notiz: "Wahrscheinlich ist es allein diese Ignoranz, die dieses System noch retten kann." [update am 28.10.]

so lautet der letzte satz eines beitrags bei "spon", mit der sich die redaktion gewissermaßen selbst die eigene merkbefreiung betreffend ihrer heutigen "eurorettungsjubelchöre" ausstellt. ich hatte dieses phänomen schon ftrüher bei anderen themen auf "spon" angesprochen - die eine hand weiß nicht, was die andere schreibt:

(...) "Wir rennen nicht zum nächsten Geldautomaten und heben alles ab, was geht. Wir stehen nicht bei der Bank in der Schlange und auch nicht beim Goldhändler. Wir gehen zur Arbeit, danach zum Einkaufen. Und hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Auch wenn wir keine Ahnung haben, wie. Wir sind ganz ruhig." (...)

ja-ha. das ist das kaninchen vor der schlange auch immer. bekanntlich mit wenig erfolg.

zu risiken und nebenwirkungen dieser so called "rettung" lesen Sie zb. bei
gaertner, in der berliner zeitung oder auch in den kommentaren der querschüsse, dort besonders die von M.E., der bspw. schreibt:

"Ergänzung zum Schuldenschnitt: die 50%-Vereinbarung wurde nicht mit den einzelnen Banken geschlossen, sondern mit dem internationalen Bankenverband. Dem gehören aber bei Weitem nicht alle Gläubigerbanken Griechenlands an.

Jede einzelne Bank hat die Möglichkeit, diese Vereinbarung für das eigene Haus abzulehnen, wobei natürlich die Mitgliedsbanken des internationalen Bankenverbandes schon unter dem Druck stehen, der Vereinbarung ihres Verbandes zu folgen.

Aber jetzt kommt der eigentliche Knackpunkt: die Vereinbarung wurde unter dem Vorbehalt geschlossen, dass eine bestimmte Quote an Banken erreicht werden muss, die sich der Vereinbarung anschließen. Die Höhe der Quote ist mir leider nicht bekannt.

Wird diese Quote nicht erreicht, tritt auch der internationale Bankenverband von der Vereinbarung zurück und der Schuldenschnitt kommt nicht zustande.
Man wird also erst in einigen Wochen wissen, ob überhaupt etwas aus dieser Aktion wird."


und so entpuppt sich das ganze als weitere folge aus der elitären endlos-soap "tarnen, tricksen, täuschen, zeit schinden und den eigenen arsch retten". fortsetzung folgt, solange das publikum nicht endlich beginnt, die erbärmlichen darsteller von der bühne zu jagen und das ganze stück abzusetzen.

*

ein update zum
update von gestern: die polizeilichen riots gegen occupy oakland sind dann doch noch um einiges schwerwiegender gewesen, als zumindest ich gestern einschätzte. nicht zuletzt liegt das daran, dass ein schwerverletzter irakkriegsveteran mit kopfverletzungen im koma liegt (wer das jetzt als ironie der geschichte begreift, sollte sich klar machen, dass der mann nach zwei einsätzen im irak begonnen hat, sich bei den "veterans for peace" gegen die kriege der usa zu engagieren). das allein hat schon einen ordentlich polarisierenden effekt in den breit patriotismus-geschwängerten ("our troops") usa. aber noch drastischer fallen inzwischen viele öffentliche reaktionen nach ansicht der szenen aus, die sich rund um den verwundeten veteranen abgespielt haben:



zu sehen ist, wie eine gruppe aktivistInnen versucht, dem bewusstlos vor der polizeisperre liegenden mann zu helfen - und dabei aus den reihen der polizei mit etwas beworfen wird, was viele für eine sog. blend(schock)granate halten - ich denke, hier sehen wir eine "abgespeckte" version einer solchen.

das klima in oakland ist allgemein nach diesen szenen ziemlich zerrüttet, nicht nur in der dortigen lokalpolitik, in der sich die bürgermeisterin inzwischen versucht, von der polizeiführung zu distanzieren. occupy oakland ruft inzwischen für die stadt in der nächsten woche zu einem generalstreik auf, und landesweit fanden in anderen städten - u.a. in new york - solidaritätsdemonstrationen statt. weiteres soll folgen.

*

edit am 28.10.: es gibt den
aufruf zum generalstreik in oakland nebst einigen interessanten infos zur (bewegten) sozialgeschichte dieser stadt auch übersetzt:

"Wir, die gemeinsamen Besetzer des Oscar-Grant-Platz, schlagen vor am Mittwoch, 2. November 2011 Oakland zu befreien und die 1% außer Dienst zu stellen.

Wir schlagen einen stadtweiten Generalstreik vor und laden alle Studenten und Schüler ein, dem Unterricht fern zu bleiben. Arbeiter, die nicht zur Arbeit gehen, Schüler die nicht in die Schule gehen, mögen sich in der Innenstadt von Oakland zusammen finden, um die Stadt zum Stillstand zu bringen.

