gestern beim durchblättern der aktuellen taz blieb ich am ende bei einem interview hängen, in dem es um eine neue biographie über den ss-führer heinrich himmler geht - nicht unbedingt ein thema, welches die reste öffentlicher aufmerksamkeit noch groß auf sich zu ziehen vermag. die nazis sind angeblich und anscheinend bis in die letzte ecke be- und erforscht, analysiert und diskutiert worden. und doch war und ist (nicht nur mein) eindruck, seit dem ich mich persönlich für die ns-geschichte interessiere, recht schnell derart, dass hier möglicherweise ein fall von den-wald-vor-lauter-bäumen-nicht-sehen vorliegt - will sagen, dass vor allem das zusammenspiel zwischen persönlichkeitsmerkmalen und historischer wirkung sowohl bei den handelnden akteuren als auch bei der damaligen deutschen bevölkerung entweder zu wenig thematisiert oder aber bisher nicht recht begriffen worden ist.
eine ausnahme innerhalb der ns-forschung ist in der literaturliste rechts in der sidebar zusehen, über die ich früher auch schon einmal geschrieben hatte:"einfach irre", oder was?!?
die neue himmler-biographie des historikers peter longerich lässt sich ebenfalls zumindest teilweise in der im weitesten sinne psychohistorischen tradition verorten, auch und gerade die lebensgeschichtlichen prägungen und einflüsse bei sog. historischen persönlichkeiten zum verständnis heranzuziehen. wie das aussehen kann und wie gleichzeitig die aktuelle dominierenden psychiatrischen / psychologischen ansätze die grenzen des möglichen wissens determinieren, lässt sich gut iminterviewnachvollziehen - auzüge:
(...)"Sie schreiben überraschenderweise, dass Himmler eigentlich kein Bürokrat gewesen ist, sich überall einmengte, alles entscheiden wollte. Wie konnte er dann die Terrorapparate des Nazireichs effektiv leiten?
In der Tat. Himmler war kein Bürokrat. Was Bürokratien auszeichnet, sind doch geregelte Verfahren und Normen, nach denen sich alle Funktionäre in einem Apparat einschließlich der Leitung richten müssen. Es geht um Berechenbarkeit. Sie aber war im Fall Himmlers gerade nicht gegeben. Er nahm sich das Recht, im Einzelfall nach seinem Gutdünken zu entscheiden. Sieht man genauer hin, wird man feststellen, dass die Gesamtstruktur der SS eigentlich ziemlich unübersichtlich war, ja von Himmler bewusst so angelegt wurde. Er hatte seinen umfangreichen persönlichen Stab und regierte hinein, wo er wollte.
In seinen Anfangsjahren als Parteifunktionär war Himmler zwar extrem pedantisch, aber schlecht organisiert. Er verpasste Termine, verschlampte Dokumente, musste ständig erinnert, oft ermahnt werden. Später hat er einen ganz spezifischen Führungsstil entwickelt.
Er kannte die Schwächen seiner Leute, "packte sie beim Schlafittchen". Er hat sie gelobt, bestraft, ihnen dann wieder verziehen. Er hat sie aufgebaut, sie heruntergedrückt. Vieles erinnert an den Erziehungsstil seines Vaters. Es gibt keine Trennung von Privatem und Dienstlichem. Deshalb wäre es ganz falsch, seinen Führungsstil mit dem innerhalb einer militärischen Organisation gleichzusetzen."(...)
die figur von himmler ist eine der unangenehmsten und abstossendsten innerhalb des regimes gewesen, und viele leute assoziieren ihn tatsächlich mit einer gut geölten und effizienten vernichtungsmaschinerie. teilweise ist dazu noch seine merkwürdige begeisterung magische und esoterische strömungen im bewusstsein, und damit hat sich´s dann bei vielen auch (wobei bereits der widerspruch der bilder zwischen effizientem bürokratischem technokrat und schwärmerischen germanenfetischist nicht wieter betrachtet wird).
bei longerich ist nun zunächst oben zu lesen, dass himmler offensichtlich eine gewisse kenntnis der damaligen dominanten persönlichkeitsstrukturen seiner umgebung zugesprochen werden muss, andererseits aber das bild des stumpfen bürokraten in uniform nicht zutreffend ist.
(...)"Sie schreiben, dass Himmler seine persönlichen Lebenserfahrungen als Richtschnur seines Führungsstils genommen hätte. Was haben wir uns konkret darunter vorzustellen?
Nehmen Sie das Beispiel der Heiratsgenehmigungen für SS-Männer. Die Geschichte dieser Genehmigungsverfahren spiegelt auch Himmlers eigene Ehe und ihre Probleme wider. Als er schließlich begann, mit seiner Privatsekretärin eine Zweitehe zu führen, stellt er entsprechende Maximen für seine SS-Leute auf, ermunterte sie nachhaltig, Kinder außerhalb ihrer Ehen zu zeugen, was er selber auch tat.
Oder nehmen Sie seine oft skurrilen Strafmaßnahmen. Zum Beispiel arbeitete Himmler einen zweiseitigen Plan aus, wonach SS-Chargen, die sich nicht um die Verpflegung ihrer Leute kümmerten, für vier Wochen in ein "Haus der schlechten Verpflegung" eingewiesen wurden. Er fügte sogar Rezepte bei. Dann hatte er die Idee, für Leute, die sich nicht um die Insektenplage kümmerten, ein "Fliegenzimmer" einzurichten.
All diese Erziehungsmaßnahmen weisen auf die Erziehung durch seinen Vater zurück, gegen den er übrigens niemals aufbegehrt hat."
spätestens bei diesen aussagen hat´s bei mir geklingelt, und der effekt dürfte sich ähnlich bei leserInnen von alice miller oder lloyd deMause ähnlich einstellen - die "persönlichen lebenserfahrungen" gerade der kindheit als "richtschnur" des eigenen führungsstils bzw. handelns zu nehmen, ist nach meinem verständnis nicht anderes als eine etwas entschärfte umschreibung des psychophysischen funktionsgesetzes von der re-inszenierung eigener traumatisch-biographischer erfahrungen, die umso destruktiver ausfallen, desto mehr die traumatische matrix des eigenen handelns selbst nicht erkannt ist - abgespaltene neuronale netzwerke mit "eingefrorenen" erinnerungen liegen unverarbeitet in der person und können durch geringste trigger, die irgendetwas mit der ursprünglichen situation zu tun haben, aktiviert werden und "übernehmen" dann die aktuellen handlungsmotivationen. so grob skizziert lässt sich der prozeß der traumainduzierten dissoziation umschreiben; bei menschen allerdings, die innerlich in einem bestimmten sinne vernichtet und deshalb auch nicht mehr lebendig in einem gesunden gleichgewicht sind, übernimmt die traumatische matrix das gesamte (rest-)leben - solche leute sind zwar funktionsfähig im sinne des bloßen (biologischen) überlebens, benötigen aber dafür etwas, was sich als eine art inneres stützkorsett beschreiben ließe - die (auswechselbare) orientierung an beliebigen bruchstücken gesellschaftlich verbreiteter ideologien, vorurteilen und kollektiven halluzinationen, die nur eine bedingung erfüllen müssen: nämlich dass sich mit ihnen bzw. durch sie persönliche macht erlangen lässt, die bei derart beschädigten menschen regelmässig dazu dient, die eigenen traumainduizierten erfahrungskomplexe der ohnmacht, scham, angst und wut zu kompensieren in der form, dass das vorhandene terroristische erzeugte bild der eigenen "guten eltern" erhalten werden kann durch die re-inszenierung und das ausagieren der als unerträglich empfundenen und wie sprengstoff wirkenden abgespaltenen erfahrungen.
das dabei sowohl direkt als auch indirekt immer die ganz persönlich erlebten terroristischen angriffe zwanghaft wiederaufgeführt werden, nur diesesmal mit teils vertauschten rollen und anderem personal - das herausgearbeitet zu haben, ist eben u.a. das verdienst der oben genannten autorInnen. und mit einiger wahrscheinlichkeit lässt sich daraus schließen, dass himmler sowohl mit er erwähnten streichung von nahrungsmitteln als auch mit dem arrest in einem zimmer voller fliegen ureigene erfahrungen in klassischer form re-inszeniert hat. zumindest verkürzte essensrationen waren auf jeden fall ein damals noch verbreitetes angriffsmittel gegen das wohlergehen von kindern, während das "fliegenzimmer" eher auf die sadistische phantasie einzelner verweist. himmler wusste jedenfalls von beidem etwas (und wenn´s auch nur durch die miterlebten erfahrungen anderer kinder entstanden sein mag).
und das alles lässt sich inzwischen ganz gut verifizieren für postnatale traumata. ob das in dieser form aber auch für pränatale gilt? gerade bei jemandem wie himmler stellt sich diese frage:
Sie haben zur Persönlichkeit Himmlers Diskussionsrunden mit Psychotherapeuten und Psychoanalytikern durchgeführt. Was waren die Ergebnisse dieser nicht gerade alltäglichen Forschungsmethode?
Historiker machen ständig Anleihen bei anderen Disziplinen, denken Sie etwa an das Verfassungsrecht oder die Volkswirtschaft. Ich wollte in diesem Falle natürlich keine Ferndiagnose, sondern Aufklärung über die Persönlichkeit, soweit das Material sie hergab. Wir machten je eine Runde mit Familienanalytikern in Hamburg und eine in Köln mit Therapeuten, die normalerweise unter anderem Naziopfer mit psychischen Spätfolgen therapieren. Die Hamburger Analytiker legten den Befund Bindungsschwäche nahe, in der Kölner Runde war von Affekt- und Emotionsvermeidung als Strategie Himmlers die Rede. Mir waren es Hinweise, die ich dann, als ich mich in die betreffende Literatur vertiefte, bestätigt fand."(...)
das nenne ich mal erfreuliche gelebte wissenschaftliche interdisziplinität - eine art der forschung, die gerade bei historikern immer noch sehr wenig verbreitet ist. aber lassen sich die genannten befunde nicht auch anders interpretieren?
bindungsschwäche = beziehungsunfähigkeit
affekt- und emotionsvermeidung = grundsätzlicher defekt an affekt- und gefühlswahrnehmung bzw. den psychophysischen grundlagen dieser wahrnehmungsfähigkeit
das wären dann interpretationen, die über die klassischen psychotraumatologischen implikationen hinausweisen würden, und zwar in jene richtung von exterm destruktiven störungen, die hier im blog unter soziopathie bzw- als-ob-persönlichkeiten diskutiertweren und die nach heutigem stand eher dem pränatalen spektrum zugerechnet werden müssen. und auch weitere hinweise aus der forschungsarbeit von longerich liefern indizien in diese richtung:
(...)"Vor allem nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs nimmt die Drohung vor der "asiatischen Barbarei", vor den Horden aus dem Osten, einen immer größeren Raum in Himmlers Denken ein. Wie vereinbart sich dieser "Antiasiatismus" mit dem nazistischen Judenhass?
Der weltanschauliche Gehalt von Texten Himmlers entzieht sich einer anspruchsvollen Exegese. Seine Ideologie ist eher robust zu nennen. Seine Äußerungen sind oft situationsgebunden, haben eine taktische Funktion. Himmlers Grundmodell lautet: Die guten, germanischen kämpfen gegen die bösen, asiatischen Kräfte. Himmler entscheidet jeweils, wer wo steht. Die Juden sind natürlich asiatisch/vorderasiatisch. Aber auch Jesus Christus ist Vorderasiat, und damit gerät das gesamte Christentum in Verdacht. Aber als es an der Ostfront nicht mehr so gut lief, dachte Himmler sich - und sagte es auch vor SS-Führern: Vielleicht sind Lenin und Stalin im Grunde ja Germanen, Nachkömmlinge von übrig gebliebenen germanischen Splittern im asiatischen Erbbrei. Sie sehen: Der Germanenbegriff ist bei Himmler sehr auslegungsfähig.
Wie kommt es, dass Himmler nicht in Händel mit dem Chefideologen der Partei, Alfred Rosenberg, geriet?
Rosenberg hat sich mit seinem "Mythos des 20. Jahrhunderts" in schriftlicher Form festgelegt, ein Werk übrigens, mit dem Himmler sich nie gründlich auseinandergesetzt hat. Selbst Hitler hat ja bekannt, es nie gelesen zu haben. Himmler kam es vielmehr darauf an, durch Rituale, heilige Orte, durch einen streng überwachten Verhaltenskodex etwa Ideologie zu praktizieren.(...)
Himmler kann Niederlagen gegenüber Rivalen erstaunlich gut wegstecken. Nicht aufgeben, weiter an sich arbeiten, also das Resultat väterlicher Erziehungsarbeit.(...)
Mit der Zeit entwickelt er, der sich in der NSDAP zunächst reichlich tollpatschig verhielt, zudem ein beachtlich politisches Geschick, wusste, wie man verhandelt, wie und mit welchen Mitteln man Leute überredet. Nach außen gelang es ihm, die SS wie einen Block erscheinen zu lassen. Nach innen wirkte er stark integrierend, verhinderte, dass ihm irgendeine Entwicklung aus dem Ruder lief.
Also doch mehr als der bloße Vollstrecker?
Zunächst sind wir versucht, bei Himmler an die gängigen Klischees zu denken - der Bürokrat, der Hühnerzüchter, der lächerlich wirkende Schwächling, der wild gewordene deutsche Oberlehrertyp. Was dabei vor allem unterschätzt wird, war seine Fähigkeit, die gesamten repressiven Organisationen, über die er gebot, auf die sich verändernde Lage und auf die jeweils neuen Aufgaben einzurichten.
Mag sein, dass ihn Intellektuelle wie Best dabei unterstützten. Aber diese Fähigkeit, jeweils angepasste Organsationsmodelle zu entwerfen, innerhalb deren die einzelnen Funktionen aufeinander abgestimmt waren - das war seine Stärke. Dabei beachtete er stets den politischen Zusammenhang, entwickelte politische Stichworte und Parolen gemäß den jeweiligen Erfordernissen."
longerich entwickelt das bild eines krassen oppurtunisten, und das ist ein begriff, dessen eigentliche und mögliche bedeutung ich schon im beitrag zu denals-ob-persönlichkeitenversucht hatte zu definieren: es ist keine "falschheit" im authentischen sinne gemeint, sondern die strategien und taktiken einer sich ständig im objektivistischen (überlebens-)modus befindlichen person beim versuch, macht und kontrolle zu behalten. und bei diesem vorhaben gibt es keine authentischen überzeugen, sondern nur das psychophysische diktat einer grundsätzlich gestörten inneren struktur, die deshalb qualitativ ganz anders organisiert ist bzw. sein muss.
auf den punkt bringt das longerich in dieser aussage:
"Natürlich stimmt es, dass er seinen privaten Spinnereien nachhing, aber er war umsichtig genug, das, was vielleicht der Führung nicht genehm war, aus seiner Arbeit in der Öffentlichkeit herauszuhalten. Mit einem Wort: Er war in erster Linie Politiker, er strebte nach Macht und achtete darauf, dass seine Ideologie und sein Machtverlangen nicht in Widerspruch gerieten."(...)
