notiz: "wahlspecial" - oder lass dir deine stimme nicht nehmen

ein off-topic-thema eigentlich, wobei der ganze, recht offensichtliche als-ob-charakter (nämlich die simulation und leider größtenteils erfolgreiche massensuggestion einer scheinrealität - als ob durch eine wahl zwischen unterschiedlich parfümierten und eingefärbten charaktermasken tatsächlich irgendein(e) bewohnerIn dieses landes wirklich etwas sozial konstruktives fördern könnte) dieser veranstaltung einerseits und die immerhin langsam mehr in die öffentliche aufmerksamkeit gelangende frage nach der psychophysischen verfassung der sog. "politikerInnen" andererseits nun in diesem blog auch nicht wieder sooo ot sind.

eine imo weitgehend treffende zusammenfassung von wesen und funktion dieser sog. wahlen als rituelles massenevent in sog. repräsentativen demokratien konnte ich neulich dem buch "Völker ohne Regierung. Eine Anthropologie der Anarchie" des us-amerikanischen anthropologen harold barclay entnehmen, welches ich eigentlich in einem ganz anderen kontext in die hand genommen hatte. aber ich möchte Ihnen barclays gedanken nicht vorenthalten - ein bißchen auch mit der hoffnung, dass diese gedanken quasi als antidot zur grassierenden selbstbehaupteten wichtigkeit des wahlevents wirken mögen.

"Das `Sakrament´ der Mehrheitswahl ist Teil des demokratischen Mythos. Alle paar Jahre `pilgern´ die Wähler zur Wahlurne und wählen sich mit Stimmenmehrheit eine politische Führung. Der geheime Wahlvorgang ist das heiligste Ritual der Demokraten. Anarchisten waren schon immer der Ansicht, daß dies kein echtes Anzeichen für Freiheit ist. Die Wahl von Regierenden durch Stimmenmehrheit ist eher (...) ein Trick, durch den der einzelne Wähler glauben gemacht wird, er hätte die Situation unter Kontrolle. Tatsächlich kann sich der Wähler jedoch nur für die Kandidaten einer vorher schon selektierten Gruppe entscheiden, und es gibt niemals eine Wahl zwischen Vertretern wirklich gegensätzlicher Ideologien. Der Unterschied zwischen den großen Parteien, die eine Chance haben, Wahlsieger zu werden, ist in einem westlichen Land nicht größer als der Unterschied zwischen den rivalisierenden Fraktionen innerhalb der kommunistischen Partei der Sowjetunion oder der Volksrepublik China. Niemand kann ernsthaft behaupten, daß irgendein ideologisch-philosophischer oder anderer dauerhaft traditioneller Unterschied beispielsweise zwischen den großen Parteien in den Vereinigten Staaten oder in Kanada besteht. Außerdem sollten sich die Wähler daran erinnern, daß sie Personen wählen, die für sie eine Aufgabe übernehmen sollen, daß es aber keine Garantie dafür gibt, daß diese Delegierten ihr Anliegen auch tatsächlich vertreten. Die Aufgabe der Gewählten besteht vor allem darin, Gehorsam mit Gewalt zu erzwingen. Repräsentanten in öffentliche Ämter wählen zu können heißt, eine begrenzte Wahlmöglichkeit darüber zu haben, wer uns unterdrückt.

Häufig gibt es noch nicht einmal eine Mehrheitswahl. Ein Kandidat wird für ein Amt gewählt, weil er mehr Stimmen als ein anderer Kandidat auf sich vereinigen konnte; in Wirklichkeit aber verfügt dieser Kandidat über wesentlich weniger als über die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen. Außerdem werden die Personen, die nicht wählen (bzw. nicht wählen dürfen - migrantInnen, kinder, u.a. - anm. mo)(...) nicht mit einberechnet. (es folgen einige anmerkungen zur spezifischen situation in den usa, vor allem zur dortigen, fast immer zu beobachtenden extrem geringen wahlbeteiligung)

