ich versuche zur zeit, jeden tag wenigstens ein paar minuten online zu sein - mails checken, im blog vorbeischauen und ein blick auf die nachrichten. beim heutigen kurztrip bin ich dann zufällig überdas hiergestolpert, und meine spontane reaktion ist in der überschrift zu sehen.
um es klar zu sagen: ich habe erstens mit diesem - offensichtlich ganz frischen - twitter-account nichts zu tun, und weiß zweitens auch nicht, von wem das kommt.
ich hatte mir vor einiger zeit mal überlegt, ob ich zumindest auf twitter - facebook ist grundsätzlich keine option - einen entsprechenden account einrichte, konnte aber dann erstens ausser der möglichkeit, eventuell neue leserInnen zu erreichen, nicht so recht einen sinn darin erblicken, und zweitens bedarf es auch bei so einem account etwas, von dem ich bis auf weiteres nicht genügend über habe: zeit.
ich weiß gerade noch nicht, was ich von dieser sache halten soll und würde die person hinter dem account bitten, sich bei mirper mailzu melden - ein paar (er-)klärende worte würde ich ganz nett finden, zumal er / sie explizit blogname- und addresse nutzt. ich beanspruche da kein copyright drauf, würde aber wie gesagt ganz gerne einige dinge wissen - auch, um ein blödes gefühl wegzubekommen.
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edit am 22.09.: ich weiß ja nicht, ob es überhaupt irgendwen interessiert - aber inzwischen ist der account wieder gelöscht, und ich habe eine interessante mail bekommen - nein, nicht von der oben angesprochenen person, sondern von einer, die hier seit beginn mitliest - und wenn ich die mail richtig verstanden habe, war dieser seltsame account letztlich die folge bzw. ausdruck einer mir völlig unbekannten marketingaktion... sachen gibt´s...
eventuell mehr, wenn ich diese geschichte wirklich verstanden habe.
und zwar einen ganzen haufen links aus den letzten wochen, die ich im folgenden leider mal wieder im schnelldurchlauf vorstelle (an meiner eigenen situation hat sich im vergleich zu den letzten beiträgen nichts groß geändert). thematisch umfassen sie große teile dessen, was mich eh interessiert und sich in der vergangenheit meist schon im blog fand. stellt sich nur die frage, womit ich bloß anfange?
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vielleicht mit einem meiner thematischen klassiker hier, der mir gerade vor die augen kam: die "wirtschaftswoche" (via "zeit") entdeckt nicht zum erstenmal,was chefs mit psychopathen gemeinsam haben. auszug:
(...) "Der kanadische Psychiater Robert Hare, emeritierter Professor der Universität von British Columbia, ist eine Legende unter den Erforschern des Wahnsinns. Im vergangenen Jahr untersuchte er mit seinem Kollegen Paul Babiak 203 Führungskräfte aus sieben amerikanischen Konzernen. Jeder durchlief Hares "Checkliste zur Psychopathie". Dazu befragen Experten eine Person stundenlang und vergeben Punkte in 20 Kategorien. Wer mehr als 25 erreicht, gilt als gefährdet. Bei 30 ist die Schwelle zur Psychopathie erreicht. Zu den Kriterien gehören einerseits narzisstische Eigenschaften wie oberflächlicher Charme, krankhaftes Lügen, mangelnde Empathie oder fehlendes Verantwortungsbewusstsein; andererseits begutachten Psychologen Charakterzüge wie Impulsivität oder Disziplinlosigkeit.
Zugegeben: Wer die Kriterien erfüllt, ist nicht automatisch ein Psychopath, aber viele Psychopathen erfüllen die Kriterien. Die Stichprobe der Personalverantwortlichen verglichen Hare und Babiak mit einer Bevölkerungsumfrage. Und siehe da: Die Manager erreichten im Schnitt nicht nur wesentlich höhere Punktzahlen. Immerhin neun Führungskräfte hatten mehr als 25 Punkte, davon acht mehr als 30. Zwei kamen sogar auf 33, einer auf 34 Punkte.
Im Bevölkerungssample diagnostizierten die Wissenschaftler nur etwa einem Prozent potenzielles Psychopathentum. Bei den Personalverantwortlichen waren es knapp sechs Prozent.
Noch verblüffter waren die Forscher jedoch, als sie die Leistungsbewertungen der Führungskräfte analysierten. Den neun Verhaltensauffälligen haftete keineswegs das Image eines Quartalsirren an. Ganz im Gegenteil: Sie galten als hervorragende Kommunikatoren, raffinierte Strategen und kreative Innovatoren." (...)
mal abgesehen davon, dass ich aus gründen lieber den begriff "soziopath" nutze, kann ich mir nicht so recht die im letzten absatz zitierte "verblüffung" der forscher vorstellen: die aufgezählten attribute sind genau das, was von dieser klientel zu erwarten ist (und was ich über die arbeiten von hare weiß, macht es für mich recht wahrscheinlich, dass ihm dieser sachverhalt bekannt ist.) ansonsten ist das alles nichts neues - siehe zb.psychopathen im big business(aus dem ersten blogjahr, da hatte ich noch nicht die jetzige distanz zum begriff). es ist besonders der typus des "erfolgreichen" soziopathen, um den es hier geht - wobei der "erfolg" aus der ebenso pathologischen meßlatte der "werte" einer kapitalistischen industriezivilisation entspringt.
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in diesem zusammenhang notiere ich mir mal als memo an mich selbst einen gedanken, der mir neulich kam: sind wir vielleicht zeugen des zusammenbruchs eines mega-projektes, nämlich der versuchten transformation diverser menschlicher gesellschaften vom status der - wenn auch bereits geschädigten - authentischen sozialität hin zu (über-)lebensräumen, die vor allem für soziopathen evolutionär günstige bedingungen bereitstellen? ich betrachte das nicht im sinne einer weiteren verschwörungstheorie, sondern eher als zufällige, aber dennoch in gewissem sinne zwangsläufige entwicklung - die akkumulierte gewalt innerhalb der bisherigen menschlichen sozialstrukturen produziert als einen möglichen "versuchstyp" eben auch soziopathen, deren psychophysische ausstattung sie besonders geeeignet dafür macht, innerhalb der vorherrschenden (a)sozialen bedingungen zu überleben. innerhalb der existierenden hierarchischen strukturen fällt es ihnen gleichfalls durch ihre erwähnte ausstattung besonders leicht, in machtpostionen zu kommen, zu denen sie eh eine strukturbedingt erhöhte affinität besitzen. an diversen stellen innerhalb des gesellschaftlichen gefüges beginnen sie nun ihr wirken, dessen folgen wir u.a. in form der unzähligen menschlichen katastrophen dieser zeiten zu spüren bekommen. weil aber insgesamt der gesamte soziopathische komplex eine evolutionäre sackgasse darstellt (die unfähigkeit zur angstwahrnehmung ist hier nur ein herausragendes indiz), und zwar besonders aus dem grund der unfähigkeit zu wahrnehmung von grenzen aller art, ist es am ende die handfeste realität selbst, die den zur gänze virtuellen und fiktionalen simulationen konstruktivistischer art verpflichteten soziopathen das genick bricht - und zwar u.a. in form von ressourcenverknappungen wie peak oil, dystopischen industriekatastrophen wie fukushima und ökonomischer crashs. das alles kann nicht ohne zuarbeit größerer "infizierter" weiterer teile der gesellschaft geschehen - und wenn man sich mal umschaut, dann fallen einem sofort strukturen bzw. fragmente ideologischer art ins auge, die bei näherer betrachtung deutlich soziopathische schlagseite aufweisen -hierhabe ich das in der vergangenheit zb. versucht, näher aufzudröseln. besonders auch die vielen aktuellen us-amerikanischen und europäischen "rechstpopulistischen" strömungen für "freie märkte und einen schlanken staat" weisen innerhalb ihrer ziele diese schlagseite auf (das ideal der "tea party" in den usa zb. sind kurz gesagt zustände, wie sie im historischen "wilden westen" tatsächlich geherrscht haben - eine epoche, die der oben genannte robert hare in einer seiner arbeiten als eine art "traumland" für soziopathen skizziert hat). auch, wenn ich antistaatlichkeit als sympathisant des anarchismus grundsätzlich begrüße - entscheidend ist aber, was an die stelle der staatlichen struktur treten soll.
