Montag, 25. Juni 2007

notiz: eine extremvariante simulierender mütter...

...stellt heute ein zeit-artikel etwas genauer vor - das sog. "münchhausen-by-proxy-syndrom":

(...)"Zum ersten Mal hat nun Martin Krupinski, Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie der Universitätsklinik Würzburg, in einem Pilotprojekt bundesweit Fallzahlen ermittelt. Von 379 Kinderkliniken beteiligte sich rund die Hälfte an der Datenerhebung. Sie berichteten von insgesamt 91 medizinisch gesicherten und 99 ernsthaften Verdachtsfällen von MBPS.(...)

Im Gegensatz zu anderen Formen der Kindesmisshandlung scheuen die Täter bei MBPS nicht den Besuch beim Kinderarzt, sondern verlangen ganz im Gegenteil für ihr angeblich krankes Kind immer neue Untersuchungen, Operationen, Medikamente. Mediziner werden so unfreiwillig zu Komplizen, wenn sie versuchen, dem vermeintlich schwer kranken kleinen Patienten zu helfen.

Und die Täterinnen wirken sehr überzeugend. »Die Frauen sind oft überdurchschnittlich intelligent«, sagt Ulrike Böhm, Rechtsmedizinerin an der Universitätsklinik in Leipzig, »sonst wären sie nicht in der Lage, die Symptome der angeblichen Erkrankung ihres Kindes so detailliert und schlüssig zu schildern.«(...)


der mittlere teil des obigen zitates macht den vielleicht wesentlichen unterschied zu den anderen, "offeneren" formen von infantizid und gewalt gegen kinder recht gut deutlich.

aber auch über einige gemeinsamkeiten darf spekuliert werden:

(...)"Was treibt Mütter zu solchen Taten? Krupinski hat sich 50 MBPS-Fälle seiner Studie im Detail angesehen. In 48 Fällen war die Mutter die Täterin. Sie war im Durchschnitt 30,7 Jahre alt, ihr Nachwuchs vier Jahre. Neun Kinder trugen bleibende Schäden davon, eines der Opfer starb. »Ein Drittel der Frauen wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen«, sagt Krupinski. Denn die Täterinnen leiden oft an einer schweren Persönlichkeitsstörung. Sie sehnen sich nach Aufmerksamkeit, wissen nicht, wie sie Beziehungen zu ihren Mitmenschen knüpfen sollen, fühlen sich isoliert und einsam. Manche entwickeln ein Borderline-Syndrom, einige sind drogen- oder alkoholabhängig, andere depressiv. Nicht selten wurden sie selbst in ihrer Jugend emotional vernachlässigt oder sexuell missbraucht."

täter-opfer-dialektik...wir sehen genau die gleichen zuschreibungen und das wohlbekannte sammelsurium verschiedener diagnosen, wie es auch aus anderen zusammenhängen rund um (mütterliche) gewalt gegen kinder bekannt ist. nur eine besondere variante der simulation sorgt hier für ein verändertes bild:

"Mit einem kranken Kind wendet sich für diese Frauen das Blatt. Plötzlich finden sie Anerkennung, gelten als perfekte Mütter, die sich aufopfernd um ihr schwer krankes Kind kümmern und nicht von dessen Krankenbett weichen. »Die beste Freundin der Frauen ist dann die Krankenschwester auf Station«, sagt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Carola Bindt."

für die kinder jedoch bleiben die destruktiven bis tödlichen folgen die gleichen:

"Den Kindern selbst glaubt meist niemand – wenn sie überhaupt den Mut haben, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen. Schätzungen zufolge sterben etwa zehn Prozent der Opfer an den Folgen dieser krankhaften Mutterliebe."(...)

ich zweifle stark daran, ob das wort "mutterliebe" selbst mit dem obigen attribut in diesem kontext grundsätzlich angebracht ist. eher scheint mir wahrscheinlich, dass es an dieser stelle wie so oft mal wieder einen ausdruck der ideologischen selbstvergewisserung dieser gesellschaft darstellt. und solange das so bleibt - neben anderen existenziellen voraussetzungen - , solange wird weder diesen müttern noch den kindern wirkungsvoll geholfen werden können.

assoziation: eine antwort an "scardanelli"

da der kommentar von "scardanelli" neulich zum letzten beitrag anläßlich des "autistic pride day" etliches interessante enthält und deutlich macht, gebe ich meine antwort mal wieder in form eines eigenen beitrags - das halte ich für übersichtlicher.

