Montag, 23. Februar 2009

zuwachs in der blogroll

und wie üblich möchte ich "die neuen" allen leserInnen nahelegen, die sich zu verschiedenen aspekten der hiesigen themen weiter informieren und auch neue perspektiven kennenlernen möchten. einmal wären da die klaren worte von kritik und kunst - erst kürzlich kennengelernt, und schon geschätzt. ebenso wie die fundierten berichte aus dem gesamten osteuropäischen raum von tomasz konicz, die u.a. auch bei telepolis zu finden sind und dessen blog nicht nur, aber gerade in den jetzigen zeiten eine wichtige informationsquelle darstellt. wer sich in sachen peak oil auf dem laufenden halten möchte, kann das beim ölschock-blog tun, wobei die gesamte seite von ölschock.de sehr informativ ist. and last but not least für die gedanklich rüstigen unter uns das opablog - auch, wenn man sich über die unterzeile im header mächtig streiten kann. aber dafür sind blogs ja auch da.

notiz: krisennews spezial - wie groß ist das zerstörungspotenzial der krise? [update]

in den news nr.25 habe ich vermutlich etliche leserInnen mit der dort dokumentierten leap-prognose - "zerfall der öffentlichen ordnung ab dem vierten quartal 2009" - erschreckt und/oder ins nachdenken gebracht.

falls Sie sich erschreckt haben, möchte ich Sie vorwarnen - aus den usa kommen jetzt berichte, welche die erwähnte prognose nicht nur stützen, sondern eher noch eins drauflegen. vor einigen tagen war die meldung, dass der neue cia-chef blair nicht mehr "den terrorismus", sondern die wirtschaftskrise "als neue zentrale bedrohung der usa" skizziert habe, für kurze zeit in den schlagzeilen. ich habe allerdings nur oberflächliche bis nichtssagende darstellungen seiner begründung für diesen doch nicht unerheblichen wechsel beim staatsfeind nr.1 gefunden. aktuell aber berichtet die zeit gerade über eine weitere
anhörung vor dem auswärtigen ausschuß zum thema. ökonomen und politikwissenschaftler gaben prognosen ab, die die unfaßbare und destruktive wucht der systemkrise vielleicht endgültig deutlich machen können:

(...)»Ist die Wirtschaftskrise Ihrer Meinung nach tatsächlich bedrohlicher als der Terrorismus?« – »Ja«, antworteten fünf einvernommene Ökonomen und Politikwissenschaftler nachdrücklich. Bankrotte Länder, stürzende Regierungen, Arbeitslosenheere, Aufruhr, Handelskämpfe und Kriege dominierten die Prognosen. Kein Land bleibe verschont, doch am schlimmsten treffe es die Ärmsten. Sinkende Rohstoffpreise, schrumpfende Exportchancen und sündhaft teure Kredite – das sei »die Formel für den Niedergang«, erklärte ein Harvard-Professor.(...)

Im Stakkato trugen die Professoren vor: Island ist ruiniert und hoch verschuldet in Moskau, weil westliche Verbündete die Hilfe verweigerten. Russland winkt mit Geld und macht sich trotz sinkender Öl- und Gaspreise und schwindender Devisenreserven seine Nachbarn gefügig; Kirgistan zum Beispiel erhielt soeben eine Geldspritze und schließt im Gegenzug den amerikanischen Stützpunkt für Afghanistanflüge.

Osteuropa befürchtet den Kollaps, weil seine Exportmärkte zusammenbrechen. Libyen rettet europäische Banken. EU und Euro stehen vor einer Zerreißprobe. Griechenland, Portugal, Italien, Spanien und Irland, meinten die Experten, könnten nicht mehr lange im europäischen Feld mithalten, Spaniens Arbeitslosigkeit sei bereits von acht auf 14 Prozent geschnellt und werde bis Ende des Jahres wahrscheinlich auf 18 Prozent steigen. »Das muss eine junge Demokratie erst einmal aushalten können«, so der Harvard-Politologe.

Überdies: In Japan sinkt der Export um 30 und die Industrieproduktion um zehn Prozent, Hightech- und Autobranche entlassen Zehntausende, der Finanzminister musste soeben zurücktreten. In Südkorea ist die Lage ebenso verheerend und eine Besserung nicht in Sicht. Laut der Experten müsse China seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von dreizehn auf sechs Prozent reduzieren, alles unter acht Prozent sei schlimm, Millionen von Wanderarbeitern würden keine Anstellung mehr finden. Die Wut auf Amerika als den Verursacher der Krise werde wachsen. In dieser Woche will Außenministerin Clinton versuchen, die Wogen in Asien zu glätten.