*also, ein antisozialer auf jeden fall - aber einer mit einer authentischen, traumatisch verzerrten und beschädigten biographie? oder doch einer mit grundsätzlich simulativer und deshalb soziopathischer "qualität"? die beantwortung dieser fragen ist beileibe kein rein intellektuelles spielchen, sondern impliziert grundsätzlich verschiedene handlungsgebote im umgang mit destruktiven menschen dieses kalibers. ich vermute übrigens, dass auch soziopathen dem gesetz der re-inszenierung unterworfen sind - aber mit anderen ausdrucksformen und einem anderen funktionsprinzip dahinter.
1. don´t believe the hype - und das beste fazit, welches mir bisher unter die augen gekommen ist, hat heute die taz in ihrer "verboten"-kolumne auf seite 1:
"Guten Tag, meine Damen und Herren!
verboten war zu müde, um in der US-Wahlnacht noch das Ergebnis abzuwarten. Als verboten am Mittwochmorgen dann aber die Vorhänge zu einer neuen Welt beiseiteschob, da bot sich ein bezauberndes Bild: Die Sonne strahlte, die Luft duftete nach Rosenöl, wildfremde Menschen lagen sich lachend in den Armen, die Bullen halfen den Pennern über die Straße, Roland Koch war endgültig weg vom Fenster, Kampfhunde leckten schwanzwedelnd Kleinkindern die Gesichter ab, die Dealer verteilten Gratis-Joints, das Ozonloch hatte sich geschlossen, Busfahrer warteten lächelnd auf ihre Fahrgäste, alle Stinke-Autos hatten sich über Nacht in Öko-Kühlschränke verwandelt, die Bäume trieben frische Knospen aus.
Dann klingelte der Wecker."
2. auch nicht verkehrt ist es, sich immer wieder über den grundsätzlichen charakter dersimulation namens wahlenklar zu werden:
"Das `Sakrament´ der Mehrheitswahl ist Teil des demokratischen Mythos. Alle paar Jahre `pilgern´ die Wähler zur Wahlurne und wählen sich mit Stimmenmehrheit eine politische Führung. Der geheime Wahlvorgang ist das heiligste Ritual der Demokraten. Anarchisten waren schon immer der Ansicht, daß dies kein echtes Anzeichen für Freiheit ist. Die Wahl von Regierenden durch Stimmenmehrheit ist eher (...) ein Trick, durch den der einzelne Wähler glauben gemacht wird, er hätte die Situation unter Kontrolle. Tatsächlich kann sich der Wähler jedoch nur für die Kandidaten einer vorher schon selektierten Gruppe entscheiden, und es gibt niemals eine Wahl zwischen Vertretern wirklich gegensätzlicher Ideologien. Der Unterschied zwischen den großen Parteien, die eine Chance haben, Wahlsieger zu werden, ist in einem westlichen Land nicht größer als der Unterschied zwischen den rivalisierenden Fraktionen innerhalb der kommunistischen Partei der Sowjetunion oder der Volksrepublik China. Niemand kann ernsthaft behaupten, daß irgendein ideologisch-philosophischer oder anderer dauerhaft traditioneller Unterschied beispielsweise zwischen den großen Parteien in den Vereinigten Staaten oder in Kanada besteht. Außerdem sollten sich die Wähler daran erinnern, daß sie Personen wählen, die für sie eine Aufgabe übernehmen sollen, daß es aber keine Garantie dafür gibt, daß diese Delegierten ihr Anliegen auch tatsächlich vertreten. Die Aufgabe der Gewählten besteht vor allem darin, Gehorsam mit Gewalt zu erzwingen. Repräsentanten in öffentliche Ämter wählen zu können heißt, eine begrenzte Wahlmöglichkeit darüber zu haben, wer uns unterdrückt.(...)
Wir bekommen oft zu hören: Wenn du nicht wählst, hast du auch kein Recht, dich zu beschweren. Ein solches Argument geht von der falschen Annahme aus, daß eine Wahl wirkliche Alternativen bietet. Und es unterstellt diesem Vorgang fälschlicherweise auch eine Rechtmäßigkeit, die ihm nicht zukommt: ein Mensch wird aufgefordert, Autorität an eine willkürlich ausgewählte kleine Gruppe abzutreten, d.h. er wird aufgefordert, sich seine eigenen Aufseher zu wählen."
(harold barclay, "völker ohne regierung. eine anthropologie der anarchie". edition schwarze kirschen, libertad verlag, berlin 1985, s. 243 - 245; isbn 3-922226-10-8)
3. die realität, mit der sich obama in seiner position konfrontiert sieht, ist eine desaströse in der weise, dass sich in ihr erstens ein selten gesehener klassenkampf von oben bspw. in gestalt der finanz- und weltwirtschaftskrise manifestiert; zweitens die spezifischen us-probleme eigentlich nur eine art konkursverwaltung - und zwar zu lasten der breiten masse - zulassen, und drittens der spagat zwischen den erwartungen der diversen ethnischen communities, dem big business und den immer noch mächtigen verschiedenen fundamentalistischen religiösen strömungen einer ist, der früher oder später nur misslingen kann. gewählt wurde er meiner meinung nach übrigens genau deswegen, weil er bisher sehr gut damit ausgekommen ist, eine strategie der eigenen person als projektionsfläche zu fahren, in der seitens der verschiedenen fraktionen der us-gesellschaft von genügend menschen ihre eigenen wünsche wiedergespiegelt wurden - aus der perspektive ist die eigenartige inhaltliche schwammigkeit bis zur wahl sehr sinnvoll gewesen, die aber mit der ersten tatsächlichen entscheidung im amt zwangsweise aufgehoben sein wird. dazu kam noch die steilvorlage durch den abgehenden george w. bush, der einen so großen haufen ver- und überdruß erzeugte, das obama diesen treibstoff gar nicht nicht für sich nutzen konnte.
4. die versöhnende attitüde, die bei obama meist lobend konstatiert wird, berücksichtigt nicht die tiefen sozialen spaltungen und auch vielfältigen traumatisch induzierten hasspotenziale, die sich durch die innere struktur des us-systems nicht nur dort, sondern auch weltweit ständig neu bilden. will sagen: jemand, der wirklich etwas qualitativ verändern will, muss neben vielen anderen eigenschaften auch zumindest phasenweise deutlich parteiisch sein auf der seite all derjenigen, deren existenz durch die antisoziale dynamik der herrschenden strukturen tief bedroht ist. das heisst aber auch, dass zwangsläufig gegen mächtige instanzen in front gegangen werden muss - und die innere selektion der herrschenden institutionen sortiert früh genug alle aus, die tatsächlich derartiges im sinn haben mögen.
5. ich sehe allerdings tatsächlich zwei reale und eventuell weitreichende effekte dieser wahl, und die beziehen sich konkret auf die usa: die schwarze mittelklasse hat es in gestalt von obama geschafft, dem strukturell verlogenen "american dream" neues leben einzuhauchen und das gerade in einer ordentlichen krisenphase des kapitalismus, zu dessen mythen das märchen des aufstiegs vom tellerwäscher zum millionär untrennbar gehört, welches gerade in den usa für viele sichtbar de-konstruiert wurde bzw. wird. die delegierung der eigenen potenziellen macht an obama blockiert zu diesem zeitpunkt nötige radikalisierungsprozesse und verschafft speziell den us-amerikanischen "eliten" eine atempause.
6. der zweite effekt ist dann ein - möglicherweise notwendiger - formaler: nämlich die wirkung auf die immer noch auch entlang rassistischer kriterien gespaltene us-gesellschaft. hier liegt vielleicht der einzige positive aspekt der wahl, auch wenn diese wirkung hauptsächlich symbolisch ist. aber selbst das wird ausreichen, um die reaktion - und zwar weltweit - zu produzieren, die einuserbei heise drastisch so ausmalte:
"Meine Meinung: Ob Obama oder McCain, der Unterschied wird nicht so gewaltig sein. Was ich aber an der Wahl von Obama gut finde: Die
ganzen Rassistenschweine, White Power, KuKluxClan etc., für die ist es der Albtraum schlechthin, ein Schwarzer im weißen Haus. Fast so schlimm, als wenn ihre Tochter einen Schwarzen geheiratet hätte. Die werden vor Wut schäumen, der Sabber wird ihnen aus den Mundwinkeln laufen."(...)
und möglicherweise werden in diesen fraktionen bereits die knarren geputzt - es dürfte kaum jemals zuvor so leicht gewesen sein wie in der kommenden zeit, mittels eines einzigen mordes eine bürgerkriegsartige situation in den usa zu provozieren.
andererseits wird das beispiel obama vielleicht in der schwarzen community, aber nicht nur dort, bei vielen menschen einen schub an selbstbewußtsein bringen, der sich an ganz unerwarteten stellen bahn verschaffen könnte und eine art modernisierungsschub der us-gesellschaft in gang bringt. interessant wird jedenfalls sein zu sehen, wie sich obama zu den überproportional hohen raten schwarzer gefangener in den us-knästen verhält; ebenso wie seine postionierung gegenüber der trostlosen entwicklung in den afro-amerikanischen ghettos der us-städte ausfallen wird. sich darauf zu verlassen, dass er als ehemaliger sozialarbeiter in chicago mögliches entsprechendes bewusstsein in handlungen umsetzen will - ob er´s denn könnte, ist eine andere frage - , oder sich tatsächlich primär seiner biographischen prägung in einer nach formaler gleichstellung strebenden schwarzen mittelklasse verhalten wird, und die verelendete schwarze unterklasse als nicht relevant betrachtet, ist zu diesem zeitpunkt nocht nicht abschließend zu beantworten.
7. für den immer pop-artigeren charakter der westlichen demokratiesimulationen bringt er allerdings tatsächlich eine wertvolle persönliche eigenschaft mit, die erstens in so einer form bei einem politiker noch nicht gesehen worden ist, und zweitens in der deutschen sprache nicht zufällig keine adäquate entsprechung besitzt: groove.
was sich in diesem wort ausdrückt, ist schwer zu beschreiben - darum jetzt ein hörbeispiel eines weiteren heroen der schon erwähnten schwarzen mittelklasse, nämlich von marvin gaye:
die eingeblendeten filmschnipsel machen meiner meinung nach auch einiges über das milieu deutlich, in dem obama gearbeitet hat und von dem er geprägt sein dürfte - die schwarzen viertel von chicago, hier einblicke in das leben anfang der 1970er jahre, mit nicht zufälliger betonung auf gottvertrauen und religiösität. was aber nichts daran schmälert, dass marvin gaye ein ganz großer der black music gewesen ist, um keine mißverständnisse aufkommen zu lassen.
jedenfalls dürfte obamas groove eine wesentliche rolle auch für all die jungwählerInnen gespielt haben, die ihn mit ins weiße haus gehoben haben - aber groove ist andererseits auch etwas sehr fragiles und situationsbedingtes, nicht ständig zu haltendes. und das wird wichtig für zukünftige ent-täuschungen werden.
*
edit am 07.11.: wie auch immer man zur künftigen politik obamas steht - und meine skepsis wird beim anblick seiner bisher durchgesickerten personellen auswahl für die neue regierung keineswegs geringer -, die wahnhaften absonderungen rassistischer art hinsichtlich obama sind ohne wenn und aber als das zu begreifen, was sie sind: keinerlei art von kritik, sondern zeugnisse gestörter persönlichkeiten - ob es sich nun um einenquasi-mafiosiohandelt...
(...)"Sagt Silvio Berlusconi zu Dmitri Medwedjew: "Barack Obama ist schön, jung und braun gebrannt" und hat deswegen "alles, um sich mit dir zu verstehen". Was wie ein recht rassistischer Witz klingt, war genau das: ein recht rassistischer Witz, gerissen vom italienischen Ministerpräsidenten beim Besuch in Moskau. Als älterer und erfahrener Politiker würde Berlusconi den jungen und unerfahrenen Neger gern beraten. Seine Anspielung auf die Hautfarbe, ergänzte er, sei "eine absolute Nettigkeit, ein großes Kompliment".
Wer solche Scherze nicht ganz so angebracht fand, beispielsweise die Opposition zu Hause in Rom, den beschied der mehrfach geliftete Medien-Multimillionär: "Wenn die Idioten sich zu Wort melden, dann sind wir verloren. Gott möge uns vor ihnen behüten. Wie kann man ein großes Kompliment so negativ auslegen?", überlieferte der Corriere della Sera - und fügte hinzu: "Wer sich das Zeugnis einer dummen Sau abholen will, für den ist jede Gelegenheit recht. Ich habe es satt, und ich sage, was ich will."
...,der sich derart (nicht das erste mal) um kopf und kragen redet und nebenbei mit seinen worten auch noch einen ordentlichen größenwahn erkennen lässt; oder um einenabgehalferten journalistenin österreich...
(...)"Aber trotzdem, das weiße Amerika, vielleicht ist das ein Rückzug. Vielleicht erleben wir jetzt einen Umbruch. Die alte Gesellschaftsordnung hat basiert auf weiße Gesellschaft mit Sklaven, also Leute hereinholen, wenn sie es haben wollen, auch aus Europa bis hin zur jüdischen Emigration im 2. Weltkrieg. Jetzt sind die Amerikaner vielleicht sich selbst überlassen. Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen. Wenn sie sagen, des ist eine rassistische Bemerkung: richtig, ist gar keine Frage."(...)
...der derlei zeug in der sendung eines öffentlich-rechtlichen senders ablassen darf, dessen institutionelle nicht-reaktion das ganze erste so richtig widerlich werden lässt (andererseits sind solche seiten österreichs auch wieder kein wunder); oder auch beliebige leute wie jenerzeit-leser, der mittels esoterisch verbrämter le(e)hre seine offensichtlichen minderwertigkeitskomplexe damit kompensiert, dass er obama quasi eingemeinden möchte:
"In meinem Buch "Neue Seelenlehre - Sinn des Lebens" habe ich dargestellt, wie Seelenwanderung funktioniert. Obama hat die Seele eines "weißen" Europäers, er stammt aus der Familie seiner "weißen" Mutter, ist also mit seiner Mutter seelisch verwandt."(...)