*

"1. Der jW-Artikel umfasst etwa 6000 Zeichen, die "Assoziationen" dieses Bloggers haben die dreifache Länge, und selbst philosophisch gebildete Leser wie ich haben einige Mühe, zu verstehen, worum es geht. Der Blogger täte gut daran, einmal einen knappen Zeitungsartikel für ein breiteres Publikum zu schreiben. Dann wüsste er, dass für blanke "Assoziationen", etwa Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen Newtons Autismus und seinem Weltbild, darin kein Platz bleibt."

liebe/r scardanelli, Sie beginnen Ihre kritik mit einem doch sehr eigenartigen einstieg - ich habe jedenfalls auch zukünftig nicht vor, mich bei der kommentierung von fremdartikeln an formalen eigenheiten von diesen zu orientieren statt am inhalt. und dazu würde ich Ihnen empfehlen, sich einmal genauer mit dem sinn der rubrik "assoziation" in diesem blog zu beschäftigen - dazu gibt´s hier zu beginn mehr zu lesen.

"2. Der Blogger dagegen ordnet die jW in der Schublade "Traditionsmarxismus" ein und führt das Fehlen einer Betrachtung über den von ihm gemutmaßten Zusammenhang bei Newton auf diese Zugehörigkeit zurück. Das ist wirklich in jeder Hinsicht Unsinn. Erstens ist das Feuilleton der jW, dessen Redakteur diese Wissenschafts-Seite gestaltet hat, nicht in "traditionsmarxistischer" Hand. Auch der Autor des zitierten Artikels dürfte kaum der Kategorie "Traditionsmarxismus" zuzuordnen sein. (Er nimmt sich auch nicht in "sympathisierender neulinker Tradition" der Forderungen von AutistInnen an, sondern er ist selbst Asperger-Autist.)"

danke für die letzte information, die ich eigentlich als angabe zum autor sowohl in der jungen welt als auch in der analyse & kritik erwartet hätte, wo eine etwas längere variation des jw-textes veröffentlicht wurde. die bezeichnung "traditionsmarxistisch" diente im übrigen als generelle aussage zur "jungen welt", ohne ein bestimmtes ressort oder autorInnen konkret zu meinen. an dieser stelle kann ich übrigens auch meinen eindruck von Ihnen, "scardanelli", genauer äußern: Sie legen bisher sowohl formalistische kriterien als auch ein relativ wortwörtliches verständnis bei Ihrem kommentar an den tag - und erfüllen damit ironischerweise selbst in sehr allgemeiner weise einige asperger-eigenschaften.

"Zweitens sind unter Menschen mit Autismus Weltbilder aller Art anzutreffen. Deshalb entbehrt die Behauptung eines Zusammenhangs von Newtons wissenschaftlichem Denken mit seiner autistischen Persönlichkeit jeder Grundlage. Die autistische Persönlichkeit kann Menschen die Kraft geben, sich "ihres Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen" (Kant). Mit Physik oder mit einem mechanistischen Weltbild hat sie dagegen an sich nichts zu tun."

nun, auf die - mir durchaus plausibel erscheinende - idee, bezgl. newton diesen zusammenhang zu vermuten, sind lange vor mir bereits andere leute gekommen - vielleicht lesen Sie sich einmal, falls Sie es noch nicht getan haben, diesen beitrag durch. denn da stehen einige meiner meinung nach durchaus ernstzunehmende argumente für den genannten zusammenhang.

zum anderen aber: wenn Sie bei newton so argumentieren, dann verstehe ich Ihr schweigen zu den vom autor in der jw genannten anderen beispielen von "genialen persönlichkeiten" mit vermutetem autistischen hintergrund nicht so recht. sollten Sie dann nicht auch die gleiche aussage bezgl. michelangelo, einstein, bill gates & co. treffen? wenn beliebige kulturelle bzw. wissenschaftliche produktionen "nichts" mit einer autistischen persönlichkeit zu tun haben sollten, wäre es dann aus Ihrer perspektive nicht nötig, den autor zu kritisieren, der diesen zusammenhang selbst explizit herleitet (und u.a. genau damit als begründung für die "neurologische vielfalt" argumentiert)?

meine eigene meinung zum zusammenhang zwischen (immer auch gesellschaftlich bedingter) psychophysischer struktur eines menschen und seinen/ihren weltbildern, produktionen etc. lässt sich an vielen stellen im blog nachvollziehen und steht - wie Sie es sich sicher denken können - der Ihrigen konträr entgegen.

