assoziation: von bleiernen zeiten und ihrem dahinschmelzen (6)

(...) "Reuters verbreitet ein Pressemitteilung – Tunesien betreffend – von Amnesty International: “Tunesien muss Tötung von Demonstranten untersuchen”. Was für ein bürgerlicher Scheißdreck. Es geht darum, das ganze Scheißsystem hinwegzufegen – solche Forderungen, gerichtet an irgendwelche Nochimmerherrschenden oder nach demokratischen Wahlen Demnächstherrschenden stabilisieren deren System bloß, indem sie ihnen wohlmöglich nachkommen und irgendwelche armen Schweine unter den Polizisten oder Soldaten anklagen -. ihnen einen sauberen Prozeß machen. Gerichte, Rechtsanwälte – das alles gehört vielmehr mit weggefegt. Für immer. Alle tun hier so im Westen, als gäbe es nichts anderes als die Errungenschaften der Französischen Revolution – freie Wahlen, Presse, Regierungen, Gewaltenteilung etc.. Das alles gehörte längst auf den Misthaufen der Geschichte – es gibt ein viel größeres Revolutionsziel: die Abschaffung der Warenproduktion und die Aufhebung aller Trennungen." (...)

("Der Kairo-Virus - Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (21)")

(...) "Niemand, der sich in Führungspositionen befindet, hat etwas davon, den eigenen Untergang zu prophezeien. (So wie jener Chefredakteur, der sich bei einem Essen weinschwer über den Tisch gebeugt und gesagt hatte: »Noch sitzen wir hier und essen Fischfilet. Aber Sie und ich wissen«, Kunstpause. »Sie und ich wissen, dass es nicht mehr lange dauern wird.« Einen Brunnen habe er schon gebohrt, über die nötigen Maße eines Gemüsebeets für eine vierköpfige Familie denke er nach." (...)


("Rette sich, wer kann!")

(...) "Mit dem Sturz der Diktatoren Nordafrikas wird der Flüchtlingsstrom nach Europa massiv wachsen", sagte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dieser Ansturm lasse sich nur stoppen, wenn Europa zur Festung umgebaut werde." (...)


...und auch diese "festung" wird am ende fallen...

*

so. derart eingestimmt, betrachten wir uns ein weiteres mal näher das, was ich neulich als "globales wetterleuchten an fast allen horizonten" bezeichnet hatte. es erscheint immer noch und immer mehr bitter nötig, das blog einerseits zur reinen informationsvermittlung zu nutzen, da sehr vieles, was zum verständnis bzw. mindestens für eine annäherung daran nötig ist, medial entweder gar nicht oder nur fragmentarisch vermittelt wird. andererseits habe ich die nächsten tage voraussichtlich etwas mehr raum, um einige grundsätzlichere fragen ebenfalls zu thematisieren:
  • aus der perspektive der bloginhalte hier wäre da bspw. die frage nach den wirkungen der z.zt. in libyien wahrscheinlich am massivsten, aber auch anderswo primär staatlicherseits ausgeübten gewalt - stichwort trauma. ich will versuchen, mich den aktuellen szenarien mal mit hilfe der bisherigen erkenntnisse aus der psychotraumatologie zu nähern, weil der umgang mit dieser gewalt und ihren folgen unweigerlich auch den weiteren weg der betroffenen gesellschaften mitbestimmen wird
  • verschwörungstheorien: von beginn an gab es besonders im netz unter den üblichen verdächtigen eine teils reflexartig anmutende reaktion zu bestaunen: diese ganze dynamik der aufstände seien - "wie üblich" - ein produkt von us-amerikanischer und israelischer einflussnahme, sie folgten einem drehbuch, und all die millionen in den revolten involvierten seien lediglich (ahnungslose) statisten. mich regt eine solche betrachtungsweise einerseits auf, andererseits scheint sie mir zumindest hierzulande letztlich auch der treffende ausdruck einer generationenalten mentalität in einer gesellschaft zu sein, die in ihrer bisherigen geschichte kein einziges mal wenigstens so etwas wie eine bürgerliche revolution hinbekommen hat und mit dem wort "selbstorganisation" mehrheitlich offensichtlich nichts anzufangen weiß. auch das lohnt der näheren betrachtung, wie ich finde
  • ich hatte ja zu beginn dieser reihe geschrieben, dass ich hier auch vorläufig die schon im letzten jahr begonnene debatte zum "kommenden aufstand" des "unsichtbaren komitees" weiterführen möchte - das wäre ein weiterer punkt, einmal zu schauen, wieweit sich die imaginationen des "kommenden aufstands" inzwischen in der globalen realität wiederfinden lassen
  • peak oil, peak water, nahrungsmittelkrisen, mögliche klimakrisen?, bevölkerungszahl: hinsichtlich der aufstände weitgehend völlig unterbelichtet, diese "megatrends". aber ich bin überzeugt davon, dass wir aktuell bereits mehr als nur die vorboten zumindest einiger dieser absoluten grenzen (für den globalen kapitalismus zumindest) sehen
soweit zum vorgesehenen programm; das ich dafür keinen zeitplan angeben mag und kann, sollte auf der hand liegen.

