Montag, 14. Mai 2012

assoziation: "So werden ... Bürger mit Meinungen konfrontiert, denen sie nicht oder nur schwer ausweichen können" - europa im mai 2012

diesem satz voran geht "Blockaden beeinträchtigen regelmässig die Rechte anderer Menschen", und zu finden ist diese insgesamt ungemein bemerkenswerte aussage auf seite 10 der verbotsverfügung an occupy frankfurt (auf der seite am ende verlinkt). ganz recht, die verfügung an occupy, nicht blockupy. wobei letzteres den grund für die angekündigte "partielle" räumung des ersteren darstellt, aber nicht nur die occupistas vor der ezb gehen davon aus, dass dieses "partiell" am ende durch "dauerhaft" ersetzt werden wird.

über diesen satz in der verbotsbegründung komme ich aber immer wieder ins meditieren. ist damit eigentlich im wörtlichen sinne meinungsfreiheit gemeint, also ein zustand, in dem sich niemand mehr von irgendwelchen meinungen beunruhigen, aufregen, berühren... lassen muss? frisch und frei bei der deutschen bank geschäfte machen - "spekulation mit nahrungsmitteln? davon will ich nichts hören" -, bei bp (bzw. aral) tanken - "deep water horizon? ist das ein neuer science fiction-film?" - und mit monsantos giften den eigenen kleingarten einnebeln - "wie, agent orange? monopolisierung der agrarproduktion? geh mir wech!"

faszinierend. es gibt scheinbar eine art recht auf ignoranz und selbstverblödung? anders kann ich mir diesen satz nicht erklären, weil er anders keinen sinn macht. interessant aber, dass er nur in eine richtung zu gelten scheint - ich fühle mich nämlich bspw. immer dann belästigt und genötigt, wenn ich mich beim einkauf oder am kiosk mal wieder mit irgendwelchen "bild"-schlagzeilen konfrontiert sehe, die irgendwas von faulen griechen verkünden. oder aber die allgegenwärtigen werbewände und litfaßzsäulen in den städten, bei deren anzahl es schwerfällt, den botschaften - "kaufen Sie nur unseren mist!" - irgendwie auszuweichen. man möchte ja nicht ständig mit geschlossenen augen durch die strassen laufen.

warum habe ich bloß das gefühl, dass solche meinungen damit nicht gemeint sind? sondern eben jene, die von z.b. von einer sitzblockade (wobei: im prinzip lässt sich diese neueste innovation deutscher bürokratenhirne eigentlich auf jede demonstration ausweiten) vor einer bank verbreitet werden und deren kunden darauf hinweisen könnten, mit was für einer kriminellen organisation sie gerade im begriff sind, ein geschäft zu machen? würde mich ja interessieren, ob in dem büro des frankfurter ordnungsamts, in dem jener satz ausgebrütet wurde, ein sinnspruch ungefähr der folgenden art an der wand hängt:

"selig sind die einfältigen und profitablen schäfchen in unser aller demokratiesimulation, ihnen gehört das himmelreich des nichtwissens und der willigen selbstaufgabe, das shopping und die neuesten klingeltöne für ihre überwachten handys".

ja-und-amen.

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um diese art der meinungsfreiheit für seine schäflein auch durchzusetzen, greift der freiheitlichdemokratischerechtsstaat [TM] dann natürlich zum ganzen arsenal der verfügbaren schutzmaßnahmen - da wird dann nicht nur
alles verboten, nein, es wird noch mehr verboten - geht nicht gibt´s nicht:

stadtverbotsverfügung blockupy ffm

alle jene, die bei der durchaus eskalierten, aber keinesfalls, wie medial suggeriert, als ganzes die stadt in schutt & asche legenden märzdemonstration in frankfurt in irgendeiner form polizeilich auffällig geworden sind - und das heisst auch, z.b. nur in einer personalienkontrolle gelandet sind, und weder verhaftet noch irgendwie angezeigt wurden -, erhalten in diesen tagen nach den
verfügbaren informationen also ein partielles stadtverbot von mehreren tagen dauer, durchsetzbar sofort gegen androhung von zwangsgeld oder ersatzweise haft.

können Sie sich den medialen rummel vorstellen, den solche maßnahmen hier in den medien produzieren würde, wenn sich derartiges in der ukraine, weißrussland... zutragen würde? (nicht, dass es solches bzw. ähnliches dort nicht geben würde - aber das sind ja schließlich auch undemokratische, ja fast schon autoritäre systeme mit diktatorischen tendenzen - so lernen wir es nicht ganz unberechtigt aus unseren unabhängigen [TM] medien).

aber hier geht es ja um meinungsfreiheit (also die "freiheit", sich nicht mit dem befassen zu müssen, was der eigene "way of life" so anrichtet) und die aufrechterhaltung des ungestörten geschäftsbetriebs - das sind genau genommen schon erstrangige staatsziele, zumindest dann, wenn sich ein staat (und teilweise auch große teile der sedierten bevölkerung) primär als willige(r) büttel der herrschenden ökonomischen "eliten" begreift.

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anderswo wird der letztgenannte zustand gerade klarer - madrid am gestrigen sonntagmorgen, und auch heute morgen sah das dort und in anderen spanischen städten ähnlich aus...




...und noch klarer...

Italiens Regierung berät über Einsatz von Armee:

"Die italienische Regierung berät in dieser Woche über den Einsatz der Armee, um das Rüstungsunternehmen Finmeccanica und die Steuerbehörde Equitalia zu schützen. Beide sind in der jüngsten Zeit Ziele von Anschlägen geworden, was Sorgen über eine Eskalation der politischen Gewalt weckte.

Im krisengeschüttelten Land nehmen gewaltsame Proteste vor allem gegen die Steuerbehörden zu." (...)


...um am ende völlige klarheit zu schaffen:




was da zu sehen ist? das:

"Die Zusammenarbeit militanter Faschisten mit der griechischen Polizei findet immer unverhohlener statt. Beide Seiten versuchen seit der letzten Wahl nicht mehr ihre Zusammenarbeit zu verbergen. Am 09.Mai führten Nazis der Partei "Golden Dawn" und Beamte der YMET eine gemeinsame Operation gegen migrantische Straßenhändler durch.

"Golden Dawn" ist eine faschistische Partei, die bei der Wahl ins Parlament einzog. YMET sind Riot-Bullen, die nicht so kampfstark und gut ausgerüstet sind wie die MAT. YMET wird zum Objektschutz und für Razzien eingesetzt. Bei diesen Razzien in Athen wurden in den letzten Monaten tausende MigrantInnen festgenommen und teilweise in Internierungslager eingeliefert.

Im Zuge dieser Razzien wurde schon oft von einer Zusammenarbeit von Nazis und Polizei berichtet, selten liegen aber so offene Beweise vor wie jetzt.

Der Einsatz wurde auf der Pattission Straße geführt. Eine Busladung YMET rückte zusammen mit ca. 20 unvermummten Faschisten vor. Die migrantischen Straßenhändler stehen immer vor der ASOEE Universität und verkaufen Handys, Uhren und Taschen. Sie kommen vor allem aus Afrika und Pakistan. Die Nazis näherten sich mit Eisenstangen und warfen Steine. StraßenhändlerInnen, StudentInnen und herbeigeeilte GenossInnen verteidigten sich.

Polizei und Nazis nahmen Anlauf von Westen, aus dem Bereich Viktoria Platz; ein Platz der bis vor kurzem stark bevölkert war, inzwischen aber abends aufgrund der Angriffe leer ist. Das schockierende ist die offene Zusammenarbeit am hellichten Tag. (...)

Die griechische Polizei wird übrigens von deutschen Beratern unterstützt. Dies geschieht im Rahmen von FRONTEX und Programmen gegen "Euroanarchisten".


klartext: staatsmacht und faschisten hand in hand gegen jene, die nicht etwa zu den krisenverursachern und -profiteuren gehören, sondern gleich mehrfach zu den losern.

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ohne die situation eins-zu-eins gleichzusetzen, zum schluß eine frage: haben Sie sich jemals gefragt, wie sich die leute so ca. 1931/32 in europa gefühlt haben?
(und nicht nur in europa)

Samstag, 5. Mai 2012

notiz: der mai ist gekommen

blockupy frankfurt

und ich kann mich des eindrucks schon seit längerer zeit nicht erwehren, dass dieser monat in bezug auf vieles, was den weiteren verlauf der fundamentalen systemkrise (der beitrag ist übrigens 2009 geschrieben) beeinflussen wird, eine entscheidende rolle spielen könnte. und in erster linie auffällig wären da zunächst die international zu beobachtenden reaktionen auf die "neuen" oppositionellen bewegungen des letzten jahres - egal, ob sie occupy, democracia real ya! oder sonst wie heissen. der diesjährige mai ist global als neubeginn, fortsetzung und verstärkung der letztjährigen aktivitäten angelegt, und während damals auch das überraschungsmoment eine rolle gespielt hat, reagieren die repressiven apparate jetzt in der einzigen form, die sie kennen und die ihren inhalt ausmacht: mit verboten, druck und (physischer) gewalt.

blockupy frankfurt bspw. stellt einen in d-land selten genug zu beobachtenden versuch dar, nicht nur "neue" und "alte" widerstandsstrukturen hierzulande zusammen zu bringen, sondern auch auf die internationale bzw. europäische krisenchoreografie von oben endlich den startschuss zur lange überfälligen analogen reaktion von unten zu geben. mittelerweile sind bewegungen, organisationen und gruppen aus italien, griechenland, slowenien, spanien, großbritannien, niederlande, belgien... an der europäischen mobilisierung beteiligt, die richtigerweise direkt zu einigen der hauptakteure in sachen "austeritätspolitik" (heisser kandidat für das unwort des jahres) führt: ins frankfurter bankenviertel mit der europäischen zentralbank im mittelpunkt. das gestern von der stadt frankfurt erlassene totalverbot der gesamten aktionstage passt sich nun durchaus den reaktionen anderer staaten auf analoge proteste an und läuft auf das hinaus, was in einer aktuellen petition gegen das verbot so formuliert wird:

(...) "Damit sollen die Proteste gegen eine Krisenpolitik, die tief in das Leben von Millionen Menschen in Europa eingreift, komplett verhindert werden. Das Bündnis plant während der Aktionstage Proteste gegen die Sparpolitik der europäischen Regierungen und der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF und hatte einen Teil davon als Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und demonstrative Versammlungen (Asambleas) demonstrationsrechtlich angemeldet.

