assoziation: zum öligen menetekel im golf - zwei sätze, weitergedacht (1)

zum menetekel im golf hat sich drüben auch somlu einige grundsätzliche gedanken gemacht, incl. zweier filmtipps, die ich natürlich unterschreibe. dann aber wären da noch zwei sätze, die in mir im laufe der folgenden stunden nach dem lesen ein wahres gewitter an assoziationen ausgelöst haben:

"Ja, verdammt, vielleicht wird das alltägliche Leben schwerer, wenn die Petrochemie nicht mehr ist. Vielleicht müssen wir uns auf Kochkisten und weniger Mobilität zurück besinnen."

*

als erstes fällt mir beim stichwort "petrochemie" ein, wie wenig ein tatsächliches bewusstsein darüber vorhanden ist, dass "wir" hier in den westlichen lebenswelten allesamt als kohlenwasserstoff-junkies zu gelten haben - ja, auch Sie da! zur untermalung dieser betrüblichen botschaft möchte ich jetzt mal einen kleinen (imaginären) rundgang durch den alltag veranstalten, wie er sich für die meisten von uns so darstellt.

wenn Sie das nächstemal in Ihrem bett aufwachen, schauen Sie sich einfach mal genau um - worauf fällt Ihr blick alles? wenn Sie in der verbreiteten kombination aus arbeits- und schlafzimmer hausen, werden da vermutlich solche dinge wie bücher und zeitschriften herumliegen; vielleicht steht auch Ihr computer plus dazugehörige hardware herum. und wie sieht´s mit unterhaltungselektronik aus? fernseher, cd- / dvd-player ? womöglich haben Sie aus liebhaberei sogar noch irgendwo einen cassettenrecorder oder plattenspieler plus zugehörigem vinyl herumstehen?

wie dem auch sei: Sie stehen jetzt auf, recken & strecken sich herzhaft und laufen - über einen kunstfaser-teppichboden ? oder doch über holz ? (falls das schon vor Ihrem einzug verlegt gewesen ist - wissen Sie, ob und wie das imprägniert ist ?) angesichts der z.zt. nicht wirklich lauschigen nachttemperaturen drehen Sie vielleicht erst mal die heizung herunter und haben dann noch einen flüchtigen gedanken für die farben und lacke an wänden, türen, möbeln und heizkörpern übrig. im schlechtestenfalls fensterlosen badezimmer machen Sie erstmal das licht an und gehen unter die dusche - heisses wasser und irgendwelche duschbäder oder shampoos machen Sie für einen neuerlichen ausflug ins rattenrennen grundsätzlich funktionsfähig. danach dürften, geschlechts- und altersabhängig, auch noch einige aufhübschungen mittels kosmetik fällig sein, bevor Sie sich abschließend nochmal die hände mit einer - recht billigen - seife waschen. benutzen Sie übrigens parfüm ?

dann kleiden Sie sich an - irgendwo in Ihren klamotten werden mit großer wahrscheinlichkeit ebenfalls synthetische fasern verarbeitet sein, und wenn Sie nicht unbedingt lederschuhe tragen sollten... btw.: müssen Sie Ihre schuhe nicht mal wieder mit den entsprechenden schuhputzmitteln reinigen ?

in die küche gewechselt, werden Sie vermutlich erstmal den üblichen morgendlichen koffeinflash benötigen - fragt sich nur, ob mittels wasserkocher oder per kaffeemaschine. aber strom brauchen Sie nicht nur hier. wenn Sie´s denn leider benötigen sollten, kommt jetzt vielleicht auch die zeit, Ihr medikament einzunehmen. hoffentlich sind Sie so vernünftig, wenigstens ordentlich zu frühstücken - ein blick in den kühlschrank fällt auf - falls Sie nicht gerade in der "hartz-IV"-mühle stecken -allerlei mehr oder weniger bunte verpackungen, in denen die - vermutlich mehrheitlich konventionell produzierten - nahrungsmittel ihrer bestimmung harren. Sie essen ein häppchen, schmeißen vorher noch ein wenig wäsche incl. waschmittel in die waschmaschine und eilen aus dem haus.

am himmel zieht ein flugzeug seine runden, während Sie zu Ihrem auto gehen, für dessen nutzung Sie natürlich äusserst triftige argumente anzuführen wissen. besser wäre es, Sie würden wenigstens heute mal wieder Ihr fahrrad ausführen - wobei die wahrscheinlichkeit groß ist, dass weder Ihre auto- noch fahrradreifen aus naturkautschuk bestehen. vergessen Sie nicht, die kettenschmierung zu überprüfen - ist vermutlich schon ein weilchen her seit dem letztenmal.

