche lektionen, die wir durch die nazis hinsichtlich unserer menschlichen optionen lernen könnten, bis heute nicht begriffen worden sind - ganz im gegensatz zur behauptung, dass die zeit des nationalsozialismus aus der sicht der geschichts- und sozialwissenschaften so gut erforscht sei wie kaum eine andere geschichtliche epoche. im sinne der streng objektivistischen mainstreamwissenschaften mag das sogar zutreffen - aber wieviele tatsächliche erkenntnisgewinne, gar im sinne einer wirksamen prävention, sind dabei rübergekommen?

*

naziführer unter sich, nach dem pogrom vom 9. november 1938. gesprochen wird über "sühne- und gegenmaßnahmen" gegenüber "den juden". einer von ihnen wird das protokoll seiner eigenen worte selbst kommentieren.

Ich hatte das Dokument 1816 PS, das die stenographische Niederschrift über die (...) Sitzung vom 12.11.1938 enthält, mitgebracht und übergab es dem Angeklagten durch die kleine Schiebeklappe, die für diesen Zweck rechts unten im Gitter angebracht ist. Göring las sich das umfangreiche Schriftstück durch, lachte ein paar Mal, schüttelte dann aber den Kopf und sagte: "Wir wollen uns lieber darauf nicht mehr beziehen. Die Äußerungen sind doch wohl ein wenig zu kräftig. Hören Sie z.B. einmal:

"Goebbels: ...Weiterhin halte ich es für notwendig, daß die Juden überall da aus der Öffentlichkeit herausgezogen werden, wo sie provokativ wirken. Es ist z.B. heute noch möglich, daß ein Jude mit einem Deutschen ein gemeinsames Schlafwagenabteil benutzt. Es muß also ein Erlaß des Reichsverkehrsministers herauskommen, daß für Juden besondere Abteile eingerichtet werden, und daß, wenn dieses Abteil besetzt ist, die Juden keinen Anspruch auf Platz haben, daß die Juden aber nur dann, wenn alle Deutschen sitzen, ein besonderes Abteil bekommen, daß sie dagegen nicht unter die Deutschen gemischt werden und daß, wenn kein Platz ist, Juden draußen im Flur zu stehen haben.

Göring: Ich finde es viel vernünftiger, daß man ihnen eigene Abteile gibt.

Goebbels: Aber nicht, wenn der Zug überfüllt ist.

Göring: Einen Moment! Es gibt nur einen jüdischen Wagen. Ist der besetzt, müssen die übrigen zu Hause bleiben.

Goebbels: Aber nehmen wir an, es sind nicht so viele Juden da, die mit dem Fern-D-Zug nach München fahren, sagen wir: es sitzen zwei Juden im Zug, und die anderen Abteile sind überfüllt. Diese beiden Juden hätten nun ein Sonderabteil. Man muß deshalb sagen: die Juden haben erst dann Anspruch auf Platz, wenn alle Deutschen sitzen.

Göring: Das würde ich gar nicht extra fassen, sondern ich würde den Juden ein Wagen oder ein Abteil geben. Und wenn es wirklich jemals so wäre, wie Sie sagen, daß der Zug sonst überfüllt ist, glauben Sie, das machen wir so, da brauche ich kein Gesetz. Da wird er herausgeschmissen, und wenn er allein auf dem Lokus sitzt während der ganzen Fahrt."

...und weiter:

"Goebbels:...Es wäre zu überlegen, ob es nicht notwendig ist, den Juden das Betreten des deutschen Waldes zu verbieten. Heute laufen Juden rudelweise im Grunewald herum. Das ist ein dauerndes Provozieren, wir haben dauernd Zwischenfälle. Was die Juden machen, ist so aufreizend und provokativ, daß es dauernd zu Schlägereien kommt.

Göring: Also wir werden den Juden einen gewissen Waldteil zur Verfügung stellen und Alpers (Forstbeauftragter in Preußen) wird dafür sorgen, daß die verschiedenen Tiere, die den Juden verdammt ähnlich sehen - der Elch hat ja so eine gebogene Nase - dahinkommen und sich da einbürgern!"