Dieses Verbot ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger skandalöser Vorgang und eine offene Verletzung des verfassungsrechtlich garantierten Demonstrationsrechts." (...)


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diese tendenz zum puren administrativen niederschlagen aller proteste, die als nucleus für weiteres dienen könnten, ist in den letzten wochen ebenso in den usa - wo im vorfeld der von occupy usa ausgerufenen aktionen zum ersten mai zb. in new york razzien und hausdurchsuchungen
stattfanden, an denen interessanterweise nicht nur die new yorker polizei, sondern auch das fbi beteiligt war; und während des tages selbst an vielen aktionsorten nicht nur eine massive polizeipräsenz, sondern auch viele größere und kleinere zusammenstöße zwischen demonstrierenden und eben dieser polizei zu verzeichnen waren -, wie auch in der vielleicht deutlichsten art & weise in spanien sichtbar geworden, wo die angekündigten neuen gesetze deutlich auf die bewegung M15 / die indignados zielen:

(...) "Ein (...) im Parlament eingebrachter Gesetzesentwurf sieht drastische Strafen für die Organisatoren gewalttätiger Ausschreitungen vor. Mindestens zwei Jahre Gefängnis will der Politiker des rechten Partido Popular (PP) für Anstiftung zur Störung der öffentlichen Ordnung durch Medien oder soziale Netzwerke durchsetzen. Der Minister warnt vor "Gewalt in großem Ausmaß", die mit "Techniken der Stadtguerilla" organisiert werde.

Auch Blockaden öffentlicher Gebäude sollen unter das neue Gesetz fallen, ebenso "aktiver oder passiver Widerstand gegen die Sicherheitskräfte". Somit würde es der Polizei erleichtert werden, gegen Demonstranten vorzugehen, die sich Räumungsanordnungen widersetzen.

Besonders die Jugendbewegung der "Indignados" (Empörten) hatte im Vorjahr zu friedlichen Platzbesetzungen aufgerufen." (...)


das bedeutet im klartext nichts anderes, als das bereits eine reine - und passive - sitzblockade von mit ihren armen eingehakten menschen künftig mit knast bedroht ist und mittels der juristischen winkelzüge per definition bereits irgendwo im vorfeld des "terrorismus" angesiedelt wird. es blieb dem katalanischen innenminister vorbehalten, die logik hinter diesen deutlich selbst die rudimentärsten mindeststandards der sog. bürgerlichen demokratie aushebelnden maßnahmen in die welt zu tröten:

(...) "Puig betonte, dass die Strafrechtsreform nicht erreichen solle, dass mehr Menschen im Gefängnis landen, sondern dass er darauf hoffe, dass "die Leute mehr Angst vor dem System haben und deshalb nicht mehr so wagemutig sind". (...)

dieser satz ist immerhin von erfreulicher offenheit, macht er doch für alle mit auch nur einem hauch von wahrnehmungsvermögen nicht nur den aktuellen systemstatus (aus der perspektive von oben) deutlich, sondern schafft auch klarheit darüber, wohin die reise (ohne groß zu spekulieren lässt sich hier meiner meinung nach sagen: der gesamten sog. westlichen, bürgerlich-kapitalistischen demokratiesimulationen) hingehen soll. und das dabei angst einmal mehr eine hauptrolle spielt, dürfte nicht nur für die stammleserInnen hier
keine neuigkeit darstellen.

wie sich eine solche innere verfassung dann auf den strassen darstellt, liess sich u.a. am ersten mai in barcelona beobachten - die vermummten und "zivil" gekleideten schlägertrupps aus dem innenministerium sind alleine durch ihre armbinden als amtspersonen erkennbar:




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in diesen zusammenhang gehören gleichfalls die in etlichen ländern zu beobachtenden extrem rechten bis
offen faschistischen bewegungen, die trotz ihrer als-ob-systemfeindlichen rhetorik durch und durch selbst einen teil der strategischen kalküle seitens der "eliten" darstellen, auch wenn das potenzial an psychophysischer destruktivität, welches sie anzapfen und ihm ausdruck verleihen, durchaus eine sozusagen authentische option in größeren bevölkerungsteilen darstellt (dass diese option allerdings auch nicht vom himmel gefallen ist, sollte eine binse sein).

jedenfalls: staatliche repression plus faschistische aggression = "elitäre krisenbewältigung". es scheint, dass sich manchmal geschichtliche tragödien doch wieder als tragödien wiederholen wollen. wenn nicht vorher wirkungsvolle grenzen gezogen werden. und in diesem sinne:

wir sehen uns am
12.mai, und danach in frankfurt.

Dienstag, 1. Mai 2012

gastbeitrag: j. erik mertz "das sympathische weltbild/paradigma" - vorwort und kapitel "erfahrung"

(zu meiner einleitung und den kommentaren dieses beitrags. anmerkung: bitte auch das update vom 03.05. dort beachten!).

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1 Vorwort

Die Moderne kann mit einigem Recht als ein auf Dauer gestellter dynamischer Krisenzustand beschrieben werden. Im Zuge der Globalisierung der Moderne wird diese Dauerkrise zur Weltkrise. Die Globalisierung vollzieht sich als weitgehend verselbständigter, scheinbar unaufhaltsamer Prozeß, der von niemandem mehr verantwortet wird - ganz in der Art eines Naturereignisses bzw. einer Naturkatastrophe.

Diese inhärente Krisenhaftigkeit der Moderne resultiert aus der nach wie vor bestehenden Unklarheit bezüglich der ideologischen Voraussetzungen der Moderne. Anders gesagt: Die Moderne hat die Menschheitsfragen (zumindest der europäischen Tradition), d.h. die Frage nach der Erkenntnis, dem Menschen, dem Sinn usw., für sich - sozusagen für den Hausgebrauch - insgeheim schon endgültig und, wie sich leicht nachweisen läßt, grundsätzlich falsch beantwortet. Die Moderne wäre also aufgrund ihrer unhaltbaren ideologischen Voraussetzungen auf dem Holzweg - auch wenn sie sich im direkten Vergleich mit manchen vormodernen Verhältnissen, wenn wir von den langfristigen Implikationen der Moderne einmal absehen wollen, tatsächlich als das kleinere Übel erweist.

Die vorliegende Abhandlung soll zeigen, daß sich diese Menschheitsfragen sehr wohl in menschlich und wissenschaftlich befriedigender, auch allgemeinverständlicher Weise beantworten lassen, wobei diese neuen Antworten, und das ist entscheidend, die entsprechenden Antworten (ideologischen Voraussetzungen) der Moderne vollständig und endgültig widerlegen. Vor allem: Das Menschenbild der Moderne - der ‚Moderne Mensch‘ - nichtet (negiert) den Menschen, so daß der Prozeß der Moderne in letzter Konsequenz auf die tatsächliche Ver-nichtung des Menschen hinausläuft - warum auch etwas von vornherein nichten, wenn es schlußendlich garnicht ver-nichtet werden soll?

Die inhärente Krisenhaftigkeit der Moderne beruht also auf ihren unhaltbaren, weil realitätswidrigen ideologischen Voraussetzungen. Das hochgradig vorhersehbare Ende der Krise wird dann eintreten, wenn der Prozeß der Moderne seine unhaltbaren ideologischen Voraussetzungen im radikal konstruktivistischen Sinne vollständig verwirklicht hat, d.h. in ein vollständig (restlos) modernisiertes System einmündet, aus dem der Mensch verschwunden sein wird (siehe Menschenbild). Die inzwischen globalisierte Dauerkrise der Moderne resultiert also vornehmlich aus der Tatsache, daß der Mensch, der ja dem Menschenbild der Moderne definitiv nicht entspricht, noch nicht verschwunden ist.


Das falsche Menschenbild der Moderne beschreibt aber, und das ist entscheidend, einen bestimmten system- bzw. modernitätskonformen Menschentypus, nämlich den 'Modernen Menschen', für den es eine reale, wenn auch hochgradig pathologische Entsprechung gibt! Die zunehmend globalisierte Dauerkrise der Moderne resultiert also v.a. aus der Tatsache, daß dieser Neue Mensch, der als designierter Nachfolger des (intakten) Menschen (an sich) fungiert, den Menschen noch nicht vollständig verdrängt hat.

Die vorliegende Abhandlung liefert also eine vollständige, endgültige und überfällige Aufklärung der Moderne, ihrer ideologischen Voraussetzungen und inhärenten Entwicklungstendenzen, was allerdings, wie sich im Zuge der Untersuchung herausgestellt hat, nur von einem sicheren weltanschaulichen Standort aus gelingen kann, der jenseits der Moderne angesiedelt ist - die Moderne kann sich nicht wirklich selbst kritisieren. Diese neue und zugleich uralte (!) Weltanschauung, die erst eine wirkliche Kritik der Moderne ermöglicht, soll hier in ihren Grundzügen dargelegt werden.

2 Erfahrung

Zum Erfahrungsbegriff. Erfahrung ist der lebendige Prozeß des Leibes, der Ich bin, also das Er-leben im eigentlichen Sinne. Der Mensch ist Erfahrungswesen durch und durch: Es ist nichts an oder in Mir, was nicht Erfahrung wäre - Ich bin der Erfahrungsprozeß, der Ich bin. Erfahrung wäre also nur ein anderes Wort für Lebensprozeß.