das problem dabei: soziopathische projekte müssen aufgrund ihres zwangsweisen konstruktivistischen "wesens" immer über kurz oder lang an der realität scheitern; nur ist dieses scheitern meistens in gestalt welthistorischer katastrophen zu bewundern...
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was ebenfalls eine folge bzw. einen ausdruck der erwähnten "versuchten transformation" darstellen könnte, sorgte vor ein paar wochen für schlagzeilen wie diese:"Fast 40 Prozent der Europäer sind psychisch krank". auch diese zahlen sind, gerade hinsichtlich von angsterkrankungen, depressionen und burn out nichts neues; in den letzten jahren gab es immer wieder vergleichbare ergebnisse - siehe zb. vor ein paar jahrenwo die angst regiert. auch die definition des begriffs "psychisch" ist fragwürdig, ebenso sind die diagnostischen kriterien zu hinterfragen, unter denen bspw. die oben erwähnten "erfolgreichen soziopathen" quasi unsichtbar und widerstandslos hindurchgleiten. und trotzdem bleibt ein erschreckender rest von menschen übrig, denen die heute erwarteten anpassungsleistungen nicht so recht gelingen und die daraufhin symptome entwickeln - eigentlich ein indiz für grundsätzliche gesundheit, wenn man´s genau betrachtet. wer innerhalb der herrschenden strukturen still und zuverlässig funktioniert, ohne anzuecken, hat und ist aller wahrscheinlichkeit nach ein großes problem.
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wo ich weiter oben gerade von us-amerikanischen zuständen geschrieben hatte:mrs. mophatte neulich eine ganze sehr empfehlenswerte fotoserie über diese zustände.
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apropos zustände: der knastpsychologe götz eisenberg, stammleserInnen noch wohlbekannt aus einigen beiträgen zum thema amok hier, hat vor ein paar wochen auf den "nachdenkseiten" den meines wissens bisher besten text zu den jüngsten britischen riots geschrieben:Die große Wut der Überzähligenleidet meiner meinung nach ein bißchen unter seiner heranziehung der orthodoxen psychoanalyse, kommt aber trotzdem zu schlußfolgerungen, die der realität ziemlich nah zu leibe rücken dürften. eine der prägnantesten:
(...) "Was charakteristisch für die revoltierenden jungen Leute ist: Sie haben nichts, sie besitzen nichts. Es gibt nichts, was sie an diese Gesellschaft bindet: weder Arbeit, noch Eigentum, noch die Liebe, die dem schweifenden Trieb Dauer und Form verleiht, indem sie ihn an ein Objekt bindet. Sie sind abstrakt, ohne Wurzeln, ohne so etwas wie Heimat, ohne emotionale Bindungen. Libidinöse Beziehungen zu und emotionale Bindungen an Menschen und Dinge sind aber das einzig wirksame Antidot gegen die Gewalt. Das gilt für einzelne Menschen wie für Gruppen und Klassen. Wer zu nichts und niemand eine Beziehung unterhält, fühlt sich niemandem gegenüber zu nichts verpflichtet." (...)
der letzte satz ist dabei ebenfalls eine punktgenaue beschreibung der soziopathischen (über-)lebenswelt. was nicht heisst, dass all diese kids nun selbst strukturelle soziopathen sind. aber ihr verhalten spiegelt für alle, die das sehen wollen, sehr deutlich die vorherrschenden maximen ihrer jeweiligen lebenswelten wieder - im kleinen von vielfältig dysfunktionalen familien, im großen das verhalten von bankstern, politikern und corporations. oder aber auch: von nichts kommt nichts.
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denn mal ernsthaft: wer zb. angesichts solcheräußerungen...
(...) "Hinzu kam, dass Herr Yamashita am 19. März in Fukushima erklärte, es sei alles Bestens und es bestünde keine Gefahr für die Kinder. Er hat dies allen Ernstes damit begründet, dass nur Menschen, die unglücklich sind und zu wenig lachen, von Radioaktivität bedroht seien und dass selbst Strahlendosen von 100 Mikrosievert pro Stunde hinnehmbar wären." (...)
...noch nie den spontanen wunsch verspürt hat, dem sprecher selbst mit einem brennstab übers maul zu fahren oder aber die zentralen von atom- und ölkonzernen, banken etc. in flammen zusammenbrechen zu sehen, hat aller wahrscheinlichkeit nach ein problem mit der selbst- und fremdwahrnehmung.
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ich habe in der vergangenheit hier öfter den begriff der demokratiesimulation benutzt, um eine wesentliche eigenart der heutigen "politischen" systeme zu beschreiben. vor einiger zeit nun hat ausgerechnet und ironischerweise die ansonsten sehr staats- und systemtragende "zeit" einenartikelgebracht, der ohne den begriff zu nutzen den gemeinten zustand ganz gut beschreibt:
(...) "Im Rückblick wird man wahrscheinlich sagen, dass es der Untergang des Sozialismus war, der den Kapitalismus auf diese Weise enthemmte und seine Schönredner von der Schönrednerei zu einer Rhetorik der Härte führte. Die Systemkonkurrenz war entfallen, und der Kapitalismus meinte, um seine Akzeptanz nicht mehr bangen zu müssen. Das allerdings könnte sich als schwerer Fehler erweisen. Noch ist freilich keine Revolution ausgerufen worden, und die Demonstranten, die in London, Athen oder Madrid auf die Straße gehen, wirken beängstigend unpolitisch. Gegen wen richtet sich ihr Protest? Glauben sie, durch Unmutsbekundungen das Börsengeschehen beeinflussen zu können?