- es bereitet einfach innere qualen, derartige zurschaustellungen und selbstentblößungen entsetzlicher dummheit und wirrnis, ja eines desolaten inneren zustands wahrnehmen zu müssen. aber vielleicht ist es auch ganz gut, wenn obama jetzt wie wie ein katalysator wirkt, der die ganzen hassenden ressentiments des "weißen" westens ans licht bringt - schöngeredet wurde auch in dieser hinsicht viel zu lange.
und beim stichwort hass auch noch ein nachtrag zu den gestern bereits erwähntenus-rassisten:
(...)"Rund 30.000 Menschen werden in einem Jahr erschossen, in 232 Jahren vier Präsidenten. Einrichtungen, die Anhänger extremistischer Gruppen beobachten, sehen in ihnen eine zunehmende Bedrohung für den künftigen Präsidenten. Allerdings sprechen sie eher von einer Gefahr durch Einzeltäter. Die Dialektik der rechtsextremen Gruppierungen hält sich da nicht zurück: "Freunde, Nachbarn, Brüder und alle Weißen, die Schlacht hat gerade begonnen", schreibt ein Nutzer des Portals stormfront.org, eines Treffpunkts vor allem für US-amerikanische Rassisten. Und Thomas Robb, Direktor der extremistischen "Knights", sprach in der Erwartung eines Sieges Obamas von einem "Krieg zwischen unseren und den anderen Menschen".(...)
bei solchen leuten wäre ich für strikte soziale isolation.
"alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen"
wie zur bestätigung dieser treffenden weisheit tauchten gestern auszüge aus einem bericht auf, der eigentlich erst mitte nächsten monats - und vielleicht nicht ganz zufällig erst nach der us-präsidentenwahl - öffentlich gemacht werden sollte. worum es geht? der jahresbericht der "internationalen energieagentur" (IEA) steht an, und die iea hatte es gestern sehr eilig, kurz nach dem ersten durchsickern der wesentlichen aussagen eine stellungnahme herauszugeben, in der sinnngemäß etwa zu lesen ist, dass ja die zahlen noch vor dem offenen ausbruch der finanzkrise erhoben worden seien und der bericht bis zur offiziellen veröffentlichung darum nochmals "überarbeitet" werden würde. sei´s drum, der geist ist aus der flasche, und bringt etwas zum vorschein, was erstens wie eine bestätigung der von mir neulich zitierten prophezeiung eines jeremy rifkin wirkt, zweitens aber möglicherweise zum endgültigensargnagelder westlich-industriellen zivilisation in der art, wie wir sie (leider) kennen, werden wird:
(...)" Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem Jahresbericht, das Angebot an Öl könnte in den nächsten Jahren knapper werden als bislang gedacht. Derzeit gehe die Produktion auf den Ölfeldern stark zurück, es bestehe Gefahr, dass zu wenig investiert werde, um neue Vorkommen zu erschließen. (...)
Fallende Ölpreise verschärften das Problem, da sie Investitionen unattraktiver machten. Die IEA prognostiziert, dass die Nachfrage in China, Indien und anderen Entwicklungsländern bis 2030 jedes Jahr Investitionen von 360 Mrd. $ erfordern wird. Die Ölfelder der Welt, zum Beispiel in der Nordsee, in Russland oder in Alaska, schrumpfen schneller als bislang angenommen, heißt es in dem Bericht. Ohne Investitionen in die Erschließung neuer Ölquellen betrage der Rückgang 9,1 Prozent jährlich, mit Investitionen nur 6,4 Prozent. Der Rückgang werde aufgrund der nachlassenden Nachfrage vielleicht noch nicht in den nächsten Jahren spürbar werden, aber langfristig seien die Auswirkungen umso größer, wenn wie erwartet weniger investiert wird, sagen Branchenmanager."(...)
was auf den punkt gebracht nichts anderes bedeutet als:
das hochoffizielle eingeständnis der tatsache, dass wirpeak oilentweder schon erreicht haben oder gerade am peak angekommen sind.
lassen Sie sich dabei nicht von der focussierung auf "investitionen" in dem bericht täuschen: die können den fakt der erschöpfung der ressource nicht negieren, sondern die konsequenzen höchsten etwas hinauszögern, und werden dabei auch keinesfalls die ständige verteuerung des immer schwieriger zu fördernden öls aufhalten, ganz im gegenteil. das entscheidende ist in diesen sätzen enthalten:
"Die Ölfelder der Welt, zum Beispiel in der Nordsee, in Russland oder in Alaska, schrumpfen schneller als bislang angenommen, heißt es in dem Bericht. Ohne Investitionen in die Erschließung neuer Ölquellen betrage der Rückgang 9,1 Prozent jährlich, mit Investitionen nur 6,4 Prozent."
ich hatte ja in meinen bisherigen beiträgen zu peak oil immer wieder versucht deutlich zu machen, dass damit noch nicht die totale erschöpfung aller ölvorräte gemeint ist, sondern das allmähliche abflachen der förderung einhergehend mit immer höheren preisen. peak oil, das ende des billigen erdöls.
die zahlen des rückgangs aus dem iea-bericht übertreffen nun selbst die schlimmsten erwartungen derjenigen, die hinsichtlich peak oil eh schonschwarzgesehenhaben. und sie machen gleichfalls nachdrücklich deutlich, dass der aktuell fallende ölpreis tatsächlich nur ein indiz für die beginnende weltwirtschaftskrise darstellt, aber keinesfalls eine grundsätzliche veränderung der situation hinsichtlich des peaks bedeutet.
*
es wird mir ja selbst schon unangenehm, wieder als kassandra auftreten zu müssen - aber wie es aussieht, lässt die realitätkeine wahl :
(...)aber zum thema: in späteren historischen rückblicken könnten die derzeitigen tage des mai 2008 vielleicht als wendepunkt erscheinen, an dem zum ersten mal für größere teile der bevölkerungen der westlichen gesellschaften das wetterleuchten am horizont sichtbar geworden ist, welches den finalen akt ihrer - bzw. unserer - bisherigen "lebens"weise ankündigt. aus der perspektive dieses blogs sind nun (...) fragen in der richtung interessant, was eigentlich passiert, wenn die konsequenzen von peak oil auf eine gesellschaft treffen, die erstens in ihren strukturen weitverbreitete psychophysische zustände ihrer mitglieder abbildet, und von der zweitens viele dieser strukturen und zustände mit einiger plausibilität als pathologisch auch in einem klinischen sinn betrachtet werden müssen. wie werden menschen reagieren, die aufgrund ihrer pathologien bspw. den eigenen konsum - oder auch maß- und wahllosen verbrauch von dingen - zum lebenssinn erhoben haben? was werden diejenigen tun, denen bspw. autos als eine art krücke für das beschädigte ego dienen? wie werden alle jene reagieren, die ein problem mit eigenen und fremden grenzen haben, wenn ihnen durch die endlichkeit einer ressource deutlich und unabwendbar eine existenzielle grenze aufgezeigt wird? nicht umsonst wird der umgang besonders mit erdöl auch als suchtartig begriffen, und nicht umsonst häufen sich gerade in vielen öffentlichen stellungnahmen zu peak oil die metaphern aus der drogentherapie .
und ganz zentral: wie kann eine situation, die eigentlich eine solidarische und kollektive zusammenarbeit in breitestem rahmen verlangt, bewältigt werden, wenn eine mehr oder weniger große zahl von menschen in gesellschaften wie dieser aufgrund vielfältigster (post-)traumatischer und maligner antisozialer einflüsse nicht (mehr) über die psychophysischen voraussetzungen verfügt, um solidarität und kollektivität in einer gesunden form leben zu können?(...)
wie Sie sehen, stellen sich genau die gleichen fragen, die ich die letzten tage auch schon hinsichtlich der globalen wirtschaftskrise formuliert habe - aber nachdem ich heute morgen die einleitenden informationen gelesen hatte, kam mir der gedanke, dass wir jetzt aufgrund der schlichten und kaum mehr zu begreifenden überkomplexität der sich beeinflussenden und eskalierenden krisen auch einfach einen zusammenbruch durch überforderung einbeziehen müssen. anders: das gestern in den letzten krisennews entwickelte bild vom auf den abgrund zurasenden bus wurde verdrängt durch das bild einer fieberhaft herumhuschenden ratte in einer lebendfalle ohne ausweg, die irgendwann letztlich erschöpfungsbedingt aufgibt und umfällt.
*
und vor dem hintergrund erhalten aktuelle schlagzeilen wieAutobauer können auf Milliardenhilfe hoffeneinen fast schon tragikomischen beigeschmack (im verlinkten beitrag ganz unten ist übrigens auch zu lesen, dass die autoindustrie die gunst der stunde nutzen will, um klimaschützende maßnahmen zu kippen - das ist aus deren sicht zwar verständlich, passt aber bestens zum bild der ratte.)
die hektischen aktivitäten der politriege machen jedenfalls für mich deutlich, dass von irgendwelchen globalen planungen (im sinne von verschwörungstheoretischen ansätzen einer "geplanten" (finanz-)krise) keine rede sein kann - selbst wenn sich irgendwelche elitären gruppen diesbezgl. verschworen hätten, so werden sie doch unabwendbar die kontrolle verlieren, da die prozesse, die jetzt laufen bzw. beginnen, viel zu überdimensioniert sind. es geht zusehends mehr nur noch um das aufschieben des zerfalls, um des eigenen machterhalts willens. die leute halbwegs (per lohnarbeit) von den straßen zu halten, das system des sedierenden konsums halbwegs aufrechtzuerhalten - das dürften mehr und mehr die alleinigen ziele der politischen "eliten" werden, um zumindest den eigenen arsch bis zu irgendwelchen wahlen zu retten und ins trockene zu hieven. zum schluß wird denen aus ihrer sicht nur noch die nackte gewalt anscheinend helfen. und genau diese systemimmanente wahrnehmungsreduktion ("kurzsichtigkeit") zusammen mit einflüssen wie der ebenfalls immanenten korruption und dem obligatorischen lobbyismus kann uns am ende allen das genick brechen.
ich weiß, dass personalisierte vergleiche wie der folgende als irgendwie unschicklich gelten, aber trotzdem: mich erinnert das verhalten der "eliten" immer mehr an eine soziopathische person, die es über lange zeit geschafft hat, mittels diversen als-ob-konstrukten, illusionen und erzeugen von virtuellen welten mehr oder weniger ihre gesamte umwelt zu manipulieren, zu kontrollieren und in die irre zu führen. und der jetzt aber aufgrund der unvermeidlichen grundlegenden wahrnehmungsdefekte und -einbußen die restlichen fragmentierenden bezüge zur realität flöten gehen und deren (fiktiv) grenzenloser und prassender lebensstil an die real vorhandenen grenzen aller art stößt, bei parallel zunehmender unfähigkeit, selbst objektivistisch ermittelte grenzen als solche zu erkennen. zwangsläufig beginnen die ganzen schönen konstrukte und virtuellen realitäten mehr und mehr zu kollabieren bei gleichzeitigem wilden bemühen, mittels mehr materiellem aufwand eben diese zusammenbrechenden pseudorealitäten noch irgendwie aufrechtzuerhalten.
das kann natürlich unmöglich funktionieren, wird aber zu einem in die länge gezogenen niedergang mit phasen schmerzhaftester agonie führen.
und das ist am heutigen morgen das szenario, welches ich am meisten fürchte. ich halte es (noch) nicht für unabwendbar, denke aber, dass es diesbezgl. eine art zeitfenster gibt, welches mit zunehmendem fortgang der aktuellen entwicklungen immer kleiner werden wird.
ähnlich wie essomludrüben schreibt, geht es auch mir - eigene versuche, zu verstehen, was da überhaupt geschieht werden von mulmigen gefühlen begleitet und alles wird überlagert von der verwirrung über die auffällige stille und auch des desinteresses in großen teilen der gesellschaft. meine online-zeiten der letzten tage habe ich größtenteils lesend verbracht, und einiges von dem, was mir da aufgefallen ist, möchte ich im folgenden hier festhalten - lose orientiert an meinen sonstigen thematischen schwerpunkten hier.
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und zum einstieg gibt´s gleich mal einen (animierten) film darüber, wie "unser" geldsystem im kern funktioniert bzw. über die frage, wie geld eigentlich erschaffen wird (und vor allem: von wem). ich habe den film neulich eher zufällig entdeckt und finde ihn ganz aufschlußreich, auch wenn ich die zitatmontagen etwas unglücklich finde, weil sie zu sehr anklänge an bestimmte verschwörungstheoretische gedanken auslösen können (was aber nichts an ihrer authentizität ändert). ebenfalls einen weiteren kritikpunkt stellt die zu unterbelichtete rolle des staates beim ganzen prozeß dar. aber trotz dieser mankos macht der film vor allem eines sehr deutlich: auch ohne größere krisen ist das aktuelle geld- und finanzsystem aufgrund der impliziten notwendigkeit zu ständigem wirtschaftswachstum (bekanntlich eine absolute und tatsächlich naturwidrige unmöglichkeit) auf dauer zum untergang verurteilt. in der hinsicht ein echter augenöffner:
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der film macht auch deutlich, warum die mainstreammedien in den letzten tagen sehr häufig auf das themabank runeingegangen sind bzw. im moment viel versuche laufen, mittels medialer beruhigungspillen (eine davon trägt den namen einlagensicherungsfonds ) präventiv auf die "masse der kleinen leute" einzuwirken, doch ja nicht das vertrauen in die banken zu verlieren. tatsächlich ist das meiner meinung nach eine der derzeitigen größten ängste der "eliten" in politik & wirtschaft, zumal sie sehr gut wissen, dass ein allgemeiner bank run tatsächlich das "ende der welt, wie wir sie kennen", bedeuten würde -
(...)"Heute früh noch sei er angerufen worden aus seinem Wahlkreis, sagt einer aus der FDP, kurz bevor er in seinem Fraktionssaal verschwindet. Ein Sparkassenmann habe ihn, seinen Abgeordneten, ermahnt, auf keinen Fall dürfe die Opposition jetzt Stimmung machen gegen die Regierung. „Ein Bank-run“, hat er den Politiker belehrt, dieses Phänomen des Massensturms auf die Bankschalter, weil die Sparer um ihr Geld bangen, ein Bank-run also, bat der Filialleiter seinen Politiker, müsse dringend verhindert werden."(...)
- mit so absolut durchgreifenden folgen jedoch auf jeden vorgeblich "privaten" alltag, dass alles nachfolgende weitestgehend unkalkulierbar werden würde und dann vor allem die derzeitigen psychophysischen strukturen in der mehrheit der menschen mit einiger wahrscheinlichkeit sehr destruktiv durchschlagen würden - massenhafte existenzpanik zusammen mit der suche nach schuldigen ist etwas, was ich nicht unbedingt erleben möchte, auch wenn ein teil in mir sagt, dass das auf einer gewissen ebene nur gerecht wäre - schließlich würden wir dann komprimiert endlich mal ganz real eine lektion darüber erhalten, wie sich die mehrheit der weltbevölkerung so fühlt.