"3. So sind auch die Mutmaßungen des Bloggers über einen Zusammenhang zwischen "Kapitalismus als verdinglichender Megamaschine" und Autismus als "objektivistischer", "objektfixierter" und "verdinglichender" Wahrnehmung nichts weiter als eine Luftnummer eines second-hand-adornitischen Ideologiekritikers."

ein rhetorisch fulminanter satz, der sich inhaltlich jedoch als fragwürdig erweist...

"Wir wissen doch gar nicht, ob Autismus heute wirklich häufiger ist als früher. Er wird bloß häufiger erkannt."

...weil ich annehme, dass Sie selbst bereits von der auffälligen ballung (asperger-)autistischer diagnosen in it-zentren wie dem silicon valley gehört haben (die übrigens auch an einem britischen standort der high-tech-industrie, nämlich rund um cambrigde, zu verzeichnen ist)? es ist durchaus mehr als eine "luftnummer", hier die manifesten auswirkungen einer den modernen kapitalismus absolut prägenden branche zu vermuten. ich sehe darin eher die spitze des eisbergs, weil sich gerade in der it-branche und ihren produkten wesentliche strukturelle eigenschaften des kapitalismus mit am deutlichsten manifestieren: abstraktion, virtualisierung, beschleunigung, ortlosigkeit, binäre logik u.a. - alles eigenschaften, die der verdinglichung von menschen (bzw. überhaupt allem lebendigen) notwendig zugrunde liegen bzw. voraus gehen. und zumindest für den it-bereich kann Ihre obige aussage als nicht zutreffend bezeichnet werden.

"Außerdem, was die ideologiekritischen Kategorien des Bloggers angeht: "Verdinglichung und verdinglichtes Denken haben auch die Bedingungen einer Welt ohne Mangel geschaffen" (Adorno).

in anderen worten hat das ja temple grandin formuliert, die ich in meinem ursprungsbeitrag zitiert habe. ich habe da allerdings auch noch einiges angemerkt, was ich an dieser stelle in anderen worten nochmal so formulieren könnte: "die welt ohne mangel" ist bisher erstens nur für eine kleine (und auch in der verteidigung ihrer privilegien zunehmend extremistischer werdende) minderheit aller menschen realität; zweitens ist in solchen aussagen auch immer eine mehr oder weniger große blindheit gegenüber den potenziell katastrophalen folgen verdinglichender wahrnehmung enthalten - wir haben zwar eine welt mit autos, handys, intimspray und der auswahl unter 20 waschmitteln - aber gleichzeitig eine welt, in der "auschwitz" als synonym für die auf die (traumatische) spitze getriebene verdinglichung weiterhin nachdrücklich gültig ist. die eine seite der medaille ist nicht zu trennen von der anderen, und ich frage mich immer wieder mal, ob die "errungenschaften" der technischen "zivilisation" inzwischen nicht primär zur kompensation ihrer zunehmend offensichtlicher werdenden mörderischen folgen/seiten genutzt werden.

"4. Natürlich ist die im postfordistischen Kapitalismus dauernd verlangte "Teamfähigkeit" und "Flexibilität" von Grund auf fremdbestimmt, das bringt der Blogger völlig richtig auf den Punkt. Aber das steht doch gar nicht im Gegensatz zu dem, was in dem Artikel gesagt wird."

nein? hat der jw-autor in seinem text nicht gerade diese behaupteten eigenschaften - und zwar ohne ihren simulativen charakter zu hinterfragen - als argument dafür gebracht, dass sich (asperger-)autistische menschen eben nicht in diesen strukturen bewegen können? das thema der simulation ist an dieser stelle entscheidend, und ich habe ja selbst darauf hingewiesen, dass der asperger-variante des autismus bisher weitgehende simulationsunfähigkeit attestiert wird. wenn Sie sich hingegen die im ursprünglichen blogbeitrag zum thema simulation verlinkten älteren blogartikel hier angeschaut haben, haben Sie vielleicht auch festgestellt, dass ich mich hier auf einige theoretische ansätze beziehe, die die existenz von simulationsfähigen autismusvarianten - mit fließenden grenzen gerade zum asperger-syndrom - nahe legen. und vor diesem hintergrund ist die behauptete ausschließende wirkung von bspw. simulierter "teamfähigkeit" für "aspies" nicht besonders überzeugend, und ebenso nicht bei einer näheren betrachtung der verhältnisse in der it-branche.

