Mittwoch, 18. April 2007

notiz: eine spezielle frage zum amokmassaker in den usa (update)

zum jüngsten amok(?)lauf in den usa möchte ich neben einem hinweis auf den beitrag ausweitung der kampfzone für den moment nur eine spezielle frage loswerden, die sich mir nach dieser -

(...)"In Chos Zimmer fanden Ermittler nach dem Amoklauf verschreibungspflichtige Medikamente gegen Depressionen. Dass der 23-Jährige krank war, ahnten die Menschen in seinem Umfeld allenfalls."(...)

und auch dieser information gestellt hat:

(...)"Aus Sorge vor einer Selbstmordgefährdung des Studenten hätten Beamte Cho Seung Hui damals in eine psychiatrische Klinik gebracht."(...)

im gegensatz zu den bekannten(!) informationen zu den im oben verlinkten blogbeitrag erwähnten beispielen von amok in den letzten jahren gibt es aktuell offensichtlich tatsächlich eine involviertheit psychiatrischer institutionen in die biographie des täters. und meine spezielle frage lautet nun:

was waren das für verschreibungspflichtige antidepressiva?

wenn es sich nämlich um sog. serotonin-wiederaufnahmehemmer gehandelt hat (heute bei schwereren depressionen durchaus verbreitet angewandte psychopharmaka), wäre es meiner meinung nach wichtig, sich genauer mit den folgenden fakten zu beschäftigen - ich zitiere aus einem telepolis-artikel vom januar 2005:

(...)"Das British Medical Journal berichtet. ihm sei im vergangenen Monat anonym vertrauliches Material zugespielt worden, welches einen kausalen Zusammenhang zwischen der Patienten-Medikation mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SRRI, z. B. Prozac) und erhöhtem Hang zu Aggressionen, Gewalt und Suizid belege. Das Material wurde der US-Behörde für Arzneimittelsicherheit (FDA) zur Prüfung übergeben.

Bei den entsprechenden Dokumenten handele es sich anscheinend um interne Memos, Produktstudien und Bewertungspapiere des Pharmariesen Eli Lilly aus dem Jahr 1988, aus welchen klar hervorgeht, dass der Firma bekannt war, dass die Einnahme von Prozac zu einer signifikanten Zunahme von nervösen "Erregungszuständen" führen könne, was diese bisher stets bestritten hatte. Klinischen Tests zufolge sind bei 38% der damaligen Prozac-Probanden derartige Symptome aufgetreten."(...)


und speziell die folgende passage rumorte in meiner erinnerung, als ich vom jüngsten amokfall hörte:

"Pikanterweise waren eben diese Dokumente während des Wesbecker-Prozesses im Jahre 1994 verschwunden, wo sie als wichtige Beweismittel hatten dienen sollen. Der Journalist Joseph Wesbecker war 1989 mit einer 47er Magnum (kleiner fehler im tp beitrag, es war eine ak47, anmerkg. mo) Amok gelaufen und hatte dabei 8 Menschen erschossen und ein Dutzend verletzt. Eine lange Leidensgeschichte von Depressionen und Angstzuständen fand mit dem Suizid ein Ende. Einen Monat vorher hatte er auf Empfehlung seines Arztes begonnen Prozac zu nehmen.

Das Unternehmen wurde zwar mit 9 zu 3 Geschworenenstimmen freigesprochen; später kam jedoch ans Licht, dass die Firma die Kläger, Angehörige der Opfer, bereits vorher in einem geheimen Deal großzügig abgefunden hatte."(...)


wie gesagt: ich stelle hier eine frage, die mich beschäftigt - was waren das für antidepressiva? leider ist meine zeit für genauere recherchen im moment arg begrenzt, aber vielleicht haben andere die möglichkeit?

speziell zu "prozac" sei auch nochmal auf ein interview verwiesen - im beitrag etwas weiter unten suchen.

*

ich habe gerade auch nicht die nötige ruhe, um der folgenden - mir fällt kein passendes attribut mehr dafür ein - geschichte mehr aufmerksamkeit zu widmen, möchte sie jedoch nicht untergehen lassen: Arbeitsloser in Wohnung verhungert ( mehr auch hier)

zu diesem geschehen fallen mir ebenfalls eine menge fragen ein, die ich in der nächsten zeit nochmal hier aufgreifen möchte.


***

edit. am 20.04.: etliche fragen wirft auch die folgende meldung im zusammenhang mit dem massaker auf:

(...)"Angehörige von Cho in Südkorea erklärten, bei ihm sei in den Vereinigten Staaten Autismus diagnostiziert worden. Chos Großtante Kim Yang Soon sagte, der Junge habe schon als Kind wenig gesprochen und immer sehr kalt gewirkt. In den USA sei den Eltern dann gesagt worden, dass Cho an Autismus leide. Cho war mit seinen Eltern 1992 in die Vereinigten Staaten ausgewandert."(...)

während in diversen medien von "paranoider schizophrenie" die rede ist, oder wahlweise mal wieder eine narzisstische ps herangezogen wird, scheint mir das obige aus dem direkten umfeld des täters vorläufig ewas fundierter zu sein. die verschiedenen herumgeisternden diagnosen jedoch machen unabängig von ihrem traurigen anlaß auch mal wieder eines der hier schon öfter angesprochenen probleme der orthodoxen psychiatrie mit ihen eigenen modellen deutlich: es gibt im spannungsfeld zwischen solchen diagnostischen modellen wie der schizophrenie, persönlichkeitsstörungen und dem autistischen spektrum so derart viele überlappungen, dass es letztlich sowohl stark vom welt- und menschenbild der jeweils diagnostizierenden person als auch von ihrer jeweils bevorzugten theoretischen schule abhängig ist, was für ein modell jeweils für plausibel gehalten wird.

das grundproblem einer falschen anthropologie und der ständig präsenten fragmentierung als grundprinzip westlicher wissenschaft wird dabei i.d.r. nicht wahrgenommen. auch bei den diagnosen einer paranoiden schizophrenie bzw. einer nps lässt sich mit einem entsprechenden - und begründbaren - perspektivenwechsel jeweils eine art autistischer kern (als wahrnehmungsmodus) feststellen. wenn im jetzigen fall der täter allerdings tatsächlich "hochoffiziell" eine diagnose aus dem autistischen spektrum bekommen haben sollte, dann ist es meiner meinung nach sehr geboten, dass sich diejenigen mediziner, die diese diagnose gestellt haben, zumindest partiell outen und begründen, warum sie zu dieser diagnose gekommen sind.

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