sehr schön, Sie haben sich für´s rad entschieden - im winter wäre jetzt noch die straßenbeleuchtung an, und während Sie so über den radweg brausen, schweift Ihr blick über den asphalt auf der strasse zu einem bitumengedeckten flachdach. Ihre neue "gore-tex"-jacke trägt sich angenehm, und als Sie bauarbeiter an einem haus sehen, fällt Ihnen kurz die noch ausstehende außenisolierung gegen die feuchtigkeit in Ihrem keller ein.

*

ich muss diesen imäginären tagesbeginn jetzt mal abbrechen, und zwar rein aus platzmangel - wie Sie (da bin ich mir sicher) bereits bemerkt haben, sind alle kursiv geschriebenen dinge im prinzip nichts weiter als platzhalter für das wort
petrochemie, womit letztendlich alle produkte gemeint sind, die direkt und indirekt - meistens in ihren wichtigsten komponenten - auf erdöl oder -gas basieren. ich habe dabei nur die augenfälligsten überhaupt angeführt; wo wir überall im alltag mit der petrochemie in berührung kommen - und zwar in allen lebensbereichen - , lässt sich vermutlich leichter darstellen, wenn die aufzählung sich darauf beschränken würde, wo nicht - und das ist ein verdammt schweres unterfangen. wer sich übrigens wundert, warum auch nahrungsmittel auftauchen, sollte sich mal gedanken über kunstdünger sowie das haber-bosch-verfahren machen. von den transportwegen und -mitteln mal ganz abgesehen, ebenso von der in der konventionellen landwirtschaft eingesetzten technik. und worauf basieren nochmal pestizide u.ä. gifte ?

kurz auf den punkt gebracht: nicht nur unser alltagsleben, sondern auch so ziemlich die gesamte infrastruktur der westlichen industriellen zivilisation, beruht und funktioniert auf und mittels (fossilen) kohlenwasserstoffen. das erdölzeitalter

graphische darstellung des erdoelzeitalters
<br />
quelle: bgr

- links nebenstehend sehen Sie eine interessante graphische darstellung der zeitlichen dimensionen (quelle ist die "bundesanstalt für geowissenschaften und rohstoffe"); dargestellt wird die geschätzte menge des förderbaren öls, und Sie sehen auch den peak in der förderung kurz nach dem jahr zweitausend - wobei der genaue zeitpunkt nun meiner meinung nach recht unerheblich ist; das der peak beim billigen (!) öl unvermeidlich eintritt, bestreiten nur noch ignoranten - bei den anderen langt die zeitspanne etwa vom jahr 2005 bis zur "optimistischsten" schätzung 2040. wahrscheinlich ist es bei betrachtung der nachweislich fallenden fördermengen in so ziemlich allen global relevanten feldern - und das sind im verhältnis recht wenige - , dass wir uns in unmittelbarer nähe des peaks aufhalten, meiner vermutung nach schon jenseits.

beim nachdenken finde ich auch interessant, dass ich mich nicht daran erinnern kann, irgendwann in der schulzeit auch nur einmal irgendetwas relevantes zum thema erdöl, geschweige denn zu seiner realen bedeutung gehört zu haben. wer nach dem jahr 1950 geboren worden ist, muss (im westen) unweigerlich den eindruck einer nicht zu hinterfragenden "normalität" des (ölbasierten) materiellen alltagsniveaus gewonnen haben; dabei ist diese normalität alles andere als das, sondern real eher eine historische ausnahme, komprimiert bei großzügigster auslegung etwa auf die zweihundert jahre von 1850 bis 2050 (wo dann vermutlich auch noch die letzten erreichbaren funde in den polaren tiefseegebieten in tausenden von metern tiefe oder auch die ölsande zusammengekratzt werden) datierbar. bezgl. der anfänge: wer mal eine informative und launig geschriebene darstellung dieser anfänge lesen will, incl. historischer photos von den ersten öl-umweltdesastern, sei auf
diesen artikel verwiesen.

