kontext 61: "wes leer welt - welle west er"*

( *anagramme eines antisozialen)

*

vielleicht das einzige - natürlich ungewollte - "gute" an der prä-faschistischen (man betrachte sich die historische nutzung der attribute "geistig" und "dekadent", gerade in diesem land!) amok-rhetorik des w.ichtes liegt darin, dass ich bei betrachtung der reaktionen und kommentare in allen möglichen foren, egal ob mainstream oder nicht, es fast zum greifen finde, wie massiv polarisiert die ganze soziale situation hier ist - ich habe selten zuvor das gefühl gehabt, dass eine art grenze für viele erreicht ist - und zwar auch bei jenen, denen gegenüber aus ganz elementarer menschlicher emotionaler rationalität heraus eine entschiedene gegnerschaft auszusprechen ist - all jene, für die ein w. stellvertretend steht.

zwei postings nun, die das allermeiste von dem auf den punkt bringen, was ich selbst ebenfalls als eine art matrix im hintergrund begreife, welche die aktuellen konflikte aus der tiefe speist. zunächst eine variation der feststellung, dass die (meisten) menschen beziehungswesen und
keine monaden sind:

(...) "Ich bin dafür, Sie zu enteignen als Schadensersatz für von der Gesellschaft für Sie aufgebrachte Leistungen und irgendwo im nirgendwo z.B. in Afg. anzusiedeln. Die warten dort dringend auf Menschen, die wissen wo es lang gehen muß.

Jedenfalls sollten Sie erstmal eine Gebühr zahlen, für die Straße, die wir für Sie vorfinanziert haben, das Wasser, daß wir für Sie fördern, reinigen und zu Ihnen pumpen und für alles andere, was die Gesellschaft je für Sie getan hat! Dann, und wirklich erst dann, werden Sie feststellen, daß der Mensch ein Gemeinschaftstier und kein Einzelgänger ist." (...)


ja. es ist immer deutlicher zu sehen, dass sich all die visagen der selbsterklärten "elite" aus wirtschaftsterroristen / organisiert kriminellen / antisozialen bis echten soziopathen /narzisstisch gestörten sowie ihre "politischen" marionetten und claquere tatsächlich benehmen, als hätten sie selbst die strassen für ihre autos, ihre protzvillen, die flughäfen für ihre privatjets und eigentlich ihre gesamte materielle ausstattung erschaffen - rein durch ihre generelle halluzinierte "überlegenheit", die sich allerdings real nur in absoluter skrupel- und rücksichtslosigkeit manifestiert. wahrlich übermenschen, welche die deutlichste ausprägung jener pathologischen psychophysischen zustände im wahrsten sinne des wortes verkörpern, die hier als normalität angesehen und immer noch verklärt werden - die fiktion eines quasi "autarken", "bürgerlichen" "ichs", welches aller wahrscheinlichkeit nach doch nur eine art der kompensation darstellt - eine kompensation massiv gewalttätiger und traumatischer einflüsse auf die menschen, seit generationen und jahrhunderten.

und diese art "ich", besonders in seiner ausgeprägt
objektivistischen variante, ist tatsächlich von seinem wesen her strukturell oder funktionell autistisch (im sinne einer weitgehenden, psychophysisch begründeten beziehungsunfähigkeit).

ich vermute, ein großteil dieser leute würde selbst dann nichts verstehen können, wenn man sie aufforderte, sich doch dann bitte konsequent von aller sozialität abzuwenden und bspw. als einsiedler im wald zu belegen, dass sie tatsächlich - und zwar ohne jegliches, von anderen menschen produziertes hilfsmittel - in ihrem sinne so "autark" oder "frei" sind, wie sie es in ihren pathologischen ideologien immer wieder als angeblich menschliche höchste entwicklungsstufe anpreisen.