Wir bekommen oft zu hören: Wenn du nicht wählst, hast du auch kein Recht, dich zu beschweren. Ein solches Argument geht von der falschen Annahme aus, daß eine Wahl wirkliche Alternativen bietet. Und es unterstellt diesem Vorgang fälschlicherweise auch eine Rechtmäßigkeit, die ihm nicht zukommt: ein Mensch wird aufgefordert, Autorität an eine willkürlich ausgewählte kleine Gruppe abzutreten, d.h. er wird aufgefordert, sich seine eigenen Aufseher zu wählen."

(harold barclay, "völker ohne regierung. eine anthropologie der anarchie". edition schwarze kirschen, libertad verlag, berlin 1985, s. 243 - 245; isbn 3-922226-10-8)


beim letzten satz oben, der aufforderung zur wahl der eigenen aufseher, kommen mir meine eindrücke beim betrachten diverser blogs und foren, welche sich z.zt. mit dem thema "wahlen" beschäftigen, in den sinn - der nörgelige tonfall in vielen der dortigen beiträge, die kommentierung von äußerlichkeiten der kandidatInnen und den phrasen des wahlkampfes rufen bei mir spontan immer die gleiche assoziation hervor - mich erinnert das an unglückliche kinder bei einem größeren familientreffen, bei dem eltern, onkels und tanten darüber entscheiden, bei wem die kinder denn die nächste zeit jetzt wohl hauptsächlich verbringen sollen - während die kinder irgendwo unter dem tisch oder hinter dem sofa hocken, und e i g e n t l i c h so richtig zu niemandem der anwesendem wollen und lieber ihre ruhe haben würden (bzw. vielleicht sogar eine diffuse sehnsucht nach etwas ganz anderem spüren, von dem sie sich meist nicht einmal einen begriff machen können). da die letztgenannten optionen aufgrund der realen machtverhältnisse und sogar möglicher anwendung von repressionen existenzieller art für die kinder nicht in frage kommen, wird mangels alternativen haargenau zu ähnlichen methoden der kommentierung gegriffen - "onkel gerhard ist blöd, weil der so böse guckt" "tante angela sieht komisch aus" "opa guido mag ich nicht, weil der redet so komisch" und so weiter und so fort. letztlich läuft das dann bestenfalls und zwangsweise - wenn überhaupt gefragt wird, was nicht die regel ist - auf das kleinste übel heraus, und unter mehreren kindern kann eine beliebig entstehende konkurrenzsituation sogar dazu führen, dass sich einzelne kinder zur verteidigung der ihnen aufoktroyierten bezugsperson(-en) genötigt fühlen. eine situation, wie sie vielleicht in einer strukturell lieblosen familie vorkommen mag, die ihren kindern noch eine mehr oder weniger ausreichende materielle basis bietet, ansonsten extrem wert auf formale harmonie, höflichkeit und konformität legt, und in der auch schon mal "die hand ausrutscht", wenn ein in der hierarchie unten stehendes mitglied nicht so spurt. (der satz "die familie ist die keimzelle des staates" enthält unter den lebensbedingungen der westlich-europäisch beeinflussten kulturen (incl. nordamerika) die wahrheit über eine wirklichkeit, die die menschlichen möglichkeiten der familie als ort für erfahrungen von liebe, geborgenheit, schutz, großzügigkeit und entfaltungsmöglichkeiten allzuoft real in teils krasse gegenteile pervertiert hat.)

