notiz: kuddelmuddel und michael ende

eigentlich war heute nachmittag schon ein beitrag halbfertig, als mir ein bedienungsfehler das ganze unrettbar ins elektronische nirvana beförderte. und so versuche ich nun, den faden wiederzufinden - hatte vor kurzem mal wieder momo von michael ende in der hand - die grauen herren, die die zeit der menschen klauen.
höre ich da "kinderkram" aus dem hintergrund? vielleicht ist das genau eins der dinge, die uns heute fehlen?

sowohl momo als auch die unendliche geschichte habe ich damals zuerst als primäre unterhaltungslektüre und fantastische jugendbücher aufgefasst. bis ich irgendwann kapierte, dass besonders die unendliche geschichte etliche symbole und metaphern enthält, die eher etwas mit alchemistischer symbolik, tiefenpsychologie und der suche nach dem eigenen selbst zu tun haben. während "momo" recht eindeutig eine allegorie auf unsere heutige situation darstellt. das mag nun alles nichts neues sein, aber ich erwähne es deshalb, um deutlich zu machen, dass das problem der kalten objektivität - und darauf läuft eine autistische weltwahrnehmung in ihrer konsequenz hinaus - sehr wohl bekannt ist. "wissenschaftlich" eher nicht, was aber auch kein wunder ist, da es sich bei diesem menschlichen funktionsmodus um einen ganz zentralen bestandteil der basis der westlichen wissenschaft handelt. und nestbeschmutzung wird bis heute nicht gerne gesehen. michael ende selbst hat seine motivationen, wie mir erst jetzt bekannt wurde, durchaus deutlich benannt, hier in einem briefwechsel - der folgende abschnitt stammt vom 11./13.09.1988:

"Was mich interessiert ist die Frage, was ich mit meinen Möglichkeiten dazu tun kann, daß wir aus dieser verdammten Kulturmisere wieder herauskommen, in die sich die gesamte "zivilisierte" Menschheit hineinmanövriert hat. Der naturwissenschaftliche, technologische, industrielle Fortschritt ist da und wird weitergehen - aber wenn kein Gegengewicht auf der "anderen" Seite diese Entwicklungen ausbalanziert, dann werden wir immer tiefer in eine buchstäblich mörderische Banalität hineinschlittern, in eine "brave new world" der totalen Wesenlosigkeit und der totalen Bequemlichkeit - oder es kommt eben zu all den oft genug besprochenen Katastrophen. Beides wäre gleichermaßen schlimm."


und weiter:

"Verstehen Sie mich, bitte, nicht falsch. Ich beklage das nicht. Ich bin vielmehr der Meinung, daß dieses Durchleben des Fokuspunktes, dieses Reduziertsein auf das eigene Bewußtsein, dieser Weltverlust sich mit Notwendigkeit vollziehen mußte. Eben dadurch wurde der Mensch sozusagen selbständig, mündig. Aber man kann natürlich in diesem Fokus- oder Nullpunkt nicht verweilen, sich nicht häuslich darin einrichten. Das würde zu einem vollkommenen Zerfall aller sozialen Strukturen, aller Gemeinsamkeit, ja der Sprache selbst führen (denn auch Sprache gehört ja zu der gemeinsamen Lebensgebärde. Eine Sprache lebt z w i s c h e n Menschen. Eine Sprache, die einer ganz und gar nur für sich allein hätte, wäre gar keine.)

behalten Sie das im hinterkopf - ich glaube, ende hat hier ein paar sehr wichtige punkte angesprochen, die es wert sind, sich näher mit ihnen zu befassen. vor allem die frage, um welche phänomene es sich hier genau handelt, die er mit "wesenlosigkeit", "reduziertsein auf das eigene bewußtsein" und "weltverlust" bezeichnet. sowie die mögliche rolle und funktion dessen. vom "zerfall aller sozialen strukturen" einmal ganz zu schweigen.

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