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und wenn man sich so durch die kommentarsektionen verschiedenster medien klickt, so fällt auf, das stimmen wie diese in der letzten woche zugenommen haben:
(...)"Als Konsequenz werde ich diese Woche all meine Ersparnisse von der Bank holen, da diese Krise bewiesen hat, dass man der Regierung und den Banken nichts glauben und vor allem nicht vertrauen kann!"
gut möglich, dass in zeiten des online-bankings auch ein bank run in zunächst recht unspektakulär daherkommenden formen auftritt - nichts zu sehen, bis es plötzlich RUMMMS macht. und das wäre dann nebenbei gesagt auch der bisher krasseste beleg für das, was mancherorts als "digitale kluft" bezeichnet wird - all diejenigen nämlich, die aus was für gründen auch immer nicht die virtuellen welten besuchen (können), wären nämlich in so einer situation die gelackmeierten, weil sie schlicht zu spät kommen würden. in diesem land würde sich das vermutlich in einem staatlichen eingriff manifestieren, etwa in form eines oder mehrererbankenfeiertage(was ein begriff mit unfreiwilliger komik!) oder auch beschränkungen der jeweils abhebbbaren summen. meines wissens sind die verfügbaren maßnahmen hierzulande imkreditwesengesetzfestgelegt, ich lasse mich aber gern auch nicht nur bei diesem aspekt des themas eines anderen belehren.
der zitierte user oben jedenfalls hat meiner meinung im letzten teile seines satzes etwas ausgedrückt, was ich neben den anscheinend "puren" ökonomischen folgen für die tiefgreifendste konsequenz der ganzen sache gerade halte, die noch unabsehbare dimensionen hat - anders ausgedrückt in einem "offiziellen" kommentar:
(...)"Im großen Stil verpfänden sie die künftigen Einkommen ihrer Steuerzahler gegen die Hoffnung, dass irgendwie und irgendwann alles wieder ins Laufen kommt. Das reicht nicht. So richtig es ist, mit allen Mitteln den Zusammenbruch zu verhindern, so zwingend nötig ist es auch, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass nicht wieder diejenigen begünstigt werden, die das Desaster angerichtet haben. Andernfalls wird der Vertrauensverlust ganz schnell auch die Regierenden ereilen und mit ihnen früher oder später auch die Stabilität der Demokratie.
Doch bei dieser Aufgabe haben alle beteiligten Regierungen bisher kläglich versagt. Darum ist das Rettungsprogramm der US-Regierung auch zunächst daran gescheitert, dass viele Abgeordnete ihren Wählern nicht erklären konnten, wie die veranschlagten 700 Milliarden Dollar dereinst aus Bankgewinnen zurück in die Staatskasse fließen sollen. Kaum besser als ihre US-Kollegen agieren auch die deutsche Kanzlerin und ihr Finanzminister. Quasi über Nacht haben sie mehr Geld für eine Bankbürgschaft riskiert, als alle Hartz-IV-Empfänger im ganzen Jahr aus der Bundeskasse erhalten. Aber Frau Merkel hielt es bislang nicht einmal für nötig, diesen Anschlag auf das Geld ihrer Wähler mit einer Rede an die Nation zu erklären, geschweige denn sicherzustellen, dass die Verantwortlichen zur Kasse gebeten werden.
Das kann nicht gut gehen. Entweder die Regierenden stellen sicher, dass die Lasten der Krise halbwegs fair verteilt werden. Oder der Preis für die Rückgewinnung des Vertrauens wird unbezahlbar."
der widerspruch zwischen der relativen ruhe auf den straßen und dem, was sich anstimmenin der virtuellen welt besonders nach dem bereitwilligen quasimilliardengeschenk an die hypo real estate kundgetan hat, ist jedenfalls frappierend - und ich denke, dass in diesen tagen bestimmte formen der inneren spaltung zusammen mit diversen (autoritäts-)ängsten und paranoiden teilen bei vielen menschen ebenso getriggert werden wie elementare formen der wut - und da es ans eingemachte zu gehen droht, werden das besonders frühkindliche arten und relikte von wut sein, die sich bei (anscheinend) erwachsenen menschen besonders verheerend und in einem negativen sinne irrational auszudrücken pflegen. all das sind prozesse, die eine gewisse zeit brauchen, um wahrnehmbar zu werden - aber ich würde Ihnen sehr empfehlen, genau wie ich in den nächsten tagen und wochen beim alltag in der öffentlichkeit mal alle verfügbaren sinne weit aufzumachen, um die ausdrucksarten der kommenden psychosozialen erschütterungen möglichst frühzeitig wahrzunehmen.
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persönlich empfinde ich übrigens wut bei solchen fundsachen wie der folgenden (danke an den tp-user an dieser stelle, der das ausgegraben hat):
(...)"weil ich nicht wirklich mitreden kann, wenn es um das ganz grosse bankenbusiness geht, wollte ich mich ein wenig schlau machen, was
eine "investmentbank" eigentlich ist und was effektiv dahintersteckt.
nun, ich muss mich erst noch etwas intensiver mit der materie auseinandersetzen, bevor ich überhaupt etwas dazu sagen kann, allerdings bin ich schon am anfang meiner hobbyrecherche auf etwas gestossen, was mich direkt ein wenig stutzig macht:
dort findet man unter "wissenschaftliche literatur" den folgenden eintrag:
Investment Banking (Gebundene Ausgabe), hrg. von Heinz-Josef Hockmann (Herausgeber), Friedrich Thießen, Stuttgart
soso, "friedrich thiessen aus stuttgart" also, das ist ja interessant! war da neulich nicht etwas mit diesem besagten herrn? richtig erkannt, nämlich das hier:
tatsächlich ein ganz sauberer herr, dieser professor. nicht nur, dass man das bisherige investmentbankingsystem als eine art von sehr ausgefeiltem quasibetrugsinstrument ansehen kann, worin der thiessen involviert ist - nein, er besitzt auch noch die frechheit, die kosten der raubzüge dieser branche schon mal präventiv unter "wissenschaftlichem" mäntelchen auszulagern auf diejenigen, die eh schon die arschkarte gezogen haben. unter obigen aspekten sowie den den banken bisher hinterhergeschmissenen milliarden an staatlichen geldern bekommt die damalige studie eine noch übleren beigeschmack von testballon als eh schon. es fällt auch schwer zu glauben, dass der zeitliche zusammenhang zwischen erscheinen dieser "studie" sowie der kurz darauf folgenden eskalation der krise nur auf zufall beruht (ebensowenig wie die meldung über die angeblich "gute arbeitsmarktlage",die seit gestern breit gestreut wird - altbekannte statistische tricks in zeiten von mehrfachjobs, niedriglohnarbeitsverhältnissen und etlichen mehr oder weniger sinnlosen "maßnahmen" der arbeitsargenturen für ihr klientel - auch so eine schal schmeckende beruhigungspille, die aber bei vielen womöglich - und hoffentlich! - genau das gegenteil erreicht).
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eine art angstindikator stellt in solchen zeiten wie jetzt auch immer der goldpreis bzw. -handel dar:
"Kleinsparer im Goldrausch: Verunsicherte Anleger stürzen sich auf Münzen und Barren, Fonds und Minenaktien. Münzprägeanstalten ackern sieben Tage die Woche - und kommen trotzdem mit der Produktion nicht hinterher."(...)
diejenigen, die da die goldhändler in trab halten, gehen dabei vielleicht von szenarien aus, wie sie der folgende user in einem wirtschaftsblogkommentar skizziert:
"@Alle,
ich bin sehr sehr pessimistisch und befürchte folgenden Ablauf:
- Rezession und Verarmungen in den USA
- Bürger - Proteste, Ausschreitungen in den USA
- Welthandel ist betroffen, geht nach unten
- Auslastung der dt. Industrie geht nach unten
- Steuereinnahmen gehen nach unten
- Staats-Verschuldung steigt
- Staatliche Leistungen werden gekürzt
- das Volk verliert das Vertrauen
- Randale, Ausschreitungen, Chaos ( Tote )
- Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ( u. a. ) kappen den Euro
- der Zusammenbruch des Euro-Systems
( Währungsreform ? )
Noch nie, seit ich lebe, habe ich von Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsforschern Warnungen in dieser massiven Form gehört oder gelesen. Manche sprechen vom Ende einer Epoche. Mir ist dabei bewusst, daß ich nur ein Bruchteil der Wahrheit erfahre!"(...)
nun, nach meinen bisherigen wahrnehmungen ist von der obigen liste bereits so ca. die hälfte der prognostizierten entwicklungen realität - von den hierzulande bisher kaum wahrgenommenen protesten in den usa (näheres dazu sowie zur bereitstellung von aktiven einheiten der us-army für inlandseinsatz ist im letzten blogbeitrag zu lesen; ansonsten sind die us-amerikanischen seiten vonindymediaempfehlenswert ), bis zu den zunehmend deutlicher werdenden auswirkungen auf die realwirtschaft (was mich als beschäftigter in einem kleinen mittelständischen unternehmen natürlich sowohl besonders interessiert als auch betrifft) - stichwort kreditklemme:
(...)"Kredite verteuern sich, Wirtschaft und Konsumenten fragen weniger nach - angesichts solch trüber Aussichten für die Konjunktur erscheinen Stellenstreichungen auf breiter Front nur eine Frage der Zeit zu sein.
"Wir müssen fest davon ausgehen, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt bis Mitte 2009 deutlich verschärft", sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise rechnet mit steigender Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr.
Die größte Sorge vieler Unternehmen sind die derzeit immer schlechteren Konditionen für ihre Finanzierung. Banken versuchen mit aller Macht die Risiken in ihren Bilanzen zu minimieren und geben sich restriktiv. Am größten ist das Misstrauen unter den Geldhäusern selbst, wie die auf Rekordniveau steigenden Zinssätze am Geldmarkt zeigen. "Und wenn die Banken so sehr darunter leiden, hat das ultimativ dieselben Folgen für Unternehmen", sagt Hellmeyer. "Die Kreditklemme ist da, und sie belastet jetzt die Konjunktur."(...)
und so könnte ich noch stundenlang weiteres zusammentragen, ohne viele entscheidende dinge auch nur erwähnt zu haben - bspw. ist die im hintergrund lauernde (und potenziell krisenverschärfende)peak oil-problematikmomentan nur dadurch verschleiert, dass die beginnende weltwirtschaftskrise auch zu einbrüchen beim ölverbrauch mit folglich sinkenden preisen führt - an der tatsache selbst ändert das allerdings kein stück. und so weiter und so fort. aber mir ging´s hier darum, mal etwas von dem loszuwerden, was nicht nur mich momentan sehr beschäftigt.
(...)"Nur wenige Stunden dauerte der Öl-Krisengipfel im saudi-arabischen Dschidda - die Rezitation von Suren des Korans eingeschlossen. Dass innerhalb dieser kurzen Zeit eines der drängendsten Probleme der Weltwirtschaft gelöst werden könnte, war von vornherein eine Illusion.
Am Ende einigten sich die Vertreter der Ölproduzenten und -verbraucher auf eine wohlklingende, aber substanzlose Erklärung. Auch die Ankündigung Saudi-Arabiens und Kuwaits, die Tagesproduktion um ein paar hunderttausend Fass zu erhöhen, wird den Anstieg des Ölpreises nicht nachhaltig stoppen.(...)
Stattdessen stimmten die Erdölminister in Dschidda die Litanei vom angeblich unheilvollen Wirken der Spekulanten an. Die Opec verbreitet diese These wider besseres Wissen: Im Gegensatz zu Gold und Silber ist die massenhafte Lagerung von Öl viel zu teuer. Ein sehr kostspieliges Unterfangen wäre es beispielsweise auch, Öl wochenlang auf Tankschiffen über die Weltmeere zu kutschieren, nur um es aus spekulativen Interessen vom Markt fernzuhalten.
Bezeichnenderweise ist die hektische Suche der Opec nach einem Sündenbock für den rasanten Preisanstieg ebenso von Angst getrieben wie die nervöse Politik der Abnehmerstaaten. Ihnen sitzt die Furcht im Nacken, dass die Ölvorkommen rascher zur Neige gehen könnten als erwartet.
Ölförderer und Konsumenten pflegen ein Verhältnis wie ein Dealer zu seinem Kunden: Der Rauschgiftverkäufer unternimmt alles, damit der Abnehmer seiner Ware weiterhin an der Nadel hängt. Droht die Versorgung an einer Stelle zu unterbrechen, erfasst die Beteiligten Panik."(...)
(...)"Am heutigen Montag kletterte der Preis für ein Barrel WTI-Öl auf über 136 Dollar. Die Hoffnung auf niedrigere Energiepreise nach dem Krisen-Gipfel in Dschidda ist damit zerstreut. Zwar hatten sich die Golf-Staaten auf dem Öl-Gipfel am Wochenende bereit erklärt, mehr Öl zu fördern. Konkrete Schritte zur unmittelbaren Senkung wurden aber nicht vereinbart.(...)
Die deutsche Wirtschaft ist trotz der hohen Energiepreise noch zuversichtlich: BDI-Präsident Jürgen Thumann rechnet in diesem Jahr nach wie vor mit einem stetigen Konjunkturwachstum, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Industrie (BDI) am heutigen Montag."(...)
(...)"Die meisten Politiker glauben, dass wir Probleme haben, die wir lösen können, und dabei gleichzeitig den Lebensstil der westlichen Welt aufrechterhalten. Das ist reines Wunschdenken."(...)