Wir kennen zwei Grundformen der Erfahrung, nämlich die nicht-nervale und die nervale Erfahrung. Wir kennen weiterhin zwei Grundformen der nervalen Erfahrung, nämlich die sinnlich fundierte halluzinatorische ("geistige") Erfahrung (Vollständige Erfahrung) und die entsinnlichte, d.h. rein halluzinatorische (Defekt-)Erfahrung. Die entsinnlichte, d.h. rein halluzinatorische Erfahrung ist von ihrem Ursprung her Vollständige Erfahrung, die ihres sinnlichen Fundaments endgültig und unwiderbringlich beraubt wurde, also echte Defekterfahrung - daher das nicht nur erkenntnistheoretische Primat der Sinnlichkeit.

Der in sich differenzierte Erfahrungsprozeß, der Ich bin, kann als komplexes System (komplexe lebendige Ganzheit) interagierender Erfahrungsprozesse aufgefaßt werden, das seinerseits mit seiner direkten Umwelt fortlaufend und ununterbrechbar interagiert, eine Umwelt, die v.a. auch andere 'Erfahrungssysteme' (Leben) und insbesondere andere Menschen enthält, was sich anhand der Pränatalen Konstellation veranschaulichen läßt:

Die Schwangere fungiert als exklusive Umwelt und primäre Sozialisationsinstanz ihres Kindes - die erste Umwelt der werdenden Person ist die leibliche Mutter, also ebenfalls Person (Ich, Mensch): Person-in-Person. Die erste Umwelt des 'Erfahrungssystems Mensch' (Ich) ist ein anderes 'Erfahrungssystem Mensch' (Du): Das 'Erfahrungssystem Mensch' ist ausgerichtet auf die Beziehung zu einem anderen 'Erfahrungssystem Mensch' - das Primäre Wir steht für das nicht nur erkenntnistheoretische Primat des Mitmenschlichen.

Das Nicht-in-Beziehungsein wäre also eine nachrangige Option des Beziehungswesens Mensch. Das Soziale entsteht also nicht etwa durch die nachträgliche Assoziation von irgendwelchen asozialen (individuellen) Urelementen - es ist, ganz im Gegenteil, das Asoziale (Individuelle) ein defizitäres oder defektes Zerfallsprodukt des Sozialen.

Eine Hauptfunktion der Erfahrung besteht in der aktiven Repräsentation, d.h. Interpretation von Veränderungen (der Erfahrungsprozesse), die sich innerhalb des in sich differenzierten komplexen 'Erfahrungssystems Mensch' selbst ereignen (Binnenbeziehung, sog. Selbstorganisation). Diese Binnenerfahrung interagiert jedoch ihrerseits fortlaufend mit einer sich ständig verändernden Umwelt (Außenbeziehung). Selbstorganisation im eigentlichen Sinne besteht also in der Integration von Außenbeziehung und Binnenbeziehung. Diese Umweltveränderungen werden jedenfalls in zweierlei Weise aktiv repräsentiert, d.h. registriert und zugleich interpretiert:

Erstens, vom nicht-nervalen Erfahrungs-Subsystem (nicht-nervaler Leib), wobei diese Interpretation ihrerseits vom somatosensorischen Erfahrungs-Subsystem interpretiert wird, das auf die nervale Interpretation des nicht-nervalen Erfahrungs-Subystems spezialisiert ist (Somatosensorik) - zweitens, von dem nach außen gerichteten nervalen Erfahrungs-Subsystem (Umweltsensorik), das zwar auf Umweltveränderungen jenseits der Hautgrenze spezialisiert ist, aber auch die ihm zugänglichen (z.B. sichtbaren) eigenleiblichen Erfahrungsprozesse bzw. entsprechenden Erfahrungs-Subsysteme in gleicher Weise von außen (jenseits der Somatosensorik) registrieren bzw. interpretieren kann.

Die Umweltsensorik ist primär somatosensorische Erfahrung, aus der die eigentlich fundamentale eigenleibliche Komponente im gesunden Normalfall erfahrungsmäßig ausgeblendet ist und nur im Störungsfall (sensorische Überbelastung, Erkrankung des Sinnesorgans usw.) erfahrungsmäßig wieder faßbar wird - daher die Illusion des Fernsinnes.

Wir erfahren Umweltveränderungen zunächst und grundsätzlich als eigenleibliche Veränderungen, die wie auch immer mit diesen Umweltveränderungen korrespondieren. Diese Korrespondenz bildet die Grundlage der Wahr-nehmung i.e.S., die ihrerseits die Grundlage der Wahrheit i.e.S. bildet - der Leib als eigentliches Wahrheitssystem!

Unser Erfahrungsbegriff ist so konstruiert, daß wir das Subjekt der Erfahrung von der Erfahrung (dem Erfahrungsprozeß) strikt trennen, daß wir also von einem zunächst gegebenen erfahrungslosen Subjekt ausgehen, dem dann, im zweiten Schritt, Erfahrung zukommt - oder auch nicht. Etwa nach dem Motto: Ich fahre in die Welt, und dabei er-fahre ich etwas - fahre ich nicht, dann er-fahre ich auch nichts. Der primäre Weltbezug unseres Erfahrungsbegriffs: Erfahren heißt, etwas von der Welt dort draußen, jenseits des als erfahrungslos gedachten Erfahrungssubjekts zu erfahren.

Dieses Denkschema (Ich-und-meine-Erfahrung) entspricht dem Schema des psychophysischen Dualismus (Ich-und-mein-Körper): Ein Schema, das ein Besitz- und Verfügungsverhältnis definiert - Ich besitze diese Erfahrung, diesen Körper, und verfüge mehr oder weniger darüber. In beiden Fällen wird ein Subjekt vorausgesetzt, das mit "seiner" Erfahrung bzw. "seinem" Körper nicht identisch ist: Ich (Subjekt) stehe außerhalb "meiner" Erfahrung bzw. "meinem" Körper.

Zunächst und grundsätzlich gilt: Ich bin der Leib, der Ich bin, und eben kein halluzinatorisches Gespenst, das in meinem Gehirn rumort - das allerdings bin Ich unter anderem auch. Das sog. Bewußte Ich ist eine zentralhalluzinatorische Ichformation, also ein zentralnervaler Erfahrungsprozeß, der vom Erfahrenden selbst allein schon deshalb nicht mehr als leiblich-materieller Erfahrungsprozeß erfahren werden kann, weil seine leibliche und mithin materielle Substanz (mit der er identisch ist!), nämlich das Gehirn, zumindest das halluzinatorisch produktive Gehirnareal, somatosensorisch nicht repräsentiert ist - eine Erfahrungslücke von systematischer Bedeutung. Was nämlich sensorisch bzw. somatosensorisch nicht repräsentiert oder nicht repräsentierbar ist, kann vom Erfahrenden selbst nur noch als Nichtleibliches bzw. Immaterielles erfahren werden - daher die ganze Gespensterwelt des sog. Geistigen.

Das fragliche Subjekt, das außerhalb "seiner" Erfahrung und "seines" Körpers steht bzw. erfahrungsmäßig zu stehen scheint, ist zumindest vordergründig identisch mit dem sog. Bewußten Ich (in Vertretung des Zentralhalluzinatorischen Ichsimulators): Der Erfahrungsbegriff, der sich im Schema "Ich-und-meine-Erfahrung" manifestiert, ist der falsche Erfahrungsbegriff des Falschen Ich (Pseudo-Ich), nämlich des Bewußten "Ich" - und eben nicht der wahre Erfahrungsbegriff des Wahren Ich (Real- bzw. Gesamt-Ich), nämlich des (Erfahrungs-)Leibes, der Ich bin.

Außerdem gilt: Alles fließt, alles ist Prozeß - nichts steht fest, weder im Makrokosmos noch im Mikrokosmos oder irgendwo dazwischen (Mesokosmos). Da nichts fest-steht, dürfen wir, streng genommen (erkenntnistheoretisch), auch nichts fest-stellen: Die Feststellung bzw. das Festgestellte überhaupt verfehlt das Nicht-Feststehende als ein grundsätzlich Nicht-Feststellbares. Wir können das Nicht-Feststehende (Alles; Realität) allenfalls so behandeln als ob (!) es ein Feststehendes wäre, ohne daß sich dieses Nicht-Feststehende jemals tatsächlich in ein Feststehendes verwandeln könnte.

Wir stellen fest, daß wir nichts (wirklich) feststellen können, stellen aber zugleich fest, daß wir, weil wir garnicht anders können, von einem Festgestellten ausgehen und feststellen (Feststellungen treffen) müssen und deshalb grundätzlich irren müssen. Die unheilbare Begrenztheit der menschlichen Erkenntnis, die - ausgehend von einem festen (festgestellten) Standort bzw. festen (festgestellten) Erkenntnisgrundlagen - Erkenntnisresultate feststellen will und muß.

Auch Erfahrung ist reiner Prozeß, eben Erfahrungsprozeß, ein Prozeß allerdings, und das ist entscheidend, der offensichtlich Erfahrungsgestalten produzieren kann, die ein Feststehendes darstellen - ein Ding der Unmöglichkeit! Der Prozeß der Erfahrung kann also nicht-prozeßhafte Erfahrungsgestalten hervorbringen, denen alles Prozeßhafte zu fehlen scheint. Das Nicht-Prozeßhafte (Feststehende) wird aus dem Material des allumfassenden Prozeßhaften (Nicht-Feststehenden) quasi hervorskulpturiert, d.h. scheinbar festgestellt: Das Feststehende wäre also ein Prozeß, der erfahrungsmäßig so funktioniert als ob (!) er kein Prozeß mehr wäre - die Macht des erfahrungsmäßigen Scheins (Illusion)! Alles Feststehende ist Illusion.