Die friedlichen wie die stumm randalierenden Protestzüge zeigen vor allem ein Bild ungeheurer Entmutigung: wie von Schafen, die auf dem Weg zur Schlachtbank blöken. Und manches spricht dafür, dass sie darin nur die Haltung ihrer Regierungen in der Finanzkrise spiegeln, deren Botschaft an die Masse der Bürger lautet: dulden, durchstehen, den Schaden bezahlen, den sie nicht angerichtet haben. Wo aber stumme Duldung die einzig empfohlene Haltung bleibt, hat sich das Politische tatsächlich verflüchtigt und keine demokratische Adresse mehr. Wenn ein so gewaltiger Lebensbereich wie die Wirtschaft, die noch dazu viele weitere Lebensbereiche tyrannisch bestimmt, der gesellschaftlichen Gestaltungskraft entzogen wird, ist auch die Demokratie sinnlos." (...)
immerhin ein stückchen realitätswahrnehmung im mainstream.
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als externen - und unfreiwillligen - kommentar zu den zusammenbruchshypothesen der letzten beiträge, insbesondere bezgl. peak oil, zitiere ich mal aus dem"gelben forum", in dem ich ganz gerne lese, weil dort nicht nur ansonsten gern übersehene quellen zu finden sind, sondern immer wieder anregende diskussionen - auch und gerade, weil ich mich mit vielen der dortigen userInnen vermutlich schwer in die haare kriegen würde:
"Ich denke dass wir hier mit GO nicht alle dasselbe meinen.
Manch einer hält vermutlich den Zusammenbruch des Finanzsystems bereits für das GO. Ich hingegen sehe das eher als eine Verschnaufpause zum wirklichen GO, das in meinen Augen sehr eng mit PeakOil (und PeakBrain) zusammenhängt und von offthspc schön in einem Satz zusammengefasst wurde:
Das Hauptproblem ist ein kalorisches, wir können Geld drucken wie Heu .. aber kein Heu, keine Kartoffel, keinen Tropfen Erdöl.
Nach dem nahem Finanzcrash wird es vielleicht ein paar Monate oder auch Jahre Versorgungsengpässe geben, Deflation, Depression oder was auch immer.
Solange es aber noch Rohstoffe gibt und genügend Energie, diese zu fördern, sehe ich keine unüberwindbaren Hindernisse, die Platte nochmal zu putzen und den nächsten Level zu starten.
Ein Finanzcrash könnte das wahre GO also noch etwas hinausschieben.
Oder übersehe ich da was?"
"go" steht in der dortigen forumsinternen sprache als abkürzung für "game over", womit im allgemeinen der totalzusammenbruch des globalen wirtschafts- und finanzsystems gemeint ist. aber sowohl frage als auch der sich anschließende diskussionsthread sind sehr spannend und als ergänzung gut brauchbar zum letztens hier verlinkten"tipping point"-papier. meine persönliche meinung dazu ist die, dass ein ökonomischer zusammenbruch nicht sofort das systemende bedeutet, dieses aber unabwendbar einleitet - das ist das, was ich aus dem "feasta-papier" als eine schlußfolgerung gezogen habe. in diesem zusammenhang ist auch interessant, dass im angesicht der nächsten phase der globalen ökonomischen krise besonders die opec ihre ölverbrauchsprognose für das nächste jahr gesenkt hat -was zu erwarten war. einerseits. andererseits fällt bei den zahlen auf, dass trotz der krise der verbrauch bei der opec nur marginal vom hohen niveau herunterkommt bzw. eher verharrt, und die iea ihn sogar steigend sieht - hauptsächlich verursacht durch die nachfrage aus china und indien. das könnte bedeuten, dass die skizzierten prozesse rund um peak oil eher noch schneller eintreten, als selbst die größten pessimisten realisten erwartet hätten.
im zusammenhang mit dem ölpreis gab es vor ein paar wochen in eineminterviewdes wiener "standards" mit einem der autoren der "grenzen des wachstums" vom "club of rome", dennis meadows, ein interessantes statement zu lesen:
(...) "Peak Oil", das Maximum an konventioneller Ölförderung, ist nach den Berechnungen von Meadows bereits 2006 erreicht worden - neue Lagerstätten sind nur mehr sehr aufwändig zu erschließen. Wobei Meadows den österreichischen Umweltminister darauf hingewiesen hat, dass er nicht daran glaubt, dass der Ölpreis über die 200-Dollar-Marke und weiter ins Unermessliche steigen wird: "Ich sehe eher ein Szenario wie in Kriegszeiten - da regelt nicht der Markt den Preis, sondern der Staat die Verfügbarkeit. Man wird also Erdöl rationieren, da kann man dann nicht mehr einfach mit dem Auto spazieren fahren."
Ähnlich werde es mit dem Erdgas passieren: Wenn dieses in Russland knapp werde, dann würde es nicht bloß teuer - es würde für Westeuropa wahrscheinlich gar nicht mehr verfügbar sein. Ähnlich werde es wohl mit US-Energieimporten aus Kanada laufen: "Die behalten das einfach für sich, weil sie es selber brauchen. Es muss klar sein: Man kann das nicht alles substituieren. Wenn wir in den 1970er-Jahren gefordert haben, die Entwicklung des Ressourcenverbrauchs zu bremsen, so müssen wir heute davon ausgehen, dass wir ihn drastisch zurückfahren müssen. Und das heißt nach heutigen Begriffen: Der Lebensstandard wird drastisch sinken müssen." (...)
das ist durchaus eine mögliche variante; fiktional bereits ausgefeilt beschrieben von andreas eschbach in seinem buch "ausgebrannt", zu dem eshiernäheres zu sehen (und zu hören) gibt.
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wo ich gerade beim thema bin: anscheinend seit gestern schwirren wilde gerüchte durchs netz, die sich auf griechenland focussieren - und dabei geht es nicht um den faktisch vorhandenen und nur noch formal zu vollziehenden staatsbankrott, sondern um die tatsache, dass griechenland offiziell in dieförderung von öl und gasim mittelmeer einsteigen will. das ist soweit verifizierbar; undpeak-oil.comliefert ein paar zahlen:
"Die brodelnde Gerüchteküche um den drohenden Staatsbankrott Griechenlands hat jetzt den kommenden Dienstag auserkoren, um die Pleite zu verkünden. An diesem Tag werden Ausschüttungen von 769 Millionen Euro für alte Kredite fällig und es ist fraglich, ob der griechische Staat das Geld besorgen kann.