Alle Banken und Firmen sollten an diesem Tag schließen oder wir werden gegen sie an marschieren.

Wenn wir einen Generalstreik ausrufen, fordern wir gleichzeitig viel mehr. Leute, die in der Nachbarschaft, Schulen, Stadtteil-Organisationen, Freundeskreisen, am Arbeitsplatz, Familien aktiv sind, möchten wir ermutigen, sich in einer Weise selbst zu organisieren, dass sie in der Lage sind an der Schließung der Stadt teilzunehmen, in welcher Form sie das als angemessen und machbar empfinden.

Die ganze Welt schaut auf Oakland. Lasst uns ihr zeigen, was möglich ist!" (...)


und
hier gibt es interessante statements von ehemaligen oder aktiven der us-army. das sollte im auge behalten werden - ich hatte vor ein paar jahren anlässlich einer filmvorstellung zur us-army u.a. das folgende geschrieben, was mir weiter gültig erscheint:

(...) "täter und opfer zugleich, sind bis heute überproportional viele angehörige der deklassierten us-amerikanischen bevölkerungsteile als kerne der kämpfenden truppen vertreten - schwarze, latinos und viele sonstige arme, auch mit weißer hautfarbe. während die offizierskaste immer noch mehrheitlich aus der schicht der sog. wasps, white-anglo-saxon-protestants, stammt, also der privilegiertesten und auch formal "gebildesten" klasse der usa. mittels der struktur der army schaffen es also bis heute die angehörigen der us-eliten, gleich zwei aus ihrer sicht nützliche funktionen zu verbinden: zum einen gewährt die army eine gewisse materielle und ökonomische sicherheit, die unter den sich verschärfenden kapitalistischen bedingungen für viele verlockend ist, ebenso wie die aussicht auf ein mögliches höhersteigen innerhalb der gesellschaftlichen hierarchien (was gerade für angehörige der verarmten afroamericans ansonsten hauptsächlich nur per sportlicher karriere oder aber im show- und musikbusiness möglich ist - und dieser weg ist real nur für ganz wenige offen.) die army lässt sich also bereits durch diese option als instrument zur abschöpfung sozial produzierter frustration begreifen. zum anderen aber verheizen die sog. eliten diese soldaten dann regelmässig bei ihren verschiedenen und groß angelegten globalen antisozialen aktionen zwecks eigenem machterhalt und expansion" (...)

und genau diese skizzierte struktur könnte durch solche ereignisse wie in oakland für viele soldaten potenziell spürbar werden, mit nicht absehbaren folgen. der zustand des verletzten veteranen wird übrigens weiterhin als "kritisch" betrachtet, mit negativer tendenz.

*

es ist nichts neues, dass seitens grosser teile der westlichen "eliten" seit geraumer zeit aufs pseudokommunistische china gestarrt wird, gilt das doch als neuer begriff einer autoritär-kapitalistischen "idealgesellschaft", in der viele probleme der hiesigen führungskasten (anscheinend) nicht vorhanden sind (was natürlich nicht stimmt). jedenfalls möchte ich für heute mit einem zitat den beitrag beenden, welches dieses erwähnte sympathisierende starren einmal mehr völlig verständlich erscheinen lässt - der
klassenkämpfer jin liqun, vorstandsvorsitzender einer chinesischen investmentgesellschaft, über seine visionen für europa:

„Europa fehlt nicht wirklich das Geld. Es muss sich seiner Situation bewusst werden und erkennen, dass seine Probleme gelöst werden können. Die Wurzel des Problems ist das überforderte Sozialsystem, das seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa aufgebaut wurde. Das Arbeitsrecht begünstigt Faulheit und Trägheit. Die Menschen müssen etwas härter und länger arbeiten und sie sollten innovativer sein. Wir (die Chinesen) arbeiten wie verrückt.“

das wörtchen "verrückt" trifft es schon ganz gut, aber völlig anders, als es dieser CEO meint.
demon driver - 28. Okt, 09:04

Kaninchen, Schlange

http://youtu.be/_Ez5QPW-ku4 ;-)

Ergänzend zum Schuldenschnitt: Es ist ja sogar so, dass selbst ein echter Schuldenschnitt von 50% für Griechenland problematisch wäre, wegen der damit verbundenen massiven Ausfälle für griechische Banken, aber auch den griechischen Staat und die griechischen Sozialversicherungsträger (http://www.heise.de/tp/artikel/35/35770/1.html).

Auch laut http://www.heise.de/tp/blogs/8/150712 ist die Griechenlandpleite durch den Gipfel allenfalls verschoben.

monoma - 28. Okt, 14:13

yo...

...aber für so ein szenario muss sich das kaninchen überhaupt erstmal rühren und seine angststarre überwinden (btw: ne schlange, die auf einen baum flüchtet, habe ich auch noch nie gesehen ;-)

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