Kurzum, es gibt offenbar einen Erfahrungsprozeß, der das Unmögliche möglich macht, d.h. die ununterbrechbare Bewegung der Welt in sich zum Stillstand bringt, wenn auch nur scheinbar, nämlich die Halluzination ("Geist"), die eine eigenständige Scheinwelt konstituiert, eine "Realität" Zweiter Ordnung, die das in der Realität ("Erster Ordnung") Unmögliche doch noch möglich macht, wenn auch nur auf der Als-ob-Ebene. Zu diesen qua Halluzination („Geist“) scheinbar ermöglichten Unmöglichkeiten zählt v.a. auch das Feststehende, und zu diesem Feststehenden v.a. das sog. Bewußte Ich, das wie ein Fels aus dem Meer der Erfahrungsprozesse herauszuragen scheint. Das sog. Bewußte Ich als ein Feststehendes ist aber ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir, vertreten durch das Bewußte "Ich", ertragen die Vorstellung nicht, daß wir selbst ganz und gar Prozeß bzw. Erfahrungsprozeß sein könnten - diese Vorstellung unterminiert nämlich unseren scheinbar festen (tatsächlich: scheinbar festgestellten) Stand-punkt in der Welt: Wir könnten ja, so unsere durchaus realistische (!) Urangst, vom Meer des Erfahrungs- und mithin Weltprozesses überwältigt und einfach weggespült werden ("Chaos"). Die mythische Grundgleichung "Chaos = Weltuntergang":

Unsere Ordnungsbemühungen (Beachtung des Kultes usw.) bestätigen und garantieren die Ordnung der Welt (des Kosmos) und damit den Bestand der Welt, die zwar als eine mythisch geordnete vorgestellt wird, aber ins stets drohende Chaos versinken kann (der Himmel stürzt ein usw.), sobald wir nämlich mit unseren eigenen Ordnungsbemühungen nachlassen. Unsere Bemühungen um Erkenntnis gehen unmittelbar aus unseren mythischen Ordnungsbemühungen hervor: Auch die Erkenntnis erweist sich letztendlich als Ordnungsaufgabe - und die sog. moderne Wissenschaft als postmythischer Pseudomythos.

Zu den genannten Unmöglichkeiten, die in der (halluzinatorischen Schein-)"Realität" Zweiter Ordnung möglich werden, zählt eben auch jene Erfahrung, die nicht mehr als Erfahrung erfahren wird bzw. erfahren werden kann und somit außerhalb der Erfahrung zu stehen scheint, um dann von dort aus auf die Erfahrung quasi zurückzublicken und einzuwirken: Das 'erfahrungslose Subjekt (Ich)'. Dieses 'erfahrungslose Subjekt' dürfte (vordergründig) identisch sein mit einer zentralhalluzinatorischen Ichformation, dem sog. Bewußten Ich, das sogar außerhalb des bewußten Erfahrungprozesses zu stehen scheint, über den es mehr oder weniger zu verfügen scheint.

Tatsächlich dürfte es sich eher so verhalten, daß der sich entfaltende Bewußtseinsprozeß, etwa beim Aufwachen, das Bewußte "Ich" aufruft, und nicht umgekehrt - dann allerdings übernimmt das Bewußte "Ich", nachdem es sich als ein quasi Feststehendes (stabile Erfahrungsstruktur bzw. Instanz des scheinbar nicht-prozeßhaften Typs) etabliert hat, die Regie über den bewußten Erfahrungprozeß, aus dem es soeben hervorgegangen ist, und zwar von einer erfahrungsmäßig stabilen (festgestellten) Position aus, die außerhalb des Bewußtseinsprozesses zu stehen scheint:

Das Bewußte "Ich" steht fest, und außerhalb dieses Feststehenden läuft der (nicht-feststehende) Bewußtseinsprozeß ab - v.a. auch als vom Bewußten "Ich" generierte bzw. initiierte bewußte Aktion: Diese 'Bewegung aus dem Stillstand' (- ein Ding der Unmöglichkeit!) wäre also eine Spezialität dieses 'Unbewegten Bewegers'!

Ein anderes Ding der Unmöglichkeit wäre der ausdehnungslose Punkt, der nur in der halluzinatorischen "Realität" Zweiter Ordnung existiert und allenfalls auf die Realität ("Erster Ordnung") jenseits der "Realität" II.O. projiziert werden kann. Die bewußte "Ich"-Erfahrung scheint erfahrungsmäßig von einem derartigen Punkt auszugehen, einem Zentralen "Ich"-Punkt, der nachträglich (schwache und fragile, weil sekundäre Zuordnung) ins Schädelzentrum - mittig hinter dem Augenpaar - des konstruierten (nicht somatosensorisch fundierten) Körperschemas projiziert wird, sich unter pathologischen Bedingungen (Psychose) jedoch projektiv vervielfältigen und somit als Projekt an beliebigen Orten des konstruierten Körper- bzw. Weltschemas auftauchen kann.

Dieser ausdehnungslose Zentrale "Ich"-Punkt ist jedenfalls der eigentliche, auch erkenntnistheoretische Stand-Ort des Bewußten "Ich". Der ausdehnungslose Punkt ist aber kein Ort im eigentlichen Sinne, weshalb die Erkenntnisperspektive des Bewußten "Ich" nicht im eigentlichen Sinne verortet ist ('view from nowhere'). Ein Ding der Unmöglichkeit wäre demzufolge auch der (konstruierte) Raum, der sich aus dem ausdehnungslosen Raumpunkt entfaltet, oder etwa die (konstruierte) Zeit, die sich entlang des Zeitpfeils auf beiden Seiten des ausdehnungslosen Zeitpunkts der Gegenwart erstreckt - die radikal konstruktivistische Raumzeit des Bewußten "Ich".

Grundsätzlich gilt: Was nicht in unserer Erfahrung (repräsentiert) ist, ist (existiert) für uns nicht. Die Welt einschließlich meiner Person (Ich) existiert für mich nur insofern als sie in meiner Erfahrung (repräsentiert) ist.

Die "geistige", d.h. halluzinatorische Erfahrung, etwa die des logisch-mathematischen Typs, ist zunächst und grundsätzlich Erfahrung wie alle sonstige Erfahrung auch (Radikaler Antilogizismus): Die wissenschaftliche Psychologie entscheidet über die (auch wissenschaftliche) Bedeutung bzw. Funktion der logisch-mathematischen Primärhalluzination - und nicht umgekehrt!

Es gibt, für uns, keine Tatsachen jenseits der Erfahrungstatsachen: Alle Tatsachen sind Erfahrungstatsachen! Auch die Spekulation über Tatsachen jenseits der Erfahrungstatsachen ist eine Erfahrungstatsache, nämlich eine Erfahrungstatsache des halluzinatorischen Typs, die ihrerseits in der Erfahrung repräsentiert ist, sonst wüßten wir ja nichts davon - Radikaler Empirismus. Auch die logisch-mathematische Primärhalluzination ist eine Erfahrungstatsache, die zunächst und grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich der wissenschaftlichen Psychologie fällt - Radikaler Psychologismus.

Alle Halluzination ist asoziale (individuelle) Privathalluzination, die wir nicht wirklich miteinander teilen können - jeder halluziniert immer nur für sich alleine. Auch die nachträgliche Entäußerung und verabredungsgemäße Vergesellschaftung bestimmter Halluzinationen (Logik usw.) mittels externalisierter Symbol- bzw. Protokollsysteme ändert nichts am unzerstörbar privaten bzw. asozialen Charakter der Halluzination: Das einheitliche Protokoll täuscht eine Sozialität der Privathalluzination vor, die so nicht gegeben und auch garnicht möglich ist.

Allerdings wirkt die erfolgreiche gesellschaftliche Durchsetzung eines einheitlichen Protokolls (via Praxis, Erziehung) auf die individuelle halluzinatorische Produktion zurück, die sich dem jeweils geltenden bzw. praktizierten Protokoll mehr oder weniger anpaßt. Beispiele: Der authentische Rechenprozeß des lebendigen Gehirns kann sich der maschinellen Rechensimulation bzw. dem maschinellen Rechenideal angleichen - in etwa so, wie sich der authentische Sehvorgang dem maschinellen "Blick" der Kamera bzw. dem von ihr produzierten „Idealbild“ angleicht.

Das “Innere (Zyklopen-)Auge" der Imagination (visuellen Halluzination) sieht in Wirklichkeit nichts, ist also blind - die Imagination simuliert lediglich den authentischen Sehvorgang, wenn auch in überzeugender, bisweilen überwältigender und quasi superrealer Manier (Superreale Simulation). Dieses Pseudo-Sehen ist wohl an jedem authentischen (vollständigen) Sehvorgang wesentlich beteiligt – entfällt diese simulative Komponente, dann hätten wir es mit einem Sehvorgang zu tun, bei dem visuelle Wahrnehmung tatsächlich stattfindet ohne daß wir diese Wahrnehmung jedoch als Wahrnehmung erfahren.

Eine Hauptfunktion der Halluzination: Die rein halluzinatorische Simulation des in der Realität ("Erster Ordnung") beheimateten leiblich-materiellen, primär sinnlich vermittelten Real-Subjekts, also des (Sympathischen Mit-)Leibes, der Ich bin. Der erfahrungsmäßig verborgene Zentralhalluzinatorische Ichsimulator bzw. seine prominenteste Manifestation, das sog. Bewußte Ich, agiert hier innerhalb der "Realität" Zweiter Ordnung so als ob (!) es Ich wäre und zeigt dabei ein quasi-subjektives Eigenleben - "quasi-subjektiv" v.a. auch deshalb, weil es als ein Quasi-Feststehendes seine "subjektiven" Bewegungen, anders als das Real-Ich, als 'Bewegung aus dem Stillstand' vollführt ('Unbewegter Beweger'), was ja ein Ding der Unmöglichkeit ist, weshalb das Bewußte "Ich" kein wirkliches Subjekt sein kann (auch deshalb: Falsches Ich).