(und klar, natürlich können sie diesen beleg auf keinen fall liefern, wären sie doch ohne auch noch so rudimentäre bzw. meist nur materielle zuwendungen seitens anderer als baby oder kleinkind überhaupt nicht überlebensfähig gewesen. mir scheint, in ihrer verachtung und ihrem hass auf die menschliche sozialität an sich stecken auch - wieder wortwörtlich zu nehmen - unerhörte informationen über die verhältnisse, aus denen sie als quasi-mutanten entsprungen sind.

aber wie ich schon oft schrieb: verständnis ist nicht gleich akzeptanz.)

eine weiterer kommentar macht deutlich, was sich hinter der bezeichnung
quasi-mutanten verbergen könnte (von "dreizehn" am 12.02. um 20.45 h):

(...) "Ich glaub, so einer hat null Ich-Stärke. Der quasselt zwar ständig von sowas und macht die harte Nummer, aber wir wissen ja dass es die nackte Not ist und der Mangel an innerer Stärke, der solche Figuren anhält, wenigsten sowas ständig im Munde zu führen. Quasselt auch endlos von Verantwortung und ich möchte wetten, der kennt kein verantwortungsvolles Verhalten, vor allem nicht sich selbst gegenüber, weil es den im eigentlich Sinne gar nicht gibt.

Bei Leuten dieser Machart tritt das Geld, die nackte materielle Geltung, Status mit allem was dazugehört, an die Stelle .. ja von was? Wohl an die Stelle des Ich. Oder verdrängt die Seele oder so, die Figur existiert geradezu nur noch im Auftritt. Drinnen drin ist nix oder nur rudimentär was.

Sowas regiert uns als Außenminister und wir müssen nicht glauben, dass die in anderen Ländern anders wären, oder? Und nicht nur die Außenminister." (...)


*

"Drinnen drin ist nix" - dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
und das ist ihre welt , ihr natürliches habitat, ihr humus und ihr element - die wirkliche welt der "leistungsträger":

(...) "Man denkt immer noch, dass das organisierte Verbrechen von einer Minderheit bestimmt wird, die in einer kriminellen Unterwelt lebt und keinerlei Berührungspunkte mit der Welt und dem Leben der ehrlichen Bevölkerung hat. (...)

mit der "ehrlichen bevölkerung" ist das so eine sache, wobei das im vergleich mit der tatsächlich existierenden organisierten kriminalität immerhin eine gewisse berechtigung besitzt, diesen begriff so zu benutzen. aber egal, er wird jetzt eh geradegerückt:

(...) "Leider sieht die Realität ganz anders aus. Die Welt des internationalen Verbrechens und die Welt der normalen Bürger sind zwei Seiten derselben Medaille; tatsächlich sind sie voneinander abhängig. Was wir als den äußeren Feind bekämpfen, ist in Wahrheit schon längst im Innern und ist Teil unseres täglichen Lebens, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Wir müssen uns nur vor Augen halten, welche Art von illegalen Waren und Dienstleistungen das organisierte Verbrechen ihren willigen Kunden anbietet. Das Geschäft floriert, weil es Millionen von Bürger gibt, die ein Interesse an den illegalen Waren und Dienstleistungen haben. Einen Großteil der kriminellen Aktivität muss man also als ein Phänomen der freien Marktwirtschaft einstufen, reguliert durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage." (...)


eine grosse wahrheit, im letzten satz gelassen ausgeprochen.

(...) "Die Einzelstaaten haben die Kontrolle über den Markt verloren, da die national beschränkte Gesetzgebung nicht auf eine globale, alle Grenzen überschreitende Marktwirtschaft angewendet werden kann. Die jüngste Krise, die 2008 die Weltwirtschaft zu Fall brachte, zeigte, welche katastrophalen Folgen eine Wirtschaft hat, die sich an keine Regeln hält und hauptsächlich von Leuten betrieben wird, die international operieren. Außerdem hat alle Welt gesehen, dass die Staaten unfähig sind, die Wirtschaft im Griff zu behalten - außer wenn es darum geht, großzügig öffentliche Gelder auszugeben, um einen weltweiten Zusammenbruch zu vermeiden. Neue Regulierungen, die angekündigt wurden, um die Ausgabe der Gelder zu rechtfertigen und die öffentliche Meinung zu beschwichtigen, sind nie in Kraft getreten. Auch daran sieht man die Machtlosigkeit der Politik gegenüber der Wirtschaft und die Umkehrung der Rangfolge.

Da der Markt weder reguliert wird noch transparent ist, muss man mit neuen Immobilien- und Finanzblasen rechnen, die wie Zeitbomben jederzeit platzen können und dann die Ersparnisse von vielen Bürgern in Rauch aufgehen lassen und Millionen von Arbeitslosen produzieren.