*

bevor ich nun zu einem kurzen überblick zuerst zur situation in nordafrika und der arabischen halbinsel aushole, noch ein wort zu den quellen: wie in den letzten folgen versuche ich besonders, aus meiner sicht zu kurz gekommene meldungen ins blickfeld zu holen. dazu bevorzuge ich weiter neben einzelnen anderen quellen den britischen guardian sowie al jazeera, möchte jedoch auch speziell auf zwei weitere hinweisen: das erste einleitende zitat stammt aus dem
hausmeisterblog der "taz", und da möchte ich wirklich empfehlen, einmal alle folgen der "chronik" von beginn an zu lesen. das wird vermutlich ein paar stunden dauern, aber es lohnt sich, weil dort eine vielzahl an aktuellen und historischen informationen sowie eigenen gedanken des autors in einer ähnlich assoziativen art & weise zusammengetragen wird wie hier. es gibt dort eine menge zur geschichte der verschiedenen länder zu lernen sowie etliche hinweise auf weitere interessante artikel und quellen - tipp! und das gilt in anderer weise auch für die nahostinfos, die als meines wissens bisher einziges deutschsprachiges blog so etwas wie einen gesammelten überblick zu den aktuellen entwicklungen in den ländern der region bereitstellen. ich weiß nicht, wer der oder die autorInnen dort sind, aber von hier aus für die arbeit schon mal ein dickes danke! (das ist neulich direkt im blog offensichtlich an technischen problemen gescheitert).

wie in den letzten folgen auch, werde ich viele der infos nicht jeweils einzeln quellenmässig belegen, sondern nur diejenigen, die mir besonders relevant und/oder brisant erscheinen. und jetzt wirklich los, es ist so viel passiert und passiert weiterhin, dass dieser überblick vermutlich jetzt schon wieder veraltet ist...

