assoziation: zu den "schulen des verbrechens"
ich hatte im verlauf dieses beitrags vor ein paar monaten auf einen artikel aufmerksam gemacht, in dem folgende - von heute aus betrachtet regelrecht prophetische - worte zu lesen waren:
(...)"Gestörte Jugendliche und verurteilte Sexualstraftäter bleiben sich selbst überlassen, die Behörden sind blind für das, was ihnen gegenüber nötig wäre, und taub für alle Alarmzeichen"(...)
im weiteren verlauf des artikels wird anhand einer konkreten geschichte sehr deutlich, wie die heutigen bedingungen in den knästen hierzulande regelrecht zu einer unvermeidbaren antisozialen bzw. soziopathischen entwicklung führen können (vielleicht bilden die knastbedingungen ja auch den letzten trigger, um bei entsprechend disponierten - was u.a. auch traumatisiert bedeuten kann - persönlichkeiten die im letzten blogbeitrag erwähnten entsprechenden gene zu aktivieren?)
all das fiel mir bei betrachtung des gerade medial verwursteten foltermordes in der jva siegburg wieder ein - erst recht, als ich das hier las:
(...)"Der Mord in Siegburg sei natürlich ein Einzelfall."
aber "natürlich" (siehe weiter unten).
"Doch insbesondere für Jugendliche sei die Zeit im Gefängnis hart. "Sie müssen sich behaupten, sonst gehen sie unter", sagt der Psychologe. Jugendliche versuchten, Macht über Schwächere auszuüben, so bildeten sich Hierarchien. "Sprichwörtlich" sei es, jemanden zu zwingen, den Kopf in die Kloschüssel zu stecken.
Auch "Abzocke" sei üblich: Gefangene drohen demnach anderen damit, dass sie etwas "auf die Schnauze" bekommen, wenn sie etwa keinen Tabak abgäben oder sich weigerten, "Dienstleistungen" auszuüben, wie beispielsweise die Zelle zu putzen. All das gehöre zur Subkultur. Auch Vergewaltigungen seien keine Einzelfälle."(...)
"subkultur" = andere köpfe in die kloschüssel stecken, ansätze von sklaverei, vergewaltigungen. so einfach lässt sich die tatsache von existierender folter in öffentlichen und von steuergeldern finanzierten institutionen als ein PAL (problem anderer leute) von sich selbst abwälzen. keine frage danach, warum wohl die jugendlichen versuchen, "macht über schwächere" auszuüben - keine frage danach, dass dieser präfaschistische sozialdarwinismus durchaus in den herrschenden gesellschaftlichen ideologien mehr als stillschweigend toleriert wird. keine frage danach, welche "wertsysteme" die täter einfach nur in einem unter knastbedingungen besonders extremen konzentrat ausagieren.
und vor allem keine frage danach, ob die institution gefängnis überhaupt jemals etwas anderes erzeugt hat als entweder gebrochene menschen, oder aber vermehrt haß- und racheerfüllte antisoziale ins außen entlässt. ich habe manchmal das gefühl, die psychophysischen wirkungen wären nicht ganz so destruktiv, wenn klipp und klar gesagt werden würde: ihr seid hier drin, um rachebedürfnisse zu stillen (abschreckung oder gar "besserung" gehören erwiesenermaßen nicht zu den wirkungen von strafen). es würde zwar die grundsätzlichen bedingungen nicht ändern, aber immerhin ein stück ehrlichkeit in der gesellschaftlichen kommunikation wiederherstellen (generell dazu: ich habe früher an anderer stelle hier schon mal deutlich gemacht, dass ich rachebedürfnisse grundsätzlich bei den direkten opfern und ihrem umfeld nachvollziehen kann, aber aus ebenso grundsätzlichen erwägungen nicht akzeptieren möchte - rachegefühle entstehen v.a. bei ohnmachtsgefühlen, und auch das sagt einiges über die herrschenden zustände aus).
das einzige wirklich plausible argument für eine soziale isolation mittels einsperren bleibt bis auf weiteres der schutzaspekt - und auch das enthält solange einen zweifelhaften beigeschmack, wie hochgradig antisoziale mitglieder der "eliten" es immer wieder schaffen, jeglichen oder doch wirklich schweren gesellschaftlichen sanktionen zu entgehen.
hinsichtlich der nun aufkommenden forderung nach mehr einzelzellen stellt ein beitrag auf telepolis eine nötige, wenngleich finstere frage:
(...)"Retten Gemeinschaftszellen also wirklich mehr Leben, als sie kosten? Oder schätzt das Wachpersonal an ihnen vielmehr eine gewisse Blockwart-Wirkung, die Alpha-Häftlinge auf potentielle Querulanten ausüben, damit die Wärter nachts nicht so oft rausgeholt werden?"(...)
was würden Sie antworten? empört sein über diese unterstellung? und/oder den ahnungslosen spielen?