Die reale Bewegung ist immer 'Bewegung aus der Bewegung', weil die Realität des Weltprozesses keinen Stillstand kennt.

Der Stillstand, der sich in der kritisch reflektierten sinnlich vermittelten Realität ("Erster Ordnung") als ein Ding der Unmöglichkeit herausstellt, wäre also konstitutiv für die halluzinatorische "Realität" Zweiter Ordnung an und für sich, die insofern eine unheilbar realitätswidrige "Gegenrealität" darstellt, welche zumindest vordergründig vom Bewußten und mithin (inhärent) Objektiven "Ich“ agiert wird, das seinerseits als realitätswidriges (pseudosubjektives) "Gegen-Ich" fungiert. Beim Menschen jedenfalls hat sich diese "Gegenrealität" vom Funktionsganzen vollständig und unumkehrbar abgespalten und verselbständigt.

Erfahrung ist, für uns, immer nur menschliche Erfahrung. Die nicht-menschliche (tierische) Erfahrung existiert für uns nur insofern als sie in der menschlichen Erfahrung (repräsentiert) ist, nachdem sie also in die spezifischen Kategorien der menschlichen Erfahrung übersetzt, d.h. gründlich vermenschlicht (anthropomorphisiert) worden ist. Der unvermeidliche Anthropomorphismus der Erfahrung bedingt eine ebenso unvermeidliche Anthropozentrik der Erfahrung - Radikaler Anthropozentrismus: Der Mensch ist das Maß aller (Erfahrungs-)Dinge!

***

(fortsetzung folgt am ersten juni 2012)

einleitung (und kommentarmöglichkeit) zu den gastbeiträgen von j. erik mertz [update]

es ist vielleicht ganz passend, dass es hier nach der vermutlich längsten – und nicht geplanten - pause in der bloggeschichte mit dem start der beitragsreihe eines gastes weitergeht, dessen arbeit und denken letztlich ganz entscheidend mit zur existenz dieses blogs beigetragen haben, incl. des titelgebenden als-ob. wenn Sie einen blick in die literaturliste rechts unten werfen, sehen Sie dort den titel „borderline – weder tot noch lebendig“ von j. erik mertz. dieses buch, über das ich irgendwann in der zeit von 2001/2002 eher zufällig gestolpert bin, hat in gewisser weise mein denken (und fühlen) zu vielen fundamentalen fragen revolutioniert – nicht alleine und nicht kritiklos, aber es zählt neben einigen anderen arbeiten, die dort unten ebenfalls aufgeführt sind, bis heute zu meinen „essentials“, wenn ich mich daran versuche, mich, die mitmenschen und letztlich auch „die welt“ in all unseren – leider meist erbärmlichen – zuständen besser begreifen zu wollen.

ich möchte hier nicht die für mich wesentlichen teile der ansätze von j.e. mertz ausführlich wiederholen; in den inzwischen fast sieben jahren mit diversen blogbeiträgen habe ich die für mich wichtigsten einsichten und anregungen aus dem buch in diversen kontexten dargestellt. stammleserInnen werden sie vermutlich eh zum größten teil kennen; für alle anderen, die thematisch interessiert sind, verlinke ich nochmals die wichtigsten beiträge, die nicht umsonst mehrheitlich in der rubrik „basis“ zu finden sind:
subjektivität vs. objektivität, autismus, borderline, "als-ob-persönlichkeiten".

der eine oder die andere wird sich vielleicht an einen kommentar hier vor einigen wochen erinnern (der aufgrund einer eigentlich nicht zur veröffentlichung gedachten mailaddresse wieder gelöscht wurde), dessen absender zu meiner nicht geringen überraschung tatsächlich j. erik mertz gewesen ist. im darauf folgenden mailkontakt schlug mir herr mertz dann ein projekt vor, welches nach einigen beiderseitigen überlegungen konkreter wurde und (ab) heute öffentlich wird:
  • die auf der basis veröffentlichter und unveröffentlichter texte von herrn mertz entstandene arbeit „das sympathetische weltbild/paradigma“ wird hier ab heute kapitelweise zu jedem ersten eines monats mit zeitlicher begrenzung zu lesen sein.
  • zeitliche begrenzung bedeutet, dass jedes kapitel nach einem monat wieder gelöscht werden und durch das folgende ersetzt wird.
  • um die jeweiligen kommentare dazu nicht ebenfalls ins digitale nirvana zu versenken, wird dieser beitrag hier dazu dienen, sie zu sammeln – ich werde erstmal beobachten, wie stark die kommentierung sein wird und gegebenenfalls eine zweite möglichkeit schaffen. unter den beiträgen selbst ist keine kommentierung möglich.
  • die veröffentlichung läuft explizit in der rubrik „gastbeiträge“, was u.a. auch bedeutet, dass ich keinerlei verantwortung für diese texte habe, sondern diese alleine bei herr mertz liegt.
  • ebenfalls bleiben natürlich alle rechte bei herr mertz.
die texte werden von mir unverändert, so wie ich sie bekomme, hier veröffentlicht. lediglich einige formatierungen für das blog werden von mir vorgenommen.

*

um transparenter zu machen, was Sie im einzelnen in dieser reihe in den nächsten monaten erwartet, gibt es nun einen überblick zu den einzelnen kapiteln:

Das Sympathische Weltbild/Paradigma
Von der wissenschaftlichen Neubegründung einer uralten Weltanschauung zur Wiederherstellung der ursprünglichen Einheit von Menschlichkeit und Wissenschaft (Die Einheitswissenschaft) - Der Radikale Humanismus nach J.E.Mertz als Grundriß einer psychologisch begründeten 'Theorie über Alles'

1 Vorwort
Die Moderne als permanenter Krisenzustand: Der Mensch als eigentliches Modernisierungshindernis (Die Abschaffung des Menschen)

2 Erfahrung
Am Anfang war...die Erfahrung! Alle Tatsachen sind Erfahrungstatsachen

3 Psychologie
Die Erfahrungswissenschaft von der menschlichen Erfahrung:
Heimliche 'Königin der Wissenschaften'

4 Erkenntnis
Von der Wirklichkeit der Erfahrung zur Erfahrung der Wirklichkeit:
Seinsordnung und Ordnungsvorstellung (Erkenntnis als Ordnungsaufgabe)

5 Mensch
Der Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch...
Reine Unnatur: Das postevolutionäre Kulturwesen Mensch

6 Kultur
Kampf der Zwei Kulturen (Kultur und technische Unkultur).
Eine Kurzgeschichte der menschlichen Kultur und ihres Scheiterns

7 Sinn
Menschsein unter unmenschlichen Bedingungen.
Eine endgültige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens

8 Nachwort
Der wissenschaftliche Diskurs ist der menschliche Diskurs -
die Teilnahmebedingungen (Der Authentische Diskurs)

*

wer sich bereits mit seinen ansätzen beschäftigt hat und/oder gar das (lange vergriffene) buch gelesen hat, wird vermutlich einige bekannte themen entdecken. tatsächlich werden nach meinem verständnis in den kapiteln etliche ansätze aus „borderline...“ konkreter behandelt und sozusagen auf ihre jeweiligen kerne zugespitzt. dennoch ist die kenntnis des buchinhaltes aus meiner sicht nicht unbedingt eine vorbedingung, um die texte zu verstehen, auch wenn sie es vermutlich leichter macht. ebenfalls sollte sich niemand von den abstraktionsebenen sowie der vielleicht ungewohnten sprache bzw. logik abschrecken lassen – schon das buch war etwas, was nach meinem eindruck tatsächlich erarbeitet werden musste, um am ende mit einer ganzen flut von aha!-erlebnissen dazusitzen. ich könnte dazu jetzt noch etliches schreiben, würde aber vorschlagen, dass Sie sich einfach soweit wie möglich auf die argumentationen einlassen und sie in ruhe betrachten. einen thematischen aspekt möchte ich aber doch noch herausheben, gerade im hinblick auf das angesammelte material für bisher ungeschriebene beiträge hier in der letzten zeit: es geht aus meiner perspektive bei dieser arbeit ständig um ganz fundamentale (und fatale!) entwicklungen, die mit der heutigen krisenkaskade nicht nur untrennbar zusammenhängen, sondern sie sogar in einem erweiterten sinn überhaupt erst verständlich machen. in diesem sinne ist der erste mai als datum, an dem heute weltweit (hoffentlich!) ein neuer zyklus des widerstands beginnt, ebenfalls sehr passend.

zum schluß: ob sich herr mertz direkt zu kommentaren (oder direkten fragen an ihn) äussern wird, kann ich schlicht und einfach nicht sagen. an dem punkt lasse ich mich ebenso überraschen wie Sie. und nun direkt zum
vorwort und dem kapitel "erfahrung".

*

edit am 03.05.: eine kleine, wenn auch nicht ganz unwesentliche, korrektur - hinsichtlich der überschrift des hier öffentlich gemachten textes (zu dem übrigens noch angefügt werden sollte, dass es sich um einen entwurf handelt), hat sich die eine oder der andere vielleicht schon gedanken zum nicht unbedingt sehr gebräuchlichen begriff "sympathetisch" gemacht - durch ein missverständnis bei der textübermittlung ist das ursprüngliche "sympathisch" dadurch ersetzt worden. sorry dafür. ich habe die überschrif(ten) entsprechend geändert; in der url des ersten textteiles lasse ich die erste version aber drinnen, weil sonst die bereits vorhandenen links zum beitrag unbrauchbar werden.