die rolle der fossilen brennstoffe lässt sich in ihrer ganzen bedeutung auch in anderer form kurz zusammenfassen: öl (und gas) haben
  • wesentlich für eine unglaubliche zahl von bahnbrechenden wissenschaftlich-technischen fortschritten gesorgt
  • incl. aller medizinischen fortschritte
  • die industrielle landwirtschaft mit ihrer massiven produktivität ermöglicht
  • darüber dann auch das wachstum der menschlichen bevölkerung global explodieren lassen
  • für die heutigen stadtlandschaften gesorgt; incl. der mega-cities
  • die mikroelektronische "revolution" mitsamt all ihrer ausprägungen - u.a. das internet - zu verantworten
  • die kriegsführung bzw. die dazu verfügbaren mittel so tödlich wie nie zuvor gemacht
  • natürlich auch für diverse kriege unmittelbar gesorgt
  • die allgemeine mobilität in ungeahnte dimensionen getrieben
  • vorher unbekannte ökologische zerstörungen globaler bedeutung ausgelöst (direkte ölverschmutzungen, müllprobleme, smog, klimaveränderungen, landschaftsversiegelung etc. etc.
  • und natürlich auch die sog. globalisierung (der ökonomie) sowie die expansion des totalitären kapitalismus mitsamt seiner überproduktions- und sonstigen krisen erst möglich gemacht; in diesen zusammenhang gehört auch die mittlerweile absolut unerträglich gewordene umverteilung gesellschaftlichen reichstums an eine in relation wirklich winzige minderheit incl. der damit verbundenen machtungleichgewichte
  • durch all das dann indirekt auch zur allgemeinen beschleunigung, zu stress und letztlich vielen schwer gestörten psychophysischen zuständen mit beigetragen
in der zusammenfassenden bilanz wird für mich sehr deutlich klar: wir haben insgesamt einen viel zu hohen preis für die - inzwischen teils recht fragwürdigen - auch anscheinend positiven wirkungen des ölzeitalters gezahlt. ein kleiner teil davon ist momentan täglich in den nachrichten zu betrachten.

*

wer sich einen großteil des obigen selbst mal in möglichen zukünftigen entwicklungen vor augen halten möchte, sollte sich in der science- / social fiction umschauen - einmal wäre da das szenario von andreas eschberg in seinem roman "ausgebrannt" zu nennen...



...zum anderen das leider offenbar nur noch antiquarisch zu bekommende szenario "mutant 59: der plastikfresser" von kit pedler und gerry davis, in dem ein unfall mit einem genmanipulierten bakterium das gesamte fantastic plastic-universum im wahrsten sinne des wortes in (übelriechende) luft aufgehen lässt und dazu noch eine völlig neue definition des wortes haushaltsauflösung präsentiert wird. andere und weitere tipps sind natürlich willkommen.

*

im zweiten teil will ich mich mit einigen konsequenzen - u.a. für politische aktionen, aktuelle verteilungskämpfe, linke diskurse sowie westliche lebensstile - und auch weiteren absehbaren peaks beschäftigen, die sich aus meiner perspektive aus den realitäten des ölzeitalters plus seinem absehbaren ende ergeben. und ein wort, welches da eine große rolle spielen wird und gerade deshalb in so ziemlich allen diskussionen gemieden wird wie ein absolutes tabu, schreibe ich jetzt ebenfalls schon mal groß:

VERZICHT.

*

(zum
zweiten teil)
Geheimrätin (Gast) - 25. Mai, 01:20

Oh ja, Monoma, du sagst es. Was das Auto betrifft, um nur einen Ölfresser zu nennen: ich habe auch noch eines und bei jeder, zwar immer seltener werdenden Fahrt, ein schlechtes Gewissen. Zumal ich auch noch nen Diesel fahre und der Agrar-Sprit der da reingemischt wird, leider nicht weniger mörderisch ist.

siehe diesen umfassenden Report

auch eine Umstellung auf Solarautos wird uns auf der Basis der vorherrschenden Ideologie nicht aus der Vernichtungsmaschienerie befreien. Man kann den gesamten Individualverkehr nicht einfach auf "Öko" umstellen. Wir brauchen tatsächlich eine vollkommen neues System, vollkommen neue Verkehrsnetze, vollkommen neue Handelsbziehungen und und und....

Ich persönlich glaube, dass wir erst, wenn wir die wirklichen Ursachen der globalen Krise begreifen, die in unserer "Herrschaftsideologie" liegen, wir auch in der Lage sein werden, die Probleme zu lösen. Solange "meine persönliche Freiheit" noch auf der Ausbeutung und Versklavung eines anderen beruht, sei das nun ein Mensch oder die Natur, kann das keine Freiheit sein, sonder ein einziger Trugschluss.