Zugleich gibt es Meldungen, dass das Land verstärkt in seine Ölförderung investieren will, was einen Blick auf die griechischen Zahlen sinnvoll macht:
Laut CIA Factbook verbrauchte Griechenland 2009 ca. 414.000 Barrel pro Tag und lag damit auf der weltweiten Rangliste auf Platz 34. Die Eigenproduktion betrug ganze 6.779 Barrel pro Tag (also nur 1,6% des Verbrauchs). Immerhin eine halbe Million Barrel Erdöl importiert Griechenland pro Tag, wovon ca. 153.000 Barrel wieder für den Export bestimmt sind (insbesondere für Macedonien). Die geschätzten Ölreserven sind mit 10 Millionen Faß im globalen Maßstab nahezu irrelevant, Griechenland könnte den aktuellen Eigenverbrauch damit nicht mal einen Monat decken." (...)
auch das angehen nicht gerade großer reserven wie in diesem fall lässt sich als typisch für diese zeit betrachten; dazu kommt allerdings noch ein anderer, wesentlich unerfreulicherer aspekt:
(...) "Der jetzt abgegebene Startschuss für die Öl- und Gasförderung ist gefährlich, denn bereits seit langem streitet sich Griechenland mit seinen türkischen Nachbarn um die Hoheitsrechte für eine Handvoll Inseln. Wer wo bohren darf ist deshalb ein sensibles Thema, geht es im Ölgeschäft doch immer um Milliardensummen und großen Einfluss. Auch Zypern, wo nach Gas gebohrt wird, ist "sensibles Gelände", schwelt dort doch seit Jahrzehnten der Zypernkonflikt. Die Türkei dürfte deshalb sehr aufmerksam auf die Entwicklungen im Ionischen Meer und vor Kreta schauen." (...)
und dazu gibt es heute in einem telepolis-forum die folgende, nicht verifizierteinfo, wobei ich den ersten teil für den moment vernachlässigen möchte - das übel steckt im zweiten:
(...) "Der Streit um die -vermutlich- riesigen Öl- und Gasfelder im südöstlichen Mittelmeer scheint zu eskalieren. Die letzten Tage werden erhöhte Truppenaktivitäten beobachtet. Türkische Flottenverbände sind im Umfeld griechischer Inseln positioniert worden. Den Israelischen Luftstreitkräften wurde bereits Zugang zu Stützpunkten der griechischen Luftwaffe gewährt, vor 12 Tagen ein
entsprechendes Abkommen mit Israel abgeschlossen. Es gibt Gerüchte, dass die griechische Regierung die Besetzung der Insel Kastelorizo/Megisti mit ca. 1000 Einwohnern durch die Türkei befürchtet. Merkwürdig, das in den westlichen Medien das Thema keine Beachtung findet.
Bauchschmerzen macht mir, das sich beides so "gut" ergänzt. Die Regierung Papandreou wird sich vermutlich nur halten können, wenn es schwerwiegendere Probleme als die Wirtschaft gibt. Eine
eingeschränkte, länger anhaltende militärische Krise käme der Regierung sicher nicht ungelegen..."
die letzte ansicht teile ich, wobei ein blick auf das östliche mittelmeer deutlich macht, was sich da mittlerweile für ein pulverfass gebildet hat:
griechenland: ökonomische und soziale katastrophe, kurz vor der insolvenz
türkei: stress mit syrien, trouble mit israel, und nicht zu vergessen der ständige unerklärte krieg in den kurdischen gebieten
zypern: lange "befriedet" gewesener zankapfel zwischen griechenland und der türkei, geteilt, wobei beide teile in einer erbärmlichen ökonomischen verfassung sind
syrien: das regime hält sich nur noch offener repression
israel: mit massiven protesten gegen die lebensbedingungen im eigenen land konfrontiert, dazu der ewige palästina-konflikt
ägypten: instabil und grundsätzlich immer noch in einer revolutionären phase
wie eine perlenkette ziehen sich die länder mit massiven innenpolitischen problemen, deren vorgebliche "lösung" weltweit von regimes am rande des zusammenbruchs traditionell öfter in nationalistischen aufwallungen gegen "erzfeinde" außerhalb der grenzen gesucht wurde. wenn dann noch - wie klein auch immer - ein paar ölvorkommen auf umstrittenen gebieten dazu kommen, sind alle zutaten für einen hochexplosiven cocktail beisammen. es gibt neben der oben zitierten info noch eine englischsprachigeap-meldungvom freitag. der komplex bedarf jedenfalls weiter dringender beobachtung.
btw: noch ein interessanter absatz aus dem oben verlinkten artikel von peak-oil.com:
(...) "Die höchstverschuldeten EU-Staaten sind zugleich jene, deren Energieversorgung am stärksten vom Erdöl abhängt: Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien..."
das ist absolut kein zufall und unterstreicht die these, dass die seit 2008 offen laufende weltwirtschaftskrise bereits von peak oil getriggert wird - nicht nur hinsichtlich der energiekosten us-amerikanischer eigenheime, die im sommer 2008 ihre bisherigen höhepunkt erreichten.
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so, jetzt zum schluss noch ein paar meldungen, die ich akut nicht weiter vertiefen kann, aber mir u.u. nochmals zukünftig vornehmen werde: es gibt immer neueölverschmutzungen im golf von mexico, und einerseits wird bp im zusammenhang mit dem "deep-water-horizon"-desaster dafür verantwortlich gemacht, andererseits fanden sich aber vor ein paar tagen auch kurzmeldungenüber ein leck in einer see-pipeline des us-ölkonzerns "chevron" - ich kann dem ganzen gerade nicht näher nachgehen, vielleicht können die leserInnen hier selbst für sich und andere mehr infos beschaffen?
und nochmal ein hinweis auf "die roten schuhe" der mrs. mop, die gestern begonnen hat, über die aktuellenproteste an der wall street in new yorkzu berichten. generell empfehle ich hier bei funkstille meinerseits die blogroll rechts für alle, die interessanten und anregenden lesestoff suchen.
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und zum jetzt wirklichen schluss entlasse ich Sie passend zu all den betrüblichen meldungen mit einem melancholisch-schönen track von boobjazz in den restlichen herbstsonntagnachmittag - der titel, "too high", lässt sich dabei durchaus programmatisch zum zustand bestimmter gesellschaftsmodelle verstehen...
ich bin immer noch weitgehend offline, und das hat mittlerweile neben den technischen problemen auch mit mangelnder zeit im irrgarten von lohnarbeit, selbstreproduktion und sonstiger verpflichtungen zu tun.
vor ein paar tagen habe ich mal einige zeit damit verbracht, mir die alten beiträge rund ums thema öl / peak oil neu zu betrachten und erhebliche redundanzen festgestellt - kein wunder, ist doch hinsichtlich der reinen sachlage inzwischen das allermeiste und wichtigste schon länger bekannt. neben der indexaktualisierung werde ich bei gelegenheit auch drüber nachdenken, diese beiträge irgendwie als komplette sammlung verfügbar zu machen - für interessierte bleibt bis dahin die seiteninterne suche unten rechts.
ich hatte über die jahre auch einige filmische dokumentationen verlinkt bzw. darauf hingewiesen; eine dieser produktionen ist inzwischen in voller länge bei yt gelandet:
"bis zum letzten tropfen" ist vor allem deshalb interessant, weil viele bezüge (und informationen) zu deutschland sichtbar werden, die deutlich machen, dass bspw. die vielzahl von ölförderpumpen in norddeutschland genauso ein indiz für den peak darstellt wie zb. die jüngst bekanntgewordenen pläne eines us-amerikanisch-russischen konsortiums, in der immer eisfreieren arktis unter einem gigantischen kapitaleinsatz (eine halbe billion dollar), enormen technischen problemen und großen ökologischen risiken tiefseebohrungen durchzuführen.
im besten fall kommt es dazu nicht mehr, im schlechtesten fall würden die geschätzten reserven großzügig geschätzt die agonie der kohlenwasserstoffsüchtigen industriegesellschaften für ca. drei jahre verlängern. zu einem in jeder hinsicht unaktzeptablen preis.