"Die Frage ist allerdings, ob es nicht auch in einer nicht mehr kapitalistischen, auf der Selbstorganisation der ProduzentInnen beruhenden Gesellschaft ein Recht auf Partizipation in einem Einzelgänger-Modus geben sollte."

nun, damit rennen Sie bei mir offene türen ein - und das sage ich vor dem hintergrund ganz eigener erfahrungen. allerdings halte ich den ausdruck "einzelgänger-modus" für eine nicht unwesentliche beschönigung von schweren wahrnehmungsbe- und einschränkungen, deren psychophysisch pathologische struktur ich nicht hinter phrasen wie "neurologische vielfalt" u.ä. versteckt sehen möchte. das bedürfnis nach zweitweiligem alleinesein halte ich innerhalb einer authentischen subjektivität für völlig normal - ebenso wie das bedürfnis nach kollektivität, die auf funktionierenden beziehungsfähigkeiten beruht. und gerade die sind im gesamten autistischen spektrum eben nicht bzw. nur sehr eingeschränkt bzw. verändert vorhanden - der "einzelgänger-modus" beruht hier letztlich nicht auf einem zeitweiligen authentischen bedürfnis oder einer freien entscheidung, sondern stellt eine art zwangsweiser existenzweise dar, deren hypothetische dominanz für die menschliche spezies - jedenfalls so, wie wir ihre positiv sozialen fähigkeiten leider nur in ansätzen kennen - das aus bedeuten würde. unter anderem aus diesem grund sehe ich geschichten wie den "autistic pride" sehr skeptisch.

"5. Die in dem Blog evozierte Vorstellung vom autistischen Programmierer, der an der Technik an sich seine helle Freude findet und sich nicht darum schert, was mit dem Resultat seiner gründlichen Arbeit angerichtet wird, ist ein Klischee, das mit der Realität von AutistInnen sehr wenig zu tun hat. "Aspies" sind sehr häufig zugleich hochsensible Persönlichkeiten, denen man wirklich nicht unterstellen sollte, sie wären scharf auf technische Selbstbefriedigung ohne Rücksicht auf die Folgen."

das mag für "klassische" asperger ja weitgehend zutreffen; aber wie sieht es mit dem "versteckten" autismus innerhalb von forschung und wissenschaft aus? ich halte es aus meiner perspektive eben nicht für zulässig, das sozusagen "reine" autistische spektrum als irgendwie bizarre besonderheit am rande der menschlichen möglichkeiten zu bestaunen - ich halte eine wahrnehmung für zutreffender, die die klassischen autismus-varianten (bzw. ihre wesentlichen eigenheiten) als paradigmatisch auch für mögliche psychophysische zustände aller menschen begreift - in verschiedenen variationen, anteilen und kombinationen. zu diesem ansatz trägt übrigens auch meine ganz persönliche erfahrung mit entsprechenden zuständen bei mir und anderen bei.

"6. Natürlich ist simulierendes Verhalten in gewissem Maße eine notwendige Bedingung von Humanität. Natürlich bin ich freundlich zu anderen, auch wenn ich eigentlich gerade depressiv oder schlecht gelaunt bin - denn dafür können die anderen nichts."

so? ohne jede einschränkung? ich würde ja eher dazu tendieren, innerhalb von nahen sozialen beziehungen meinen jeweiligen zustand kenntlich zu machen, um erstens dadurch für andere transparenter zu werden (mit der möglichkeit eines größeren verständnis -> neue handlungs-/umgangsoptionen); zweitens meinen zustand u.u. dadurch auch selbst verändern zu können; und drittens der anstrengung von permanenter simulation zu entkommen. Ihre oben zitierte vorgehensweise hat eigentlich nur berechtigung im sog. öffentlichen raum; und selbst da würde ich an etlichen stellen eine möglichkeit der vermittlung eigener authentischer zustände begrüßenswert empfinden (letzteres hat übrigens nix mit der simulierten "offenheit" von exhibitionistischen talkshows oder dergleichen zu tun).