Wenn uns das irgendwann mal wirklich klar wird, wird auch die Wissenschaft und Forschung uns ganz neue, noch ungeahnte Möglichkeiten offenbaren. Davon bin ich überzeut. Bislang wird aber noch jegliche Forschung die in diese Richtung weist, von den selbsternannten "Eignern" der Ressourcen sabotiert und aus dem öffentlichen Diskurs ferngehalten. So wird auch der anstehende Ökotrend nach "altbewährtem Muster" wieder in dieselbe Sackgasse führen .

Wir brauchen also ganz neue Ansätze, weg vom herrschen, weg vom aneignen und plündern und hin zum teilen.

somlu (Gast) - 25. Mai, 13:12

VERZICHT

Ja, das Wort kann nur groß geschrieben werden. Wir sind da beide wohl auf der gleichen Spur.

Ich habe Anfang des Jahres irgendwo im Internet gelesen, wie kleine Selbstständige sparen können, beispielsweise beim Büromaterial, wo es irgendwo im Internet sicher einen noch billigeren Händler gibt. Für mich gibt es aber nur einen einzigen, der nämlich, der ein Vollsortiment recycelter Büromaterialien anbietet, Kunststoff ist entweder recycelt oder aus Polypropylen. Die sind nicht wirklich teurer als andere aber auch nicht wirklich sehr billig. Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung treffen konnte. Ich war schon am überlegen, ob ich auf einen "grünen" Provider wechsle und glücklicherweise hat meiner das von allein gemacht. Natürlich ist mir klar, dass es auch um Reduzierung gehen muss. Weniger Stromverbrauch, Kochkiste eben. War in der Frankfurter Küche ein feste Installation. Zu Standby Schaltungen und anderen sinnlosen Stromverbrauch (womit ich nicht die Glühbirne meine) brauche ich ja nichts zu sagen.

Ich starre mit großem Entsetzen auf die Vorgänge in den USA und auf die Gleichgültigkeit dieser Katastrophe gegenüber. Der Film Home macht in anschaulicherweise klar, dass es eine klar umgrenzte Menge Wasser auf der Welt gibt, die schon von abermilliarden Lebewesen/Pflanzen getrunken, ausgeschieden, verdunstet usw. wurde. Dieses System belasten wir bis weit über die Grenze dessen, was für das Überleben der Säugetiere und anderer erträglich ist. Interessiert nicht genug Leute. BP (Aral) und den anderen verantwortlichen Firmen gehören für mich komplett in Haftung genommen.

Kennst du die "SF" Romane von Doris Lessing? Shikasta usw. ? Irgendwie muss ich immer wieder an sie denken, während um mich herum alle immer wahnsinniger werden und mir gleichzeitig einreden wollen, sie seien vollkommen in Ordnung, die Krone allen Denkens (vom Fühlen wissen die ja meist recht wenig). Übel. So Übel.

Und das Öl-Desaster ist ja nur ein Teil. Am Wochenende lief auf Phoenix eine Doku über eine Insel im Osten, wo auch Erdöl abgebaut wird und die Flüsse dort mehr Öl als Wasser führen. Der Name ist mir grad entfallen. Und mit dem Erdöl hört es nicht auf.

*seufz*

Es brennt an allen Ecken und Enden auf diesem Planeten und hier (sicher auch anderswo) geht es den Politikerdarstellern nur um ihre eigenen Pfründe. Super, noch ein paar Wahnsinnige mehr.

Wenn das alles stimmt, von dem du, ich und andere immer wieder schreiben, dass vieles von dem was läuft, eine Folge von Traumatisierungen ist, die zum einen die bekannte und unbekannte Weltgeschichte durchziehen und zum anderen durch entsprechende Haltungen dazu über Generationen weiter gegeben wurde, wo ist der Anfang vom Ende? Ein paar Kluge hat es ja zu allen Zeiten gegeben. Mir erscheint es manchmal, als steuerten wir auf das Ende unserer Hochkultur zu.

W-Day (Gast) - 25. Mai, 18:17

Ein wenig Widerspruch ;)

Sich in Verzicht üben ist höchstens eine Art Meditation oder asketische Selbstbefriedigung. Wer verzichten müsste, sind ganz andere Leute als wir, die wir von Reichtum eh keine Ahnung haben. Und aus dem Warenkreislauf steigt man nicht aus, das klappt nicht, egal wie viel "Verzicht" man übt.

