assoziation: zu den kriegen / konflikten im nahen und mittleren osten (3) - quellen des islamistischen fundamentalismus

(die ersten beiden beiträge zum thema, in denen es vor allem über (post-)traumatische einflüsse innerhalb der israelischen gesellschaft und ihre möglichen auswirkungen geht, sind hier und hier zu finden).

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ein paar worte vorweg: nicht umsonst hat es länger gedauert, als ich eigentlich dachte, bevor dieser beitrag hier endlich eine form hatte, mit der ich einigermaßen zufrieden bin. die öffentlichen diskussionen rund um die themen islam(-ismus), religiösen und militanten fundamentalismus, den verschiedenen kriegszonen in der islamischen welt, israel und die rolle der usa und europa sind meistens derart polarisiert und in einem negativen sinne irrational, dass ich immer wieder schlicht tiefen widerwillen verspürte, mich weiter zu äußern. eine position zu finden, die ich selbst vertretbar finde, bedeutet auch, sich zwischen faktisch alle stühle zu setzen - und das ist, gerade bei der teils offen hasserfüllten art und weise der öffentlichen diskurse, kein angenehmer platz. andererseits: wo gibt es schon noch solche plätze?

mich stören sehr viele dinge: einmal wäre da der teils offen vertretene rassismus gegenüber menschen aus afrika, der arabischen welt und asien, der sich heute bei vielen verteidigerInnen der sog. "westlichen werte" untrennbar mit einer angeblich "aufgeklärten" islamkritik maskiert (das teile dieser kritik durchaus zutreffend sind, kann dabei keine rechtfertigung für rassistische ressentiments sein). zum anderen machen teile der westlichen linken andersherum strukturell nichts anderes, wenn sie - berechtigt - den erwähnten rassismus anprangern, dabei aber auch die tatsächlich reaktionären (religiös begründeten) strukturen gerade in vielen islamischen ländern unterschlagen und in schlechter, orthodox-vulgär-kommunistischer tradition quasi zu einer art "nebenwiderspruch" werden lassen - das gilt besonders dann, wenn es sich um kritik an den offen sichtbar vorhandenen patriarchalen lebensverhältnissen in diesen ländern geht, die auf einmal zu "kulturspezifischen eigenarten" erklärt werden, bei denen einmischung im emanzipatorischen(!) sinne gleichbedeutend mit imperialistischem chauvinismus sei und primär von ökonomischen interessen bestimmt wäre (was tatsächlich einen aspekt ausmacht - als stichwort reicht hier öl).

und wiederum als heuchelei muss imo die sorge um frauenrechte gelten, die seitens des offiziellen westens genau in dem moment entdeckt wurden, als bspw. die taliban in afghanistan nicht mehr verbündete - wie noch im kampf gegen die sowjetunion, als die usa genau diese taliban als freiheitskämpfer glorifizierten und die fundamental-islamistische ausrichtung ihrerseits als eine art "folkloristischer eigenart" verstanden - waren, sondern zu terroristen der gefährlichsten sorte mutierten. wer soll solchen leuten noch ihre behauptete sorge um frauen- und menschenrechte abnehmen? ich nicht. gerade vor dem hintergrund der tatsache, dass sexistische und patriarchale (ich verstehe unter den begriffen nicht das gleiche) strukturen im westen zwar modifiziert worden sind und in einigen bereichen gerade formaler und abstrakterer art (wie der allgemeinen gesetzgebung z.b.) geglättet erscheinen, nichtsdestotrotz aber in historisch teils neuen und daher auch schwer zu fassenden formen weiter fortbestehen und das leben hier prägen.

ebenfalls widerwärtig ist die instrumentalisierung des - meiner meinung nach sehr wohl vorhandenen, aber nur sehr gezielt mit repressionen zu bekämpfenden - terroristischen potenzials verschiedener islamistischer strömungen für eine inzwischen völlig hemmungslos gewordenen innere aufrüstung der usa und der meisten europäischen länder, die deutlich erkennbar die behauptete sorge für die "sicherheit der bürgerInnen" als maske vor sich herschiebt, um dahinter für die absehbaren schweren sozialen konflikte und verteilungskämpfe der nahen zukunft repressive strukturen zu schaffen, die in dieser art und weise ebenfalls eine historisch neue qualität darstellen und als absolute bedrohung jeder emanzipatorischen bewegung begriffen werden können - es existiert geradezu ein unheilvolles wechselspiel zwischen den jeweiligen strategen des fundamentalistischen terrors und der "inneren sicherheit", in dem alle zutaten von borderline-wahrnehmung zu finden sind: "gut-böse"-zuschreibungen ausschließlicher art (schwarz-weiß-sicht); polarisierendes lagerdenken; weit gehende dehumanisierung des jeweiligen "feindes" sowie eine sehr aufschlussreiche art von apokalyptischer endzeitrhetorik. das es sich bei dem begriff "borderline-wahrnehmung" vor diesem hintergrund nicht nur um eine metapher handelt, wird später noch deutlicher werden.

kurz: die ganze situation ist eine derartige, bei der zumindest bei mir spontan der impuls entsteht, sich die decke über den kopf zu ziehen und laut aufzustöhnen - es gibt imo keinerlei gründe für alle an tatsächlichen sozialen fortschritten interessierte, sich in dieser auseinandersetzung an der seite irgendeiner der beteiligten parteien zu positionieren, und wenn´s auch nur aus angeblich "taktischen" erwägungen sei - im gegenteil liegen die gründe für eine massive kritik an allen beteiligten seiten derart im weg herum, dass es schwerfällt, nicht alle naselang darüber zu stolpern.