Schließlich: Das Erdbeben auf der Wall Street hat Pakistans kleine, aber wichtige Mittelschicht unter sich begraben. In Indien, in Ägypten, in Iran und im Gaza-Streifen wächst das Heer arbeitsloser junger Männer. Weltweit verschwinden gegenwärtig etwa 50 Millionen Jobs. Die Folgen, wurde den Senatoren erläutert, seien offenkundig: Extremismus, Hungeraufstände, Unterdrückung, alte und neue Kriege. In Kongo und Sri Lanka zum Beispiel seien die Kämpfe erneut wieder heftig aufgeflammt. Eine gutes Viertel aller Regierungen rund um den Globus sei bereits in Bedrängnis geraten. Im Angesicht des Volkszorns würden vielerorts Bürgerfreiheiten beschnitten. In Wladiwostok gehe Russlands Polizei schon seit Monaten brutal gegen Demonstranten vor, die gegen höhere Steuern für Importautos protestierten."(...)


das einzige, was sie offensichtlich nicht erwähnt haben: ihr eigenes land befindet sich im ebenfalls im stadium des rapiden sozioökonomischen zerfalls. aber davon abgesehen, habe ich gerade nur einen, ganz unanalytischen gedanken:

HOLY SHIT!

edit: auch mit einigen stunden abstand wird das bild kein stück besser. sicher, das kapitalistische system hat bereits bei seinem ganz normalen funktionieren ständig krisen erzeugt, die in vielen weltregionen zu einer dauerhaften anomie - der zustand, der fälschlicherweise immer mit "anarchie" bezeichnet wird, aber das genaue gegenteil von dieser ist - geführt haben, die in gewisser weise als grundlage für das relativ behagliche leben auf den wohlstandsinseln gesehen werden muss. aus planetarer perspektive ist das ganze system eindeutig dysfunktional.

was aber jetzt gerade passiert, hat nicht nur das potenzial, regionen in der anomie in einen zustand der aufflammenden verwüstung zu befördern, bei dem womöglich noch die letzten kümmerlichen reste an sozialität - sowohl materiell als auch immateriell - unter die räder kommen, sondern es geht auch zunehmend den bisherigen inseln der scheinbaren glückseligkeit an den kragen. und da diese bisher mit ihren weitgehend sedierten bevölkerungen sowohl profiteure als auch stützen des ganzen waren, ist es aus sicht der "eliten" eine existenzielle notwendigkeit, diesen zustand mit allen mitteln zu verteidigen, bevor die auf sand, blut und knochen gebaute illusionäre wohlstandsblase, deren leeren versprechungen immer noch zu viele hier glauben, endgültig platzt und die erwähnte dysfunktionalität so überdeutlich spürbar wird, dass gar nichts mehr anderes übrigbleibt, als bohrende fragen zu stellen und umstürzlerische antworten zu geben. dieser letzte prozess hat nach meinem eindruck in kleinem umfang bereits begonnen, und er wird in den nächsten monaten zunehmen. all die in den letzten news erwähnten mobilmachungen der "sicherheits"apparate sind aus meiner sicht als präventive oder bereits in aktion befindliche reaktionen der "eliten" genau auf diesen und ähnliche prozesse zu sehen.

die leap-leute haben ja den "g20-gipfel" im april als letzten punkt markiert, bei dem elitärerweise noch ein halbwegs geordneter übergang (der bereits dann schon ordentlich rumpeln dürfte) in eine wie fragil auch immer seiende stabilisierung des systems möglich sei. ich halte das aus gründen, die in der vergangenheit öfter thema waren - stichwort krisenkaskade - grundsätzlich für illusorisch, glaube aber kurzfristig tatsächlich an eine art "stimmungsoffensive", die rund um und vom diesen gipfel lanciert werden wird: botschaften "wir machen was" bzw. "wir haben die kontrolle". die meldungen vom jüngsten europäischen vorbereitungsgipfel deuten da sehr drauf hin. es geht weiter nur um zeitgewinn, mit dessen hilfe dann zumindest die rudimentärsten eigenen machtstrukturen abgesichert und ausgebaut werden sollen, um in der phase x - wenn das gigantische ausmaß des debakels wirklich in seiner ganzen größe für relevante menschenmengen nicht nur sicht-, sondern auch spürbar wird, das dann folgende auf den kleinen abgesicherten halligen der "eliten" zu überstehen. ich glaube aus verschiedenen gründen nicht, dass deren horizont weiterreicht.

wer sich übrigens einen teil der im "zeit"-bericht benannten ökonomischen verwerfungen hübsch verpackt in diagrammen und kurven betrachten möchte, kann das
hier tun.

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