Man nehme zB den Yachtbau - in diesem Geschäft werden unglaubliche Mengen an sog. Rohstoffen vernichtet, um eine Superyacht zu bauen, die ein berühmter Fomel-1-Rennfahrer grad mal ein Jahr besitzt, bevor er sie durch ein noch grösseres Schiff ersetzt. Was so ein Rennfahrer plus Equipment und Management an Rohstoffen allein in einem Jahr wegraucht, verbraucht keiner von uns Hanseln im ganzen Leben nicht.

Wieviel Rohstoffe allein für die Entwicklung und Herstellung von Anstrichmitteln verbraucht werden, kann sich ebenfalls kaum einer ausmalen. Und diese Anstrichmittel sind überall, ob auf dem Strassenschild, der Teepackung oder der Wohnung - fast scheint mir, man muss die Erde ganz und gar durch eine komplett neue ersetzen, um da rauszufinden. ;-)

Es ist schon heimtükisch, daß das "System" grad die moralischen Leute zum Verzicht bewegt, anstatt die Verursacher der Gangstereien. Und warum machen die ihre Gangstereien? Weil sich die für die Gangster lohnen, ganz einfach, und weil sie eine andere Art von Moral haben als der protestantisch aufgezogene Verweigerer, und weil sie es im Kapitalismus nun mal nicht anders können, als Werte zu verbrennen.

Die Verzichtübung erinnert mich zu sehr an die bekannten Formen der Herrschaft - wie weit müsste denn Verzicht gehen, um die Welt zu retten? Bis die bösen Ausbeuter ein Einsehen haben? Bis zur Ermordung jener, die keinen Verzicht üben wollen? Unterwirft man sich mit Verzichtübungen nicht der kalten Logik der Warenwelt? Die kann auf ihre Gegner pfeifen, denn sie hat stets mehr Abhängige als Feinde gehabt, und das wird sich allein aufgrund der Lebensbedingungen des Menschen nicht ändern.

somlu (Gast) - 25. Mai, 21:19

W-day, sorry, natürlich gehöre ich nicht zu den Verschwendern auf der Welt und ich bin Teil der gigantischen Ausplünderung dieses Planeten. Wir hier im industrialisierten Westen - wir alle zusammen machen ca. 20% der Weltbevölkerung aus und verschwenden zusammen 80 % aller Ressourcen. Da kann ich nur schlecht immerzu mit dem Finger auf die zeigen, die noch mehr verschwenden. Um die Situation zu ändern, kann es auch nicht um eine Diktatur gehen, sondern um einen Bewußtseinswandel.

Wie ich schon schrieb, diese Sache mit dem Wasser, es hat mich mächtig beeindruckt, dass alles Wasser, das wir heute auf diesem Planeten haben, genau das gleiche Wasser ist, dass die kleinen Muscheln, die vor Milliarden von Jahren Landschaften schufen umgab. Alles hängt zusammen. Ich sehe mich überhaupt nicht als besser oder schlechter als die Menschen, die hier leben. Ich beteilige mich an dieser Verschwendung jeden Tag, ob ich will oder nicht. Was sich ändern muss, sind die Werte. Das was wertgeschätzt werden sollte, ist eben nicht der beruflich erfolgreiche Manager prostestantischer Prägung oder den emotional verkrüppelten harten Vorgesetzten, der es schafft die grausamsten Entscheidungen zu treffen und trotzdem noch Nachts gut schlafen kann, weil er viel verdient und das nun mal in unserer Gesellschaft nach wie vor mehr Wert ist, als ein bescheidenes am eigenen Bedarf orientieres achtsames Leben. Damit meine ich nicht Leute, wie du, monoma oder mich. Dennoch habe ich das Gefühl, davon gibt es immer noch zu wenig. Es müssen viel mehr werden, bis eine "kritische" Masse erreicht ist, die das gesellschaftliche Klima ändert. Und wo kann ich damit anfangen? z.B. sammel ich alle meine Kippen immer ein und werfe sie in Mülleimer, manchmal an meinen Lieblingsplätzen in der Eifel sammel ich auch noch alle herumliegenden Kippen auf. Zum einen habe ich das schon immer gemacht, weils mir einfach richtig vor kam und zum anderen weiß ich heute, dass zur Zersetzung eines einzigen Filters 1000 Liter Wasser vergiftet werden muss. Dieses Verhalten, dass meine Freundin auch an den Tag legt, erstaunt nicht nur Raucher, viel NichtraucherInnen mit denen wir unterwegs sind, staunen auch, weil sie das nicht kennen.