"Natürlich ist keine entwickelte Subjektivität möglich ohne Vermittlung und Entäußerung. Ein Asperger-Syndrom ist nun eben nicht einfach die permanente und totale Abwesenheit von Simulations- und Vermittlungsfähigkeit. Aspies sind genauso lern- und entwicklungsfähig wie andere Menschen (manchmal sogar mehr als andere), bloß läuft die Entwicklung bei ihnen anders ab. Wenn Aspie-Kinder sich besonders für Gegenstände wie Waschmaschinen interessieren, heißt das noch lange nicht, dass sie das lebenslang tun. Es ist doch überhaupt nicht wahr, dass Aspies keine soziale Kompetenz besäßen. Sie erwerben sie anders, in der Regel später als NTs und dadurch auch bewusster."

Sie verschleiern hier schlicht den qualitativen unterschied zwischen authentischer und simulierter sozialer kompetenz. wenn "aspies" ersteres als strukturelle eigenart ihrer persönlichkeit aufweisen würden - gäbe es sie nicht als "aspies". die "bewusstere erwerbung" beruht ja gerade darauf, dass sie den objektistischen modus ihrer wahrnehmung besonders schulen und trainieren müssen, um überhaupt ein leidlich realitätsfähiges simulatives niveau zu erreichen. das das letztere dann u.u. auch "NTs" beeindrucken kann, dürfte eher mit einer mehr oder weniger großen schädigung der eigenen authentischen fähigkeiten bei diesen zusammenhängen (was dann, nebenbei gesagt, auch zu solch grotesken verhaltensweisen führt wie denen, die alleine aus pr- und imagegründen konstruierte und simulierte "soziale kompetenz" großer konzerne für bare münze zu nehmen).

"Das kann enorme Stärken mit sich führen, z.B. sogar ein starkes soziales Engagement."

meinen Sie damit auch solche leute wie bill gates?

"Den Gerechtigkeitssinn von Aspies mit dem Formalismus der Justiz in Verbindung zu bringen, ist wieder einmal eine der oben bereits kritisierten, völlig willkürlichen und unbegründeten "Assoziationen"."

suchen Sie einmal im index oder der recherche nach beiträgen, die sich hier genauer mit verschiedenen justiziellen urteilen beschäftigen. dann werden Sie vielleicht nachvollziehen können, das von "völlig willkürlich und unbegründet" keine rede sein kann.

"7. Für den Autistic Pride engagierte Aspies verlangen nicht, dass alle Menschen autistisch werden sollen. Sie erkennen die Fähigkeiten von NTs an und verlangen nur, dass diese reziprok ebenso verfahren. Insofern ist jede Überlegung darüber, wie eine nur aus AutistInnen bestehende Menschheit aussähe, völlig unsinnig."

"Bei autistischen Personen ist inzwischen eine starke Tendenz, zu sagen, die Welt sollte sich ihnen anpassen." (zitat temple grandin; quelle hier enthalten).

das sagte grandin über ihre mitbetroffenen. und bei sowas werde ich einfach hellhörig, weil es erstens angesichts verschiedener, mit autismus in zusammenhang gebrachter eigenschaften und besonderer fähigkeiten, die zweitens zumindest teilweise eine schnittmenge mit favorisierten strukturellen eigenschaften der heutigen kapitalistischen gesellschaft aufweisen, wohl nicht so abwegig ist anzunehmen, dass sich drittens autistische betroffene vor diesem hintergrund daran machen könnten, ihren eigenen zustand entsprechend umzudefinieren - eine dekonstruktion der behinderung hin zu einer konstruktion von normalität. warum sie damit gar nicht mal so unrecht haben, hatte ich im ausgangsbeitrag versucht zu skizzieren. aber das bedeutet keinesfalls, die gründe und v.a. die implikationen eines solchen projektes kritiklos hinzunehmen.