*

nordafrika/arabische halbinsel

tunesien: zu den wiederaufgeflammten riots und auch streiks im land, die mittlerweile zwar auch zum rücktritt des "übergangspräsidenten" und alten ben al-vertrauten ghannouchi geführt hat, aber das bedürfnis großer bevölkerungsteile nach einer tiefgehenderen sozialen veränderung - minimalkonsens ist der abgang alles personal der bisherigen diktatur - konnte dadurch nicht begrenzt werden. ich hatte von beginn an spontan bei tunesien die wenigsten bedenken, das wort "revolution" zu benutzen, und ich finde das bei der aktuellen entwicklung auch weiterhin berechtigt - es ist zwar i.d.r. unangemessen, die verschiedenen länder zu vergleichen, aber tunesien scheint im "eigenen" zyklus der revolutionären phasen, die eine gesellschaft im umbruch durchlaufen muss, am weitesten zu sein - dazu gehört auch, dass sich jetzt innerhalb der gesellschaft deutlicher die klassengegensätze beginnen abzuzeichnen. hatte die mittelklasse anfangs das gleiche unmittelbare interesse am sturz der diktatur wie die unterklassen sowie große teile der perspektivlosen jugend, so geht es jetzt eher darum, neben der abwicklung von ben alis altlasten durchaus sozialrevolutionäre inhalte in einem konflikt zwischen mittel- und unterklassen auszufechten. erstere können tatsächlich als solche gesehen werden, die primär eine "parlamentarische demokratie" westlichen zuschnitts - was real bereits sicher ein fortschritt darstellen würde im vergleich zur diktatur - anstreben, während für letztere das problem der armut weiterhin brisant bleibt und es zeit braucht, um diesbezgl. selbst eine art programm für die weitere entwicklung zu schmieden. so scheint tunesien, zusätzlich auch wg. des problems der vielen aus libyien kommenden flüchtlinge, von außen betrachtet in einem seltsamen schwebezustand zu hängen. zu all dem ein relatib aktueller - 27. februar -
bericht von drei aktivisten aus italien von einem besuch im land selbst, der mit den absätzen schliesst:

(...) "Eine Revolution ohne Anführer und ohne Waffen machen ist keine leichte Sache, das muss erfunden werden, die Tunesier und Tunesierinnen sind aber stolz darauf, dem Drama dieser Tage zum Trotz. Das Fehlen einer Mitte offenbart sich in einem vermeintlichen Chaos, das sich tatsächlich aber gerade durch die Vielfalt der Lebensformen ein weiteres Mal als kollektive Kraft und Intelligenz erweist.

Von der Platzbesetzung und dem Basispunkt der Gewerkschaft UGTT aus startet ein Aufruf an die Generaldirektion des Transportwesens, die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu gestatten, damit möglichst viele eine Chance bekommen, Tunis zu erreichen.

Seit heute haben die tunesischen Medien den Generalstreik ausgerufen, niemand hatte es gemerkt, dass sie statt dessen für Tunesien arbeiteten... Wer weiß, ob sie nicht die Freiheit erringen, von dem, was ihr Volk gerade tut zu berichten."


was auch immer noch weiter geschehen mag - die bevölkerung jenes kleinen landes "irgendwo da unten, an der peripherie" hat sich mehrheitlich für immer einen platz in den herzen all jener verdient, die sich für tatsächliche menschliche fortschritte begeistern können. hier wurde der funke entfacht, der tatsächlich zum steppenbrand wurde und das erste mal laut und vernehmlich gesagt "es reicht!". und bei dieser sachlage bin ich auch gerne pathetisch...

golfregion (bahrain, kuwait, oman...): hat irgendjemand den sog. bundespräsidenten neulich auch im tv beim emir von quatar bewundert, wie er weiter - bei gleichzeitigem "mahnen" für "demokratische reformen" - die guten wirtschaftsbeziehungen mit dem kleinstaat lobte? ich konnte bei dieser szene nur mit dem kopf schütteln angesichts einer "elitären" verfassung, die offenbar tatsächlich immer öfter auf nackte realitätsverdrängung hinausläuft - denen muss anscheinend wirklich erst alles hautnah so richtig um die ohren fliegen, bevor sie begreifen, dass das spiel aus ist.

es rumort weiter in der gesamten region - und die jeweiligen diktatoren und monarchen mobilisieren nicht nur in einem land ihre jeweilige
anhängerschar:

"Im Golfstaat Bahrain sind nach offiziellen Angaben 300.000 Anhänger des Königs Hamad bin Issa el Chalifa auf die Straße gegangen, um die sunnitische Herrscherfamilie zu unterstützen. (...)