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im folgenden will ich nun eine zusammenfassende darstellung der entscheidenden sozialen bedingungen innerhalb weiter teile der sog. islamischen welt aus sicht der psychohistorie darstellen, wie sie lloyd deMause in seiner letzten arbeit präsentiert - in einer erweiterung zu ansätzen, wie sie bspw. bei ché im blog deutlich werden -

(...)"Aber es gibt eine Hardcore-Fraktion der Terrorbomber, die sich rein theologisch-ideologisch definieren und die auch ohne Elend in den Ländern und Palästina-Problem bomben würden. Interessanterweise sozial gesehen ein Oberschichtsphänomen."(...)

- versucht die psychohistorische analyse, hinter die als sekundär begriffenen, objektivistischen religiös-ideologischen konstrukte einen blick auf die dahinterliegenden psychophysischen strukturen der handelnden zu werfen, um derart zu einer neuen art von verstehen zu kommen, welches für eine beseitigung der quellen des fundamentalistischen islamismus und eine angepasste fortschrittliche entwicklung der betroffenen regionen wichtige anregungen geben kann.

und im unterschied zu quasi herkömmlichen psychologisch-psychoanalytischen ansätzen, wie sie hinsichtlich der islamischen welt bspw. martin altmeyer vor knapp einem monat in der "taz" unter dem titel Kultur der Niederlage vorgestellt hat; und die imo in einer typischen art und weise zu sehr von der abstraktion der orthodoxen pa geprägt sind und dabei zu solch unwahrscheinlichen und spekulativen konstruktionen wie der folgenden gelangt:

(...)"Während es wohl der Wahrheit entspräche, dass der Terrorist mordet, um für etwas Rache zu nehmen, wäre womöglich ebenfalls wahr, dass er an seiner Kränkung festhalte, um mit dem Morden weitermachen zu können. Die Unterstellung eines solchen (unbewussten) Verlangens bedeute für den Terroristen freilich eine weitere Erniedrigung, die ihn umso wütender mache, denn das Gefühl der Erniedrigung wolle er (bewusst) nicht behalten, sondern gerade loswerden. Wenn man ihm ein Bedürfnis unterstelle, sich gekränkt fühlen zu dürfen, erkläre man seine Motive und Verhaltensweisen für irrational."(...)

kann der psychohistorische ansatz imo eher eine antwort auf die in der "taz" ebenfalls aufgeworfene frage geben:

(...)"Hinter dem Kalkül des fundamentalistischen Islamismus, als dessen Vollzugsorgane sich terroristische Organisationen wie Hisbollah und Hamas verstehen, muss etwas anderes stehen als der Widerstand gegen die Schmach, die Erniedrigung, die Demütigung der arabisch-islamischen Welt durch Amerika und seinen Vorposten Israel."(...)

- weil er sich weitergehend die konkreten und in einer gewissen art und weise sehr "materiellen" sozialen lebensbedingungen anschaut, durch die wir menschen nun mal bis in unsere gehirne und nervensysteme (beides körperlich) geprägt werden, und die wir wiederum durch die wahrnehmungen / informationen in eben diesen gehirnen und nervensystemen prägen. diese vorgänge nun sind bestimmten gesetzen unterworfen, die zwar leider heute nur ansatzweise sichtbar sind, aber nichtsdestotrotz existieren. und ohne die letztlich keinerlei wirkliches verständnis menschlichen verhaltens möglich ist.

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ich werde deMause im folgenden mit einer sehr komprimierten und in dieser art einzigartigen (zumindest ist mir nicht entsprechendes bekannt) darstellung der teils extrem traumatischen lebensbedingungen in der islamischen welt zitieren, die ich selbst an verschiedenen stellen im text kommentieren will. ich verzichte dabei auf die zahlreichen quellennachweise, die im original (bzw. im buch) angegeben werden - überwiegend bezieht er sich auf quellen aus den islamischen ländern selbst, wobei kritische - und feministische - arbeiten wie bspw. von nawal el saadawi überwiegen, die ich selbst als realistische beschreibungen der sozialen situation einschätze.

er differenziert dabei nicht zwischen den verschiedenen konflikten (z.b. israel - palästinenser), sondern versucht, die in den sozialen bedingungen vorhandenen gemeinsamen quellen der diversen krisen herauszuarbeiten, was die prägungen der islamistischen akteure betrifft.