Die Auswüchse der Wirtschaftskriminalität in den Chefetagen der internationalen Konzerne, die die Weltwirtschaft bestimmen, verursachen weit größere und schwerer zu behebende Schäden als andere Verbrechen." (...)


ich empfehle sehr, den ganzen text ausgiebig zu studieren, und bringe noch ein langes zitat, welches die dinge auf ihren monströsen punkt bringt:

(...) "Man wird sich vielleicht fragen, warum ich bei einem Kongress über organisierte Kriminalität so ausführlich über makropolitische und makroökonomische Phänomene spreche. Ich bin der Meinung, dass Anwälte und Kriminologen es sich heutzutage nicht mehr leisten können, so naiv zu sein. Denn es ist tatsächlich naiv zu glauben, man könne die internationale Kriminalität mit den gängigen Sicherheitsmaßnahmen bekämpfen, wenn man diese nur international ausweite.

Man muss sich im Klaren darüber sein, dass die international organisierte Kriminalität nicht damit in den Griff zu bekommen ist, wenn hin und wieder einzelne Täter gefasst und einige illegale Waren und Güter sichergestellt werden. Trotz aller Bemühungen sind die Fahndungserfolge doch verschwindend gering im Hinblick auf das Ausmaß der globalen kriminellen Aktivität. Wir versuchen, das Meer mit einem Teelöffel auszuschöpfen.

Betrachtet man den Zusammenhang zwischen dem exponentiellen Wachstum der internationalen Kriminalität und dem internationalen Restrukturierungsprozess der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, dann versteht man, dass die organisierte Kriminalität nicht nur ein Problem der Jurisprudenz darstellt, sondern auch eines der globalen Politik; es muss auf der makroökonomischen und auch auf der makropolitischen Ebene angegangen werden.

Kurz gesagt, der Kampf gegen das internationale organisierte Verbrechen ist nicht nur ein Kampf gegen eine kleine Gruppe von zwielichtigen Unterweltgestalten, sondern vor allem auch ein Kampf gegen zahlreiche unsichtbare Feinde von Demokratie und Gesetz, die über die verschiedenen Länder verteilt sind. Sie agieren nicht nur in den schwachen Demokratien Osteuropas oder in den neuen Wirtschaftsmächten; man findet sie auch inmitten der etablierten westlichen Demokratien, wo sie in den Führungspositionen der Wirtschaft sitzen - in den Büros der Hochfinanz und der Großkonzerne. Sie sind daran interessiert, die staatliche Macht immer mehr zu reduzieren, und sabotieren die Anstrengungen, die Politik und Rechtsstaatlichkeit auf globaler Ebene zu stärken.

Der Machtverlust der Politik gegenüber der Wirtschaft, der unkontrollierte Machtzuwachs der privaten Akteure gegenüber der Machteinbuße des Staates, die Gefahr einer versteckten Abhängigkeit des Staates von den Anforderungen des Marktes und seiner Akteure - das sind die Faktoren, denen das organisierte Verbrechen seine wachsende Macht verdankt. Achtet man darauf, wo die Interessen der kriminellen Wirtschaft und die von durch keinerlei Gesetze eingeschränkten Topmanagern zusammenlaufen, dann versteht man, warum eine Gesetzgebung gegen Geldwäscherei scheitern muss - trotz aller Bemühungen der UN und der EU.

Die beschriebene Zersetzung der politischen Macht trägt dazu bei, dass kriminelle Aristokratien eine strukturelle Komponente des neuen globalen Kapitalismus darstellen, an der Neubildung von Staaten beteiligt sind und die Struktur von schwachen Staaten infiltrieren. Internationale Anwälte nennen das "Staatsmafia", um zu beschreiben, wie eine kriminelle Elite langsam ganze Staaten unter ihre Kontrolle bringt. Das Phänomen ist zu beobachten in einigen ehemaligen Staaten der Sowjetunion, in Ex-Jugoslawien, auf dem afrikanischen Kontinent und in Südamerika." (...)