Zur gleichen Zeit forderten tausende Regierungsgegner auf dem Platz der Perle den Rücktritt des Königs und demokratische Reformen." (...)


kuwait: weitere proteste von den ins land geholten und formal extrem rechtlosen arbeiterInnen werden vermeldet, die u.a. die staatsbürgerschaft sowie fundamentale rechte fordern und denen größtenteils repressiv begegnet wird. der infofluß ist diesbezgl. aber eher mau.


oman:

In Sohar im Sultanat Oman hat das Militär mit Panzern hunderte Demonstranten auseinandergetrieben, die den Zugang zu einer Brücke und eine Hauptstraße in Richtung der Hauptstadt Maskat blockiert hatten. Bei dem Einsatz der Militärfahrzeuge am Dienstag wurde niemand verletzt, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Die Demonstranten waren für mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne auf die Straße gegangen. Sie forderten außerdem juristische Ermittlungen gegen in ihren Augen korrupte Minister.

Auch in anderen omanischen Städten wie Salala im Süden und in der Oasenstadt Buraimi im Norden des Landes gingen am Dienstag hunderte Menschen auf die Straße." (...)


saudi-arabien: wie ich schon früher einmal schrieb - eine der übelsten diktaturen des planeten, entscheidender öl-lieferant für den westen, nachweislich exporteur religiös-fundamentalistischen terrorismus in die ganze region - wenn und falls die ölprinzen fallen sollten, dann ist die ganze jetzige schon atemberaubende dynamik wahrscheinlich nur eine art vorspiel - die "mutter aller aufstände", wie ein entsprechendes szenario in us-amerikanischen foren gerne genannt wird, könnte von weltweiten massiven erschütterungen begleitet werden, bis hin zu denkbaren kriegerischen auseinandersetzungen in der region und dem endgültigen ausbruch einer neuen und schwereren phase der schwelenden weltweiten wirtschaftskrise, die dann angesichts der eh schon prekären situation vieler staaten tatsächlich das ganze globale system sehr sehr nahe an den finalen abgrund bringen würde. erster
stichtag: 11. märz:

"Am Mittwoch machte in saudischen Aktivisten-Kreisen das Gerücht die Runde, einer der zwei Administratoren einer Facebook-Seite von Regierungsgegnern sei von Angehörigen der Sicherheitskräfte in Riad erschossen worden. Von offizieller Seite wurde dies ebenso wenig bestätigt wie die Festnahme eines schiitischen Geistlichen im Osten von Saudi-Arabien am vergangenen Sonntag. Scheich Tawfik al-Amir, der in Ahsa predigte, soll in der Moschee dazu aufgerufen haben, Saudi-Arabien in eine konstitutionelle Monarchie umzuwandeln.

Im sozialen Netzwerk Facebook, das von jungen Saudis stark genutzt wird, gibt es derzeit zwei Aufrufe zu Demonstrationen gegen Korruption und für eine stärkere Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungsprozessen. Die Demonstrationen sollen am 11. und 20. März stattfinden." (...)


es sollte vielleicht besonders darauf hingewiesen werden, dass zumindest ein im netz bekannt gewordener aufruf von frauen initiiert worden ist, die speziell auf ihre situation in dem land focussieren - eine revolte unter einem derzeitigen vorzeichen wäre trotz der durchwegs in so ziemlich allen betroffenen ländern der region zu verzeichnenden teilnahme von frauen an den aufständen trotzdem qualitativ etwas neues.

die diktatur sieht sich, wenn ich das recht verstehe, gleich vier potenziellen konfliktpunkten gegenüber: einmal ein kulturell-religiös motivierter, nämlich den bereits stattfindenden protesten der schiitischen minderheit im osten des landes. dann wäre da zum anderen die situation der vielen jugendlichen, denen keine langfristige perspektive geboten wird. drittens die - analog den kleinen golf-monarchien - vielen als arbeitskräfte ins land geholten migranten aus anderen arabischen staaten, aber auch aus asien, die weitgehend rechtlos am untersten ende der gesellschaftlichen hierarchie stehen. und viertens die wie kaum in einem anderen land so offen patriachalische herrschaftsstruktur mit religiöser verbrämung, die potenziell große teile der weiblichen bevölkerung quer durch alle klassen hindurch zur rebellion bringen könnte.

und zu all dem kam mitte februar dann auch noch eine meldung, die seltsamerweise ohne größere resonanz blieb, deren brisanz aber gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, v.a., wenn man sich die praxis der dortigen herrschaften betrachtet, eventuelle proteste frühzeitig einfach mit geld zuzuschütten -
mittelfristig ist der ofen so oder so aus:

(...) "Die USA befürchten, dass Saudiarabien, die grösste Exportnation von Rohöl, nicht genug Reserven hat, um der Preisspirale Einhalt zu gebieten. Dies geht aus Dokumenten hervor, welche die Enthüllungsplattform Wikileaks im britischen «Guardian» veröffentlicht hat. Einmal mehr handelt es sich dabei um vertrauliche Depeschen von Diplomaten. Ein US-Diplomat, der in der saudischen Hauptstadt Riad stationiert war, appellierte in der Depesche an seine Regierung, sie solle die Warnungen eines arabischen Öl-Experten ernst nehmen.

Sadad al-Husseini, Geologe und ehemaliger Chef des staatlichen Ölkonzerns Aramco, hatte dem US-Diplomaten gegenüber gesagt, die Ölreserven im Land würden geschönt dargestellt. Gegenwärtig könne fast 40 Prozent weniger gefördert werden, als man dem Westen weismache." (...)


und das lässt sich durchaus als bestätigung eines gerüchtes lesen, welches schon seit langer zeit in diversen peak-oil-foren im netz herumläuft. die konsequenzen kann sich jeder selbst ausmalen - ich merke im moment gerade, dass dieser beitrag hier zu lang für die software zu werden droht und muss ihn splitten. fortsetzung folgt also, ich versuche das bis spätestens morgen - dann mit dem rest dieser rubrik, aber vor allem auch einigen höchst interessanten meldungen aus den usa, mittel- und südamerika sowie europa...
Yurun (Gast) - 4. Mär, 00:33

Untergang ahoi?

Da ist mir beim lesen des Zitats aus dem Artikel "Rette sich, wer kann!" ein Zusammenhang bzw. eine Frage aufgefallen, die mich schon länger immer wieder mal beschäftigt: Welche psychologische Dynamik entfalltet sich da eigentlich, wenn gut in das System integrierte Leute teils auch höherer Stellung den Crash des gesellschaftlichen vor sich hin lavierens an die Wand malen und anfangen von Gemüsebeeten zu reden? Dabei sind diese so wie ich den Eindruck habe schon ein bisschen informiert und haben auch ein überdurchschnittliches Bewußtsein für die Abläufe in ihrer Umgebung und zur Stabilität des Ganzen, doch allemal nicht genug, um wirklich zu brauchbaren Urteilen zu kommen, die sich auch tatsächlich aus der Realität ableiten lassen. Woraus speist sich aber nun dieses "gut feeling", dass da etwas nicht stimmt und man besser anfängt vorzusorgen bzw. vorsichtiger zu agieren?

Ich habe dabei den Eindruck unsere "Eliten" (ich bevorzuge den ironischen Ausdruck "Freunde der Realität") oder zumindest einige davon haben seit etlichen Jahren Angst beim nächsten Schritt geht es Ihnen an den Kragen und alles bricht zusammen, nur um dann verdutzt festzustellen wie doch alles weiter geht. Mit der Zeit kommt es dann zu einer immer größeren Dreistigkeit, doch der Prozess ist dabei von ständigem zögern und zaudern begleitet, es ist dabei ja auch allen klar das dies nicht endlos so gehen kann. Eür verantwortlichen Bankern so mulmig wurde, dass sie sich absetzten. Im Gegenzug scheinen Leute wie Haines der schönsten schon etwas älteren Beispiele ist da die Geschichte der Mefo-Wechsel und wie es den dafider gegen sowas ziemlich immun, die spielen ohne Unterlass vabanque und kommen damit oft erstaunlich lange durch, ja machen das gar zu ihrem Markenzeichen, während die anderen ständig zögern und sich damit - glücklicherweise - auch selbst blockieren. Der in Deutschland eher seltene souveräne Spielmacher (Schröder hatte ein bisschen was davon, bei Gutti haben sich wie mir inzwischen scheint tatsächlich einige eingildet der wäre auch sowas) steht dabei vorsichtigen Kontrollfreaks ala Merkel gegenüber, ähnlich wird es wohl hinter den Kulissen auch jenseits der Politik ausschauen. Letztere scheinen sich dabei wie die Maulwürfe durch die Gegend zu tasten, immer bereit beim Zeichen wirklichen Widerstands sofort zum Rückzug zu blasen, in der Hoffnung man hat da gerade nicht die Büchse der Pandora erwischt. Erstere taktieren eher beim voranpreschen und walzen alles nieder, was Ihnen nicht auch wirklich gewachsen ist. Grob skizziert sind das die zwei Methoden innerhalb der recht unheiligen Allianz zum Kulturerhalt, wenn es mich auch immer etwas ärgert dieses Chaos der Einfachheit halber eine Kultur zu nennen.