Verzicht ist somit eine Form von Bewußtseins über die Konsequenzen meiner Handlungen und dass ich darauf eben auch Konsequenzen ziehe. Glaub mir die Luxusjachtenproduktion sind unser kleinstes Problem auf diesem Planeten.
Anstriche können geändert werden, siehe mein Beispiel mit meinem Büromateriallieferanten. Worauf ich dabei verzichte, ist ein bisschen Geld und die allerbilligsten Materialien für mein Büro.

Keine Ahnung wo das enden kann aber ich kann dir die beiden von mir empfohlenen Filme nur schwer empfehlen. In "the corporation" ist dieser Teppichfliesenfabrikant, der ist sehr deutlich und der tut auch was. Ob es aber reicht, schnell genug. Wir scheinen nicht mehr viel Zeit zu haben. Und ehrlich, auf einige Annehmlichkeiten oder Selbstverständlichkeiten machen mir weniger Angst, als die Situation, wenn es so weitergeht, wenn die wenigen mit Macht anfangen den offenen Kampf um Ressourcen, Wasser, saubere Luft und gesundes Erdreich eröffnen und der Kampf hat eigentlich schon angefangen. Schau dir mal Nestle an, die kaufen seit Jahren Trinkwassserquellen weltweit auf.

Das mit der Unterwerfung unter die kalte Logik der Warenwelt in diesem Kontext verstehe ich in diesem Kontext nicht. Vielleicht kannst du das noch mal ausführen`?
somlu (Gast) - 25. Mai, 21:21

Verzicht kann auch bedeuten auf der herrschende Finanzsystem zu verzichten, die Träume der Großbürger des 18. und 19 Jahrhunderst aufzugeben. Es ist mehr als Verzicht auf Konsum.
W-Day (Gast) - 26. Mai, 07:37

Mir fällt's nicht schwer, auf Erdbeeren im Winter, den Swimmingpool, Skiurlaub und ein neues Auto zu verzichten. Nur kann ich mir weder den Swimmingpool noch ein Auto überhaupt erst leisten, Skiurlaub hat mich nie interessiert. Mein "Verzicht" wird also kaum was bringen, eher nichts. Weil ich sowieso zu den unfreiwillig Verzichtern gehöre. Schließlich leben wir in einem ordentlichen Herrschaftssystem. ;) Die Verzichtträume können wir getrost vergessen, tausend 1-€-Läden singen uns ein anderes Lied.
Aurisa - 6. Jun, 22:42

Energie (und natürlich auch Rohstoffe) sparen... das habe ich auch immer 'gepredigt'.

Inzwische musste ich mich eines besseren belehren lassen...

Sparen... im Sinne von freiwilligem Verzicht hilft nichts...

Ich spare mir ein eigenes Auto... das freut meinen Nachbarn... weil der mit seinen zwei Autos darum billiges Benzin tanken und umso mehr auto fahren kann...

Billiges Benzin, weil mein Autoverzicht den Verbrauch senkt, damit den Preis senkt, wodurch er für's gleiche Geld mehr Bezin verschwenden kann...

Im Ergebnis ein Nullsummenspiel!

Was ich einspare verbraucht er dafür umso mehr...

Und so ist es mit allem...

Wir Menschen sind offensichtlich insgesamt zu blöde und/oder zu egoistisch um das notwendige zu erkennen und zu tun.

Und da hilft es wie geschildert leider auch überhaupt nichts, wenn einzelne anders denken und handeln.

Traurig, aber wahr...

Der Verzicht wird trotzdem kommen... nur wird das dann kein freiwilliger sein, sondern ein erwungener, durch sinkende Öl- und Rohstoffverfügbarkeit und damit für alle steigende Preise.

Was den Nachbarn mit seinen zwei Autos wesentlich härter treffen wird, als mich Fußgängerin.

Aber letztlich müssen auch die heute schon freiwillig verzichtenden in Zukunft für die Sünden der Verschwender büssen... denn wenn das Öl knapp wird, wird das für uns alle sehr sehr bitter...

sansculotte - 7. Jun, 18:24

Ja, leider

Von dieser Erfahrung ist es nur ein kleiner Schritt zur Erkenntnis, dass einige das Sparen und den Verzicht predigen, um umso ungestörter prassen zu können.

Oder würden Sie dieses Haus als bescheiden (ökonomisch nachhaltig gar) bezeichnen?

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

(H. Heine)

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