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(...)"Kinder, die heranwachsen, um islamische Terroristen zu werden, sind Pro­dukte eines frauenfeindlichen fundamentalistischen Systems, das häufig die Familie in zwei separate Gebiete trennt: das der Männer und das der Frauen. Die Kinder wachsen in den Räumen der Frauen auf, welche der Vater nur selten besucht. Selbst in Ländern wie dem heutigen Saudi-Ara­bien können sich Frauen dem Gesetz gemäß nicht unter nichtverwandte Männer mischen, und öffentliche Orte haben immer noch separate Frau­enzonen in Restaurants und an Arbeitsplätzen, denn - wie ein muslimi­scher Soziologe frei heraus sagt -: »In unserer Gesellschaft gibt es kein freundschaftliches Verhältnis zwischen einem Mann und einer Frau.« Fa­milien, aus denen die meisten Terroristen kommen, sind auch die gewalt­tätigsten Frauenfeinde; in Afghanistan, zum Beispiel, konnten Mädchen keine Schulen besuchen, und Frauen, die versuchten, ihre Jobs zu behal­ten oder scheinbar »mit Stolz dahin schritten«, wurden erschossen. Junge Mädchen werden in den meisten fundamentalistischen Familien abscheulich behandelt. Wird ein Junge geboren, herrscht Freude in der Familie; wird ein Mädchen geboren, trauert die ganze Familie.

Die Sexua­lität des Mädchens ist so verhasst, dass sie, im Alter von etwa 5 Jahren, von Frauen gepackt und zu Boden gedrückt wird und ihr mit einer Ra­sierklinge oder einer Glasscherbe die Klitoris und häufig auch die Scham­lippen abgeschnitten werden. Ihre Agonie und Hilfeschreie werden dabei ignoriert, weil, so sagen sie, ihre Klitoris »schmutzig«, »hässlich«, »giftig« ist, sie »kann einen unersättlichen Appetit auf ausschweifenden Sex ver­ursachen« und »kann Männer impotent machen«. Die Stelle wird dann häufig zugenäht, um Geschlechtsverkehr zu verhindern, es wird nur eine winzige Öffnung zum Urinieren gelassen. Die genitale Verstümmelung ist quälend schmerzhaft. Bis zu einem Drittel der Mädchen sterben an Infek­tionen, verstümmelte Frauen müssen »langsam und schmerzvoll dahin­schlurfen« und sind normalerweise unfähig, einen Orgasmus zu haben. Man schätzt, dass heute über 130 Millionen genital verstümmelte Frauen in islamischen Nationen leben, von Somalia, Nigeria und dem Sudan bis Ägypten, Äthiopien und Pakistan. Eine Studie über ägyptische Mädchen und Frauen ergab zum Beispiel, dass 97 Prozent der ungebildeten und 66 Prozent der gebildeten Familien immer noch weibliche genitale Verstüm­melung praktizieren würden. Obwohl in einigen Gebieten diese Praxis weitgehend aufgegeben wurde, nimmt sie in anderen - wie im Sudan und in Uganda - weiter zu, wo 90 Prozent der befragten Frauen angaben, al­le ihre Töchter beschneiden zu wollen.

Die Verstümmelung wird
nicht vom Qu'an vorgeschrieben; vielmehr sagte Mohammed, man solle Mädchen besser als Jungen behandeln. Den­noch haben Frauen über Jahrtausende hindurch ihren Töchtern diesen Horror zugefügt und inszenieren den ihnen durch Männer zugefügten Missbrauch wieder neu, wenn sie ihre Töchter verstümmeln und fröhliche Lieder wie dieses dabei singen: »Wir waren einmal Freunde, aber heute bin ich der Herr, weil ich ein Mann bin. Schau - ich hab ein Messer in meiner Hand. ... Deine Klitoris; ich werde sie abschneiden und sie weg­werfen, weil heute bin ich ein Mann.«

(dieses und alle folgenden zitate: lloyd deMause "das emotionale leben der nationen"; drava, klagenfurt 2005; isbn 3-85435-454-1; s. 39 - 43)


ich halte primär theologische und religionstheoretische auseinandersetzungen für weitgehend uninteressant, da "heilige bücher" wie die bibel und der koran sowohl beliebig interpretierbar sind als auch vermutlich durch die jahrhunderte immer wieder verändert wurden. so kann aus der bibel sowohl bspw. die inqusition als auch die befreiungstheologie südamerikanischen zuschnitts "begründet" und hergeleitet werden - sich gegenseitig ausschließende handlungsweisungen also, die die willkür deutlich machen, mit der religiöse motive konstruktivistisch begründet und umgesetzt werden. ebenso dürfte es sich mit der obigen äußerung von mohammed verhalten. deMause gibt an anderer stelle dagegen interessante hinweise darauf, dass sämtliche religionen, incl. der sog. naturreligionen, und besonders die damit assoziierten gottheiten, eher als produktionen einer durch extrem verbreitete traumatische erfahrungen allgemein dissoziierten welt- und selbstwahrnehmung zu verstehen sind, in dem die diversen götter als projektionen strafender bzw. lobender und aus der sicht von kindern v.a. mächtiger elternfiguren auftreten - und gerade die im religiösen kontext immer wieder auftretenden phänomene wie bspw. trance, religiöse verzückung, ekstase, aber auch selbstgeisselung und -bestrafung, lassen sich aus heutiger sicht sehr wohl als extremformen dissoziativer zustände begreifen.