Was die tatsächlichen stofflichen bzw. energetischen Grenzen unseres derzeitigen Wirtschaftens sind und welche Dynamik durch sie erzeugt wird ist dabei wohl im Endeffekt nur durchs "ausprobieren" letztlich klärbar. Dabei wohl nicht ohne die ein oder andere Hässlichkeit, doch wirklich hilflos und nahe am Untergang waren wir Menschen bisher eigentlich nur, wenn wir übereinander hergefallen sind. Die psychologischen Effekte die hier auftreten sind wie ich finde aber anderer Natur, folgen anderen Gesetzen und benutzen solche Sachgrenzen wie mir scheint höchstens zur Rationalisierung. haben sie aber eben gerade nicht zum Ursprung. Im Hintergrund dabei immer dieser wohlige Glaube Kulturen würden an Ihrer Dekadenz zugrunde gehen. Ich habe hingegen schlicht das Gefühl unsere Kultur kann die Angst auf der sie letztlich begründet ist nicht mehr unter Kontrolle halten, was bei immer mehr Leuten eben diese Angst halbwegs ins Bewusstsein aufrücken lässt und dort zu Kulturuntergangsphantasien und hektischen bis kaum erklärlichen Reaktionen führt. Die bittere Ironie dabei ist, dass wir gleichzeitig zu diesem beinahe rein psychologischen Phänomen tatsächlich auch an wirkliche Grenzen stoßen, jedoch eben auf eine so grundlegend andere Art, dass die Reaktionen auf Basis der Psychologie (also im wesentlichen Angstabwehr), in keinem Wirkzusammenhang mit den tatsächlichen Problemen stehen. Gerade das ist es dann ja auch was die ganze Situation so richtig gefährlich macht, uns geht das Öl aus und die Leute fangen an Majakalender zu studieren. Die Zeit fragt dann auch "Alles Spinner und Verrückte?", meine Antwort darauf wäre dann "Alles wohl halbwegs sensible Leute, die ihr Ohr an der Kultur haben, in der sie leben, doch deswegen noch lange keine vernunftgeleitete Reaktion in Bezug auf die Welt in der diese Kultur lebt." Auch Vernunft wird bei uns ja mehrheitlich nur simuliert.

Yurun (Gast) - 4. Mär, 00:42

korrektur

Edit zu oben:

Da ist ohne das ich es rechtzeitig bemerkt habe im zweiten Absatz eine Zeile verrutscht, hier der Abschnitt wie er eigentlich sein sollte:

"Eines der schönsten schon etwas älteren Beispiele ist da die Geschichte der Mefo-Wechsel und wie es den dafür verantwortlichen Bankern so mulmig wurde, dass sie sich absetzten. Im Gegenzug scheinen Leute wie Haider gegen sowas ziemlich immun, die spielen ohne Unterlass vabanque und kommen damit oft erstaunlich lange durch, ja machen das gar zu ihrem Markenzeichen, während die anderen ständig zögern und sich damit - glücklicherweise - auch selbst blockieren. "
salvo (Gast) - 7. Mär, 11:20

peak life

“Has the Earth’s sixth mass extinction already arrived?”

//www.nature.com/nature/journal/v471/n7336/full/nature09678.html

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