...Göring lachte so heftig, daß er erst einmal eine Pause machen mußte, ehe er fortfuhr (...)


nun, wie finden Sie das? so machen historische persönlichkeiten geschichte - unsere geschichte. neben (späteren) rentabilitätsberechnungen über solche fragen zb., ob es sich wirklich lohnt, aus den leichen ermordeter seife, lampenschirme und filzstiefel herzustellen, werden auch sehr ernsthaft fragen nach der belegung von eisenbahnabteilen sowie nach der berechtigung des zugangs zum deutschen wald erörtert. der herr göring hat vermutlich tatsächlich geglaubt, dass daran irgendetwas lustiges gewesen sei. eine art von "humor", die (nicht nur) ihm eigen gewesen zu sein scheint:

Aber auch zu den augenblicklichen Verhältnissen in Deutschland hatte er eine Menge Fragen. Als ich ihm erzählte, daß man sich in der Nürnberger Bevölkerung recht viele Gedanken über Kinder der amerikanischen Negersoldaten mache, die jetzt bereits verschiedentlich ausgesetzt würden, und meine schweren Bedenken über die Gewissenlosigkeit der Mütter ausdrückte, die gar nicht an das zukünftige Schicksal dieser armen Kinder dächten, lachte Göring heftig, wischte sich die Augen und sagte, zu mir gebeugt: "Da machen Sie sich mal keine Sorgen! Die kann man ja in einigen Jahren verheizen." -

(notiert hat sich görings reaktionen der rechtsanwaltsassistent werner bross, der als helfer von görings verteidiger otto stahmer in nürnberg in die prozeßvorbereitung und -durchführung involviert war, und darüber die "Gespräche mit Hermann Göring während des Nürnberger Prozesses" veröffentlichte - flensburg 1950, verlagshaus christian wolff. die obigen zitate stammen aus den seiten 35 bis 37 sowie 167 der originalausgabe.)


*

ich begreife görings gelächter als in einem eigenartigen sinne authentisch - authentisch soziopathisch sozusagen. dieses böse gackern ist weltenweit von einem freudvollen, teilenden mitlachen entfernt, von der liebevollen und oft genug leicht boshaften selbstironie, die ich bei menschen sehr anziehend finde. es ist auf niedermachen und zerstören aus, kommt aus einer (halluzinierten) position des obenseins, und findet im dingmodus das mühsame herumkriechen der sklavengemeinde (zu denen faktisch alle anderen ausser sich und der eigenen gang gezählt werden) unter sich unglaublich amüsant. es ist im schlimmsten sinne schadenfroh (eines der treffendsten deutschen wörter, die es überhaupt gibt):

"Die Männer lachen herzhaft, während die Schweine ihre Kiefer in das Menschenfleisch graben. In kurzer Zeit ist von dem armen Teufel kaum noch etwas übrig."

nicht jedes lachen ist gesund. wenn Sie ein solches lachen einmal selbst hören wollen: in der berühmten rede des ss-chefs himmler 1943 in posen gibt es eine solche stelle - hören Sie der originalrede zu und achten Sie darauf, was aus dem publikum nach dem folgenden satz zu hören ist:

"Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude."

*

ohne weitere anmerkungen nun ein teil des nichtveröffentlichten beitrags zum "karikaturenstreit" - ich finde, er passt ergänzend zum thema.

*

beim anblick von islamistischen fundamentalisten werden sich die meisten vermutlich fragen: wo haben die denn humor? haben sie nicht, würde ich sagen. aber das ist oberflächlich, wie die obigen beispiele zeigen - es gibt nachweislich gerade unter sog. "führungseliten" eine art von destruktivem und zynischem gelächter, bei dem der witz immer auf kosten anderer geht. und da unterscheiden sich fundamentalisten aller coleur nicht von der mafia und auch nicht von sog. demokratischen führungspersonen. aber gerade die nazis, auch ihre heutigen selbsterklärten nachfolger, sind in dieser "kunst" schwer zu übertreffen. eine mildere und verbreitere variante davon stellt das sog. "politisch unkorrekte" gelächter dar, wie es vor allem gerne von sog. konservativer seite als "tabubruch" dargestellt wird - hier wird der witz zur ideologischen waffe und als "befreiend" halluziniert - "befreiung" von den als lästig empfundenen anforderungen, mit gesellschaftlich stigmatisierten bzw. diskriminierten gruppen/menschen solidarisch zu sein. ich glaube gerne, dass diese rechte art der verachtung von den protagonistInnen sogar als "ehrlich" bzw. authentisch empfunden wird - aber das ist keinesfalls ein beleg für humor, sondern eher für empathiestörungen.