eine andere art dissoziativer wahrnehmungsspaltung lässt sich hingegen beim stichwort saudi-arabien konstatieren: bis heute ist das dortige herrschaftssystem als eine art theokratische diktatur zu verstehen, mit einer speziellen variante patriarchaler und sexistischer unterdrückung. und seit jahrzehnten kann festgestellt werden, das diese diktatur ohne die faktische unterstützung der usa - die bis heute andauert, wenn auch in der folge des 11. september 2001 mit einigen "irritationen" - nicht existenzfähig wäre. eine (us-)administration, die im falle afghanistans zur "begründung" eines krieges u.a. menschen- und frauenrechte anführte, die sie im falle saudi-arabiens nicht mal als sekundär relevant ansieht (schließlich sind das immer noch ölliefernde "verbündete"), muss sich mindestens als heuchlerbande bezeichnen lassen, die menschenrechte rein instrumentell dann einsetzt, wenn´s ihr in den propagandistischen kram passt. sie kann allerdings auch als in einem pathologischen wahrnehmungsstatus festhängend begriffen werden - und genau dafür geben die gesamten arbeiten von deMause, der sich über jahrzehnte mit der us-amerikanischen innen- und außenpolitik bzw. ihren versteckten "drehbüchern" beschäftigt hat, etliche indizien.

"Mädchen, die in diesen fundamentalistischen Familien aufwachsen, werden normalerweise so behandelt; als wären sie verschmutzte Wesen, verschleiert, und manchmal von Gruppen vergewaltigt, wenn Männer au­ßerhalb der Familie mit Männern ihrer Familie eine alte Rechnung zu be­gleichen haben. Studien, wie eine aktuelle Erhebung unter palästinensi­schen Studenten, zeigen, dass sexueller Missbrauch in islamischen Gesell­schaften weit häufiger stattfindet als anderswo, wobei mehrheitlich Mäd­chen davon betroffen sind, als Kinder sexuell belästigt worden zu sein. Auch eine Heirat kann als Vergewaltigung betrachtet werden, da die Fa­milien häufig den Partner aussuchen und das Mädchen erst 8 Jahre jung ist. Die Schuld für die Vergewaltigung wird oft den Mädchen zugescho­ben, da man davon ausgeht, dass »diejenigen, die nicht darum bitten, auch niemals vergewaltigt werden«. Das Verprügeln der Ehefrauen ist üblich und Scheidung auf Wunsch der Frau selten - vielmehr sind Frauen von ihren Familien umgebracht worden, nur weil sie um die Scheidung baten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass bei »Ärzte für Menschenrechte« he­rausgefunden wurde, dass »97 Prozent der afghanischen Frauen, die sie untersuchten, unter schweren Depressionen litten«.

Es überrascht auch nicht, dass diese verstümmelten, geprügelten Frau­en keine ideale Figur als Mütter abgeben und ihr eigenes Elend wiederum ihren Kindern zufügen. Besucher bei Familien in verschiedensten funda­mentalistischen muslimischen Gesellschaften berichten vom »Ohrfeigen, Schlagen, Peitschen und Verprügeln« von Kindern, mit konstanter Beschä­mung und Demütigung, von ihren Müttern häufig als »Feiglinge« be­schimpft, wenn sie sich weigern, andere zu schlagen. Physischer Miss­brauch von Kindern geht weiter; gemäß einem Bericht der Pakistanischen Konferenz über Kindesmissbrauch »sehen sich eine große Anzahl von Kin­dern mit irgendeiner Form physischen Missbrauchs konfrontiert, vom In­fantizid und der Weglegung von Babys bis hin zu Schlagen, Schütteln, Ver­brennen, Schneiden, Vergiften, Unter-Wasser-Halten oder der Verabrei­chung von Drogen oder Alkohol oder gewalttätige Handlungen wie Boxen, Treten, Beißen, Würgen, Schlagen, Beschießen oder Stechen«.


kurz: ähnliche und gleiche praktiken also, wie sie in dieser gesellschaft hier in den letzten jahren immer wieder für kurzzeitige mediale aufgeregtheit sorgen - ein beispiel.

"Islamische Schulen praktizieren regelmäßig die Prügelstrafe - speziell in den Religionsschulen, aus denen freiwillige Terroristen so häufig kom­men - und ketten ihre Schüler tagelang »in dunklen Räumen mit wenig Nahrung und kaum vorhandener sanitärer Einrichtung« an."

das sind methoden aus dem arsenal der sensorischen deprivation , die auch bei der - ja, programmierung von selbstmordattentätern eine wichtige rolle spielt - dazu bspw. mehr hier und hier.

"Sexueller Missbrauch - beschrieben als »Streicheln der Genitalien, vom Kind die Berührung der Genitalien des Missbrauchers erzwingen, die Masturbation mit dem Kind entweder als Teilnehmer oder Beobachter, oraler Sex, ana­le oder vaginale Penetration mit Penis, Finger oder jeglichen anderen Objekten und [Kinder-]Prostitution« - ist ausgedehnt vorhanden, jedoch un­möglich zu beziffern.