Sie halten meine kleine analogie oben für zu weit konstruiert und an den haaren herbeigezogen? nun, drei entgegnungen darauf: erstens kann ich mich selbst tatsächlich an meine kindheit erinnern, in der nicht nur ich oft genug "die erwachsenen" so wahrgenommen habe. zweitens ist die angesprochene art der beobachteten kommentierung von zur "wahl" stehenden kandidatInnen oft genug eine, die ihrem wesen nach primär klatsch und tratsch ist - und diese ebene aber ist eine typische ebene der verdeckten und verkrümmten opposition innerhalb hierarchisch strukturierter gesellschaften (das gilt auch für familien, unternehmen...), auf der seitens der "unteren" eine weitgehend ungefährliche
"opposition" gegenüber den machthabenden stattfinden kann (der machthaber wird derart quasi wieder "vermenschlicht", auf die ebene ganz banalen - menschlichen - verhaltens und fehlverhaltens "zurückgeholt" und kann dort "kritisiert" werden.
ganz deutlich ist das in offen diktatorischen systemen zu sehen, aber strukturell unterscheidet sich unsere heutige "repräsentative demokratie" zumindest in diesem merkmal nicht allzusehr davon).
drittens möchte ich an dieser stelle auf das konzept der psychoklassen hinweisen, welches vom us-amerikanischen psychoanalytiker lloyd deMause entwickelt worden ist und eine der grundlagen der psychohistorie bildet. eine sehr komprimierte definition:

"Der Begriff `Psychoklassen´ hat einfach zur Voraussetzung, daß es verschiedene Stufen der Kinderbehandlung, des `child rearing´ in der Geschichte gegeben hat und daß eine bestimmte Art von Verhalten der Welt gegenüber nicht erreicht werden kann von Leuten auf einer sehr reduzierten Stufe von `child rearing´."

(lloyd deMause, "reagans amerika: eine psychohistorische studie", stroemfeld/roter stern, frankfurt 1987; s. 257, isbn 3-87877-208-4)


oder mit anderen worten: die behandlung, die die kinder einer gesellschaft erfahren (mittels der jeweils verbreiteten und strukturell ähnlichen erziehungsstile), prägt die selbst- und weltwahrnehmung dieser kinder, ihre sozialen fähigkeiten insgesamt - und die späteren erwachsenen prägen selbstverständlich mittels dieser inneren struktur wiederum die gesellschaft. dabei kann es durchaus in ökonomisch streng hierarchisierten gesellschaften innerhalb der daraus entstehenden sozialen klassen ziemlich ähnliche erziehungsbedingte prägungen geben, die quasi auch quer zu den ökonomischen bedingten klassenstrukturen wirksam sind, und diese womöglich sogar teilweise aufheben können (was z.b. eine erklärung für das phänomen in d-land 1932/33 sein könnte, als viele angehörige der klassenbewussten marxistisch orientierten arbeiterschaft trotz - oder vielleicht sogar gerade - wegen ihres bewußtseins von der autoritären formierung der nationalsozialisten emotional angesprochen wurden, und in der folge mit fliegenden fahnen zu den nazis übergingen. wilhelm reich dürfte der erste und damals einzige gewesen sein, der diese beobachtung als relevant verzeichnet hat und sich auf die suche nach möglichen gründen dafür aufmachte).

deMause hat sein konzept lange vor der in der zweiten hälfte der 1990er jahre beginnenden hochphase der psychotraumatologischen forschung entwickelt, die ihn in gewisser weise stützt, was den einfluß von negativen destruktiven erlebnissen und prägungen bei kindern im hinblick auf das spätere leben angeht. wie bei dieser jedoch ist auch bei ihm die fehlende aufmerksamkeit für die wichtigkeit der pränatalen phase aus meiner sicht als wesentlicher kritikpunkt anzumerken.