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht - aber ich bekomme beim wort wachstum mittlerweile spontane reaktionen von ver- und überdruß - "wachstum, wachstum über alles", rief die krebszelle triumphierend, bevor der organismus endgültig kollabierte. in genau der gleichen und leider auch zu erwartenden, logik bewegen sich die dem bekannten pfeifen-im-walde immer ähnlicher werdenden verlautbarungen der politischen & ökonomischen "eliten", wenn es um das thema öl geht. der ausgang des öffentlich zumindest z.t. als eine art "wendepunkt" dargestellten "öl-gipfels" in saudi-arabien - übrigens nebenbei gesagt eines der übelsten religiös-fundamentalistischen regimes des planeten, was den gesamten "demokratischen westen" nicht daran hindert, devote freundlichkeit zu simulieren - stellt ein wahres und kaum verstandenes menetekel dar.
wie im einleitenden ersten kommentar schon gesagt: ergebnisse gab es erwartungsgemäß keine, stattdessen ein erbärmliches allseitiges herumgedruckse um die schlichte tatsache, dass sich die zeit des billigen öls unwiederuflich ihrem ende zuneigt. die als "entlastung" beschworene erhöhung der saudischen förderung war bereits seit längerer zeit sowieso beschlossen, und verpuffte entsprechend in ihrer gedachten wirkung völlig. ansonsten trifft bezgl. der ölfördenden länder und ihrer abnehmer tatsächlich der abschließende vergleich im genannten kommentar am besten zu: dealer und user in gestalt der jeweiligen "eliten" haben weder das interesse noch die fähigkeiten, sich selbst von einem zustand zu verabschieden, der ihnen beiden momentan (noch) den erhalt von macht & profit garantiert.
und wer sich sich bei den ersten beiträgen zum thema schon gefragt hatte, warum ich das in einem blog, welches sich primär mit verschiedenen psychophysischen störungen und ihren gesellschaftlichen auswirkungen beschäftigt, überhaupt aufgreife: im letzten satz oben liegt der grund.
in kürze und sehr grob: davon ausgehend, das die sog. westliche zivilisation (nicht nur sie, aber sie dominiert den planeten) in ihrer basis auf eine jahrtausende alte praxis (zwischen-)menschlicher gewaltausübung mit all den inzwischen bekannten folgen gründet, und sich ebenfalls durch eine alltägliche praxis der bereitstellung von materiellen dingen zur kompensation der benannten folgen vergangener und aktueller gewalt bei ihren untertanen eine historisch bisher unerreichte legitimation erkaufte (eine konsumgesellschaft unseres bisherigen kalibers braucht für ihre existenz primär außen- oder besser dinggeleitete menschen, die in ihrem sein so angegriffen sind, dass die orientierung nicht auf dem eigenen inneren und äußeren authentischen sein liegt, sondern auf ständiger betäubung, ablenkung und identitätskonstruktion durch objektivistische kriterien wie besitz (mehr haben) und hierarchien (macht geliehen bekommen, um sich selbst größer - und sicherer - zu fühlen). wie diese prozesse speziell bezgl. des konsums funktionieren, und was sie für konsequenzen tätigen, hateduardo galeanoin sehr poetischer form vor einiger zeit beschrieben. die durchsetzung des kapitalismus als globale ökonomische form des wirtschaftens ist ohne die aus der bisherigen menschlichen historie folgenden bevorzugt verbreiteten psychophysischen strukturen bei den diese ökonomische form tragenden, tolerierenden und teils bejahenden menschen nicht zu begreifen -übrigens meiner meinung nach das größte manko bei jeder kapitalismuskritik, die sich auf den - zwangsweise - für diesen umstand recht blinden marx bezieht, so zutreffend sie in der funktionsanalyse des abstrakten systems kapitalismus auch sonst sein mag. die vernachlässigung der funktionsgesetze, denen wir als spezies bzw. "unsere" körper kollektiv & individuell unterliegen, und in derem rahmen bspw. auch das spektrum der möglichen reaktionen auf erlebte gewalt bestimmt wird (ohne deren kenntnisse die wesentlichen gesellschaftlichen prozesse bis heute nicht zu verstehen sind), dürfte mit der allererste grund dafür sein, dass bislang keinerlei realistische vision einer anderen und besseren welt von links vorliegt - und experimente wie der "reale sozialismus" übel gescheitert sind.
zurück zum eigentlichen thema: den status der endlichen ressource öl halte ich vor dem obigen hintergrund deswegen für so relevant, weil ohne öl faktisch die industrielle "zivilisation", wie wir sie heute kennen, nicht möglich ist. und wenn dieser schmierstoff der globalen maschinerie zunehmend knapper und teurer wird, muss es zu extremen verwerfungen in allen gesellschaften kommen, die sich dem westlichen "modell" der verdinglichten und konsumorientierten existenz unterworfen haben. die bisherigen öffentlichen reaktionen lassen leider ein düsteres bild bezgl. des umgangs mit den erwähnten verwerfungen entstehen - wie ich es in einem der früheren beiträge schon skizziert hatte, sind bisher hauptsächlich verdrängungsreaktionen verschiedenen ausmaßes zu beobachten:
- einmal die platte variante, deren vertreter sich völlig faktenresistent darauf zurückziehen, dass das öl "noch für jahrhunderte" reichen werde. neben der unzutreffenden behauptung an sich ist vor allem die bereitschaft und der wille bemerkenswert, das öl- bzw. industrielle zeitalter mit all seinen destruktiven implikationen so lange zu verlängern wie möglich - ohne rücksicht auf ökologische & soziale folgen aktuell und in kommenden zeiten. diese - hm, mentalität lässt sich mit guten gründen inzwischen als suizidal bezeichnen.
- öffentlich findet sich aber immer öfter auch das zugeständnis, dass es da vielleicht ein grundsätzliches problem mit der verfügbarkeit des öls geben könnte, aber das sich die folgen - und zwar ohne merkbare konsequenzen für die westliche art des lebens, das ist wichtig! - mittels "technischer innovationen" schnell in den griff bekommen lassen "der fortschritt wird´s schon richten". strukturell ist das zwar eine kompliziertere form der verdrängung, nichtsdestotrotz bleibt sie letzteres. der wille & wunsch zum "einfach so wie bisher weitermachen" wird ergänzt durch den quasireligiösen glauben an die allmächtige macht der technologie, die den fortbestand der kompensationsmaschine sichern soll. irgendwelche grenzen werden auch in dieser variante weder wahrgenommen, geschweige denn akzeptiert.
und unter diesen umständen werden die pessimistischen befürchtungen von dennis meadows als diejenigen erkennbar, denen bis dato der größte realismus zugesprochen werden muss.
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ich habe die letzte zeit darauf verzichtet, hier regelmässige updates zu peak oil zu bringen - die fülle an nachrichten und stellungsnahmen macht das zu einem nicht zu leistenden unterfangen. dazu wäre auch der aspekt zu bedenken, dass sich die diversen aktuellen krisen - öl, lebensmittel, finanz - nur als verzahnte begreifen lassen und sich gegenseitig vielfältig beeinflussen und hochschaukeln. die dynamik dieser prozesse ist inzwischen eine solche, dass es auch bei einer grundsätzlich größeren bewußtheit und bereitschaft zum qualitativen wandel unserer lebensweise schwer vorstellbar erscheint, wie dieser wandel ohne größere destruktive konsequenzen ablaufen könnte. in der jetzigen situation jedoch, mit einer solchen "elite" und mehrheitlich solchen untertanen, die in großem maße dazu unfähig und -willig erscheinen, sich auf andere lebensentwürfe einzulassen - was wie gesagt aus den vorherrschenden psychophysischen dispositionen erklärbar ist - , kann peak oil nur als real werdende dystopie vorstellbar sein.
und das bringt mich dazu, zu sagen: ich habe angst.
ich hätte mir ja denken können, dass der eher spontan entstandene letzte beitragtrauma und musikbei mir selbst einiges in erinnerung gerufen hat rufen wird. ich höre musik sehr stimmungsabhängig, und meine vorlieben für funk, jazz, und die meisten sparten elektronischer musik haben sowohl etwas mit rhytmus zu tun als auch mit den jeweils assoziierten inneren bildern, besonders bei den beiden letzteren stilen. und um solche inneren bilder durchaus unheilvoller art soll es jetzt gehen.
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die bemerkungen im letzten beitrag zu gewissen musikalischen entwicklungen nach den letzten beiden weltkriegen wurden für mich zwischenzeitlich vor dem gedanken als hintergrund immer plausibler, dass sich auch aktuelle musik durchaus selbst als wiederspiegelung aktueller gesellschaftlicher entwicklungen begreifen kann bzw. sogar unter umständen ohne bezug auf diese nicht vollständig begreifen lässt. das mag sich als platitüde lesen, es macht jedoch wie ich finde einen gewaltigen unterschied, ob sich die jeweiligen protagonistInnen über diesen zusammenhang selbst klar sind oder nicht. dann steigen nämlich die chancen dafür - wie bei allen künstlerischen aktivitäten überhaupt -, dass sich auch beim jeweiligen publikum wahrnehmungsprozesse ereignen können, die das potenzial haben, die allgegenwärtigesoziale trancezumindest partiell bewußt zu machen oder gar zeitweise außer kraft zu setzen. und drei musikalische beispiele, die für mich dieses potenzial besitzen, möchte ich im folgenden genauer vorstellen. das es sich dabei allesamt um spielarten elektronisch erzeugter musik handelt, ist für mich absolut kein zufall, ist diese doch bis dato als einzigste in der lage, die komplexe rund um maschinen & virtualität, die schon länger die aktuellen gesellschaftlichen (alp-)träume prägen und beflügeln, akustisch angemessen zu bebildern. was für mich persönlich auch den grund dafür darstellt, dass ich mit gitarrenlastiger musik wie punk - der ja im allgemeinsten sinne als ausdruck von wut & gewalttätigkeit zumindest in der vergangenheit angesehen wurde - nicht viel anfangen kann. solche musik kann schlicht die heutigen entwicklungen der hi-tek-kriege, genmanipulation und mensch-maschinen-phantasien nicht adäquat genug beschreiben.
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als erstes wäre da der dj & produzentcarl craig, der als einer der begründer des detroit-techno gelten kann - eine musik, die typischerweise gleichzeitig i.d.r. basslastig und melancholisch daherkommt und vielen als "klassischer" techno gilt. ebenso begreifen viele diese musik als nicht unabhängig vom ursprungsort verständlich - detroit, einst die us-amerikanische autostadt, ist vom niedergang dieser industrie genauso tiefgreifend gezeichnet zu einem symbol des zusammenbruches alter industrieller strukturen geworden, wie sie einst in ihren blütezeiten (durchaus zweifelhafte) entwicklungen wie das fließband hervorbrachte.
und diese aspekte spielen für leute wie craig bei ihrem schaffen durchaus nicht nur eine nebenrolle, wie er jüngst in eineminterviewnochmal deutlich machte:
(...)"Zum einen vermittelt sich seine Persönlichkeit nicht durch Mysterium, Militanz oder afro-futuristische Erlösungsutopien. Er präsentiert sich mit einer vernünftigen Portion Selbstbewusstsein als Techno-Star und Allround-Musiker.
Zum anderen hält er sich angesichts der Geschichte und des Stadtbilds Detroits nicht lange mit Glorifizierungen auf, sondern geht lieber auf soziale und ökonomische Bedingungen ein, die diesen Ort genau so haben werden lassen.(...)
Die Ruinen der Stadt sind für Craig Mahnmale, etwa eine verlassene Fabrik in der Nähe seines Büros, bei der keine Fensterscheibe mehr heil ist.
"Ich sehe dieses Gebäude jeden Tag. Es stellt für mich die Geschichte von Detroit dar, die Geschichte eines Ortes, der eine blühende Industriestadt war und jetzt eben nicht mehr ist. Solche Ruinen sind Monolithen, aber sie sagen mir in geschichtlicher Hinsicht das Gleiche wie die Trümmer in Rom oder Griechenland: Es geht um das Erinnern einer gewesenen Kultur. Diese Fabrik erzählt von einstiger Größe - und sie ist das Gerippe, das davon übrig blieb."(...)
"Es gibt keine andere Stadt auf der Welt, die wie Detroit ist. Henry Ford hat hier das Fließband erfunden, und dieses Konzept hat Berry Gordy darin beeinflusst, wie er Motown führte. Gordy wollte ohne Unterlass Musik produzieren und sie konstant veröffentlichen, einfach, um immer genug Angebot für die Nachfrage zu haben. Als die Autoproduktion aber zunehmend auf Roboter umstieg, hat das Juan Atkins beeinflusst. Beide waren also im Grunde inspiriert von diesem Ford'schen System. Ich glaube, an einem anderen Ort als Detroit hätte so etwas gar nicht entstehen können: diese Idee, etwas, das im Grunde so kalt ist, durch Musik mit Seele aufzuladen."(...)
ich empfehle, sich dazu unbedingt auch die zugehörigefotostreckezu betrachten.
und der letzte satz von craig oben enthält für mich etwas zentrales: "...diese Idee, etwas, das im Grunde so kalt ist, durch Musik mit Seele aufzuladen." - die idee, industrielle produktionsweisen, die auf die ihnen ausgelieferten menschen (de-)formierend und normierend wirken, in ihrem akustischen ausdruck - das repetitiv-maschinenhafte, was viele beim techno (begründet) so monoton und langweilig, eben wie fließbandarbeit, empfinden -, zu packen, diesen ausdruck zu bearbeiten und gefüllt mit die menschliche emotionalität & körperlichkeit ansprechenden und triggernden tönen zu etwas qualitativ neuem, produktiven zu machen. produktiv in der hinsicht, dass die vormalige mit den zugrundliegenden tönen assoziierte kalte destruktivität zu einem tanzbaren und teils hoch emotionalen geladenen positiven seinszustand verwandelt wird. hören Sie nur einmal einen klassiker von carl craig, "at les":
ich kann mir nicht helfen - ich höre da trauer, unbeeindruckt laufende maschinen, und eine zunehmend unheilvoller und ausweglos werdende atmosphäre - und ich habe das lange vor dem zeitpunkt genauso gehört, an dem ich das erste mal mehr von den hintergründen des detroit-technos erfahren habe. gleichzeitig merke ich den impuls, mich bewegen zu wollen - die transformation des maschinenhaften in menschliche aktion. für mich ein beispiel dafür, wie künstlerische produktionen mit destruktiven gesellschaftlichen realitäten umgehen können.
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wenn Sie ansonsten keinerlei erfahrungen mit elektronischen musiken besitzen und das gerade gehörte vielleicht noch relativ soft empfunden haben, muss ich Sie vorwarnen - die nächsten beiden besprochenen projekte (das trifft es besser als "bands") sind ein etwas anderes kaliber und entziehen sich bis heute eigentlich jeder musikalischen zuordnung, auch wenn sie beide unter dem begriff "industrial" geführt werden, der aber die intentionen der akteure nur sehr ungenau trifft.
als erstes wären da die mir zuerst anfang der 1980er aufgefallenenthrobbing gristle, die unter einem ganz eigenen ansatz arbeiteten:
"Wir sind interessiert an Information, wir sind nicht interessiert an Musik als solcher. Und wir glauben, dass das zentrale Feld der Auseinandersetzung, wenn es ein solches unter Menschen gibt, die Information ist."
um die von ihnen als wichtig erachteten informationen unter die leute zu bringen, war nicht nur ein anderes verständnis von musik, sondern auch neue technische entwicklungen vonnöten:
(...)"Throbbing Gristle nutzten (...) Techniken der musikalischen Avantgarde wie Bandschleifen und extreme Verzerrung; arbeiteten mit elektronischen Geräten (u.a. selbst konstruierten Synthesizern) und erfanden neue Effektgeräte hinzu, die quasi als Vorläufer des Sampling funktionierten.