viel zu viel von dem, was heute öffentlich so als "lustig" betrachtet wird, ist eher ganz deutlich verletzend gemeint und wirkt bei den gemeinten meist auch so. und es ist imo sehr bedauerlich, dass sich dabei auch im weitesten sinne als irgendwie "links" geltende medien wie bspw. die "titanic" viel zu häufig auf diese ebene begeben - als reaktion auf wahnsinnige und bösartige realitäten lässt sich das vielleicht begreifen, aber genau diese motivation wird von den derart handelnden entweder nicht gesehen, abgestritten, oder aber als rechtfertigung benutzt.

damit ich nicht falsch verstanden werde: ich will hier nicht für ein sozialpädagogenhaftes klischee von zwischenmenschlichem umgang plädieren - ich schätze selbst auch drastischere formen von humor, auch sarkastische (mit offen zynischen habe ich allerdings zunehmend schwierigkeiten). ebenfalls ist selbstironie eine begrüßenswerte fähigkeit. aber zu oft fehlt mir ein bewußtsein dafür, dass gerade solche gefühle, die sich in verletzenden "scherzhaften" formen ausdrücken, ihre basis immer auch in den unerträglichen realitäten haben, wie sie hier thema sind.

die konstatierte humorlosigkeit in teilen der fundamentalistischen islamistischen bewegungen ebenso wie in den christlichen gegenparts v.a. der usa mag dabei als besonders leicht zu provozierendes ziel reizen - aber ich sehe weit und breit nichts positives, was daraus entstehen könnte - erst recht nicht den fakt, das diejenigen, die mit derlei mitteln arbeiten, sich selbst als "tabubrecher" im namen der "meinungsfreiheit" feiern - dabei agieren sie lediglich ihre eigene verachtung und destruktivität aus. wer solchen "humor" hinnimmt, wird sich nicht mehr über etwaige karikaturen über bspw. auschwitz beschweren dürfen - auch, wenn das ein ganz anderes thema ist. es geht um die methode an sich, mit der hier gearbeitet wird. und nein, das bedeutet noch lange nicht, dass auch grundsätzliche kritik am islam oder anderen religionen bspw. nicht legitim sei - aber die arrogante, alles ins lächerliche ziehende und verletzende art und weise der "kritik" besonders einiger westlicher massenmedien ist ganz offensichtlich nicht an tatsächlichen interkulturellen fortschritten interessiert, sondern an eskalation. und wer jetzt ruft, islamische medien würden doch das gleiche zb. mittels antisemitischer schmähungen betreiben, hat den schuß nicht gehört - das uralte kindische spielchen "aber der hat doch auch..." sagt dabei wieder am meisten über diejenigen aus, die es praktizieren. und spielt im übrigen den fundamentalisten der "anderen seite" perfekt in die hände.

*

vielleicht bringt es das folgende am besten auf den punkt: machen Sie sich einfach klar, dass eine große mehrheit aller heute lebenden menschen auf die eine oder andere art psychophysisch mehr oder weniger schwer verwundet ist, und zwar unabhängig davon, auf welchem kontinent jemand lebt. machen Sie sich weiter klar, dass sich mindestens ein teil dieser verwundungen wiederum in destruktiven und antisozialen verhaltensweisen manifestieren kann und auch manifestiert. dagegen ist selbstschutz legitim und nötig - aber das herumbohren in den fremden wunden hat damit absolut nichts zu tun, sondern verschärft die probleme nur noch. und führt dazu in die irre, indem es von den gerade genannten realitäten wegführt bzw. sie vernebelt. und wer aus eigenen wahrnehmungsdefekten heraus andere auslacht, macht sich selbst - lächerlich.
che2001 - 24. Okt, 18:35