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vor ein paar wochen bin ich im lieblingsbuchladen an einem schmalen bändchen mit knalligem orangefarbenen cover und dem titel "vernetzt euch!" hängengeblieben. als ich dann den namen der autorin las, dämmerte mir eine erinnerung - lina ben mhenni - moment, das ist docha tunisian girl, deren blog ich irgendwann zu jahresbeginn bereits einmal bezgl. der tunesischen revolution verlinkt hatte. schon mitgenommen und gelesen - und ich war durchaus beeindruckt. sie schafft es, in einer fragmentarischen und irgendwie auch spröden, sehr nüchternden art und weise sehr viele informationen über ihr land sowie die aktuellen ereignisse rüberzubringen, die mir bis jetzt unbekannt waren.
und ebenso werden möglichkeiten und grenzen deutlich, die virtuelle "soziale netzwerke" wie facebook, twitter und co. unter den verhältnissen eines polizeistaates wie tunesien unter ben ali bieten können. verhältnisse, die sich allerdings von der situation hier doch in einigen wichtigen punkten sehr unterscheiden und nebenbei auch deutlich machen, dass solche diktaturen aufgrund ihrer inneren systemischen unflexibilität als machttechnik doch eine sehr begrenzte möglichkeit darstellen. aus der distanz betrachtet, eine duchaus tröstliche erkenntnis (was nicht für die konkreten opfer einer diktatur gilt).
auch die sozialen konflikte innerhalb der tunesischen gesellschaft werden zumindest erahnbar, und insgesamt möchte ich das buch einfach als aktuelles geschichtsbuch empfehlen. aber auch ihre persönliche (familien-)geschichte, soweit sie sichtbar wird, erzeugt und verlangtrespekt:
(...) »Ich wurde in eine politisch engagierte Familie hineingeboren. Mein Vater hat in seiner Jugend sechs Jahre im Gefängnis verbracht, von 1974 bis 1980. Er war aktives Mitglied der tunesischen Linken unter Präsident Bourguiba. Schon als kleines Kind konnte ich leicht erkennen, welche Spuren die Folter auf seinem Körper hinterlassen hatte. Meine Mutter, die Lehrerin ist, gehörte der tunesischen Studentengewerkschaft UGET an. Bei uns zu Hause guckte man weder die end- und hirnlosen Telenovelas aus Ägypten oder Mexiko, die während meiner Kindheit im tunesischen Fernsehen liefen, noch die Fußballspiele, die von den meisten Tunesiern mit großer Begeisterung verfolgt werden.« So kannte sie das Lied, das die Gewerkschafter im vergangenen Dezember anstimmten, als sie sich gegen die Repression der Polizei wehrten: die »Internationale«. Und als sich ihr Vater an dem Tag, an dem Ben Ali schließlich die Flucht ergriff, den Demonstrationen anschloß, war sie »überglücklich« und berichtet: »Als er zu uns stieß, traute er seinen Augen nicht. Wir standen dicht neben dem Eingang des Innenministeriums, wo man ihn in den siebziger Jahren brutal gefoltert hatte. Ich betrachtete meinen Vater und spürte seine Freude. Er bat mich, das Gebäude zu fotografieren, als wollte er den Alptraum, den er durchlitten hatte, für immer bannen.« (...)
"vernetzt euch!" ist für knapp 4 € in vielen buchläden zu finden.
sehr sehr schade. einfach nur danke für viele stunden des grinsens, kicherns und lauten gelächters. und meinen damaligen wortenhierhabe ich nichts weiter hinzuzufügen. der pirol war in seinem bereich wirklich ein großer.
"Inzwischen ist es nicht mehr ein einzelnes Ereignis, das aufmerken lässt, eher schon die eigenartige Kumulation unterschiedlicher Geschehnisse. Die Nachrichten und Bilder überlagern sich, kaum dass der Betrachter Zeit hat, über die jeweiligen Hintergründe genauer nachzudenken. " (...)
so beginnt ein dokumentierter artikel im linksnet unter der passenden überschrift"Wachsende Unruhe". und ja, inzwischen wird die allgemeine ratlosigkeit ebenso wie die allgemeine gesellschaftliche agonie im angesicht der um sich greifenden krisenprozesse nicht nur online mit händen greifbar (hier ist es schon länger der fall), sondern meiner persönlichen wahrnehmung nach auch zunehmend im sog. real life, der letztlich einzig relevanten realität.
in den letzten wochen habe ich begonnen, nicht nur martensons crash course, sondern auch den im letzten beitrag vorgestelltentipping pointin meinem nächsten umfeld bekanntzumachen. und anders als 2008, wo ich schon mal versucht hatte, ein unverbindliches treffen zu organisieren zwecks austausch über die möglichen verläufe sowie die hintergründe des damaligen ökonomischen krisenauftakts, wurde mir diesmal nicht primär mit verständnislosen blicken geantwortet - die nicht enden wollende ereignisdichte der letzten jahre bringt zunehmend mehr leute ins zweifeln, was aber eben keineswegs im nächsten schritt auf handlungen hinauslaufen muss, sondern genausogut (wahrscheinlich sogar primär) tendenziell solche reaktionen hervorrufen kann, wie ich sie vor einiger zeit bei einem guten freund erlebte, der mir nach einem längeren gespräch sinngemäß das folgende fazit gab: ich hätte ja wahrscheinlich schon irgendwie recht mit meinen befürchtungen, aber er weigere sich, davon seinen alltag beeinflussen zu lassen.
was nicht sein darf, kann auch nicht sein. die eine seite, und die andere ist die, die ich schon vor längerer zeit mal hier in worte gefasst habe: der alltag hier (und auch anderswo) ist mit seinen wirkungen die eigentliche katastrophe, die alle anderen mit hervorbringt. was am ende wieder generell zu unserer art des lebens hier führt.
wenn man sich die ereignisse und die offentlichen/offiziellen sowie "privaten" reaktionen darauf so betrachtet, so fällt neben der schier unbegrenzten ignoranz die entsetzliche dummheit ins auge, die die heutigen "westlich" orientierten (primär aufs ökonomisch-technologische-industrielle niveau bezogen) gesellschaften kollektiv befallen hat. ein nicht unwesentlicher faktor, wenn es um die abschätzung der fähigkeiten geht, auf existenzielle krisen zu reagieren. mit "dummheit" meine ich nun nicht das, was so landläufig darunter verstanden wird, sondern eher ein ganzes set von (vor-)urteilen, handlungsmustern und gewohnheiten, die dafür sorgen, notwendige handlungen und tiefgreifende, auch und gerade persönliche änderungen, nicht durchführen zu können und das sogar noch ganz richtig zu finden. ein wesentlicher punkt in diesem set ist die unfähigkeit, komplexitäten wahrzunehmen und begreifen zu können, was in der heutigen welt zwangsweise sofort ganze ketten von fatalen und destruktiv wirkenden fehlern nach sich ziehen muss.
das lässt sich fast beliebig an so ziemlich jeder einzelnen nachricht in diesen zeiten vorführen. von der "offiziellen" britischen regierungsreaktion auf die riots angefangen, über die jubelmeldungen über das "riesige" gefundene neue ölfeld vor der norwegischen küste (das gleichzeitig ein paar hundert seemeilen weiter eine "shell"-bohrinsel vor sich hinleckt, ist in diesem zusammenhang schon von einer bitterbösen ironie), bis hin zum öffentlich-medialen diskurs über "die wirtschaft" (bzw. ihre krise), bei der sich der wahrnehmungsmässige focus tunnelhaft darauf konzentriert, nach anzeichen und den "richtigen maßnahmen" für "wachstum", "aufschwung" und "stabilisierung" zu fahnden - überall springt einem die dummheit dreist grinsend frontal ins gesicht.
