Sonntag, 26. Dezember 2010

"im schatten des siyed qutb" (lesetipp)

das in diesen stunden ausklingende religiöse fest hat als einen vorteil bzw. zumindest als option die verfügbarkeit etlicher nicht fest verplanter stunden, die sich teilweise mit absichtslosem treiben verbringen lassen - auch im netz. und genau bei diesem tun bin ich auf einen text gestoßen, den ich ansonsten vermutlich schlicht ignoriert hätte, zumal ich islamische geschichte keinesfalls als einen inhaltlichen schwerpunkt meiner neugier gelistet habe. letzteres liegt teils einfach an meinem widerwillen, mich auf die arabische sprach- und begriffswelt, so fragmentarisch sie in den übersetzungen auch vorhanden ist, einzulassen. dazu betrachte ich die islamische welt mit ihren feudalregimen und petrodiktaturen, ihrer betonung der religion und den verbreitet desolaten gesellschaftlichen verhältnissen immer wieder mit einem großen emotionalen abstand. das die vermutlichen quellen des islamistischen fundamentalismus dabei den bisher einzigen thematischen kontext darstellen, bei dem es hier im blog um die islamische religion und ihre psychosoziale matrix plus den darauf aufsetznden ideologischen konstrukte geht, darf für den erwähnten abstand durchaus als repräsentativ gesehen werden.

bei daeva fand ich nun den folgenden, langen und sehr informativen text über eine der schlüsselfiguren der ägyptischen moslembruderschaft, eben siyed qutb. die darstellung der gedanken dieses mannes ist faszinierend und aufschlußreich zugleich, und ermöglicht einen nüchternen blick zumindest auf einen teil dessen, was hierzulande so als islamismus verhandelt wird. ich empfehle den beitrag als im besten sinne lehrreiche abendlektüre an einem kalten verschneiten winterabend.


Die Moslembrüder (Jamiyat al Ikhwan al Muslimun – Gemeinschaft der muslimischen Brüder) wurden 1928 von dem Grundschullehrer Hassan al Banna gegründet. Er verband den Salafismus des 19. Jahrhunderts mit Nationalismus, einem starken Staat, öffentlicher Wohlfahrt und Industrialisierung. Bei den Salafisten des 19. Jahrhunderts, u.a. Muhammad Abduh und Rashid Rida (vgl. Hourani 1983), handelte es sich vorwiegend um Universitätsprofessoren. In ihren Seminaren und Zeitungen verbreiteten sie ihre Theorien über die Situation Ägyptens, den Kolonialismus und den Zustand der Gesellschaft. Die fundamentale Annahme der Salafisten ist, dass die Ursachen der gegenwärtigen Probleme in der über Jahrhunderte verlaufenden Verwässerung der reinen islamischen Lehren liegen würden. Die islamische Lehre wäre eine vollständige und umfassende Anleitung Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu strukturieren wie es in der Urzeit der islamischen Gemeinde bestanden hätte. Von dieser Gemeinde der tugendhaften Väter (as salaf as salih) leiten sie ihren Namen ab: Salafisten (arab. Salafiyyun). Daher muss man versuchen diese Goldene Zeit wieder zu erschaffen. Siyed Qutb hat diese Vorstellungen besonders zugespitzt und als Anleitung für die einzelnen Individuen ausgearbeitet ihr Leben zu gestalten. Für ihn gibt es aber kein Zurück zu einer Goldenen Zeit. Es gälte nicht sie zu imitieren, sondern eine konservative Utopie auf der Erde zu errichten um die Menschheit miteinander und mit dem Himmel zu versöhnen." (...)

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