Auch von Müttern ist berichtet worden, sie würden häufig »den Penis [ihrer Jungen] lange und heftig reiben, um ihn zu ver­größern«. Der Studie über die palästinensischen Studenten folgend, wür­den die Jungen laut ihren Berichten sogar häufiger sexuell missbraucht werden als Mädchen - Männer wählen die anale Vergewaltigung von klei­nen Jungen, um das zu vermeiden, was sie als die »unersättliche Vagina«der Frauen betrachten. Von einigen Gebieten wird berichtet, Kinder hät­ten mit Narben übersäte Körper von Verbrennungen mit glühendheißen Bügeleisen, die von Bestrafungen ihrer Eltern oder von Heilungen von der Besessenheit durch Dämonen herstammen. Kindern wird strikter Gehor­sam gegenüber allen elterlichen Befehlen beigebracht, wie etwa zu stehen, wenn ihre Eltern den Raum betreten, ihre Hände zu küssen, nicht über­mäßig zu lachen, sie immens zu fürchten; und sie lernen, dass es schreck­lich sündhaft ist, einem ihrer Begehren nachzugeben. Alle diese Kinder­erziehungspraktiken sind jenen sehr ähnlich, wie sie Kindern im mittelal­terlichen Westen routinemäßig zugefügt worden sind."


und in variantionen in deutschland bis mitte des 20. jahrhunderts stark verbreitet waren - die uns heute (hoffentlich) bedrückenden fälle von gewalt gegen kinder in dieser gesellschaft stellen eher relikte dieser massiv traumatischen vergangenheit dar - relikte allerdings, die immer noch in zu großer zahl vorhanden sind. das dabei bis heute auch christlich-religiöse institutionen immer wieder als täter im focus stehen, sollte ein gesundes mißtrauens gegen jede art derartiger "religiösität" unterstützen, die mit "spirituell" begründeten hierarchien daherkommt.

und nun folgt ein sehr wichtiger punkt - lassen Sie sich von einigen begriffen, die Ihnen womöglich seltsam vorkommen mögen, nicht irritieren:

"Die asketischen Resultate solch strafreichen Erziehens sind voraussag­bar. Wenn diese missbrauchten Kinder heranwachsen, fühlen sie jedes Mal, wenn sie versuchen, sich selbst zu aktivieren, jedes Mal, wenn sie unabhän­gig etwas für sich selbst tun wollen, sie könnten in ihren Köpfen die Billigung ihrer Eltern verlieren - hauptsächlich die ihrer Mütter und Großmüt­ter im Frauenquartier. Als ihre Städte in den letzten Jahrzehnten mit Geld aus Ölverkäufen und westlicher Popkultur überflutet wurden, fühlten sich die fundamentalistischen Männer erst zu den neuen Freiheiten und Ver­gnügungen hingezogen, zogen sich aber bald zurück, weil sie spürten, sie würden die Zustimmung ihrer Mami riskieren und als »böse Buben« gese­hen werden."

während ich den ersten satz voll unterschreibe - u.a. aus diesem grund versucht jedes autoritäre bzw. diktatorische system, u.a. über familien- und bildungspolitik destruktiven zugriff auf die lebens- und entwicklungsbedingungen der kinder und jugendlichen zu nehmen -, drückt sich deMause beim konstrukt des "bösen buben" imo etwas unglücklich und in v.a. in orthodox-freudianischer manier aus. genauer wäre es, von in folge massiver traumata entstandenen dissoziativen persönlichkeiten zu sprechen, bei denen einzelne teil-persönlichkeiten die destruktiven handlungen und forderungen der täterInnen repräsentieren, und bei "verstößen" gegen deren gebote und weltsicht massiv aktiviert werden, u.a. in form von existenziellen schuldgefühlen. bei als solchen diagnostizierten dissoziativen (multiplen) persönlichkeiten können diese anteile als quasi selbst existierende (teil-)"persönlichkeiten" von außen beobachtet werden. in schwächerer form können wir sie an und in uns selbst wahrnehmen - als mehr oder weniger deutlich wahrnehmbare innere "stimmen", die auf einem herumhacken - tatsächlich meist in situationen, die im weitesten sinne etwas mit selbstverwirklichung zu tun haben (was u.a. dann zum problem werden kann, wenn sich berechtigte kritik an egozentrischem verhalten mit destruktiven folgen für andere mit diesen stimmen mischt und zu elementarem trotz und massiver abwehr führen kann - zu beobachten ist das immer wieder bspw. bei diskussionen über die notwendige einschränkung des westlichen lebensstandards aus ökologischen und sozialen gründen).

"Menschen aus dem Westen kamen, um jetzt in Form einer Projektion ihr eigenes »Böse Buben«-Ich zu repräsentieren, das abgetötet werden musste, so wie sie von sich selbst meinten, die Strafe verdient zu haben dafür, solch unverzeihliche Sünden zu begehen, nämlich Musik zu hören, Drachen steigen zu lassen und Sex zu genießen. So urteilte je­mand: »Amerika ist gottlos. Der westliche Einfluss hier ist keine gute Sa­che, unsere Leute können CNN, MTV [und] Küssen sehen.« Ein anderer beschrieb seine Gefühle folgendermaßen: »Wir werden die amerikanischen Städte Stück für Stück zerstören, weil euer Lebensstil für uns so anstößig ist, eure pornographischen Filme und das Fernsehen.« Viele waren einer Meinung mit dem iranischen Kulturminister, dass alle amerikanischen Fernsehprogramme »ein Teil eines ausgedehnten Komplotts zur Auslö­schung unserer Kultur und unserer heiligen Werte« wären, und hatten aus diesem Grund das Bedürfnis, Amerikaner töten zu müssen. Sayyid Qutb, der intellektuelle Vater des islamischen Terrorismus, beschreibt, wie er sich gegen den Westen wandte, als er bei einem Amerikabesuch einmal einen Kirchentanz beobachtete: »Jeder junge Mann nahm die Hand einer jungen Frau. Und das waren dieselben jungen Männer und Frauen, die ge­rade eben ihre Hymnen gesungen hatten! Der Raum wurde zu einem Durcheinander von Füßen und Beinen: Arme schlangen sich um Hüften; Lippen trafen Lippen; Oberkörper drückten sich aneinander.«