Sie arbeiteten mit Texten, die beispielsweise den Mord an Sharon Tate und die Grausamkeiten rhodesischer Guerilleros vor einem ruhigen elektronischen Hintergrund detailliert ineinanderwebten („Slug Bait - ICA“); eingespielte Sprachfetzen; die Geschichte eines Mörderpaares (Ian Brady und Myra Hindley), begleitet von monotonen Bassläufen; drastische Publikumsbeleidigungen („Maggot Death - Brighton“) und Soundtracks zu einem Film über eine Vasektomie („After Cease to Exist“). Gerne kokettierten Throbbing Gristle auch mit nationalisozialistischen Elementen, welche sie auch in Videotapes stilisierten. Sie bildeten Fotografien von Konzentrationslagern auf ihren Publikationen ab oder zeigten gebrauchte Zyklon-B-Dosen. Die Gruppe selbst trat später bevorzugt in Militäruniformen auf."(...)
das wort "kokettieren" in diesem zusammenhang finde ich unglücklich, zumal mir aus (print-)interviews mit tg noch in erinnerung ist, dass die erwähnten symboliken eine genau definierte funktion im gesamtkonzept des projektes besaßen. und ein track wie - das online leider anscheinend nicht vorhandene - "zyklon-b zombie", welches auf der vinylsingleversion in einer endlosrille endete, bei der die lagerglocke von auschwitz nicht mehr aufhören will zu klingen, kann nur bei psychophysisch gestörten leuten zu einer positiven empfindung im naziaffinen sinne führen. ich habe selten musik gehört, die derart bedrückend ist (mit einer ausnahme, die gleich folgt).
als repräsentativ darf durchaus das oben erwähnte "slug bait" gelten:
hier gibt es keinerlei positive auflösung mehr, hier werden eher unerträgliche und durchaus als traumatisch zu begreifende realitäten akustisch auf den punkt gebracht. was die zuhörerInnen dazu zwingt, sich entweder zu entziehen - was ein moment sein könnte, der aufklärendes nachdenken über die motivationen des eigenen nicht-ertragen-könnens/wollens befördern kann -, oder aber in der konfrontation mit den tönen das eigene unbehagen konkreter zu erfassen und seine gründen nachzugehen. in beiden fällen wäre die informationsvermittlung im sinne tg´s durchaus als geglückt anzusehen. btw: mir ist schon klar, dass über alles hier vorgestellte noch eine menge mehr und anderes gesagt werden kann bzw. schon ist - aber mir geht es hier primär um den aspekt in der überschrift des beitrages.
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und im sinne der überschrift kommt für mich bis heute das australische projektSPK, mir bekannt aus der gleichen zeit wie tg, dem hörbar gewordenen trauma am nächsten. was vielleicht auch ein gutes stück mit dem biographischen background der frühen mitglieder zu tun hat:
(...)"Die Band wurde 1978 in Sydney von Graeme Revell, der als Pfleger in einer psychiatrischen Klinik arbeitete, Neil Hill, einem Patienten dieser Anstalt, und Sinan, der späteren Frau Graeme Revells, gegründet."(...)
auf der frühen lp "leichenschrei" ist das folgende stück enthalten, welches mir vermutlich viele worte sparen hilft - habe ich oben bei tg von bedrückend geschrieben, so ist "agony of plasma" im geeigneten moment imstande, regelrechte panikgefühle zu erzeugen - und derart einen eindruck zu geben von dem spektrum des menschlichen empfindens, von dem zu viele lieber nichts wissen wollen - ohne zu ahnen, das dieses anliegen mit seiner impliziten ignoranz menschlichen leidens gegenüber sie selbst dem unerwünschten immer näher bringt. hören Sie´s besser nicht, wenn Sie gerade in einem labilen zustand sein sollten:
nachdem ich spk vor jahren das letzte mal gehört habe, muss ich jetzt sagen: das ist vielleicht der angemessenste musikalische kommentar zu unseren heutigen zeiten, der denkbar ist.
es ist heiß. es ist schon seit dem frühen morgen heiß. sehr heiß. das denken ist träge, und wird noch träger, wenn ich mir den gesammelten haufen material anschaue, den ich mir für´s blog in den letzten tagen angelegt habe. unlustgefühle bei der wahrnehmung all des kranken krams, der nach strukturierung ruft. unlustgefühle, die noch größer werden, wenn ich mich an die letzte nacht erinnere, die ich nach langer zeit mal wieder draußen verbracht habe, beim leisen knacken eines herunterbrennenden feuers (keine angst, das war sicher) und mit dem blick in die sprichwörtliche unendlichkeit:
na klar war mein ausblick nicht ganz so prachtvoll, allerdings für ein stadtgebiet schon sehr okay. und bevor ich irgendwann dem leisen gesumme durstiger mücken zum trotze weggedämmert bin, habe ich mich nochmals zu meinem entschluß beglückwünscht, teil- und nicht vollzeit lohnarbeiten zu gehen. erst recht, wenn ich mich morgen wieder an einem arbeitsplatz befinden werde, an dem viel und zwangsweise mit heißdampf herumgemacht wird. mit dem derzeitigen klima draußen würde vermutlich selbst die tropische flora und fauna dort etwas unbehagen verspüren. aber davon mal abgesehen, ist die arbeit weitgehend akzeptabel, sind die bedingungen einem relativ kleinen betrieb angemessen, und auch die bezahlung ist für diesen job - im vergleich - überdurchschnittlich (das stellt allerdings auch schon eine aussage über die entwicklung der arbeitslöhne in diesen land dar), was die teilzeit noch erfreulicher macht (neben dem überaus angenehmen umstand, dass ich montags meistens meine zeit selbst bestimmen kann, was mir dann auch erst ermöglicht, in einem netcafé sitzend und schwitzend davon zu berichten).
ich kenne von diversen jobs auch die bedingungen bzw. das klima in größeren betrieben bzw. konzernablegern, und mir fällt dazu seit langem nur noch ein: ohne mich!, und ich würde es verdammt begrüßen, wenn daraus irgendwann ein allgemeines "ohne uns!" werden würde. die zustände in solchen unternehmen stellen meistens eine mehr oder weniger starken wiederspiegelung der zustände in den höheren hierarchien dar, und diese hierarchien sind der mehr oder weniger starke ausdruck der neuronalen konfigurationen derjenigen, die sich dort wie fische im wasser tummeln - perfekt angepasste lebensräume.
(...)"In der globalisierten Welt sind aber offenbar viele Maßstäbe durcheinandergeraten: Krieger in Nadelstreifen treten auf. Fortwährend werden Schlachten geschlagen: "Die gegen uns!", "Nur einer kann gewinnen!" Fast alle Mittel werden für erlaubt gehalten, man dürfe sich bloß nicht erwischen lassen. Die Welt, in der nur die eigenen Regeln gelten sollen, ist aber eine Wahn-Welt."(...)
mittlerweile kann man mitunter fast den eindruck bekommen, dass sich der wahn als metapher für das treiben der "eliten" wachsender beliebtheit erfreut. wie Sie sich sicherlich denken können, finde ich das durchaus treffend und realitätsangemessen, bestehe aber darauf, dass die nötige präzisierung und differenzierung nicht zu kurz kommt - ebenso wie der wichtigeaspekt, dass wir alle es letztlich sind, die dem wahn den nötigen entwicklungsraum bereitstellen:
(...)"Wenn es aber zu oft so ist, dass Werthaltungen wenig zählen, dass der schnelle eigene Erfolg die politischen Inhalte oder unternehmerischen Strategien vorgibt und dies zur "Verkurzfristigung" allen Handelns führt - dann sitzen auf den Spitzenposten nicht die besten und verantwortungsvollsten Leute, sondern diejenigen, die sich als besonders anpassungsfähig und rücksichtslos erwiesen haben.
Das ist eigentlich kein Eliteversagen - diejenigen, die dort sitzen, hatten ja Erfolg mit ihrem Verhalten. Versagt hat hier die Gesellschaft, die diese Leute - ihrer Stellung, ihres Geldes und ihrer Wirkungsmöglichkeiten wegen - als Elite anerkannt hat."(...)
schön auch, das endlich einmal die innere selektion dieser kreise in ihrer doch recht einfachen logik benannt wird. weniger schön, dass hier wieder einmal "werthaltungen" bzw. die ethik als schwammiger begriff bzw. als konstrukt dafür herhalten muss, etwas zu erklären, was darüber nicht erklärbar ist - betrachten wir einmal das aktuelle gegenseitige beschnüffeln in und seitens von staat & wirtschaft alssymptom, so lässt sich das folgende kontextunabhängig als allgemeingültig begreifen:
"Das Symptom wird auf der Bühne der Geschichte und mit geschichtlichen Mitteln aufgeführt. Es stimmt einfach nicht, dass der Wahnsinn immer nur am wahnsinnigen Menschen haften bleibt und ausschließlich in den dafür zuständigen Institutionen verwaltet und unter Verschluß gehalten werden könnte. Das ist allenfalls eine beruhigende Mystifikation. Die große und weltmächtige Seite des Wahnsinns wird weitgehend ignoriert, man tut so, als gäbe es diese Seite nicht, man will nichts davon wissen und nichts damit zu tun haben. Man hält dem Wahnsinn sozusagen die gesellschaftliche Bühne frei, bis zum nächsten Auftritt."
(j. e. mertz, "borderline..." literaturliste, s.201/202)
immer noch worte, bei denen ich innerlich erleichtert darüber bin, dass hier endlich einmal etwas ganz offensichtliches klipp und klar benannt wurde. der antisoziale wahnsinn bösartiger und zeitgemäßer art lässt sich zum einen in den unzähligen "skandalen" ablesen, zum anderen in den tödlichen geschichten von mord, gewalt und verzweiflung, die durch die "eliten" und ihre machenschaften in allen möglichen sozialen bezügen getriggert (was nicht unbedingt heißt: selbst ausgeführt) werden.
bei der suche nach möglichen ursachen bleibt mainstreammedia erwartungsgemäß und unabwendbar in deroberflächestecken:
"Spionage bei der Telekom, Schmiergeld bei Siemens, Rotlichtaffäre bei VW. Das Saubermann-Image deutscher Unternehmen ist passé. Die Liste der in zweifelhafte Machenschaften verwickelten Firmen wird länger. Das Fatale: Der Sittenverfall ist kein Zufall - sondern systembedingt."(...)
nach dem fulminanten beginn werden dann doch wieder die "sachzwänge" der globalisierung angeführt, welche offenbar die akteure unausweichlich paranoidwerden lässt:
(...)"Es herrschte ein Klima, das von Misstrauen und Paranoia geprägt ist, wie in einer Soap Opera.
mm.de: Offenbar wollten die Beteiligten die Sache verschleiern, was gründlich misslungen ist.
Sollmann: Das ist schon eine kindliche Illusion, zu hoffen, dass das Ganze geheim bleibt. Es war ja offenbar kein Einzelfall, sondern ein lange funktionierendes System. Da erinnern mich die beteiligten Manager an kleine Jungs, die sich unter der Decke verstecken und denken, niemand sieht sie mehr."(...)
das erinnert mich an den immer noch nicht geschriebenen basisartikel zur paranoia, wo u.a. auch deutlich werden soll, dass die paranoia zwangsweise eine getreue begleiterin all derjenigen ist, die ihr als-ob-leben ganz oder teilweise im objektivistischen modus fristen (müssen). und ich mache mir sicherlich keine sorgen über "vertrauensverluste" von "politikerInnen" und managern, finde es aber interessant, wie sich stückchen für stückchen fragmente der die täglichen zerfallserscheinungen hervorbringenden neuronalen realitäten der "eliten" ihren weg in die öffentliche wahrnehmung bahnen:
(...)mm.de: Welches sind die größten Todsünden, die Vertrauen vernichten?
Sollmann: Doppelmoral wie im Fall Zumwinkel gehört sicher zu den größten Vertrauenskillern. Ähnlich verhält es sich mit einem Maskenspiel, dass manche Topmanager treiben. Wer wie Klaus Kleinfeld nicht zu seiner Rolex-Uhr steht und sie aus Pressefotos herausretuschieren lässt, macht sich völlig unglaubwürdig und angreifbar."(...)
diese mir bis dato unbekannte geschichte mit der rolex ist ein schönes beispiel für das, was die fake-industrie der pr-branche alsfiktionale glaubwürdigkeitbenennt - und schon der paranoide stalin als obsession pflegte, wobei der gleich ganze personen aus den bildern tilgte. ebenfalls werden die folgen solcher rezepte darin deutlich, wie sie in einem hier früher kommentierten faz-artikel für sogenannte "d-ler",dominante typen, ausgesprochen wurden - ein kurzes zitat nochmals:
"Die Macht - für den einen bloß ein Wort, für den anderen ein Magnet mit einer ungeheuren Anziehungskraft. „Entscheidend für den Willen zur Macht ist der Dominanzfaktor, den der einzelne mitbringt“, sagt Christian Zielke, Führungskräfte-Coach und Professor für Personalmanagement an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Außerdem müsse derjenige, der nach Macht strebe, gewisse Spielregeln befolgen und dabei auch in Kauf nehmen, ethische und moralische Hürden zu überschreiten. Nach dem Motto: „Schein-Sein-Schwein".(...)
es mag übrigens auch ein indiz für die neulich thematisierten spaltungen bei den schreibenden vieler aktuell existierenden medienreadaktionen sein, dass sie unkommentiert und gar als explizit empfehlenswert genau solche rezepte aus dem katalog für angehende soziopathen veröffentlichen, deren folgen sie dann in kommentaren und leitartikeln wortreich beklagen. das ist echt irre, und zum irrewerden.
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darüber musste ich letzte nacht im garten ebenso ausgiebig nachdenken wie über marienkäfer. kennen Sie eigentlich deren larven?
das sind diese länglichen und nicht ganz so niedlich wie die ausgewachsenen käfer daherkommenden tiere mit dem orange auf ihren schwarzen und sehr huckeligen rücken. momentan lassen sie sich gerade in ihren verschiedenen verpuppungsphasen gut beobachten, und ich freue mich immer wieder aufs neue, dass ich trotz der erbärmlichen realität das staunen noch nicht verlernt habe - stundenlang könnte ich ihnen bei ihrer metamorphose zusehen. und ebenso wie der anblick des uralten lichtes unfassbar weit entfernter sterne & galaxien lösen die kleinen käfer ein gefühl aus, für das ich bisher kein besseres wort finde als eben:
demut.
auch so eine wahrnehmung, die sich aus anderen wahrnehmungen nährt: das rätsel der eigenen existenz, das rätsel der zeit, die großen und kleinen kreisläufe, in denen wir wie alles andere lebendige auch untrennbar eingebettet sind. ich glaube übrigens, dass für solche wahrnehmungen eine entsprechende psychophysische ausstattung nötig ist, die bei strukturellen bzw. funktionellen antisozialen/soziopathen nur rudimentär oder gar nicht vorhanden ist. nicht, das sie nicht - wenn sie kalkulieren, dass das eindruck machzen könnte - so tun könnten, als ob. auch der wahrnehmungsmodus, der mit dem als demut bekannten emotionalen zustand assoziiert ist, lässt sich sehr wahrscheinlich simulieren. aber wie bei allen simulationen fehlt eben das entscheidende, die innere beteiligung, die erst die jeweilige realität voll erschliesst und verständlich macht.
und demütig in diesem sinne sind die diesen wunderschönen planeten an die wand fahrenden "eliten" und ihr schafshaftes fußvolk keinesfalls, sonst wären sie weder da, wo sie sind, noch würden sie tun, was sie treiben. und das ist natürlich nicht nur in d-land gültig.