Mal wieder ein sehr starkes Posting. Das geschilderte Herrenmenschendenken dürfte auch in weiten Teilen der "Normalbevölkerung" gestreut sein. Anders ist mir kaum erklärlich, wieso die Massen ihre derzeitige Entmündigung und materielle Beraubung mitmachen. Der autoritäreCharakter ist so lebendig wie in den 30ern, nur hat er vagere, unverbindliche, weniger martialische Formen gewählt. Nach oben kriechen, nach unten treten, "http://che2001.blogger.de/stories/587480/", die logik gilt immer noch.

sansculotte (Gast) - 29. Okt, 22:24

Zur Putin-Episode

Und was, wenn Putin Olmert einfach nur noch eine ausgesuchte Beleidigung "mit auf den Weg geben" wollte? Es gibt ja auch die Form des Sarkasmus, die durch übetriebene Affirmation eigentlich das genaue Gegenteil zur Darstellung bringt: äußerste Verachtung.
- das soll Putin nun nicht "menschlicher" erscheinen lassen, als er ohnehin nicht ist, wäre für mich aber die naheliegendste Erklärung.

gruß, s

monoma - 30. Okt, 15:25

wenn überhaupt verachtung, dann doch eher vielleicht dafür, dass sich ein staatspräsident dabei erwischen lässt? ich kann mir einfach absolut nicht vorstellen, das putin soetwas wie empathische gefühle gegenüber vergewaltigten bzw. sexuell genötigten frauen entwickeln kann.
che2001 - 31. Okt, 09:54

Ich hatte gerade so meine einschlägigen Erlebnisse mit neureichen Russen, dazu außerdem eine kleine Szene, wie sie gerade Viktor Jerofejew aufgeschrieben hat: Auf dem Bahnhof von Sotschi schlendern würdig aussehende alte Damen umher in gepunktetem Kleid und großem Kopftuch, das Urbild der Orthodoxie. Sie sprechen männliche Touristen an und bieten ihnen ihre Enkelinnen an. Russlands größtes Angebot ist Sodom und Gomorrha plus 666 weitere Perversionen, schreibt Jerofejew. Ich will hier keine Klischees füttern oder Vorurteile schüren, nur: bei allem, was ich zu dem Kontext weiß, sollte man Putin die schlimmstmögliche Interpretation zutrauen.
sansculotte (Gast) - 31. Okt, 13:50

anmerkung

@mo
Um Verachtung für den israelischen Präsidenten zu zeigen, ist Empathie mit den Opfern keine notwendige Voraussetzung; Putin mag Katzav aus anderen Gründen verachten und die "Episode" mit den Frauen kam ihm da gerade recht, um Olmert diese demütigenden "Grüße" mitzugeben.

@che
Die schlimmstmögliche Interpretation ist nicht die, dass Putin eine perverse Bewunderung für Vergewaltiger hegt, sondern dass er gefühllos und kalkuliert agiert. Ich finde diese Erklärung in Hinsicht auf Putins Werdegang plausibler. Das Verhalten der "neureichen Russen" (die Putin im übrigen zuweilen auch ein Dorn im Aug sind) ergibt also Deiner Meinung nach gemeinsam mit der in Russland weitverbreiteten Alltagsprostitution, die eher aus wirtschaftlicher Not entsteht, ein Indiz für den sittlichen Hintergrund, vor dem Putins "Ausfall" zu erklären ist? - Diese Logik erschließt sich mir nicht ganz. Wie gesagt: ich halte Putins "Ausrutscher" für kalkuliert.
che2001 - 31. Okt, 15:51

Was ich sagen wollte, war etwas Anderes: Das derzeitige gesellschaftliche Klima in Russland ist so gestrickt, dass Putin mit übelst sexistischen und gewaltverherrlichenden Sprüchen in relevanten Teilen der russischen Öffentlichkeit Zustimmung finden kann.

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