notiz: treffende sätze...

...und zwar in einem kurzen bericht zu einem altbekannten thema (siehe z.b. hier und hier, sowie - besonders zum erwähnten aspekt der simulation - die beiträge zur als-ob-persönlichkeit).

(...)"Soziopathie hat allerdings nicht allein anatomische Ursachen. Birbaumer ist der Ansicht, dass man das Verhalten eines Menschen nicht von der Umgebung trennen kann. Auch Gene allein können Soziopathie nicht produzieren, meint er. Denn: "Dissoziales Verhalten ist auch soziales Verhalten. Man muss den Menschen erst einmal in eine Situation bringen, in der ein passendes Gen sich angesprochen fühlt".(...)

dem ist nicht viel hinzuzufügen - außer der tatsache, dass unsere derzeitigen (anti-)sozialen verhältnisse einen wahren humus für derartige entwicklungen darstellen.
Mondschaukel (Gast) - 30. Nov, 09:27

Zur Ergänzung ...

Zur Wechselwirkung zwischen sozialem Umfeld und Genaktivität schreibt Joachim Bauer in seinem Buch "Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern." im Kapitel 3 unter der Überschrift "Gene sind keine Autisten":

... Bei den höheren Lebenwesen stehen alle Gene unter dem Kommando eines oder mehrerer ´Genschalter´, die jedem Gen vorgeschaltet sind. In der Fachsprache der Genforscher werden diese Schalter ´Promoter´ und ´Enhancer´ genannt. Ein Promoter (vom englsichen ´to promote´) ist ein kurzer Abschnitt vor dem eigentlichen Gen. An diese Genschalter oder Promoter können sich von außen kommende Signalstoffe anlagern. Die Anlagerung eines dieser Signalstoffe (Fachbezeichnung: ´Transkriptionsfaktoren´) an den Genschalter hat zur Folge, dass das nachgeschaltete Gen in seiner Aktivität entweder auf- oder abgedreht wird, je nachdem, welcher Signalstoff sich an welchen der vorhandenen Genschalter angelagert hat. ´Aufdrehen eines Gens´ heißt konkret, dass das Gen vermehrt abgelesen wird, dass also die Produktion des Produktes angeworfen wird, für welches das Gen den Bauplan enthält. Andere Genschalter können, wenn ein Signalstoff (´Transkriptionsfaktor´) gebunden hat, das Gen aber auch ´herunterfahren´ oder abschalten.

... Von ´außen´ kommende Signale, welche in einer bestimmten Körperzelle Gene an- oder abschalten, kommen zu einem großen Teil aus den anderen Regionen des eigenen Körpers. Die verschiedenen Organe des Körpers müssen ihre Aktivität eng koordinieren. Ohne Genregulation wäre dies nicht denkbar. Ein Teil der Signale kommt jedoch auch aus der Außenwelt. [b]Hier sind es jedoch nicht nur die Nahrung, das Klima oder die Umweltverschmutzung, die Effekte auf die Regulation der Genaktivität ausüben können, sondern auch psychische Einflüsse. Seelische Erlebnisse werden vom Gehirn in bioelektrische Impulse und in die Freisetzung von Nerven-Botenstoffen umgewandelt. Das Gehirn macht aus jedem psychischen also einen biologischen Vorgang.[/b] Vom Hirn ausgesandte Signale führen sowohl zur gegenseitigen Stimulation der Nervenzellen im Gehirn als auch zur Stimulation zahlreicher Körperorgane. [b]Wo immer solche von der Psyche ausgesandten Signale bei einer einzelnen Zelle eintreffen, können sie zu einer Veränderung der Genaktivität führen.[/b]

Dass seelsiche Vorgänge in biologische Signale umgewandelt werden und im Weiteren auch an der Regulation der Genaktivität mitwirken, ist im Prinzip bereits seit einiger Zeit bekannt. Einen erstmaligen Nachweis, dass pschischer Stress direkt Transkriptionsfaktoren und daraufhin auch Gene aktivieren kann, erbrachte im Jahre 2003 eine deutsch-amerikanische Arbeitsgruppe um Angelika Bierhaus, Clemens Kirschbaum und Peter Nawroth. Unter Verwendung des Trierer Stresstestes ... konnten sie zeigen, dass seelischer Stress einen der wichtigsten Transkriptionsfaktoren aktiviert.

...

[b]Umwelt oder Gene: Ein unsinniger Gegensatz[/b]
Der alte Streit zwischen denjenigen, die Gene für die allein Verantwortlichen für alle Körpervorgänge halten, und den anderen, die Umwelteinflüsse für wichtiger halten, ist Schnee von gestern. [b]Beide, Gene und Umwelt, wirken zusammen.[/b] Aus der Umwelt kommende oder durch die Seele erzeugte Signale versetzen den Organismus in die Lage, sich - durch Regulation der Genaktivität - sowohl an sich ändernde Umweltbedingungen als auch an sich verändernde zwischenmenschliche Beziehungen anzupassen. Nur ein sehr kleiner Teil (ein bis zwei Prozent) der heute in der Medizin vorkommenden Erkrankungen ist durch Veränderungen der Gene selbst (durch so genannte Mutationen) verursacht. ... Dem gegenüber sind die großen Volkskrankheiten, wie z.B. der chronische Bluthochdruck u.a. überwiegend (nicht ausschließlich) durch Lebensstile und durch Stress in zwischenmenschlichen Beziehungen bedingt. ..."

Sorry für das lange Zitat; ich finde aber, dass es sehr gut zeigt, dass unsere soziale Umwelt bzw. seelischer Stress einen erheblichen Einfluss auf unsere Gene hat. Und das wichtigste dabei: dieser Prozess beginnt schon bei der Zeugung. Dies scheint sich aber noch nicht weit herumgesprochen zu haben. Ich kann dieses Buch von Bauer nur empfehlen, die Materie ist superspannend (wie übrigens Deine Seite auch, mo, das möchte ich noch mal sagen - weiter so!).

Gruß, "Mondschaukel"

monoma - 1. Dez, 14:15

danke...

...für deine erläuterungen. ja, dieses veränderte wissen über rolle und wirkungen der gene bedarf dringend der weiteren verbreitung - und nicht nur hinsichtlich des professoralen zitates oben im beitrag frage ich mich immer öfter, wie eigentlich wissenschaftlerInnen aus den bereichen der genforschung, neurologie, psychotraumatologie u.a. es - bis auf ausnahmen - immer wieder schaffen, gegenüber den gesellschaftlichen konsequenzen ihrer forschungen so sprachlos zu sein. ist es nur die berufsbedingte betriebsblindheit, kombiniert mit den anpassungszwängen in diesem milieu und den ängsten vor öffentlichen verrissen?

schöner nick übrigens - ich erwische mich immer wieder bei versuchen, mir eine mondschaukel vorzustellen *g*

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