"träumen roboter von elektrischen schafen?" war eine schöne frage vom geschätzten (und übrigens auch recht paranoiden) philip k. dick. "schauen ein bush, ein saddam, ein monsanto-manager, (...) in die unendlichkeit des rätsels über ihren köpfen und um sie herum?" ist eine frage, die bezgl. einer bestimmten und sehr wichtigen wahrnehmungsfähigkeit auskunft verlangt. nicht sehr überraschend:
ich glaube, die antwort ist nein.
denn demut drückt die eigene endlichkeit und die eigene begrenztheit, und zwar teils schmerzhaft - aber dafür wirkungsvoll - deutlich aus. und ist darum tatsächlich eines der besten gegenmittel gegen diejenigen neuronalen zustände, die sich im außen in grenzenloser destruktivität manifestieren. nein, wahrscheinlich nicht für diejenigen, die nichts anderes (mehr) als die angesagten simulationen von leben kennen. aber für all diejenigen, deren wahrnehmungsfähigkeiten noch nicht so geschädigt sind, dass das als-ob als existenzweise zwangsweise verlockender als das leben in der authentischen realität wäre.
ein einfach anzuwendendes rezept: beharren Sie auf Ihrer eigenen zeit, und schauen Sie sich sterne, käfer oder auch solch faszinierende gebilde wie unten immer wieder an. und lassen sie einfach in ihrem so-sein wirken.
und wer jetzt etwas von "quasireligiösem kleinmachendem mist" murmelt: ich glaube, dass demut auch ein untrennbarer teil der basis für authentisches selbstbewußtsein im besten sinne des wortes ist. und damit auch voraussetzung, für sich - und alle, die jeweils von uns geliebt werden - zu kämpfen.
je nach perspektive bietet peak oil anlaß für hoffnungen und befürchtungen. hoffnungen derart, dass eine in sehr vielen bereichen sichtbar gewordene destruktivität besonders der westlichen lebensweise sich einfach unter dem druck der realität zwangsweise ändern muss. die befürchtungen hingegen beziehen sich z.t. auf genau das gleiche - nämlich von denen, die diese art des lebens als einzig sinnvolle und gültige empfinden. einen vertreter dieser gruppe hatte ich früher schon einmal mit einem eindrucksvollenzitat (etwas runterscrollen)hier präsentiert, welches ich nochmal hervorkrame - das bezieht sich zwar auf die diskussion zum anthropogenen klimawandel, könnte jedoch umstandslos auch bei peak oil fallen:
(...)"Alles, was in Richtung Emissionsbegrenzung geht, zeigt eine `begrenzte Vernunft´ – und dient den Interessen einer mächtigen `tödlichen Koalition´– von Leuten, `die fossile Energien hassen, Autos, große Häuser, urbane Ausweitung, Autobahnen, reiche Leute, dicke Menschen, Industrie, Flugzeuge, Fleischkonsum, nicht recyclebares Papier und alles andere, was jemanden Freude bereitet (...)"
das hatte ich damals schon in einer art kommentiert, die ich weiter für aktuell halte, und dazu leiten verschiedene sätze bereits das eigentliche thema hier ein:
"eines der eindrucksvolleren beispiele der irren - und real tödlichen - logik des mainstreams der westlichen kultur, wie ich finde. hier steht alles buchstäblich auf dem kopf, d.h. weist eine unübersehbare perverse und v.a. dingorientierte tendenz auf: "fossile energien, autos, große häuser, großstädte, autobahnen, reichtum, industrie, flugzeuge" gelten hier nicht als mittel, die menschlichen lebensnotwendigen grundlagen zu sichern und dabei mit realer rationalität (= eine rationalität, die aus der gesamten vollständigen subjektivität stammt und darum auch emotional fundiert ist) die positiven und negativen konsequenzen von technischen errungenschaften und bestimmten lebensstilen abzuwägen und bei überwiegen letzterer die betreffenden "errungenschaften" eben auch nötigenfalls - und zwar letztlich im eigenen interesse - abzuschaffen bzw. verträglich anzupassen.
nein, das einzige "argument", welches für klimaschäden durch fossile energien, landschaftsversiegelung durch urbanität, tausende verkehrstote und die gesamten negativen folgen unserer wahnsinnigen motorisierung, immense soziale verwerfungen und instabilitäten durch die ungerechtigkeiten des arm-reich-gefälles, die endlos bekannten risiken aller art durch übermäßige industrialisierung, die ebenfalls nicht mehr zu verantwortenden schäden durch den flugverkehr, das elend von millionen tieren und sonstige katastrophale wirkungen des westlichen lebensstils vorgebracht wird, ist - und das ist kaum zu glauben, auch wenn´s zu erwarten war:
freude.
es ist erstens interessant zu sehen, wie im angesicht der nur noch von kompletten ignoranten und bewußten tätern zu leugnenden desaströsen folgen des kapitalismus gerade ein vertreter der benannten gruppe all das ideologische geschwafel von "rationalität" und "objektivität" eben als genau das kenntlich werden lässt, und sich auf die verpönten gefühle zurückzieht (den aspekt der projektion, mit dem im obigen zitat kritikern "hass" vorgeworfen wird, lasse ich hier mal außen vor):
"wir prassen, verschwenden und vergiften uns und alle anderen zwar, führen ein wahrhaft parasitäres leben nicht nur auf kosten von milliarden heutiger menschen und eigentlich der gesamten ökosphäre, sondern ruinieren gleich auch noch unzählige kommende generationen mit und üben mit all dem bzw. den mitteln zur durchsetzung dieser lebensweise zwar massive gewalt aus - aber das macht uns freude"
zweitens aber ist es ungeheuer wichtig, sich über den psychophysischen ursprung dieser "freude" klarzuwerden: sie ist letztlich ein surrogat, ein objektivistisches konstrukt, welches die reale unfähigkeit zum genießen - zu dem zeit, stille, intensität und v.a. liebesfähigkeit im weitesten sinne gehört - nicht mal mehr ansatzweise verdecken kann. was alleine dadurch bestätigt wird, dass es sich im kern hier um "freude" an prozessen der destruktion und vernichtung handelt. und bezgl. des letzteren sollten wir imo diese "freude" wortwörtlich nehmen: ich vermute, dass es sich bei extrem vielen vertreterInnen der heutigen "eliten" letztlich um leute handelt, die sich selbst, andere menschen und alles lebendige überhaupt zutiefst hassen und verachten. das ist eine logische folgerung aus ihrem mörderischen treiben. zum anderen aber ist tatsächlich der surrogatcharakter wichtig: in einer grundsätzlich autistischen/objektivistischen wahrnehmung gibt es keinerlei authentische sinnlichkeit, die in all ihren vielfältigen erscheinungsweisen für echte freude (und darüber auch für impliziten lebenssinn) sorgen kann. stattdessen wird eine pervertierte freude alleine aus den konstruktionen gezogen, die der objektivistische modus produzieren kann: mehr haben - und zwar in einer quantifizierbaren und konkretistischen art und weise - als andere (hier dürfte die eigentlich quelle für das irrsinnige raffen von geld und beliebigen dingen zu suchen sein) ; sich in einem ebenfalls quantifizierbaren und konkretistischen maßstab größer als andere fühlen (einer der wichtigsten motoren für alle hierarchischen systeme)."
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es ist etwas schwierig, sich darüber klarzuwerden, ob und wie sich die selbsterklärten "eliten" besonders der westlichen welt auf peak oil vorbereiten bzw. vorbereitet haben. sie sind zwar in einem ganzheitlichen sinne extrem dumm, weisen jedoch durchaus instrumentelle intelligenz (der quasi soziopathischen art) auf, und besitzen dazu ein scharfes gespür für alles, was ihre macht unterminieren könnte. ein positiv soziales handeln von der mehrheit dieser leute zu erwarten, ist jedoch ein aussichtsloses unterfangen. und mein persönlicher eindruck ist z.zt. der, dass etliche maßnahmen, die unter dem label "klimaschutz" laufen, auch hinsichtlich peak oil einige bedeutung haben und womöglich als den bevölkerungen besser "verkäuflich" erscheinen - klima gilt als natur, und damit als irgendwie schicksalhafte macht außerhalb der menschlichen sphäre, während sich doch viele finden lassen, die bei der entwicklung von ölpreis und -förderung nach schuldigen suchen (beliebt sind hier, was allerdings auch absolut verständlich ist, ölkonzerne und spekulanten). klimaschutzmaßnahmen (jetzt mal ganz abgesehen von deren jeweiliger sinnhaftigkeit und notwendigkeit) dämpfen in ihrer begründung den eben benannten drang nach schuldigen etwas bzw. lassen ihn ins leere laufen.
sehr verdächtig hinsichtlich peak oil finde ich allerdings alle maßnahmen, die den ausbau der sog. "sicherheits"apparate nach innen und außen betreffen - soziale unruhen bisher unbekannter dimension sind ein mögliches szenario, das als eine der konsequenzen nicht eben abwegig erscheint. ein beispiel dafür stellen mit einiger wahrscheinlichkeit bereits die aktuellenhungerrevoltenin vielen ländern des trikonts dar, zu denen auch steigende öl- und energiepreise beitragen.
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und damit sind wir schon mitten im eigentlichen thema, der wirkungen auf unsere sozialen strukturen. der trikont ("dritte welt") wird mit anderen und leider wahrscheinlich wesentlich bedrohlicheren folgen des peaks zu tun bekommen als wir - jedenfalls zu beginn.
es gibt seit jahren viele vorschläge aus ganz verschiedenen ecken, wie am sinnvollsten mit der ölverknappung umgegangen werden kann. nur als ein beispiel, in dem vieles gesammelt ist, verweise ich aufduckhome, wo jochen hoff geschrieben hat:
(...)"Grundsätzlich haben wir Sonnenenergie in unbegrenzter Menge, ein Milliardenfaches von dem in der Sekunde was wir in tausend Jahren verbrauchen können. Dazu die Thermalenergie, die z.B. in Deutschland praktisch überall vorhanden ist. Bio-Ethanol wird als Grundstoff für die Produktion gebraucht und ist viel zu wertvoll um ihn als Treibstoff zu verballern, sieht man mal von der Fliegerei ab.
Rund die Hälfte aller Gütertransporte sind Leerfahrten oder nur mit geringen Teilmengen belegt. Des weiteren ist es unsinnig allen möglichen Kram mehrfach quer über die Erde zu transportien. Ich mag gerne Schinken aus Korsika, Ziegenkäse aus Spanien und Olivenöl aus Mallorca. Aber ich muss es nicht haben und mein Joughurt muss nicht eine Weltreise hinter sich haben, was auch für mein Mineralwasser gilt.
DAs bedeutet im Klartext das wir uns dezentral organisieren müssen. Energie, Grundnahrung, Obst und Gemüse, aber auch Fisch und Fleisch müssen aus dem lokalen Umfeld stammen, in dem der Transport mit Elektrofahrzeugen und Elektrokühlfahrzeugen machbar ist. Ich glaube nicht an den Wasserstoff für Transporte, wohl aber zu Stromgewinnung.
Dezentralisierung bedeutet Machtverlust für die großen Konzerne die weltweit aller über ein Kamm scheren wollen, wie auch für die Politik die von Sardinien bis an den Polarkreis alles gleich regeln möchte ohne auf regionale Besonderheiten Rücksicht zu nehmen.
Deshalb ist eine politische Revolution, eine unbedingte Voraussetzung, genau wie die Verstaatlichung der Grundstoffindustrien und des Bodens. Kein Sozialismus, sondern schlicht und ergreifend nur Allgemeinbesitz der Dinge, die nicht produzierbar sind oder zur Infrastruktur gehören.
Die Nutzung des Bodens kann privat wie auch genossenschaftlich vorgenommen werden, wobei sich vermutlich Genossenschaften bilden werden, weil aus gemeinsamer Arbeit einfach mehr Ertrag zu holen ist und der Lebensstandard steigt.
Denn eins muss klar sein. Unser Lebensstandard wird sinken. Kleidung, Möbel, Werkzeuge. Maschinen, Häuser und auch Transportmittel müssen langlebig, leicht reparierbar und energiesparend sein, was sie teuer macht und uns zu längerer Nutzung zwingt.
Viel vom liebgewordenen schnellen Plastik um uns herum wird verschwinden und weniger gefälligem Blech weichen müssen. Fernreisen werden vielleicht ein bis zweimal im Leben möglich sein und viele Produkte die aus entfernten Regionen kommen wird es nicht mehr geben. Meist betrifft das aber nur Dinge die eher unnütz sind.
Natürlich werden wir wieder viel mehr Leute an der Arbeit haben müssen. Warentransporte mit dem Flugzeug wird es wohl kaum geben. Das Schiff wird Vorrang haben. Aber alles in allem wird es nur die erste Zeit weh tun und dann vermutlich das Leben etwas lebenswerter und ruhiger machen.
Vermutlich werden wir über das Internet näher zusammenrücken. Bilder und Filme werden Besuche ersetzen. Sehr langsam aber sicher werden wir immer neue Energiequellen und Energieumwandlungen für uns nutzbar machen und uns dann wieder auf unser heutiges Beweglichkeitsniveau zurück entwickeln. Ich rechne mit ungefähr 300 Jahren, die aber eben keine Jahre der Finsternis werden müssen, sondern nur geringe Einschränkungen mit sich bringen.
Wir haben z.B. in unseren Müllhalden noch Energie für rund 50 Jahre Stromerzeugung auf dem Niveau von 1920. Dazu jede Menge Rohstoffe daraus und wir können die Gefahr für unser Trinkwasser bannen.
Wir können in den Wüsten nicht nur Solarwasserstoff gewinnen sondern die Wüsten auch zurückerobern. Israel hat da einiges vorgemacht. Treibstoff aus Pflanzen wird ein richtig gutes Geschäft werden."(...)
da sind nun einige aspekte gelistet, die mehr oder weniger sinnvoll und wahrscheinlich anmuten. aber nochmal zu unserer problemstellung, die mich besonders beschäftigt: es zeichnen sich ab
- machtverschiebungen innerhalb und auch machtverluste von teilen der sog. "eliten"
- eine überlebensnotwendigkeit zur kollektiven zusammenarbeit, die auf eine struktur teils krasser vereinzelung (nicht individualisierung!) sowie vielfältigste beziehungsstörungen trifft
- vielfältig reduzierte konsummöglichkeiten, was gleichbedeutend ist bzw. teils einhergeht mit reduzierten möglichkeiten zur (indirekten) selbst- und fremddestruktion (peak oil könnte dazu auch die befriedigung von süchten aller art massiv beeinflussen), die aber - im blog bekanntlich häufig thematisiert - als möglicher kompensationsversuch psychophysisch geschädigter menschen angesehen werden kann.
- eine ganz neue erfahrung vor allem räumlicher grenzen, die auf eine in weiten teilen entgrenzte und mobilitätsversessene bevölkerung trifft.
- eine sehr nötige entschleunigung des alltags, die allerdings auf u.a. traumainduzierte weit verbreitete ängste vor und unfähigkeiten zur entspannung trifft.