Dienstag, 20. März 2012

linktipp: krisennews in anderer form (und an anderer stelle)

einige leserInnen haben sie damals sehr geschätzt: die reihe "krisennews", die es vom herbst 2008 bis ende 2009 hier im blog mit ihren "spezial"-ausgaben zusammen auf über vierzig folgen brachte (und als eine art unvollständiger chronologie zu der - von heute aus gesehen - ersten offenen phase der globalen systemkrise, die damals als bankenkrise in die öffentliche wahrnehmung eindrang, finde ich die beiträge auch heute noch aufschlussreich. als beispiel sei auf die news von 2009 verwiesen.)

schon damals ging einiges an informationen wegen zeit- und anderen problemen flöten; und ich habe mir besonders in den letzten beiden jahren immer wieder überlegt, die reihe weiterzuführen, was allerdings die anderen, mir gleichfalls wichtigen, blogschwerpunkte zu stark in hintertreffen geraten lassen hätte. noch stärker als im jetzigen zustand, der mir nicht gefällt, aber den ich gerade nur begrenzt ändern kann.

mittlerweile aber hat sich durch meine aktivität bei "echte demokratie jetzt" eher zwanglos eine art fortsetzung der damaligen arbeit ergeben, mit einigen vorteilen, aber auch änderungen: erstens trage ich die recherchen nicht mehr nur alleine; zweitens ergibt die gleich vorgestellte form der informationen in einer anderen art und weise interessante einblicke. und um das gemeinte einfach deutlich werden zu lassen, hier der link:


infothreads im forum von echte demokratie jetzt! bremen

wir haben für diesen bereich, wie faktisch auch den rest des forums, eine ganze zeit das gleiche prinzip angewendet: zugang erhält, wer uns direkt - sei es vom wöchentlichen plenum, sei es von aktionen - persönlich bekannt ist. bei den infothreads hingegen gab es schon längere zeit eine diskussion darüber, sie aus diversen gründen öffentlich zu machen - ich kann hier meine nennen: die spezifische form der struktur - angeordnet nach ländern - macht erstens sehr gut chronologische entwicklungen nachvollziehbar und lässt zweitens vergleiche zu (betrachten Sie als beispiel einmal die infos zu ungarn, rumänien und irland), die bei der sonstigen zerstreuung dieser informationen nur schwer zu ziehen sind. drittens aber fehlt meines wissens bis heute eine seite im netz, die wirklich global alle relevanten informationen prüft, zusammenfasst, bündelt und bei bedarf auch kommentiert. über so ein projekt wird nicht nur bei uns nachgedacht, und bis es möglicherweise einmal so weit ist, können solche angebote wie im link als überbrückung genutzt werden. anspruch auf vollständigkeit erheben wir nicht, das könnten wir auch nicht leisten. aber etliches an interessanten informationen können wir schon anbieten, und besonders jenen, die die damaligen krisennews hier vermissen, möchte ich den link als etwas anderes, aber nichts schlechteres, ausdrücklich empfehlen.

(nebenbei lässt sich da auch ein grund für meine derzeitige häufige abwesenheit hier nachvollziehen - aber das ist ein anderes thema).

Samstag, 10. März 2012

notiz: fukushima. war da was? ja, und da IST noch was

vor fast einem jahr hatte ich hier den ersten beitrag zu einer - wie wir heute wissen - der größten katastrophen des atomzeitalters geschrieben. und es wird nicht nur zeit, sich an die damaligen geschehnisse zu erinnern, sondern sich klar zu machen, das die katastrophe noch längst nicht vorbei ist und möglicherweise noch nicht einmal ihren gipfel erreicht hat. das folgende kann ich nur mit einer dringenden seh-empfehlung versehen - zwei teile:





trotz seiner etwas reisserischen aufmachung macht der film nachdrücklich einiges klar:
  • erstens: das akw in fukushima war bereits vor dem 11. märz 2011 in einer verfassung, die mit dem wort "schrottreaktor" noch freundlich beschrieben ist
  • zweitens: ebenfalls noch freundlich ist die wertung "mafiös" für das gezeigte treiben von behördlicher "atomaufsicht", japanischer politik und "tepco". es sieht schwer danach aus, als würde genaueres nachbohren beim "atomdorf" schnell zur yakuza führen, der tatsächlichen (und bestens mit politik und ökonomie verbandelten) japanischen mafia. die dort wie überall anders auf der welt "nur" die reinste inkarnation kapitalistischer und antisozialer maximen darstellt
  • drittens: für den fall eines wie im film erwähnt wahrscheinlichen weiteren schweren bebens innerhalb der nächsten jahre könnte sich auf dem atomaren schrottplatz etwas zutragen, was sich wie ein motiv aus einem billigen sci fi b-movie anhört: eine weitere kernschmelze, diesmal allerdings gleich unter freiem himmel
  • viertens: über das volle ausmaß der nicht nur in japan, sondern auch im pazifik vorhandenen verstrahlung innerhalb des letzten jahres werden wir vermutlich erst etwas in weiterer zukunft erfahren
*

alles in allem ist das thema genauso unerfreulich und bedrückend wie so ziemlich alles andere, was sich derzeit in der welt abspielt. nicht nur die vielzahl von - im wahrsten sinne des wortes - brennpunkten zwingt mich dazu, das stück für stück aufzugreifen; auch bin ich derzeit und die nächsten wochen so von meiner (lohn)arbeit eingespannt, dass es hier auch weiterhin erstmal nur mit größeren abständen weitergeht. aber ich möchte auch den lesern und leserinnen danken, die bei den letzten beiträgen unten bewiesen haben, dass sich das lesen der kommentare in aller regel ebenfalls lohnt - ganz ohne mich ;-) bis demnächst also.

Mittwoch, 15. Februar 2012

notiz: solidarität mit der griechischen bevölkerung! [update]

Wenn in Griechenland Schulkinder im Unterricht vor Hunger umkippen, die Zahl der Obdachlosen explodiert, Eltern ihre Kinder abgeben, weil sie diese nicht mehr ernähren können und bereits 4% der Bevölkerung von Hunger bedroht sind; wenn dazu das Gesundheitswesen kollabiert, die Suizidrate steigt und die Heizkosten unbezahlbar werden, dann sind das bewusst in Kauf genommene Resultate einer Politik, die aufgrund ihrer autoritären und teils offen erpresserischen Durchsetzung von Marktinteressen nicht mehr nur als antidemokratisch gelten, sondern auch als offen antisozial bezeichnet werden muss.

Die unsozialen Bestrebungen der europäischen Regierungen in der Euro- und Finanzkrise entsprechen in keiner Weise den Grundvoraussetzungen eines solidarischen Zusammenlebens auf der Welt.

Wir distanzieren uns von der Art und Weise, wie unter der Federführung der Vertreter von EU-Institutionen die Interessen von Banken und Wirtschaftseliten durchgesetzt werden und die soziale Fürsorge minimiert wird. Zu allen diesen fundamentalen zukunftsrelevanten Entscheidungen gab es weder Wahlen noch ein Referendum. Die Regierungen sind daher zu solchen Maßnahmen nicht legitimiert.

Sonntag Nacht konnten wir Zeugen des bisherigen Höhepunktes einer Entwicklung werden, die uns hier in der Bundesrepublik Deutschland als alternativlose Notwendigkeit verkauft wird:

Während das griechische Parlament das neueste "Sparpaket" noch in der Nacht durchpeitschte um "den Aktienmärkten in Tokyo ein positives Signal zu geben", macht sich auf den Strassen von Athen und in vielen anderen Städten Griechenlands die Wut und Verzweiflung von Hunderttausenden auf drastische Weise Luft.

Generalstreik, Massendemonstrationen, Plünderungen, Straßenschlachten und brennende Innenstädte.
Dies alles spricht nicht nur jedem Gerede vom "Friedensprojekt Europa" Hohn, sondern lässt schlaglichtartig auch einen Blick auf unsere nähere Zukunft zu.

Denn nach Griechenland werden Portugal, Spanien, Italien, Belgien, Irland... folgen. Eine - maßgeblich von der Bundesregierung mitzuverantwortende - Politik, die ihr höchstes Ziel in der Beruhigung der sog. "Märkte" und der ständigen Sorge um "die Banken" sieht. Welche jegliche "Belastung" der besserverdienenden Schichten ablehnt, aber das Kaputtsparen der Renten- und Gesundheitssysteme und die Zerschlagung noch der geringsten sozialen Errungenschaft als Allheilmittel betrachtet.

Diese Art der Politik ist schlicht und einfach ungerecht und führt im Kern zu sozialen Verwerfungen und Konflikten von, in der jüngeren europäischen Geschichte, nicht gekannter Art.

Die drastischen Kürzungen im Sozialbereich, die zu menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen führen, gehen auf Kosten derjenigen, die diese Krisen weder verursacht haben noch für das Scheitern eines ganzen Finanzsystems verantwortlich gemacht werden können. Ihnen gilt unsere volle Solidarität.

Gegen diese scheinbar unaufhaltsamen Auswüchse einer zunehmend imperialistischen, anti-demokratischen und neoliberalen Politik müssen wir gemeinsam Widerstand leisten. Mit Menschlichkeit und offenen Herzen, denn Europa ist mehr als nur ein Wirtschaftsraum: Es ist unser aller Lebens- und Handlungsraum

Lasst uns zusammen diesen Raum zurückerobern, vereint im gemeinschaftlichen Widerstand gegen diejenigen, die uns unsere Lebensgrundlagen streitig machen wollen.

Einen Widerstand, den die Menschen in Griechenland schon lange leben; einen Widerstand, dem wir uns anschließen!

Konkret fordern wir:

• Schluss mit dem Wahnsinn einer "Sparpolitik", die Massenverelendung erzeugt!

• Keine "Rettungspakete" mehr, die alleine Banken und sog. "Investoren" die Taschen füllen!

• Keine weiteren deutschen Rüstungsgeschäfte mehr mit der griechischen Regierung!