*
ansonsten möchte ich noch ein paar worte zu barclays einschätzungen demokratischer wahlen loswerden. mich stört lediglich das wort
"ideologisch" hinsichtlich der fehlenden unterschiede zwischen den sog. politischen parteien. unterschiedliche ideologische fragmente existieren imo schon, wobei es vielleicht zutreffender wäre, diese als oberflächlich zu benennen. tatsächlich sind aber sämtliche existierenden parteien nur dann als "legal" definiert, wenn sie sich innerhalb vorgegebener grenzen bewegen - und wenn diese vorgegebenen grenzen in zeiten wie heute immer enger gezogen werden (was z.b. ganz zentral grundsätzliche fragen nach menschenwürde, materiellen existenzsicherungen, umgang mit asylsuchenden und anderes betrifft), bekommen die parteien insgesamt einen blockähnlichen charakter, der bereits totalitäre elemente enthält - eine art front, in der die anscheinend widerstreitenden positionen sich nur noch in verschiedenheiten bezgl. irgendwelcher detailfragen ausdrücken, wie diese und jene sache denn jetzt genau zu regeln ist. ein absolutes tabu ist es jedoch, grundsätzlich strukturelle eigenschaften der sozialen und ökonomischen verhältnisse überhaupt zu thematisieren, jedenfalls für die protagonistInnen der "demokratischen parteien" (die rechtsextremen scheinen dieses tabu zu berühren, wobei es sich jedoch auch nur um eine als-ob-aktion handelt - sie wollen vor allem eine offene zuspitzung der vorhandenen hierarchischen strukturen erreichen, nicht ihre grundsätzliche veränderung. zynisch könnte gesagt werden, sie sind ehrlicher, was die forderungen nach gewalt, zwang und repressionen angeht - die programme und aktionen der sog. demokratischen parteien laufen faktisch auf ähnliche resultate hinaus, werden aber durch sog. "vernünftige argumente" kaschiert, und sind dazu noch recht unsicheren ethischen und moralischen normen teilweise unterworfen, die zumindest oberflächlich berücksichtigt werden müssen. genau darauf verzichten die faschisten fast völlig, machen das als verächtliche schwäche der "systemparteien"aus und ziehen vermutlich aus diesem kontrast die rolle der "einzigen echten opposition", die sie sich gerne selbst geben, und in der sie von entsprechend disponierten persönlichkeiten dann aufgrund dieses kontrastes in der erscheinungsform auch so wahrgenommen werden. dabei könnten sie mit entsprechendem personal, welches zum glück nicht vorhanden scheint, mit ihren erwähnten offenen forderungen durchaus relevante teile heute vorhandener psychoklassen ansprechen, die sich ebenfalls noch wie ihre vorfahren und von ihnen quasi "geerbt" in einer verfassung befinden, in der u.a. sicherheit durch unterwerfung eine lebensmaxime bildet).

die abwehr dieses wirklich großen übels - einer offen faschistischen machtergreifung mittels wahlen, die aber glücklicherweise momentan keine realistische option ist - stellt für mich persönlich den einzigen grund dar, der mich dazu bewegen könnte, aus dem vorhandenen angebot von parteien zu wählen. ansonsten sehe ich nur einen haufen argumente gegen die aufforderung, mittels der abgabe der eigenen stimme (manchmal ist sprache wirklich sehr deutlich...) doch gefälligst meine eigene zukunft und die der hiesigen gesellschaft "mitzubestimmen". ich habe seit den zeiten von helmut schmidt in den 1970ern recht bewußt alle bisherigen regierungen mitbekommen - und es macht wirklich keinen qualitativen unterschied aus, welche farben nun gerade die regierung stellen.