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ich habe neulich mal wieder den inzwischen auch schon in die jahre gekommene spielklassiker "gta 3" herausgekramt, über den ich im zusammenhang mit dem themaamokvor langer zeit hier das folgende geschrieben hatte:
"in "gta 3" ist die an new york angelehnte stadt namens "liberty city" (bereits der name ist der blanke hohn auf die kapitalistische "freiheit") säuberlich unterteilt in die machtbereiche verschiedener banden und clans - von der cosa nostra über die triaden und den yakuza bis hin zum kolumbianischen kokain-kartell ist die elite der als solches definierten organisierten kriminalität vorhanden, und dazwischen tummeln sich etliche, ethnisch organisierte streetgangs. eine brutale und korrupte polizei sowie extrem mißgelaunte und ständig schlagbereite passantInnen vervollständigen ein virtuelles bild, welches sich bei der betrachtung der realität in diversen regionen des planeten nur als prophetisch bezeichnen lässt. vielleicht ist das auch ein - versteckter - grund für manche zensurbestrebungen. in "vice city" und indirekt auch in "gta 3" gibt es dazu regulär bzw. mittels cheats die möglichkeit, selbst als spielfigur amok zu laufen bzw. die gesamte stadtbevölkerung in einen amokartigen kampfzustand "alle gegen alle" zu verwickeln."
insbesondere das "alle gegen alle" kam mir bei ansicht einiger bilder aus den aktuellen britischen riots wieder in den sinn; schon berühmt ist ja inzwischen die szene, in der ein verletzter und am boden liegender junge von einer dazu kommenden gang vordergründig versorgt und dabei nochmals ausgeraubt wird.hm?:
(...)"Um eine USK-18-Einstufung bzw. Indizierung zu verhindern, wurden in den deutschen Versionen einiger GTA-Spiele Inhalte entfernt. Dies betrifft (...) das Nachtreten und Berauben der am Boden liegenden Opfer." (...)
von allen folgen der gta-reihe wurden bis heute auf den verschiedenen plattformen zusammengenommen ca. 100 millionen exemplare verkauft, was "gta" zu einem der erfolgreichsten produkte der popkultur des späten 20. und frühen 21. jahrhunderts macht. und es besteht eine erhöhte wahrscheinlichkeit, dass auch diverse der an den riots beteiligten dieses spiel kennen. haben wir hier also eine klassisch kausale ursache-wirkungs-kette vor uns?
die antwort, die ich darauf bevorzuge, gab der maskierte killer im horrorfim "scream 1" sinngemäß an die überlebende heldin, als diese ihm vorwarf, er habe wohl zuviele horrorfilme gesehen: "schieb die schuld nicht auf die filme, sid. die filme machen niemanden zum mörder, aber sie machen die mörder phantasievoller". das sehe ich analog für spiele wie "gta" ähnlich - sie spiegeln primär die existierende realität (und wie ich damals schon schrieb, in einer teils zynischen und drastischen art und weise), können aber für jugendliche, die aus bestimmten gründen eh schon probleme mit der wahrnehmung der trennung von virtueller und authentischer realität haben, durchaus auf unschöne handlungsoptionen aufmerksam machen. die erwähnte unsicherheit der wahrnehmung erzeugen jedoch können sie mit einiger sicherheit nicht; die stammt aus der alltäglichen realität, geprägt von (materieller) armut, erfahrungen von isolation und ausschluß, "normal" gewordener anwesenheit von gewalt sowie innerlicher verödung. was übrigens bis auf die materielle armut durchaus auch lebenshorizonte sind, die ein zunehmend großer teil der sog. mittelklasse kennenlernen "darf" (bisher noch, ohne groß daraus etwas zu lernen); modifiziert dürfte das in spezieller art und weise selbst auf etliche kinder aus den sog. oberschichten zutreffen - der "goldene käfig" ist nicht nur eine metapher.
waren die riots deshalb "unpolitisch"? natürlich nicht. sie spiegeln ebenso die dominanz bestimmter kapitalistischer ideologischer fragmente wieder ("nimm alles, was du kriegen kannst") wie auch das gefühl der aussichtslosigkeit der eigenen lage, welches in krass unterschiedlichen ausprägungen hinsichtlich der versuchten bewältigung inzwischen zu einem gesamteuropäischen phänomen nicht nur der jugendlichen teile der bevölkerungen geworden ist.
die reaktionen der britischen regierung mögen aus einer bestimmten perspektive alles andere als dumm erscheinen; sind doch sündenbockkonstrukte, geschürter rassismus & klassenhaß nach unten ebenso wie innere aufrüstung nur allzugut bekannte instrumente aus dem arsenal der elitären waffen zwecks machtsicherung. langfristig jedoch ist die damit assoziierte entwicklung im sinne einer tatsächlich lebensbejahenden, ja sogar erhaltenden perspektive schlicht ausdruck von dummheit, antisozialer dummheit im großen maßstab nämlich. was mehr über die innere verfassung dieser "eliten" aussagt als sie selbst ahnen. und es passt sehr gut zu einigen analogen befunden zum gleichen thema, die ich hier in der vergangenheit schon dargestellt habe.
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zum neuen "gigantischen" ölfeld vor norwegen reicht eine kleine rechenaufgabe als kommentar: geschätzt wird das vorkommen auf ungefähr 1,2 milliarden barrel. bei einem täglichen weltölverbrauch von ca. 80 millionen barrel reicht das feld also theoretisch für wie lange? eben. (und das theoretisch bedeutet noch nicht mal praktisch, weil aus technischen und auch physikalischen gründen längst nicht alles öl aus dem boden geholt werden kann. real dürfte das feld eher mal für eine woche reichen, und das ist positiv geschätzt. zurück ins studio.)