(...)"Der Wärterverband gab sich trotzdem überrascht. Friedhelm Sanker beteuerte, er hätte bis zu den Ermittlungen geglaubt, dass es solche Vorfälle nicht gibt. In den letzten Jahren kam es allerdings unter anderem in "Gemeinschaftszellen" in Oslebshausen, Berlin-Tegel, Recklinghausen, Zeithain, Köln, Ichtershausen, Schweinfurt, Naumburg, Fuhlsbüttel, Leipzig und im österreichischen Josefstadt zu ähnlichen Fällen, die darauf hindeuteten, dass es sich nur um die Spitze eines Eisberges handelt.
Als Anfang August 2003 herauskam, dass ein 14jähriger Untersuchungshäftling im Jugendtrakt der Justizanstalt Josefstadt von drei nur wenig älteren Mithäftlingen vergewaltigt wurde, erklärte der damalige Präsident des Jugendgerichtshofs, Udo Jesionek, dass es Justizwachbeamten zufolge "permanent" zu Vergewaltigungen komme."(...)
kann die schlußfolgerung aus den einlassungen seitens des wärterverbandes nicht eigentlich nur lauten, dass in diesem fall der großteil des wachpersonals als völlig untauglich für eine derartige aufgabe angesehen werden muss? die andere alternative würde nämlich tatsächlich heißen: es ist nicht unfähigkeit, sondern absicht. und ich weiß nicht, welche variante ich schlimmer finden würde.
fast schon schlimm finde ich hingegen folgende aussage bezgl. einzelhaft:
(...)"Zeichen einer übertriebenen Gemeinschaftsschwärmerei der Generation Joseph Fischers, die Einzelzellen als "Isolationsfolter" schmäht und die Augen davor verschließt, dass es auch Soziopathen gibt, die in Milieus wie Gefängnissen oder dem Militär durchaus bestimmendere Rollen als in Wohngemeinschaften einnehmen können?"
ohne der "generation joseph fischers" anzugehören oder anzugehören zu wollen, behaupte ich, dass in dieser aussage eine implizite verharmlosung der möglichen folgen von langer einzelhaft steckt - sensorische deprivation heißt hier das stichwort, und die damit verbundenen bekannten fakten gelten nicht nur für die reine isolationshaft, sondern - in individuell gemilderter, jedoch weiterhin grundsätzlich schädlicher form - auch für jegliche einzelhaft. anscheinend hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass das einsperren in engen räumen prinzipiell sehr schnell negative wirkungen auf die menschliche gesundheit nach sich zieht (versuchen Sie´s selbst nur für einen tag, am besten in einem fensterlosen badezimmer bei synthetischem licht).
all das obige spricht allerdings ebenfalls nicht gegen das berechtigte argument, dass es gerade in gefängnissen gehäuft zu einer ballung von antisozialen/soziopathischen persönlichkeiten kommt. ein primär reiner verwahrvollzug mit arbeitszwang kann diese persönlichkeitsstrukturen nicht nur nicht entschärfen, sondern bildet im gegenteil - spiegel der gesellschaft! - auch hier einen reinen humus für deren ungehindertes agieren. und das sich in gemeinschaftszellen solche persönlichkeiten genauso "durchsetzen" wie in den sonstigen "freien" gesellschaftlichen hierarchien, sollte beim heutigen wissen zu den antisozialen störungen im allgemeinen und den soziopathen im besonderen niemand mehr groß überraschen. die pseudoalternative einzelhaft vs. gemeinschaftszelle gleicht also eher der wahl zwischen pest und cholera.
aber womöglich müssen wir - wie so häufig in den verschiedensten anderen gesellschaftlichen bereichen auch - von den übelsten szenarien als den realitätsgetreuesten ausgehen:
"Aber vielleicht ist auch diese Ausübung von Macht durch Mitgefangene an mancher Stelle nicht ganz unerwünscht. Auf diese Weise werden nämlich im Grundgesetz verbotene Körperstrafen und Folter durch die Hintertür Bestandteil des Strafvollzuges und damit auch der "Abschreckung".(...)
in einer zeit, in der ein bekanntes nachrichtenmagazin mit der schlagzeile herauskommt "Die Deutschen müssen das Töten lernen", in der sich die armeelazarette mit traumatisierten soldaten füllen, die an anderen stellen schädelspielchen veranstalten, und in der sich der "terroralarm" als dauernd und gleichzeitig diffus verselbstständigt hat - in so einer zeit ist vielleicht die wiedereinführung eines modifizierten kapo-prinzips nur ausdruck der gleichen objektivistischen (und kranken) logik, die das leben auf diesem planeten für mehr und mehr menschen zu einer hölle werden lässt. willkommen in der freien welt!