hier liegt ein vergleich mit den inneren dynamiken von "ideologisch" ganz anders konstruierten autoritären gesellschaftsentwürfen durchaus nahe - in ihrer abwehr und feindschaft gegenüber allem lebendigen, für das die sexualität als das symbol überhaupt angesehen werden kann, finden jenseits aller "ideologischen" differenzen christliche, moslemische und sonstige religiöse fundamentalisten, aber auch bspw. faschisten aller coleur und orthodoxe stalinisten einen sehr aufschlußreichen gemeinsamen nenner. das genau diese lebendigkeit aber auch für die kontrollorientierte, objektivierende und quasiautistische vorherrschende tendenz der westlichen gesellschaften ein greuel ist - die sich zumindest in teilen (!) von den offen traumatischen strukturen der vergangenheit fortentwickelt hat - , bedeutet imo aber nicht, dass es keine unterschiede zu den erwähnten klassisch autoritären formationen geben würde - eher scheinen wir es in unserer gesellschaft mit anderen wegen des ausagierens, aber auch - durch die entwicklung von wissenschaftlichen ansätzen wie der psychiatrie und psychotherapie - qualitativ ebenfalls zumindest teilweise anderen möglichkeiten der tatsächlichen verarbeitung unserer traumatischen kollektiven und individuellen geschichte(n) zu tun zu haben. wobei bis auf weiteres sehr fraglich scheint, wie stark die dadurch vorhandenen tatsächlich emanzipatorischen möglichkeiten real sind.

"Osama bin Laden. selbst »frequentierte während seiner Collegezeit prunkvolle Nachtdubs, Casinos und. Bars [und] war ein Trinker und Schürzenjäger«, fühlte aber bald extreme Schuld für seine Sünden und be­gann, das Töten von Westlichen wegen ihrer Freiheiten und der Verfüh­rung von Moslems zu predigen."

hier sind verblüffende biographische parallelen zu seinem gegenpart george w. bush zu sehen:

(...)"Bush junior ist in zweifacher Hinsicht ein bekehrter Alkoholiker. Mit Ende Dreißig war er der nichtsnutzige Sohn eines reichen, erfolgreichen, patrizischen Vaters - ein Weiberheld und Trinker. Dann fand er Jesus. Um aus der Spirale eines ziellosen Lebens herauszukommen, wurde er unter dem Einfluss des charismatischen Predigers Billy Graham religiös, trank fortan keinen Tropfen mehr und ging in die Politik. Das klingt wie der Stoff für eine Satire (am besten von Tom Wolfe), aber jeder Therapeut weiß, dass ein dramatisches Erlösungserlebnis und die Bindung an neue, starke Werte oft der Weg aus der Selbstzerstörung ist."(...)

die quelle und einige - ältere - gedanken meinerseits dazu sind hier bzw. im zugehörigenden thread zu finden.

"Die meisten Führer der Taliban waren reich, so wie bin Laden, hatten Kontakt mit dem Westen gehabt und wa­ren in ihre terroristische Gewalttätigkeit hineingestoßen worden, scho­ckiert durch »die persönlichen Freiheiten und den Überfluss des Durch­schnittsbürgers, durch die Promiskuität und durch den Alkohol- und Dro­genkonsum der westlichen Jugend ... Nur eine absolute und bedingungs­lose Rückkehr in die Arme des konservativen Islamismus könnte die mos­lemische Welt vor den inhärenten Gefahren und Sünden des Westens be­wahren«. Bin Laden kehrte seinem vergnüglichen Leben den Rücken und lebte mit seinen vier Frauen und fünfzehn Kindern in einer kleinen Höh­le ohne fließendes Wasser, all jenen mit einem heiligen Krieg drohend, die sündhafte Handlungen und Freiheiten genießen, welche er in sich selbst nicht dulden kann.

Von Kindheit an ist den islamischen Terroristen beigebracht worden, jenen Teil in sich selbst umzubringen - und in weiterer Übertragung auch bei anderen -, der selbstsüchtig ist und gerne persönliches Vergnü­gen und Freiheiten hätte."


an dieser stelle finde ich das wort "selbstsüchtig" ziemlich unglücklich, zu negativ und zu begrenzend - eher ist eine traumatisierende behandlung von kindern, wie sie hier beschrieben wird, faktisch gegen alle lebendigen anteile wirksam - und wahllose promiskuität wie auch vielfältigster drogenabusus können auch jenseits von moralischen kategorien als symptome gestörter selbstregulation angesehen werden - sie sind imo eine andere art des ausagierens.