• Schluss mit der medialen und offiziellen (aus Parteien und Regierung) Hetze gegen "die faulen Griechen / Südländer"!

• Für sofortige finanzielle und materielle Unterstützung der Notleidenden in Griechenland

• Für echte Demokratie, nicht nur in Griechenland

Σας βλέπουμε. Σας ακούμε. Σας αγκαλιάζουμε.
Wir sehen Euch. Wir hören Euch. Wir umarmen Euch.

Echte Demokratie Jetzt Bremen

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das obige bildet einen teil der nötigen kommentare zur aktuellen situation, und im großen und ganzen kann ich die inhalte nicht nur so unterschreiben, sondern vertrete sie sowohl für mich als auch als beteiligter an edj mit. in zeiten wie diesen gewinnt das das altbackene und vielfach abgenudelte wort "demokratie" einen revolutionären touch, und diese tatsache sagt mehr als vieles andere alles darüber aus, auf welch katastrophalen wegen wir uns mittlerweile befinden.

*

ansonsten: ich habe grad viel zu viel um die ohren, hoffe aber, dass sich das ab märz in bestimmten bereichen beruhigt - und spätestens dann wird hier auch wieder mehr passieren.

*

edit am 17.02.: es gibt für morgen, samstag den 18.02., einen europa- und weltweiten aufruf für solidaritätsaktionen; auch in griechenland selbst dürfte sich wieder einiges an widerstand regen. real democracy now greece hat einen
überblick zu den bisher bekannten und geplanten aktionen.

Mittwoch, 11. Januar 2012

notiz: tja...

...da hatte ich im letzten beitrag etwas verprochen, was ich dann nicht halten konnte - darum und aus weiteren gründen verzichte ich bis auf weiteres auf entsprechende ankündigungen. ich stelle nach ein paar monaten aktivität bei "echte demokratie jetzt" einfach fest, dass mich das zeitlich mehr "fesselt", als ich vorher dachte - zwei dazugekommene wöchentliche termine plus eine steigende zeit im zugehörigen forum neben meiner lohnarbeit lassen die arbeit am blog momentan etwas ins hintertreffen geraten, und dazu trägt dann auch mein immer noch vorhandenes angewiesensein auf öffentliche onlinezugänge sein scherflein bei - wobei: wenn letzteres anders wäre, hätte ich vermutlich schon länger mit den folgen von schlafmangel zu kämpfen...

nichtsdestotrotz wird es hier natürlich weitergehen, wenn auch wahrscheinlich die nächste zeit erstmal in größeren abständen. um Sie zwischenzeitlich trotzdem auf trab zu halten ;-), gibt´s in der folge ein wahres sammelsurium an links, die mir die letzten wochen aufgefallen sind - alles zu themen, die hier schon irgendwo und irgendwann angesprochen wurden und geeignet, um vieles zu vertiefen, aufzufrischen oder auch neu zu betrachten. ich wünsche einige anregende lesestunden!

*

"Konformität - Wem gehört mein Leben?"

gut lesbarer artikel mit einem schwerpunkt der kritik am in dieser gesellschaft verbreiteten begriff der "individualität", die ja nicht nur meiner meinung nach keine ist - jedenfalls keine authentische -, sondern real eher auf vereinzelung hinausläuft, bei der dann mittels gesellschaftlich vorgegebener schablonen mittels konsum individualität simuliert wird.

(...) "Innerhalb bestimmter Vorgaben haben wir unendliche Bewegungsfreiheit. Wir dürfen entscheiden, ob wir blaue, rote oder weiße T-Shirts kaufen. In welcher Disco wir uns abends die Birne zuknallen. Ob wir am Ende unseres Lebens lieber ein traditionelles oder modernes Begräbnis haben wollen – wie uns derzeit die Hamburger U-Bahn-Werbung wieder erinnert. Und was ist mit dem Rest?" (...)

könnte sein, dass die ernsthafte beschäftigung mit dieser frage umstandslos zu depressionen führt.

*

ein zusammenhang, der sich als verdacht schon länger aufdrängt:
"Kinder mit geringerem IQ neigen später eher zum Rassismus:

(...) "Wer als Zehnjähriger in Intelligenztests schlecht abschneidet, pflegt als Erwachsener eher rassistische Vorurteile, berichten Psychologen um Gordon Hodson von der Brock University in Kanada (Psychological Science, online).

Rechts-konservative politische Anschauungen spielten dabei die Rolle als Katalysator, argumentieren die Psychologen: Menschen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten neigten eher politischen Meinungen vom rechten Rand zu, "weil diese Stabilität und Ordnung im psychologischen Sinne bieten". Da diese Ideologien den Erhalt des Status quo betonten, förderten sie Vorurteile gegen andere soziale Gruppen, die diesen vermeintlich gefährdeten. Die Psychologen analysierten Daten aus zwei Langzeitstudien mit etwa 16.000 Briten.

In einer zweiten Studie untersuchten die Psychologen die Einstellung von etwa 250 US-Studenten zur Homosexualität. Je geringer die Fähigkeit der Probanden zu abstraktem Denken war, desto heftiger fiel auch die Ablehnung gegen Homosexuelle aus." (...)


wobei ich sagen muss, dass ich die ergebnisse erstens nicht überraschend finde, zweitens aber die betonung / focussierung auf die primär kognitiven (instrumentell-analytischen) fähigkeiten ihrerseits für einen denkfehler. es wäre aufschlussreicher, wenn hier nicht nur der "intelligenzquotient" beforscht worden wäre, sondern vor allem der jeweilige psychophysische status der probanden in verbindung mit ihrer sozioökonomischen situation. "kognitive defizite" können ( nicht müssen) symptome für traumatische biographien sein; ebenso (und oft genug in verbindung damit) für ökonomische armut, die wiederum stark verdächtig ist, direkt auf die
frühkindliche (hirn-)entwicklung negativ einzuwirken. immer noch ist die etablierte wissenschaft so ziemlich aller bereiche im netz ihrer eigenen dissoziierung ("fachidiotentum") gefangen. würde sie sich darüber hinausentwickeln (einzelne tun das durchaus), müsste sie quasi sofort zu einer analyse der heutigen sozialen verhältnisse kommen, die in ihrer radikalität kaum vorstellbar wäre - es wäre eine vernichtende analyse. ansätze dazu finden sich zaghaft übrigens u.a. in den neurowissenschaften.

*

stichwort dissziation:
"Bin ich viele?" . ein text, der einen ganz brauchbaren überblick zum aktuellen status der diagnose "dissoziative persönlichkeitsstörung" liefert:

(...) "Unter extremer Belastung könne der Mensch Gefühl und Verstand voneinander trennen. Er könne Teile seines Gedächtnisses, seiner Wahrnehmung oder seines Identitätsgefühls von seinem Bewusstsein abspalten. Doch heute seien diese Symptome weniger stark ausgeprägt als früher, zum einen, weil der Umgang mit Missbrauch und Misshandlungen offener geworden ist: "Die Patienten sind eher bereit über solche Erfahrungen zu sprechen, damit gelingt die Integration der abgespaltenen Funktionen leichter." Zum anderen auch, weil Therapeuten heute mehr Erfahrungen mit dissoziativen Störungen haben. (...)

als jemand, der bereits jahrzehntelang mit einem dissoziierten ("multiplen") menschen sehr gut befreundet ist, kann ich sowohl die existenz als auch den teils skandalösen umgang mit diesem phänomen seitens großer teile der medizinischen zunft bestätigen. und es ist typisch, das im gegensatz zu anderen, wesentlich zweifelhafteren diagnostischen modellen gerade dieses regelrecht zur anerkennung durchgekämpft werden musste. zu einer spezifischen und primär körperlichen variante von dissoziationen siehe übrigens
diesen beitrag hier von neulich.

*

das thema mafia - als synonym für eine global verbreitete form hoher strukturierter organisierter kriminalität - gehört ja aus gründen zu den inhaltlichen dauerbrennern hier. und das folgende passt darum nicht nur in den kontext "wirtschaftskrise":
"Mafia ist Italiens solideste Bank":

(...) "Das organisierte Verbrechen kann mit einer Liquidität von 65 Milliarden Euro rechnen, so viel wie kein Geldhaus im Stiefelstaat, geht aus dem Jahresbericht des Kaufleuteverbands Confesercenti hervor. "In dieser Krisenphase ist die Mafia AG die einzige Struktur, die über liquide Mittel für Investitionen verfügt", warnte Confesercenti-Präsident Marco Venturi.

Die Mafia nutze die Krise aus, um immer tiefer in das Wirtschaftssystem in Nord- und Mittelitalien einzudringen. Das organisierte Verbrechen sei Italiens Unternehmen mit dem höchsten Umsatz. Wie aus der Studie hervorgeht, steht die Kriminalität in dem Mittelmeerland mit 140 Milliarden Euro Umsatz für sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der Jahresbericht von Confesercenti nannte illegale Müllentsorgung, Schutzgelderpressung, illegalen Geldverleih, Diebstahl, Betrug und Schmuggel als Hauptgeschäftsbereiche der kriminellen Organisationen.

Die Mafia dringe jedoch auch immer tiefer in den Verkehrs- und Logistikbereich sowie in die Glücksspielbrache und in den Sport ein." (...)


da muss ich dann nochmal ein "tja!" hinterherschieben.