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man muss allerdings auch konstatieren, dass sich die erwähnte dummheit nicht nur auf seiten der "eliten" befindet, sondern selbstverständlich auch bei großen teilen derjenigen, die sich solche deformierten subjekte wieder und wieder bspw. als "regierungen" wählen. da gibt es durchaus eine relevante interessengleichheit, was den herrschenden status quo anbelangt, der sich doch bitte bitte niemals ändern soll.
sie steuern allesamt auf ein bitterböses erwachen zu - dann, wenn sie die wand merken, an die sie geknallt sind.
ich habe die aussagen im letzten beitrag schon sehr ernst gemeint; der krisenzyklus, in dem wir uns offen seit 2008 befinden, zeigt einige relevante eigenarten, die ihn von vergangenen "normalen" krisen im kapitalismus deutlich unterscheiden und darauf hindeuten, dass es hier eben nicht nur um die spezifischen ökonomischen abläufe im kapitalismus geht, zu denen zwangsweise eben auch krisen gehören, sondern ein ganzes zivilisationsmodell mit all seinen ex- und impliziten welt- und menschenbildern zur disposition steht. wie steht es nüchtern im "tipping point" auf seite 37? "Wirtschaftswachstum→steigende Energiepreise → Rezession → fallende Energiepreise → erneutes Wirtschaftswachstum auf niedrigerem Niveau wegen sinkender Ölproduktion. Die aktuelle Wirtschaftslage spiegelt den Beginn dieses Sachverhalts wider."
ich hebe peak oil deshalb so hervor, weil hier voraussichtlich die effekte am stärksten spürbar werden (für uns im westen). das papier listet ja ebenso wie chris martenson auch noch ein paar andere "wände" auf, die rasend näherkommen:
generell: zu hohe systemische komplexität verstärkt zwangsläufig alle möglichen systemischen instabilitäten
in nordafrika und dem nahen osten, aber auch anderen regionen wird peak water in form von trinkwassermangel zum prioritären problem werden, und zwar in sehr naher zukunft
weltweit macht sich langsam die überbeanspruchung des nutzbaren bodens incl. erosion bemerkbar
wenn Sie noch nie was von peak phosphor gehört haben, sind Sie wahrscheinlich in der mehrheit. recherchieren Sie einfach mal, was sich dahinter verbirgt
allgemein sind die folgen der (un-)sichtbaren ökologischen schäden in allen möglichen bereichen überhaupt nicht einzuschätzen, was letztlich in einer vernünftigen welt bedeuten muss, sie erst gar nicht entstehen zu lassen
was martenson völlig ausser acht lässt, und im tipping point immerhin in einigen nebensätzen angedeutet wird, ist die tatsache, dass uns all diese prozesse in einer situation erwischen, in der sich große teile der spezies tagtäglich mit den folgen der seit jahrhunderten und generationen akkumulierten gewalt herumschlagen. die direkte konsequenz daraus ist u.a. eine destruktive irrationalität, wie wir sie nicht nur jüngst in großbritannien beobachten konnten, sondern in vielen anderen ländern in anderen formen genauso. ausgerechnet in einer situation, in der soziale fähigkeiten existenziell bereits zum bloßen überleben werden, sind eben genau diese fähigkeiten in großen teilen der bevölkerungen rund um den globus bereits stark ge- und beschädigt. was aus so einer situation entsteht - und das lässt sich an vielen historischen beispielen verifizieren - ist letztlich sowohl von der "mentalität" als auch der basalen organisierung her nichts anderes als die mafia, hier als synonym gemeint. ja, es gibt auch immer gegenbewegungen, dem fakt geschuldet, dass weniger kollektiv sozial und individuell psychophysisch geschädigte bevölkerungsgruppen so etwas wie soziales handeln aufrechterhalten können. die kommenden zeiten werden jedoch vermutlich auf eine finale auseinandersetzung zwischen diesen beiden modellen menschlicher organisation hinauslaufen, bei dem die letztere gruppe unter den denkbar schlechtesten voraussetzungen antritt.
dieser letzte punkt ist es, der mir persönlich die meisten sorgen macht. mit grenzen aller art und nichtmenschengemachten unbilden der umwelt lässt sich - nein, nicht fertigwerden, aber auskommen. menschen können verzichten und sich ebenso an ziemlich widrige umstände anpassen. wenn existenzielle konfrontationen jedoch innerhalb der eigenen spezies existieren, und zwar in einer gesamtsituation, die zunehmend bedrohlich wird, ist das u.u. eine entscheidende komponente, die am ende das pendel final beeinflussen kann.
all das sind aber punkte, die in der diskussion über "die krise" meist schlicht nicht existieren - komplexitätsreduktion in ihrer drastischsten form (ein merkmal, was nebenbei gesagt bei diversen "psychischen" aka psychophysischen störungen sehr relevant für die diagnose ist bzw. sein sollte).
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soweit ein paar allgemeine anmerkungen aus meinem weiter andauernden "analogen exil". nicht erwähnt und kommentiert habe ich jetzt bspw. die unbestätigten meldungen aus fukushima, nach denen rund um die schrottreaktoren spalten in der erde entstanden sind, aus denen radioaktiver dampf austritt (was auf das durchschmelzen des betonbodens hindeuten würde). ebenso nicht die gerüchte um eine zunehmende kriegsgefahr zwischen der türkei und syrien, zwei staaten, die sich in der bekämpfung ihnen unliebsamer bevölkerungsgruppen nicht viel geben. nichts zu den schweren unruhen in china, den protesten in israel, den auseinandersetzungen in tunesien und ägypten, den aktivitäten in spanien und griechenland, der situation in italien...
aber für all das sehe ich sinngemäß vieles von dem gelten, was ich oben beschrieben habe - stichwort dummheit. "elitär", kollektiv, individuell und systemisch. und schließen tue ich passend mit dem schluß des zu beginn verlinkten textes:
(...) "Die Regierenden bringen nichts Vernünftiges zustande. Die Krisenprozesse nehmen weltweit und in den unterschiedlichsten Gestalten zu. Und weit und breit ist niemand unter den derzeitigen Entscheidungsträgern zu sehen, der oder die in der Lage wäre, Lösungen zu schaffen. Es verdichten sich die Anzeichen, dass es auf einen chaotischen Zustand zuläuft. Und die Unruhe wächst."
"Und wenn wir einst aus der Distanz der Geschichte auf unsere Zeit zurückblicken werden, werden die Sorgen um einen Euro-Zonen Staatsbankrott, wegen chinesischer Spekulationsblasen und US Staatsdefiziten nur als Vorboten einer viel gewaltigeren Katastrophe erkannt werden."
die obigen zeilen stammen aus einem papier, welches im frühjahr 2010 veröffentlicht wurde und das ich im letzten jahr bereits einmal ohne weiteren kommentar meinerseits verlinkt hatte. da ich vermute, dass sich die leserInnen hier inzwischen durch dencrash coursevon chris martenson durchgearbeitet haben, sei dieses papier als vertiefende und ergänzende lektüre speziell zum thema peak oil dringend empfohlen - es macht die von martenson bereits angerissene dynamik nochmals um vieles deutlicher. die zusammenfassung aus dem"tipping point"der irischen stiftung feasta lautet so:
(...) "Unserer Meinung nach ist unsere Zivilisation jedoch zumindest an einem kritischen Wendepunkt und möglicherweise vor einem totalen Kollaps. Eine Folge von sich gegenseitig bedingenden Zusammenbrüchen wird beschrieben, dies scheint uns unausweichlich. Das allgemeine Prinzip hinter diesen dynamischen Vorgängen sind sich selbst verstärkende Rückkopplungen.