"Bereits in ihren von Gewalt und Schrecken be­herrschten Elternhäusern - und nicht erst später in den terroristischen Trainingscamps - lernen sie von Anfang an, Märtyrer zu sein und für Allah zu sterben. Als Selbstmordattentäter, die von der Ausführung ih­rer Vorhaben abgehalten werden konnten, im TV interviewt wurden, sag­ten sie, sie fühlten sich »ekstatisch«, als sie auf den Knopf drückten. Sie leugneten, durch die Jungfrauen und andere Verlockungen, die sie an­geblich im Paradies erwarteten, motiviert worden zu sein. Stattdessen wollten sie sich Allah anschließen - um die Liebe zu bekommen, die sie nie hatten. Von den Müttern von Märtyrern berichtet man, sie wären glücklich darüber, dass diese sterben. Eine Mutter eines palästinensi­schen Selbstmordattentäters, der sich in Stücke gerissen hatte, sagte »mit entschlossen freudiger Miene«: »Ich war sehr glücklich, als ich es erfuhr. Ein Märtyrer zu sein, das ist etwas. Nur wenige Menschen kön­nen das. Ich habe gebetet, um Gott zu danken. Ich weiß, mein Sohn ist nahe bei mir."

das deutsche wort "eisenmütter", welches heute bezeichnenderweise im netz nur noch im kontext des sog. rechtsrock zu finden ist, kommt mir bei den letzten sätzen in den sinn - es wurde imo sowohl im ersten weltkrieg als auch später im ns als eine art anerkennder auszeichnung für tränen- und gnadenlose mütter verwendet, deren söhne - von ihnen begrüßt - den sog. heldentod auf den schlachtfeldern fanden. ebenfalls lassen sich gewisse parallelen zu einigen heutigen "borderline-müttern" finden, bei denen die empathielosigkeit allerdings nicht durch irgendwelche ideologischen konstrukte bemäntelt wird.

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und ansonsten finde ich, dass die texte oben für sich selbst sprechen - und hoffe, dass sie zumindest dazu anregen, von den eingefahrenen betrachtungsweisen etwas wegzukommen. fertige lösungen kann und will ich hier nicht präsentieren, obwohl sich zumindest einige ansätze von selbst ergeben:

(...)"Zu hören ist auch, was die Attentäter betrifft, eine Kritik am oft verbreiteten Anspruch der Religion, wonach dort die Lösung für alle Probleme zu finden sei. Weshalb gibt es keine "islamische Form der Psychotherapie", fragt etwa ein konvertierter deutscher Muslim. Kriegstraumata könne man mit dem Koran alleine nicht begegnen.(...)"

(quelle)


nicht nur kriegstraumata, so muss ergänzt werden. allerdings lassen sich religionen durchaus jenen "emotionalen stützkorsetten" zuordnen, die ich im letzten blogbeitrag in einem ganz anderen zusammenhang genannt hatte. vermutlich ist diese funktion sogar die eigentliche quelle ihrer attraktivität für geschädigte menschen.
wildwuchs - 9. Sep, 20:59

nach diesem beitrag hab ich mir glatt wieder klaus theweleits 'männerphantasien' aus dem regal geholt - dort geht es ja auch u.a. darum, dass "Prügel dem soldatischen Mann etwas äusserst Vertrautes" (334) sind....

monoma - 10. Sep, 12:19

ja, alleine schon von den reinen historischen fakten her...

...macht ein vergleich gerade der methoden der damaligen kinder"erziehung" (die später im militär in modifizierter form eigentlich bruchlos weiter angewandt wurden) durchaus sinn. bei den - primär psychoanalytisch motivierten - schlüssen jedoch, die theweleit vor jetzt fast immerhin 30 jahren gezogen hat, gibt es imo aus heutiger sicht einiges zu korrigieren.
che2001 (Gast) - 11. Sep, 14:55

Militärstrafen wie das Auspeitschen mit der neunschwänzigen Katze oder Spießrutenlaufen sind sicher noch etwas Anderes, als eine Fortsetzung der damaligen brutalen Methoden der Kindererziehung. Es ist ein existenzieller Unterschied, ob jemand mit einer Rute geschlagen wird, oder ob jemandem die Rückenmuskeln freigelegt werden. Der Grundansatz stimmt natürlich.

@Theweleit: Was ist daran heute nicht mehr aktuell?
Würde mich sehr interessieren!
monoma - 11. Sep, 15:57

also,...

...wenn ich mir so die nicht nur von deMause ermittelten straf- und erziehungsmethoden in d-land anschaue, dann finde ich die einschätzung als eine art fortsetzung schon berechtigt - werde dazu die nächste zeit vielleicht noch entsprechendes material nachreichen. es geht hier bei weitem nicht nur um schläge mit der rute. das im militärischen bereich spezifische methoden der strafe und demütigung im gebrauch waren, stimmt natürlich.

theweleit: das wäre eigentlich ein eigener artikel, aber ich versuche mal ein paar punkte kurz zu umreißen.