"8. Wirkliche Gleichheit wäre die Freiheit, ohne Angst verschieden sein zu können (Adorno)."

ja. und? nochmal: ich rede hier nicht von einer bloßen "verschiedenheit". ich habe absolut nichts dagegen - im gegenteil - für wie auch immer psychophysisch geschädigte menschen alles notwendige zu tun bzw. bereitzustellen, was deren leben erleichtern kann. ich habe allerdings etwas dagegen, real vorhandene einschränkungen und behinderungen - aus welchen gründen auch immer - quasi zu de-konstruieren (und dieses vorhaben würde ich Ihnen unterstellen). autismus stellt eine qualitative und ernsthafte beschädigung ganz elementarer menschlicher sozialer fähigkeiten dar - mit der betonung auf beschädigung!

"9. Die autistische Seinsweise ist nicht antisozial. Sie ist auf andere Weise sozial als die neurologisch typische."

etwas polemik gefällig? nach dieser logik ist letztlich auch ein soziopath nur "anders sozial".

"10. Was der Blogger gegen Ende als Konzept von Geschichte skizziert, ist nicht schlecht. Ärgerlich ist nur, dass er sein "Wissen" über Autismus, das er munter zu allen möglichen und unmöglichen "Assoziationen" verrührt, anscheinend aus auf veralteten Theorien beruhenden populärwissenschaftlichen Magazinen hat. In diesem Text ist jedenfalls nicht erkennbar, dass der Blogger irgendwelche reale Erfahrung mit autistischen Menschen hätte."

wenn Sie sich nochmals die mühe machen würden, im index nach den verschiedenen beiträgen zum autistischen spektrum zu recherchieren, wäre Ihnen Ihre polemik mit den "populärwissenschaftlichen magazinen" vermutlich selbst peinlich. dann aber: was sollen denn die nicht "veralteten theorien" darstellen? etwa der ausschließliche bezug auf irgendwelche gene (wahlweise auch umweltgifte und impfungen, wobei letzteres inzwischen als widerlegt gilt)? zur rolle der gene lesen Sie bspw. einmal joachim bauer - das könnte Ihnen dabei helfen, eine nicht dissoziierende wahrnehmungsposition bei dieser frage einzunehmen (ob irgendwelche gene nämlich bei autistischen menschen nicht oder anders fuktionieren, ist definitv keine antwort zur frage nach der entstehung). dazu wäre es einmal auch interessant, sich genauer die rolle der selbsthilfebewegung, und da besonders die betroffenen eltern, anzuschauen - nicht nur hier, sondern auch durch die erfahrungen mit eltern von "schizophrenen", liegt nämlich der eindruck nahe, dass bevorzugt erklärungsmodelle gefördert werden, die bei derartigen zuständen besonders unpersönliche - und damit eltern/familien und letztlich die gesellschaft entlastende - ursachen für schwere psychophysische einschränkungen annehmen. "die gene" stellen da heute den absoluten favoriten dar, obwohl eben das nach den jüngsten forschungen kaum mehr haltbar ist.

diese verhaltensweise betroffener eltern besonders von als schizophren diagnostizierten, mit dem daraus folgenden teils enormen druck auf involvierte medizinerInnen, dürfte einen nicht unerheblichen anteil daran haben, dass sich innerhalb der psychiatrie nach der phase der besonders die dysfunktionalen sozialen verhältnisse thematisierenden psychiatrischen strömungen (laing u.a.) der späten 1960er und 70er jahre seit den 80ern wieder mehrheitlich eine eher reduktionistische und im schlechten sinne biologistische sichtweise auf schizophrene phänomene durchgesetzt hat. und wenn ich mir die teils rigorose abwehr betroffener eltern von autistInnen gegenüber jedem ansatz anschaue, der auch nur entfernt eine mögliche beteiligung seitens betroffener familien / eltern in betracht zieht, so fällt die parallelität des verhaltens mit dem eben skizzierten bezgl. schizophrenie krass ins auge. von sich als "links" verstehenden medien wie der "jungen welt" und auch der "a & k" würde ich mir bei solchen fragen einfach mehr erwarten - und nicht nur lediglich eine wiedergabe weitgehender selbstbeweihräucherung betroffener - was in diesem fall aus meiner perspektive umso mehr zutrifft, als das selbstbetroffenheit des autors beim thema nicht erwähnt wurde.

und ob ich selbst erfahrungen mit autistischen menschen habe? aus dem kontext von kliniken, kindergärten etc. nicht. ansonsten: mehr, als mir manchmal lieb ist.

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