ob es die installierung eines quasi-ausnahmezustands zu zeiten der raf durch eine spdfdp-regierung war; kohls "geistig-moralische wende", die u.a. zu beginn der 1990er jahre zu den ersten pogromen seit der ns-zeit in d-land führte; ob es sich um die gewöhnung an weltweite kriegseinsätze deutscher soldaten handelt, die sich rotgrün zurechnen lassen muss; ob es um die etablierung eines zum alltag gewordenen rassistischen und faschistischen straßenterrorismus´ seit über einem jahrzehnt geht, der mittlerweile über 130 todesopfer und unzählige verletzte gefordert hat; ob es um die ständige beschwörung der "inneren sicherheit" (auch das ist eigentlich ein sehr deutlicher und treffender begriff, wenn mensch sich deutlich macht, um was für ein "innen" es hier womöglich geht) in trauter eintracht mit der demontage etlicher grundrechte geht; ob es die unendliche liste der skandale und skandälchen ist, die sich als unbedingte "lauter individuelle einzelfälle, bei denen es sich immer nur um menschliche verfehlungen handelt", seit jahrzehnten wie perlen auf einer kette aufreihen (wer erinnert sich noch?...die neue-heimat-affäre, flick und die parteispenden, lambsdorff, imhausen, wieder parteispenden, kohl und die "erinnerungslücken", die "jüdischen vermächtnisse" des roland koch undundund...) - es löst bei mir ein gefühl puren widerwillens aus. im gegensatz dazu ist deutlich, dass all jene sozialen und kulturellen, eher positiven veränderungen in den letzten jahrzehnten das ergebnis von sozialen und kulturellen basisbewegungen und deren kämpfen waren und sind - die grünen sind ursächlich weder für atomausstieg noch für die homoehe verantwortlich, sondern treten als unberechtigte erben der erwähnten kämpfe auf (ohne damit diese veränderungen, zu denen ich durchaus teils sehr ambivalent fühle, jetzt im einzelnen bewerten zu wollen). wenn ich dazu die kläglichen, bestenfalls blassen bis offen abstoßenden gestalten des politikbetriebes anschaue, ihre starre, ihre narzisstischen schauspielkünste und ihre kalkulierten und inszenierten emotionalen momente - dann, ja dann frage ich mich wirklich, wie menschen mit auch nur halbwegs klarem verstand und emotionalen fähigkeiten ernsthaft in erwägung ziehen können, an dieser farce am nächsten sonntag mitzuwirken. machtverhältnisse sind nicht nur einseitig, und anderswo in diesem blog steht schon geschrieben, dass selbst der übelste soziopath nicht auf dauer gegen den widerstand von vielen mit seinem treiben durchkommen kann - ignoranz, unwissenheit, gleichgültigkeit und falsch verstandene toleranz sind zu oft in der geschichte bereits für die schlimmsten menschengemachten zustände mitverantwortlich gewesen.

*
in diesem sinne ist und bleibt das hier der einzige beitrag zu diesem event - es ist in all den erwähnten facetten nur ein symptom. und die antwort auf die frage, wer sich nach dem spektakel zum "sieger" erklären darf, ist letztlich so belanglos wie eine erneute meisterschaft von bayern münchen.
monoma - 15. Sep, 15:00

nicht primär zu den sog. wahlen...

...aber zu einigen im obigen beitrag erwähnten aspekten ist dieser artikel interessant:

http://www.zeit.de/online/2005/37/bildergalerie_inszenierung

wobei: im satz "Trotzdem wollen wir nicht nur Programme vorgetragen bekommen" darf das "nur" imo ganz gestrichen werden - wer von den millionen schäfchen, die incl. mir und Ihnen das sog. "staatsvolk" bilden, könnte denn auf nachfrage tatsächlich auch nur rudimentär nennenswerte bestandteile der verschiedenen parteiprogramme beschreiben (ja, ausnahmen bestätigen die regel)? tatsächlich spricht alles dafür, dass genau die erwähnten inszenierungen, also simulationen von eigenschaften wie vertrauenswürdigkeit, offenheit, kompetenz u.a., das sein werden, was dieses ritual letztlich entscheiden wird.

dann aber: "Das Pathos war keine Maske, es war authentisch - und inszeniert. " nun lässt sich zwar auch durchaus authentizität simulieren - bloss ist es dann eben nix authentisches mehr, sondern eben eine simulation. die in diesem artikel und vielen anderen stellen betriebene vernebelung des grundlegenden qualitativen unterschiedes zwischen authentizität und simulation (der nicht mit einem gut-böse-schema zu fassen ist), ist ein typisches merkmal dieser zeit, und weist darin auf genau die untergründigen, und an stellen wie in diesem artikel doch so offenen prozesse hin, die dieser blog thematisieren möchte. es ist definitiv zeit für eine ausführliche auseinandersetzung mit dem menschlichen seinsmodus, welcher aus der medizin als autismus bekannt ist - nächste woche kommt der schon mehrfach angekündigte basisbeitrag dafür.