- ...
es ist noch mehr, vermutlich viel mehr, aber das obige sollte deutlich machen, worauf ich hinaus will: wie kann eine - theoretisch durchaus erreichbare - ganzheitlich vernünftige bewältigung dieses fundamentalen umbruches gelingen, wenn nicht gleichzeitig massiv die psychophysisch destruktiven folgen unserer bisherigen art zu leben thematisiert und angegangen werden? werden sich diejenigen, die genau an dieser art bisher freude - siehe oben - gefunden haben, anpassen können? oder müssen? oder werden sie sich mit händen und füßen an den immer geringer werdenden rest an möglichkeiten binden, die die bisherige "kultur" der verschwendung ihnen zukünftig noch bieten wird? mit allen dann erwartbaren folgen, wie sie dieserausblick auf mögliche ölkriegez.b. umreißt?
oder werden sich viele menschen in heraufziehenden krisensituationen eher selbst aktivieren und aus ihrer apathie und sozialen trance befreien können, und fähig zu qualitativen entwicklungssprüngen ihrer persönlichkeit werden?
das sind für´s erste die fragen, die mich gerade so beschäftigen. updates sind wahrscheinlich, und diskussionen natürlich erwünscht.
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edit am 25.05.: nötige ergänzungen - zum letzten abschnitt oben wäre zu sagen, dass es nicht nur die betrifft, die den westlichen "way of life" für einzig gültig halten, sondern auch diejenigen, die - ohne unbedingt die benannte "freude" zu empfinden - in den bisherigen strukturen dieser "zivilisation" genügend gefunden haben, um ihre verschiedensten individuellen störungen auszuagieren und auch zu kompensieren. und darüber eine art von psychophysischem gleichgewicht bewahrt haben, welches ihnen das eigene funktionieren einigermaßen ermöglicht hat. damit wird es zu ende gehen, weil die materiellen voraussetzungen sich massiv in schon umschriebener art & weise ändern werden.
und selbstverständlich werden wir bei den jetzt folgenden öffentlichen reaktionen und diskussionen auch massiv mit dem aspekt der verdrängung zu tun bekommen.
dann: die überwiegend positiven einschätzungen von duckhome sind zwar schön zu lesen, ich bin jedoch beim recherchieren auf einen text gestoßen, der die logik des "öl-einfach-ersetzen-soweit-es-geht-und-dann-weiter-wie-bisher" (die implizit bei j.hoff enthalten ist), grundsätzlich kritisiert -Erneuerbare Energieträger - falsche Religion:
(...)"Alternative Energieträger lösen keines unserer Probleme, sie schaffen nur neue. Es ist der Versuch, eine Lebensweise weiterzuleben, die sich mit dem Erreichen der Fördermaxima fossiler Energietäger erledigt hat. Unser Problem liegt nicht in der Technik oder der Menge der Energie, die wir verbrauchen können. Unser Problem liegt einzig in unserer auf Obzolesenz getrimmten Gesellschaftsform. Ohne auch nur ein einziges Windrad können wir ein ebenso erfülltes Leben genießen und dabei auf diese häßlichen Propeller in der Landschaft verzichten. Die Logik, mit der solche vermeintlichen Lösungen vorgeschlagen werden, ist wesenhafter Bestandteil einer Denkweise, durch die unsere heutigen Probleme überhaupt erst geschaffen wurden. Es ist der fortgeführte Versuch, durch andauernde technische Erfindungen einen eingebildeten Entwicklungsprozess in Gange zu halten, den es nie gegeben hat.(...)
Das Beschwören technischer Lösungen ist aber viel einfacher, als die Probleme anzugehen. Man kann sich mediengerecht vor futuristischen Biodieselautos, glitzernden Solarzellen und turmhohen Windkraftanlagen ablichten lassen, und immer wieder die Sonne als metaphernreiches Symbol heranziehen. Man kann Elite-Unis wählen, in denen für das Neue Zeitalter geforscht wird. Welcher Politiker oder Wirtschaftsführer würde diese Werbung eintauschen gegen arbeitsaufwendige philosophische Betrachtungsweisen über den Sinn von „Mehr“? Grübler braucht kein Land, Macher hingegen sind in der medialen Glitzerwelt gefragt, wo jeden Tag eine story her muss. Der Technikfix-Ansatz löst nicht die Probleme eines zutiefst destruktiven Gesellschaftsmodells, dass auf ständig Neues hofft, wodurch sämtliche Traditionen erodieren und ersetzt werden durch eine ständige Erwartungshaltung neuer Produkte aus den Fabriken. Alltägliche Gewalt- und Drogenexzesse, vor allem junger Menschen sind Folgen übermäßigen Energiekonsums und dem Austausch kultureller Werte gegen kalte Technik. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es nicht einmal wünschenswert, weiterhin mehr Energie zu erzeugen sondern im Gegenteil die zur Verfügung stehende Energie zu drosseln."
ein text mit lesenswerten gedanken, wie ich finde. ich bin zu diesem blog übrigens durch eine weitereinfoseitezu peak oil gelangt.
und zum vorläufigen schluß noch ein beispiel dafür, mit welcher offenheit inzwischen selbst in den mainstreammedien klartext gesprochen wird (wobei der beitrag auch ein gutes beispiel für die oben kritisierte logik darstellt - peak oil an sich wird nicht mehr bestritten, aber in den folgen verharmlost mittels der aussicht auf alle möglichen ersatzenergieträger sowie in der üblichen technikbeschwörung).
okay, von "party" kann überhaupt nur bezgl. gesellschaften wie unserer gesprochen werden, die es in ihrer unglaublichen einfältigkeit geschafft haben, die potenzielle vielfältigkeit menschlichen lebens auf konsum bzw. das anhäufen von dingen zu reduzieren. in den offenen elendszonen des planeten hat diese art von miesen, öden, betäubenden und selbstzerstörerischen exzessen des als-ob-lebens nie so wie hier stattgefunden (was wahrlich kein echter verlust ist, auch wenn das - in gewisser weise berechtigt - von dort lebenden anders wahrgenommen werden sollte).
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aber zum thema: in späteren historischen rückblicken könnten die derzeitigen tage des mai 2008 vielleicht als wendepunkt erscheinen, an dem zum ersten mal für größere teile der bevölkerungen der westlichen gesellschaften das wetterleuchten am horizont sichtbar geworden ist, welches den finalen akt ihrer - bzw. unserer - bisherigen "lebens"weise ankündigt. aus der perspektive dieses blogs sind nun - ähnlich, wie ich es vor langer zeit schon beim thema desbedingungslosen grundeinkommensversucht habe - fragen in der richtung interessant, was eigentlich passiert, wenn die konsequenzen von peak oil auf eine gesellschaft treffen, die erstens in ihren strukturen weitverbreitete psychophysische zustände ihrer mitglieder abbildet, und von der zweitens viele dieser strukturen und zustände mit einiger plausibilität als pathologisch auch in einem klinischen sinn betrachtet werden müssen. wie werden menschen reagieren, die aufgrund ihrer pathologien bspw. den eigenen konsum - oder auch maß- und wahllosen verbrauch von dingen - zum lebenssinn erhoben haben? was werden diejenigen tun, denen bspw. autos als eine art krücke für das beschädigte ego dienen? wie werden alle jene reagieren, die ein problem mit eigenen und fremden grenzen haben, wenn ihnen durch die endlichkeit einer ressource deutlich und unabwendbar eine existenzielle grenze aufgezeigt wird? nicht umsonst wird der umgang besonders mit erdöl auch als suchtartig begriffen, und nicht umsonst häufen sich gerade in vielen öffentlichen stellungnahmen zu peak oil diemetaphern aus der drogentherapie.
und ganz zentral: wie kann eine situation, die eigentlich eine solidarische und kollektive zusammenarbeit in breitestem rahmen verlangt, bewältigt werden, wenn eine mehr oder weniger große zahl von menschen in gesellschaften wie dieser aufgrund vielfältigster (post-)traumatischer und maligner antisozialer einflüsse nicht (mehr) über die psychophysischen voraussetzungen verfügt, um solidarität und kollektivität in einer gesunden form leben zu können?
solche fragen möchte ich im zweiten teil etwas mehr beleuchten, zunächst aber in komprimierter form (quellen zu peak oil finden sich mittlerweile mehr als genug) grob die fakten skizzieren, die sichtbar sind.
(...)"Cantarell, das größte mexikanische und weltweit zweitgrößte Ölfeld fördert Jahr für Jahr um 6 % weniger Öl. Im ersten Quartal 2008 gingen Mexikos Ölexporte auf Jahressicht um 12 % zurück.
In Norwegen und Großbritannien rechnen Experten, dass im Jahr 2007 die Fördermengen um insgesamt 800.000 bis 1 Million Barrel pro Tag abgenommen haben.
Die russische Ölproduktion ist im April 2008 bereits den vierten Monat in Folge gesunken und lag bei 9,72 Millionen Barrel pro Tag und somit ca. 2 % unter dem Post-Sowjet-Hoch von 9,93 Millionen Barrel pro Tag im Oktober 2007.
Indonesien erwägt seine Mitgliedschaft in der OPEC zu kündigen, da dessen Ölquellen langsam versiegen und sich das Land zu einem Nettoimporteuer von Erdöl entwickelt. Seit Mitte der 90er-Jahre ist die Ölförderung von 1,5 bis 1,6 Millionen Barrel pro Tag auf 860.000 Barrel gesunken.
Russland hat eine Steuer auf Ölexporte um 17 % angehoben.
China greift nach dem Öl in Venezuela. Im Rahmen des Baus einer Spezialraffinerie für venezolanisches Öl in China sollten die Ölverkaufsmengen auf 0,4 Millionen Barrel pro Tag verfünffacht werden. Dieses Öl wird dem Westen fehlen.
Gleichzeitig droht ein Krieg zwischen Russland und dem Öltransitland Georgien."(...)
jede einzelne dieser infos lässt sich verifizieren. um auf dem laufenden zu bleiben, empfehle ich dennews-bereichdieses deutschsprachigen forums rund um peak oil. dort lassen sich schon jetzt viele dermeldungenfinden, die uns in naher zukunft massiv begleiten werden:
(...)"Die französischen Fischer haben ihren Streik gegen steigende Dieselpreise am Dienstag ausgeweitet und einen weiteren wichtigen Ölhafen bei Marseille blockiert. 50 Demonstranten besetzten das Öl-Terminal Fos-sur-Mer und setzten Autoreifen und Kisten in Brand, teilte die Hafenverwaltung mit. Die Protestaktionen lähmen die Wirtschaft immer stärker."(...)
(...)"Schlechte Nachrichten für Fluggesellschaften. Steigende Preise für Flugzeugtreibstoff - einer der größten Kostenfaktoren der Branche - haben im bisherigen Jahresverlauf sieben Fluglinien in den Konkurs getrieben, und das Jahr ist noch lang."(...)
und nicht nur die gerade vorgestelltestudie der energy watch group, sondern inzwischen auch die "offiziell" zuständigen experten derinternational energy agencykommen offensichtlich auf letztlich nur unwesentlich abweichende schlüsse: der peak ist entweder schon da oder aber steht unmittelbar bevor (was als ausdruck in bezug auf die zeitlichen dimensionen selbst dann erlaubt ist, wenn es sich noch um ein jahrzehnt handeln sollte).
peak = die spitze. und zwar die spitze der förderung von billigem erdöl. diese betonung ist deshalb wichtig, weil es zwar tatsächlich noch ölreserven gibt, die aber schwerer zugänglich und auch nur mit erhöhtem energie- und finanzaufwand zu erschließen sind, was den preis natürlich nicht wieder drücken wird. natürlich spielt zur zeit auch die spekulation mit dem ölpreis eine rolle, aber es ist naiv und auch wunschdenken, darin die hauptursache zu sehen. und natürlich kann sich die preisentwicklung auch aufgrund kurzzeitiger bzw. tagesaktueller entwicklungen und ereignisse "beruhigen", aber das wird nichts am grundsätzlichen ändern - die party, bei der das öl tatsächlich ein unverzichtbares mittel für den knapp hundertjährigen und destruktiven rausch der industriegesellschaften gewesen ist, geht zu ende (was ich persönlich keinesfalls irgendwie bedauerlich, sondernnotwendigfinde).
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ein punkt ist noch zu erwähnen, der beim ganzen thema öl meist etwas aus dem blickfeld gerät: zwar ist der bereich verkehr vielleicht am sicht- und fühlbarsten vom öl abhängig, wesentlich bedenklicher und schwerer zu handlen ist jedoch die abhängigkeit vom öl in einigen derfolgendenfelder:
(...)"Öl liefert derzeit fast 40% der Energie für die heutige industrielle Produktion. Desweiteren ist Öl einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt, viele essentielle Dinge des täglichen Lebens werden daraus hergestellt:
* Chemikalien und Lösungsmittel
* Plastik (Spielzeug, Haushaltsgeräte und andere Alltagsgegenstände)
* Farben und Lacke
* Verpackungen, Folien und Plastiktüten
* Kunstfasern (Teppichböden, Kleidung, Gardinen)
* Körperpflege und Kosmetik (Seifen, Parfüms, Lippenstifte und Haarsprays)
* Ausbau der Infrastruktur (Straßenbau)
* Medikamente
* Düngemittel und Pestizide(...)
oder anders: wenn Sie in Ihrer alltäglichen lebenswelt alle produkte entfernen würden, die direkt oder indirekt vom erdöl abhängen, wären Sie in einem weitgehend leeren zimmer ziemlich nackt...
(...)"Warum ausgerechnet "die da oben" zum Kreis der Verdächtigen gehören, dazu lieferte der Elite-Forscher Michael Hartmann, Soziologe an der Technischen Universität Darmstadt, einen Erklärungsversuch. Wer von Kindesbeinen "oben" ist, habe sich daran gewöhnt, Regeln zu setzen und nicht so zu gehorchen wie andere."(...)
gehorchen. ein wort, das nicht zufällig aus dem repertoire der erziehung stammt, und ebenfalls im militärischen bereich eine nicht unwichtige rolle spielt. gehorchen - anweisungen, befehlen, diktaten, einflüsterungen, manipulationen, gesetzen.
keine fragen stellen, nicht nachdenken und schon gar nicht irgendwem oder irgendetwas widerstand entgegensetzen. gehorchen.
könnte sein, dass wir gerade einen machtkampf erleben: vater staat bzw. einige fraktionen in diesem gebilde (welches sich zunehmend als selbstzweck begreift), vs. teile der ökonomischen "eliten", die offensichtlich am punkt angekommen sind, aus pragmatischen gründen das zweite machtzentrum neben ihnen zusehends zu umgehen und zu unterminieren.
gehorsam fordern sie allerdings beide von ihren schäfchen.
pest oder cholera? ich wünsche uns allen dann doch lieber gesundheit.