ich bin alleine an dem punkt anderer meinung, wo "demokratie und rechtsstaat" als quasi natürliche widersacher der ok hingestellt werden - die existenz von demokratiesimulationen, wie sie zb. nicht nur hier existieren, zeigt bereits an, wie weit die antisoziale front inzwischen vorgedrungen ist - und sie sind keinesfalls dumm, sondern besitzen strategische und instrumentelle intelligenz, die ihnen ganz nüchtern sagt, dass die form einer pseudo-demokratie immer noch am wirkungsvollsten ist, wenn es darum geht, ihren begriff von "freiheit" - die fiktive freiheit eines tumors, eines virus, eines killers - mit allerlei tricks und manipulationen vielfältig beschädigten menschen als erstrebenswertes ziel einzureden.

ohne weiteren kommentar dann noch
dieses:

"Die 1993 vom damaligen Medienunternehmer und nunmehrigen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconis gegründete Mitte-Rechts-Partei Forza Italia ist laut den Aussagen eines Zeugen in einem Mafia-Prozess in Palermo mit der Zustimmung der Cosa Nostra auf Sizilien entstanden. (...)

Erpresst von der Cosa Nostra, habe der italienische Staat jahrelang über einen "Waffenstillstand" mit der Mafia verhandelt. Das Ergebnis dieser Verhandlungen sei die neue Berlusconi-Partei gewesen, die sich angeblich verpflichtet habe, die langjährige Nummer Eins der Mafia, Bernardo Provenzano, nicht zu verhaften und die Haftbedingungen für Mafiosi zu lockern, berichtete Ciancimino." (...)


glaubt diesbezgl. irgendjemand noch an qualitative unterschiede zwischen den staaten? ich nicht. es wird höchste zeit, sich absolut deutlich zu machen, mit wem wir es hier zu tun haben, was u.a. auch bedeutet, sich von einigen liebgewonnenen, aber gerade deshalb lebensgefährlichen illusionen über "demokratische politische prozesse und praktiken" zu verabschieden.

w. zeigt die richtung an: ein urteil des formal "höchsten" gerichts der brd wird einfach nicht akzeptiert. tun wir´s ihm hinsichtlich der anonymen institutionen, kalten mechanismen und tödlichen praktiken in unseren gesellschaften gleich - und hören auf, sie zu akzeptieren.
andi1789 (Gast) - 16. Feb, 11:16

Ideologische Beharrung

Sehen wir in den Äußerungen unseres Außenministers nicht vielmehr den Effekt, dass jetzt, da sich das Scheitern auch der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik abzeichnet, die Ideologie, man könnte auch sagen die Ideologie der Ideologiefreiheit, um so beharrlicher verteidigt wird? Der Tenor in der konservativen Presse ist jedenfalls, der, dass Guido recht hat, sich nur im Ton vergriffen habe. Gut, ich weiß nicht wie die Kommentare im Hauptmedium Fernsehen aussehen, aber ich schätze, sie werden in dieselbe Richtung gehen, dass der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar sei. Doch das konsequente Zu-Ende-Denken dieser These wäre eine Aufforderung an unser erzkapitalistisches Führungspersonal, der sie unter allen Umständen ausweichen werden.

monoma - 16. Feb, 23:17

ich bin mir nicht sicher, ob das wort "ideologie" die innere desolate verfassung dieses gesindels wirklich trifft - aber das werde ich in der nächsten zeit hier noch genauer erläutern.
andi1789 (Gast) - 17. Feb, 16:02

Eigentlich behaupten die Neokonservativen/ Marktradikalen, wie auch immer man sie nennen mag, gar keine Ideologie zu haben, was quasi ihre Ideologie ist. Die These ist doch, dass der Mensch eben "so" sei, eben ein homo oeconomicus durch und durch. Daher kommt überhaupt erst diese absurde Überlegung, dass, wenn nicht mehr genügend Arbeitsplätze da sind, es an fehlenden "Anreizen" zur Arbeitsaufnahme liege. Die Abschaffung jeglicher Unterstützung seitens des Staates wäre dann nur folgerichtig, wenn man gar nichts mehr, zu beißen, hat, ist Betteln sozusagen allokationseffizienter, weil staatliche Bürokratie, dem Bürger wieder nur Geld aus der Hand nehme. Hingegen sei Anstehen an der Suppenküche der Heilsarmee z. B. marktwirtschaftlich effizient, das dort investierte Geld zahlten nämlich Privatleute.

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