jana (Gast) - 18. Sep, 13:47

ich sitze grade hier, im netz, am pc, wie immer hmm.
wollte vor stunden los,um kreuze zu setzen und werd von abgehalten real,was mich nicht unglücklich macht im moment.
sei all das eine simulation,sei es das, gesamtgesellschaftlich, so besteht dennoch eine notwendigkeit,da man in dieser simulation ja lebt, all diese simulierte authenzität zu nehmen und damit umzugehen und eben z.b. kreuzchen zu setzen ?
ich komme mir vor auch,wie in einem spiel,was ich mir nicht ausgesucht habe,was ich gar nicht mitspielen möchte. nur ist das raushalten auch teil der simulation, wird einberechnet sozusagen.
neulich schrieb ich noch : spd+grüne wählen ! wiederählen, sie zwingen,weiterzumachen und sie weit dringender noch zwingen,zu ihren ursprüngen zurückzukehren,sei es moral,seien es werte usw.
und sei es,die grünen kleben nur ihr schild an etwas,was sie gar nicht wirklich am anfang ins rollen gebracht haben,so wäre es doch wichtig,ihnen dies aufzuzeigen,sozusagen zurückzuschaun dann doch,ursprünge wiederzufinden.
heute bin ich müde.
müde auch durch die virtuelle welt als spiegel ja wahrscheinlich nur der realen.
bin dort nicht mehr sicher,ob es sinn macht authenzität zu fordern,egal,wie lieb und nett.
das es keinen sinn macht,wenn die gefühlte authenzität der menschen doch auch nur eine inszenierte ist und sich die menschen darüber nichtmal bewußt sind.
so viele menschen haben sich "verwandelt" und sie erinnern sich nicht mehr,wie sie mal waren,können das real scheinbar nicht mehr.
warum ists mir aber immer im hirn,warum erinner ich immer alles,alles,was vor bestimmten entwicklungen war,was vor endgültiger "verwandlung" war ?
und das,wo ich mich doch auch so sehr verändert habe ?
Ich fühle mich jetzt teils,als könnte ich weder spalten,noch verdrängen,als ginge keine der beiden möglichkeiten mehr.oder bedingt nur noch,nicht dort,wo es für mich wichtig bzw eben angenehm wäre.

was kann man tun ?
wie soll man es aushalten,in einer simulation zu hocken und diese simulationen bei andren zu sehen ohne zu verzweifeln? wie soll man mit diesen "mitmenschen",die ja im gesamten gesellschaft dann ausmachen umgehen?

ich halte meine identität nicht für simuliert. vielleicht ist das anmaßend oder aus unsreren diskussionen heraus und nach deinen aussagen zu urteilen unmöglich z.b. bei mir. aber,wie auch dort dann schon immer gesagt,kenne ich das leben als simulation und das jetzt ist anders nunmal.

ich fühle mich wieder und wider wie ein kleines kind,wie das in dem märchen ,was allein wohl den könig nackt sieht,während die vielen andren,die meisten die kleiner bestaunen.
und hier in der simulation werden diese kleider ja wirklich gesehen,die menschen sehe wirklich sowas,was der kopf an sich und in jedem menschen für ein genie ist,wahnsinn.

du sagst was und du zeigst was auf und es ist logisch und absolut fühlbar echt zumeist und richtig.
nur stehe ich da und frage eben wieder : wie weiter ?
was fängt man mit dieser sicht an?
als soziales wesen eben?
wie soll man damit umgehen?
vor sich herleben in aller stille und es ertragen ?