*

vor einigen wochen hatte ich "occupy nigeria!" angekündigt - pläne von gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen gruppen, gegen die streichung der subventionierung von benzin für die bevölkerung dort mittels taktiken und bezugnahme auf die globale occupy-bewegung anzugehen. sie haben sich dort an ihren zeitplan gehalten; seit letzten montag kommt es zu diversen aktionen und teils militanten massenprotesten, die hierzulande fast völlig im medialen rauschen um die islamistischen anschläge in nordnigeria untergehen - darum hier eine mediale ausnahme, weil sich die zustände dort inzwischen in die richtung eines
unerklärten generalstreiks entwickeln:

(...) "Während des landesweiten Streiks in Nigeria gegen die stark gestiegenen Benzinpreise hat die Polizei am Montag nach Gewerkschaftsangaben einen Demonstranten erschossen. Der Vorfall habe sich in der Wirtschaftsmetropole Lagos ereignet, teilte der Vorsitzende des Nigeria Labour Congress (NLC), Abdulwahed Omar, mit. In der nördlichen Stadt Kano gab es laut Rotem Kreuz bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten mindestens 14 Verletzte, davon sieben mit Schusswunden. (...)

Ein AFP-Reporter berichtete aus Kano, die Polizei habe in die Luft geschossen und Tränengas eingesetzt, als tausende Demonstranten versuchten, das Büro des Gouverneurs zu stürmen. Einige Demonstranten setzten zwei Fahrzeuge in Brand und versuchten, das Haus von Zentralbankgouverneur Lamudi Sanusi anzuzünden, wurden aber von der Polizei daran gehindert. (...)

Es wird erwartet, dass nicht nur Angestellte der Ölindustrie, sondern auch Mitarbeiter zahlreicher anderer Branchen die Arbeit niederlegen werden. Der britische Sender BBC berichtete, dass sich unter anderem auch Anwälte und Studenten an den Protesten beteiligen wollten. Wie lange der Streik dauern wird, war zunächst offen. Obwohl der Krisenstaat das größte Öl-Förderland Afrikas ist, leben die meisten Menschen weiter in bitterster Armut." (...)


im prinzip auch ein streik gegen
"shell" (ganz nach unten im beitrag scrollen). die proteste werden übrigens nicht nur in den usa wahrgenommen.

*

überhaupt occupy / democracia real ya!: lassen Sie sich nicht vom abflauen des medialen hypes täuschen - in sehr vielen ländern sind seit dem letzten herbst arbeits- und tragfähige strukturen entstanden, die sich allesamt auf ein turbulentes und womögliches entscheidendes jahr 2012 vorbereiten. ich werde den letztens angekündigten beitrag zu meinen eigenen erfahrungen noch nachreichen; für den moment ist es für leserInnen in diesem land vielleicht am interessantesten, sich jetzt schon mit einigen terminen des frühjahrs vertraut zu machen. ganz nah ist bereits der
15. januar - der kommende sonntag stellt weltweit für die diversen occupy-bewegungen den start ins jahr dar. der 31. märz wurde nicht aus dem occupy-umfeld initiiert, was aber erstens nichts macht und zweitens auch niemanden von der teilnahme abhalten soll und wird. der european day of action against capitalism wird bisher von linken gruppen und basisgewerkschaften aus d-land, griechenland, spanien, polen und österreich getragen und soll die erste - logische -aktion des jahres werden, die die zwar zunehmende und nötige, aber immer noch unzureichende vernetzung des europäischen widerstands gegen die aufdiktierten krisenmaßnahmen bündelt und ausdrückt.

mit ähnlichen intentionen wird gleichzeitig bereits der
15. mai vorbereitet. als zentrales datum der spanischen bewegung "m-15" anlaß für "jubiläumsfeiern" größeren ausmaßes:

"...seit 2011 findet die Krise ihren Widerhall endlich auch in einer Vielzahl von Assambleas und Besetzungen weltweit: Tunis, Kairo, Madrid, Barcelona, Tel Aviv, Athen, New York, Oakland... Seit Monaten belagern Zelte der occupy-Bewegung auch die EZB in Frankfurt. Den Finanzplatz Frankfurt im Visier zu behalten, ist von entscheidender Bedeutung: hier trifft sich die Troika von EZB, IWF und EU-Kommission, hier wird ausgehandelt, was die deutsche Bundesregierung und ihre Verbündeten europaweit durchsetzen wollen.

Deshalb wollen wir mit einer europaweiten Mobilisierung nach Frankfurt ein unübersehbares Zeichen der internationalen Solidarität und des antikapitalistischen Widerstandes setzen. Wir wollen zeigen, dass auch in Deutschland, dem Herzen der Bestie der europäischen Krise, keine Ruhe mehr herrscht. Wir wollen zeigen, dass sich die Bewegungen in Europa nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern den Kampf gegen die Kürzungsdiktate der Troika gemeinsam führen. Wir wollen zeigen, dass handzahmer Protest gegen die sozialen Angriffe nicht ausreichend ist, sondern dass es europaweit massenhaften und entschlossenen Widerstand geben muss.

Deshalb rufen wir zu ungehorsamen Massenaktionen im Mai auf: Machen wir Frankfurt dicht, blockieren wir den Verkehr, die Banken, die ganze Stadt. Unterbrechen wir das Geschäft derer, die uns für ihre Krise in Haft nehmen wollen ..."


occupy usa mobilisiert dazu noch für den 29. februar (doch, den gibt´s dieses jahr) für einen us-weiten aktionstag unter dem motto...


shut down the corporations

shutdown the corporations. es wird also keinerlei große pausen geben, schon deshalb nicht, weil sich trotz solcher (nötigen) internationaler großaktionen die wichtigste arbeit im alltäglichen abspielt, in den camps, virtuellen und realen foren und asambleas der bewegung. aber zu letzterem wie gesagt in einem der nächsten beiträge mehr.

Freitag, 30. Dezember 2011

notiz: zwischenzeiten

ja, ich habe mich etwas rar gemacht die letzten wochen - primär sind´s zeitgründe, dann immer noch das angewiesensein auf fremde onlinezugänge. dazu kommt dann noch ein größeres engagement im (halböffentlichen) forum unseres örtlichen "echte demokratie jetzt"-ablegers. in der nächsten woche jedoch habe ich mehr zeit und raum, um mal zumindest einiges liegengebliebene aus dem dann vergangenen jahr nachzuholen. es war ohne jeden zweifel ein jahr mit diversen zäsuren, und ich würde einiges darum geben, einen zeitsprung von zwölf monaten unternehmen zu können - das nächste jahr muss und wird einige einschneidende entscheidungen zur zukunft dieser welt bringen.

*

für die nächsten tage bietet sich das schauen des folgenden films an:




ich werde in der nächsten woche noch einiges zu meinen eigenen erfahrungen und eindrücken von und mit "occupy / echte demokratie jetzt" schreiben und spare mir deshalb an dieser stelle einen kommentar zum film.

*

und sonst? die indexaktualisierung muss weiter warten; eventuell muss ich das teil für teil in angriff nehmen. da der fehlende zeitraum nun über eineinhalb jahre umfasst, wird das ein hübsches stück arbeit werden. die linkliste(n) werde ich mir ebenfalls noch mal anschauen; es gibt besonders bei den blogs ein paar kandidaten, die nachzutragen wären.

und zum schluß: danke an die leser und leserinnen hier für Ihre / eure aufmerksamkeit und die kommentare. kommen Sie gut rein und rüber.

*

edit: hab noch was vergessen, und zwar zwei links auf interviews, deren themen und auch deren art & weise ich sehr interessant und ansprechend fand, und die sich beide auch für die nächsten tage zur lektüre eignen, weil sie etwas zeit voraussetzen. einmal wäre das
"Es gibt eine quasi-religiöse Sehnsucht der Menschen, etwas Überwältigendes zu erleben" - ein interview über die sich seit ca. mitte der 1990er jahre in europa wahrnehmbar ausbreitenden ayahuasca-"ritualkreise". es ist wahrscheinlich - neben lsd - die überhaupt stärkste bekannte psychoaktive mischung verschiedener pflanzlicher inhaltsstoffe, und hat eine sehr spannende geschichte, wie ich finde. weitere infos finden sich hier. überflüssig zu erwähnen, dass ich den konsum weder empfehle noch verdamme.

und dann wäre da noch ein interview mit zwei dozentInnen der "psychologischen hochschule berlin" zum oberthema
"Warum haben die Menschen psychische Störungen?". beide interviews berühren natürlich inhaltlich an vielen stellen dieses blog und haben auch untereinander etliche verbindungslinien; darum seien sie hier empfohlen.

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Ausnahmezustand III
Mit Verweis auf Blockupy hat Frankfurt heute eine JuSo-Mahnwache...
Mrs. Mop (Gast) - 16. Mai, 13:00
Ausnahmezustand II
"Stadt Frankfurt entlarvt sich selbst - Grundgesetz...
Mrs. Mop (Gast) - 16. Mai, 09:45
Ausnahmezustand
"... ob es den Ordnungsbehörden lieber ist, wenn...
Mrs. Mop (Gast) - 16. Mai, 06:17
anscheinend wird noch...
anscheinend wird noch einem Menge Polizei und Hightech...
Grummel (Gast) - 15. Mai, 13:14
Hmm .. erschreckend aber...
Hmm .. erschreckend aber nicht ungewöhnlich... Anstatt.. .
Grummel (Gast) - 15. Mai, 11:51
30.000 British Cops Join...
Anderswo, nämlich in London, haben sich 30.000...
Mrs. Mop (Gast) - 14. Mai, 23:36
Police and Nazis in joint...
Video- und Bild-Doku dazu: http://blog.occupie dlondon.org/2012/05/11/may -9-police-and-nazis-in-joi nt-operation-against-migra nt-traders-and-anarchists- in-central-athens-in-broad -daylight/
Mrs. Mop (Gast) - 14. Mai, 22:56
zum thema griechische...
...das griechenland-blog: (...) "Bei den Parlamentswahlen...
monoma - 14. Mai, 20:35
ja, allgemeines am rad...
...wie zu hören war, wird auch die müllabfuhr...
monoma - 14. Mai, 20:32
Die Stadt gehört...
Schön auch dieses Statement: „Wir haben...
Mrs. Mop (Gast) - 14. Mai, 19:52

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Zuletzt aktualisiert: 16. Mai, 13:00

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