(...)"Gestörte Jugendliche und verurteilte Sexualstraftäter bleiben sich selbst überlassen, die Behörden sind blind für das, was ihnen gegenüber nötig wäre, und taub für alle Alarmzeichen"(...)
im weiteren verlauf des artikels wird anhand einer konkreten geschichte sehr deutlich, wie die heutigen bedingungen in den knästen hierzulande regelrecht zu einer unvermeidbaren antisozialen bzw. soziopathischen entwicklung führen können (vielleicht bilden die knastbedingungen ja auch den letzten trigger, um bei entsprechend disponierten - was u.a. auch traumatisiert bedeuten kann - persönlichkeiten die im letzten blogbeitrag erwähnten entsprechenden gene zu aktivieren?)
all das fiel mir bei betrachtung des gerade medial verwursteten foltermordes in der jva siegburg wieder ein - erst recht, als ich das hier las:
(...)"Der Mord in Siegburg sei natürlich ein Einzelfall."
aber "natürlich" (siehe weiter unten).
"Doch insbesondere für Jugendliche sei die Zeit im Gefängnis hart. "Sie müssen sich behaupten, sonst gehen sie unter", sagt der Psychologe. Jugendliche versuchten, Macht über Schwächere auszuüben, so bildeten sich Hierarchien. "Sprichwörtlich" sei es, jemanden zu zwingen, den Kopf in die Kloschüssel zu stecken.
Auch "Abzocke" sei üblich: Gefangene drohen demnach anderen damit, dass sie etwas "auf die Schnauze" bekommen, wenn sie etwa keinen Tabak abgäben oder sich weigerten, "Dienstleistungen" auszuüben, wie beispielsweise die Zelle zu putzen. All das gehöre zur Subkultur. Auch Vergewaltigungen seien keine Einzelfälle."(...)
"subkultur" = andere köpfe in die kloschüssel stecken, ansätze von sklaverei, vergewaltigungen. so einfach lässt sich die tatsache von existierender folter in öffentlichen und von steuergeldern finanzierten institutionen als ein PAL (problem anderer leute) von sich selbst abwälzen. keine frage danach, warum wohl die jugendlichen versuchen, "macht über schwächere" auszuüben - keine frage danach, dass dieser präfaschistische sozialdarwinismus durchaus in den herrschenden gesellschaftlichen ideologien mehr als stillschweigend toleriert wird. keine frage danach, welche "wertsysteme" die täter einfach nur in einem unter knastbedingungen besonders extremen konzentrat ausagieren.
und vor allem keine frage danach, ob die institution gefängnis überhaupt jemals etwas anderes erzeugt hat als entweder gebrochene menschen, oder aber vermehrt haß- und racheerfüllte antisoziale ins außen entlässt. ich habe manchmal das gefühl, die psychophysischen wirkungen wären nicht ganz so destruktiv, wenn klipp und klar gesagt werden würde: ihr seid hier drin, um rachebedürfnisse zu stillen (abschreckung oder gar "besserung" gehören erwiesenermaßen nicht zu den wirkungen von strafen). es würde zwar die grundsätzlichen bedingungen nicht ändern, aber immerhin ein stück ehrlichkeit in der gesellschaftlichen kommunikation wiederherstellen (generell dazu: ich habe früher an anderer stelle hier schon mal deutlich gemacht, dass ich rachebedürfnisse grundsätzlich bei den direkten opfern und ihrem umfeld nachvollziehen kann, aber aus ebenso grundsätzlichen erwägungen nicht akzeptieren möchte - rachegefühle entstehen v.a. bei ohnmachtsgefühlen, und auch das sagt einiges über die herrschenden zustände aus).
das einzige wirklich plausible argument für eine soziale isolation mittels einsperren bleibt bis auf weiteres der schutzaspekt - und auch das enthält solange einen zweifelhaften beigeschmack, wie hochgradig antisoziale mitglieder der "eliten" es immer wieder schaffen, jeglichen oder doch wirklich schweren gesellschaftlichen sanktionen zu entgehen.
hinsichtlich der nun aufkommenden forderung nach mehr einzelzellen stellt ein beitrag auf telepolis eine nötige, wenngleich finstere frage:
(...)"Retten Gemeinschaftszellen also wirklich mehr Leben, als sie kosten? Oder schätzt das Wachpersonal an ihnen vielmehr eine gewisse Blockwart-Wirkung, die Alpha-Häftlinge auf potentielle Querulanten ausüben, damit die Wärter nachts nicht so oft rausgeholt werden?"(...)
was würden Sie antworten? empört sein über diese unterstellung? und/oder den ahnungslosen spielen?