ich leide so dermaßen nun weniger unter mir,daß mir all das ständig nun vor augen steht,daß ich es sehen muß,weil ich mich gar nicht in mich hinein flüchten kann. probleme im persönlichen werden einfach gelöst,nicht einfach der weg des lösens,aber sie lassen sich lösen,sie belasten nicht genug,als daß mir die sicht auf mein drumherum versperrt bleibt weiterhin.
ich leide langsam wirklich unter dem,was ich sehen muß,weil ich nicht beständig in mir wühle,schaue,lebe,wohne ...

was tut man dagegen?

in einer art doppelleben-tagebuch hab ich mir fragen erträumt,aufgaben,vor die ich mit andren zusammen gestellt werde. Habe mir erträumt,daß wer das wissen will,daß eine gruppe von menschen herausfinden soll in unzähligen studien und befragungen,was der "stand" ist ,ursachen und entwicklungen,um daraufhin neue konzepte zu finden,letztendlich zu einem andren umgang miteinander bis hin zu realem gesellschaftlichen leben,bis hin zu athentischen menschen in der politik usw.

das schlimme ist doch,daß zu wenige darunter leiden oder ?
und die,die es tun,die stellen sich fragen und suchen und suchen und finden hier und da was und setzen puzzle zusammen und...und...
doch sonst?
sonst stellt doch niemand fragen...
so will auch kaum wer wissen ?

wie kann man so leben ? also ich mit mir hier?
das rückt dann doch als bald doch wieder persönliche aufgabenstellung und problematik in den vordergrund. muß ich alleine mit mir dort eine lösung finden ?
was ist mit dir?
wie erträgst du das ?

lg
jana
(sehr müde ist heut)
monoma - 19. Sep, 17:33

hui...

...viele viele wichtige fragen - werde antworten versuchen, wird aber etwas dauern. möchte zuerst den autismus genauer beleuchten, und das hat imo schon einiges mit den fragen zu tun, die du oben stellst.

grüße
mo
jana (Gast) - 19. Sep, 22:19

konnte nicht warten auf antworten - wie immer :-(
bin wieder in mich geflüchtet heut...
merke aber eben oft,daß die fragen,die ich habe nicht die dringenden sind,die innerlich brennen.
hab heut andrer leuts,lieben menschen,fragen beantwortet,weil sie meine "brennenden" gestellt haben ...

nun hab ich wieder zeit,freu mich aber drauf,daß du mal zeit hast dann ;-)

lieben gruß,
jana

Peter (Gast) - 9. Nov, 19:21

Karl Jaspers

Guter Text - diese Gedanken zu unserer Demokratie und ihrer "Scheinlegitimation" treiben mich auch seit einigen Jahren verstärkt um. Vor ein, zwei Jahren habe ich mal das sehr interessante Buch "Wohin treibt die Bundesrepublik?" von Karl Jaspers gelesen - das Werk stammt aus den 60ern stellt aber eine meiner Meinung nach eine sehr treffende, sehr scharfe Beschreibung unserer parlamentarischen Demokratie dar. Viel hat sich bis heute, 40 Jahre (!) später, nicht geändert, wenn man das so liest... Für Jaspers leb(t)en wir in einer "Parteienoligarchie", nicht in einer wirklichen Demokratie...

kranich05 - 9. Jun, 00:30

Mit Vergnügen

habe ich, Europa-Nichtwähler, Deine Polemik und aufklärende Argumentation zu Wahlen in der bürgerlichen Demokratie gelesen.
Dennoch neige ich diesmal dazu, bei der Bundestagswahl meine Stimme "abzugeben". Dabei bin ich illusionslos. Es ist der billige Spaß am Politquatschspiel. (Vielleicht ist ein Gramm uneingestandene Verzweiflung mit dabei, daß noch nicht einmal das Nichtwählen einen Sinn ergibt.)

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