erstens konnte er damals noch nichts vom heutigen wissen der psychotraumatologie verarbeiten - seine in den männerphantasien vorhandene aussage, dass nicht der krieg, sondern primär die wilhelminischen erziehungspraktiken die soldatischen männer geprägt hätten, müsste imo mindestens ergänzt werden - es besteht so langsam heute immerhin ein bewußtsein über kriegsbedingte traumaschäden, allerdings unter vernachlässigung dessen, was ich hier schon öfter als täter-opfer-dialektik benannt habe: im zentrum der aufmerksamkeit stehen meistens diejenigen der veteranen, die durch ihre teils schwere symptomatik als opfer offen wahrnehmbar sind. aber nicht nur im militärischen bereich ist es nun mal so, dass gerade traumatisierte männer auch öfter in ihrem weiteren leben als täter agieren können - als relativ aktuelles beispiel würde mir da zb. das hier einfallen.

nun ist die heutige situation der gi`s nicht unbedingt mit den damaligen soldaten des wk1 zu vergleichen, aber das prinzip des möglichen destruktiven ausagierens lässt sich schon auch damals finden - die freikorps und später die naziverbände dürften eine art unheilvoller stabilisierender funktion - durch die gewohnte "zucht und ordnung" - auf derart massiv geschädigte männer ausgeübt haben, die diese davor "bewahrt" haben dürfte, so zu enden wie die kriegszitterer - und es ihnen ermöglicht hat, mittels reinem destruktiven ausagieren in den (prä-)faschistischen verbänden weiter zu funktionieren. und diese geschichte müsste wie gesagt ergänzend zu den erziehungspraktiken im kaiserreich genannt werden - auch, wenn das eine wahrscheinlich auf dem anderen sogar aufbaut.

ich war vor ein paar jahren mal auf einem kleinen kongreß zum thema trauma und geschichte, bei dem u.a. gerhard vinnai einen vortrag zu den kriegszitterern gehalten hat und dabei auch einen alternativen erklärungsansatz zu den von theweleit ebenfalls ja ausführlich analysierten schlamm-, sumpf-, und ähnlichen metaphern vorgestellt hat, die sich in der zwischenkriegsliteratur der soldatischen männer ja zur genüge finden. er begründete diese auffällige sprachwelt mit den vielen phasen des stellungskrieges, die mit teils sehr langem ausharren in verschlammten gräben und sumpfigen gelände verbunden waren, unterbrochen von teils heftigen feuerüberfällen, in denen die truppen zur passivität verdammt waren (genau aus solchen situationen stammen wahrscheinlich tatsächlich viele symptome der als solche wahrgenommenen traumatisierten soldaten; ich habe während meiner beruflichen tätigkeit u.a. auch einblick in die krankenakten eines damaligen armeelazarettes - eine umfunktionierte psychiatrische "heil- und pflegeanstalt" - nehmen können, und da war genau diese situation immer wieder thema).

kurz: er hielt es für wahrscheinlich, dass es sich bei den hartnäckigen metaphern quasi um den ausdruck unverarbeiteter traumatischer erinnerungen handelt. und ergänzend zu theweleits ansatz finde ich das nicht unwahrscheinlich.

die größten ergänzungen bzw. auch korrekturen sehe ich aber bei einigen psychoanalytischen modellen, mit denen theweleit damals gearbeitet hat - das würde aber gerade den rahmen hier sprengen.

ps. danke auch für deinen hinweis bezgl. taliban/al-quaida. ich habe die passage bei deMause zunächst so verstanden, dass er tatsächlich die taliban-führung zusätzlich zu bin laden meinte - aber was ich bisher zu mullah omar und co. recherchiert habe, rechtfertigt seine aussage nicht. dürfte dann entweder ein luschiger fehler im original oder aber bei der übersetzung sein (letztere gibt es öfter, was ich ärgerlich finde).
monoma - 25. Sep, 18:49

@wildwuchs

zur versprochenen antwort auf deine anmerkung zu einem anderen beitrag:

"übrigens, mittlerweile hab ich den 3. teil deiner assoziationen zu den kriegen und konflikten im nahen osten gelesen und deine ausführungen über die 'zurichtungen in islamischen ländern' führten mich über den gedanken darüber, inwieweit diese 'kulturpsychologische' analyse nicht wieder zu einer 'ja DIE da' als die 'underdogs und 'wir hier - bei uns nicht' - überlegenheit führt (also bestehende muster reproduziert und damit verstärkt) zu den 'bedingungen des aufwachsens für kinder und jugendliche' hier in unserer gesellschaft zurück..."

du hast insofern recht, als das die benannte gefahr existiert - aber selbst wenn deMause tatsächlich von einem signifikanten fortschritt hinsichtlich des umgangs mit kindern gerade in den meisten westlichen staaten ausgeht, so sehe ich zumindest bei ihm keine tendenzen, das als triumphierende geste gegen "die wilden" zu wenden.

inhaltlich stimme ich ihm bei diesem punkt teilweise zu, wobei es sich für mich um bestimmte bereiche der westlichen gesellschaften handelt, die tatsächlich einen anderen umgang mit kindern pflegen - in anderen teilen ist die situation nicht unbedingt besser geworden, eher im gegenteil. was er ebenfalls feststellt. wenn irgendjemand das als rassistische "munition" benutzen möchte, lässt sich das zumindest inhaltlich recht leicht entschärfen. gerade vor dem hintergrund der tatsache, dass die erwähnten fortschritte auch immer gegen große teile der sog. eliten, aber auch der bevölkerung, erkämpft werden mussten und müssen.

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