(...)"Der Wärterverband gab sich trotzdem überrascht. Friedhelm Sanker beteuerte, er hätte bis zu den Ermittlungen geglaubt, dass es solche Vorfälle nicht gibt. In den letzten Jahren kam es allerdings unter anderem in "Gemeinschaftszellen" in Oslebshausen, Berlin-Tegel, Recklinghausen, Zeithain, Köln, Ichtershausen, Schweinfurt, Naumburg, Fuhlsbüttel, Leipzig und im österreichischen Josefstadt zu ähnlichen Fällen, die darauf hindeuteten, dass es sich nur um die Spitze eines Eisberges handelt.
Als Anfang August 2003 herauskam, dass ein 14jähriger Untersuchungshäftling im Jugendtrakt der Justizanstalt Josefstadt von drei nur wenig älteren Mithäftlingen vergewaltigt wurde, erklärte der damalige Präsident des Jugendgerichtshofs, Udo Jesionek, dass es Justizwachbeamten zufolge "permanent" zu Vergewaltigungen komme."(...)
kann die schlußfolgerung aus den einlassungen seitens des wärterverbandes nicht eigentlich nur lauten, dass in diesem fall der großteil des wachpersonals als völlig untauglich für eine derartige aufgabe angesehen werden muss? die andere alternative würde nämlich tatsächlich heißen: es ist nicht unfähigkeit, sondern absicht. und ich weiß nicht, welche variante ich schlimmer finden würde.
fast schon schlimm finde ich hingegen folgende aussage bezgl. einzelhaft:
(...)"Zeichen einer übertriebenen Gemeinschaftsschwärmerei der Generation Joseph Fischers, die Einzelzellen als "Isolationsfolter" schmäht und die Augen davor verschließt, dass es auch Soziopathen gibt, die in Milieus wie Gefängnissen oder dem Militär durchaus bestimmendere Rollen als in Wohngemeinschaften einnehmen können?"
ohne der "generation joseph fischers" anzugehören oder anzugehören zu wollen, behaupte ich, dass in dieser aussage eine implizite verharmlosung der möglichen folgen von langer einzelhaft steckt - sensorische deprivation heißt hier das stichwort, und die damit verbundenen bekannten fakten gelten nicht nur für die reine isolationshaft, sondern - in individuell gemilderter, jedoch weiterhin grundsätzlich schädlicher form - auch für jegliche einzelhaft. anscheinend hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass das einsperren in engen räumen prinzipiell sehr schnell negative wirkungen auf die menschliche gesundheit nach sich zieht (versuchen Sie´s selbst nur für einen tag, am besten in einem fensterlosen badezimmer bei synthetischem licht).
all das obige spricht allerdings ebenfalls nicht gegen das berechtigte argument, dass es gerade in gefängnissen gehäuft zu einer ballung von antisozialen/soziopathischen persönlichkeiten kommt. ein primär reiner verwahrvollzug mit arbeitszwang kann diese persönlichkeitsstrukturen nicht nur nicht entschärfen, sondern bildet im gegenteil - spiegel der gesellschaft! - auch hier einen reinen humus für deren ungehindertes agieren. und das sich in gemeinschaftszellen solche persönlichkeiten genauso "durchsetzen" wie in den sonstigen "freien" gesellschaftlichen hierarchien, sollte beim heutigen wissen zu den antisozialen störungen im allgemeinen und den soziopathen im besonderen niemand mehr groß überraschen. die pseudoalternative einzelhaft vs. gemeinschaftszelle gleicht also eher der wahl zwischen pest und cholera.
aber womöglich müssen wir - wie so häufig in den verschiedensten anderen gesellschaftlichen bereichen auch - von den übelsten szenarien als den realitätsgetreuesten ausgehen:
"Aber vielleicht ist auch diese Ausübung von Macht durch Mitgefangene an mancher Stelle nicht ganz unerwünscht. Auf diese Weise werden nämlich im Grundgesetz verbotene Körperstrafen und Folter durch die Hintertür Bestandteil des Strafvollzuges und damit auch der "Abschreckung".(...)
in einer zeit, in der ein bekanntes nachrichtenmagazin mit der schlagzeile herauskommt "Die Deutschen müssen das Töten lernen", in der sich die armeelazarette mit traumatisierten soldaten füllen, die an anderen stellen schädelspielchen veranstalten, und in der sich der "terroralarm" als dauernd und gleichzeitig diffus verselbstständigt hat - in so einer zeit ist vielleicht die wiedereinführung eines modifizierten kapo-prinzips nur ausdruck der gleichen objektivistischen (und kranken) logik, die das leben auf diesem planeten für mehr und mehr menschen zu einer hölle werden lässt. willkommen in der freien welt!
monoma - 20. Nov, 13:22