• Ein Rückgang der Energieflüsse wird die weltweite Wirtschaftsleistung verringern; verringerte weltweite Wirtschaftsleistung wird unsere
Möglichkeiten, Energie zu produzieren, zu handeln und zu benutzen verringern; dies bedingt wiederum eine Reduktion der Wirtschaftsleistung
• Kreditvergabe ist die Quelle unseres Geldkreislaufes und ist die tief verwurzelte, einheitlichen Grundlage globalen Wirtschaftens. In einer
wachsenden Wirtschaft können Schulden und Zinsen zurückgezahlt werden, in einer schrumpfenden Wirtschaft kann nicht einmal die ursprüngliche Schuld zurückgezahlt werden. Anders gesagt können reduzierte Energieströme die zum Bezahlen der Schulden nötige Wirtschaftsleistung nicht aufrechterhalten. Ausständige Schulden sind nicht tilgbar, neue Kredite werden nicht vergeben.
• Unsere lokalen Bedürfnisse und unser Wohlergehen wurden von enorm vernetzten globalisierten Lieferketten immer abhängiger. Eine Säule in diesem System ist Vertrauen in das Währungssystem und in die vermittelnde Rolle der Banken. Geld in unserer Wirtschaft wird durch Schulden gesichert und hat keinen Wert an sich; das Risiko von Deflation oder Hyperinflation gefährdet die Währungsstabilität. Zusätzlich droht dem gesamten Bankensystem die Zahlungsunfähigkeit sobald Darlehen und Vermögenswerte nicht einbringbar sind. Eine kollabierende Infrastruktur reißt die Banken mit in den Abgrund.
• Ein Zusammenbruch der Banken wird den Welthandel stoppen. Unsere „regionalen“ globalisierten Wirtschaftsräume werden zersplittern, denn es gibt in den industrialisierten Nationen so gut wie keine ausschließlich einheimisch produzierten Waren mehr. Je mehr wir von komplexen Systemen und Wechselwirkungen abhängig sind, je globaler diese sind, desto anfälliger sind wir für einen totalen Systemcrash.
• Ein weiterer Eckpfeiler unserer Zivilisation ist der Betrieb lebensnotwendiger Infrastruktur wie z.B. IT-Telekommunikation, Stromerzeugung, Finanzsystem, Transport, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Ein Kollaps in einem System kann zu einem dominoartigen Kollaps in anderen Systemen führen, hervorgerufen durch die ständig steigenden gegenseitigen Abhängigkeiten. All diese Systeme sind von kontinuierlicher Wartung abhängig, benötigen ständig Nachschub an hochwertigen Ressourcen aus komplexen Lieferketten, sind teilweise auf kurze Lebenszyklen ausgelegt und sind oft nur in großen Einheiten wirtschaftlich. Natürlich benötigen sie auch ein funktionierendes Währungs- und Finanzsystem. All diese Abhängigkeiten erhöhen das Risiko eines systemweiten Zusammenbruchs.
• Die Nahrungsmittelindustrie ist besonders in unseren hochentwickelten Industrienationen enorm abhängig von fossilen Treibstoffen, ist verstreut
lokalisiert und in ihren Lieferketten wiederum hochkomplex vernetzt, ohne große Lagerbestände oder Puffer, die Lieferengpässe entschärfen könnten.
Problematisch ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Erzeugung von Nahrungsmitteln, sondern auch die drohenden eingeschränkten
Möglichkeiten, Überschüsse und Mängel an Lebensmitteln auszugleichen. Warum? Fehlende Möglichkeiten, den Handel zu organisieren und zu
finanzieren, bzw. ein Zusammenbruch der Kaufkraft.
• Peak-Oil ist voraussichtlich auch der Höhepunkt der allgemeinen Energieproduktion. Die Möglichkeit, neue und auch alternative Energieträger
aufzubauen, bzw. auch die existierende Energieinfrastruktur zu betreiben, ist wahrscheinlich stark gefährdet. Sehen wir schon bald gravierende Engpässe, ohne die Fähigkeit gegenzusteuern?
• Alles bis jetzt Aufgezählte ist nicht linear, schließt sich auch nicht gegenseitig aus, sondern verstärkt sich im Gegenteil noch" (...)
die besondere stärken dieser knapp sechzig seiten liegen besonders in der nachvollziehbaren darstellung der technologischen und letztlich physikalischen grenzen nicht nur für die westliche, sondern für jede art industrieller zivilisation auf diesem planeten. ebenso werden die fatalen rückkoppelungsprozesse deutlich, die jede art von hochkomplexen systemen am ende wieder "gesundschrumpfen" lassen.
wer will, kann dieses papier ebenso wie martensons crash course mit dem aktuell laufenden börsencrash rückkoppeln; das lässt sich vor allem über eine betrachtung der ölpreise seit sommer 2008 nachvollziehen. was nicht heisst, dass das aktuelle ökonomische geschehen global nun vor allem bereits eine reaktion auf den peak darstellt. aber der letztere spielt ebenso eine rolle wie bei der finanzkrise 2008, vor allem im zusammenwirken mit diversen anderen fatalen eigenarten unseres systems.
aber so oder so: wir sind in der "verlängerung des finales kurz vor abpfiff", wie ich es neulich treffend in einem kommentar an anderer stelle gelesen habe. ob es nun noch drei wochen, drei monate oder drei jahre dauert - who cares? alle sichtbaren versuche vor allem der "politischen eliten" laufen seit geraumer zeit nur noch darauf hinaus, eben zeit zu gewinnen. die hochdynamischen zusammenbruchsprozesse auf inzwischen fast allen relevanten gesellschaftlichen ebenen sind in ihrer komplexität weder zu überblicken und erst recht nicht mehr steuerbar. bleibt nur, sich die folgenden sätze aus dem tipping point zu verdeutlichen, um sich auf die unvermeidlichen schocks mit durchaus traumatischem potenzial innerlich und äusserlich vorzubereiten:
(...) "Wichtig sind jetzt Weisheit und Schnelligkeit. Unser politisches und soziales System hat sich nicht dahingehend entwickelt, um schnelle und entschiedene Handlungen zu setzen. In entwickelten Demokratien versuchen konkurrierende Interessen ein Stück vom Reichtum zu ergattern und den Status Quo zu erhalten. Konstruktives Handeln an den Grenzen des Möglichen ist gefordert, gefordert ist auch individueller Mut und
die Unterstützung derjenigen, die die prekäre aktuelle Lage klar erkennen.
Zuletzt ist das auch eine ganz persönliche Geschichte. Es erwartet uns eine schwierige Zeit, für manche wird sie grauenvoll. Wir werden wahrscheinlich eine bedeutende Zunahme der Sterblichkeit erleben. Es erwartet uns aber auch eine Zeit der Befreiung für viele Menschen, sie werden sich in einer neuen sozialen und persönlichen Rolle wiederfinden, mit neuen Freunden und Verbindungen, mit neuen Fertigkeiten und Aktivitäten, mit der Möglichkeit, anderen zu helfen, frei von der subtilen Verführung des statusbezogenen Konsums, mit Freude gewonnen aus der
gemeinsame Bemühung um ein ehrenwertes Ziel."
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in eigener sache: es kann durchaus noch einen weiteren monat dauern, bis ich wieder einen regelmässigen onlinezugang habe (falls da nicht doch schneller als erwartet ein paar ereignisse dazwischenkommen...) darum muss vieles andere - von fukushima über eine EHEC-nachbereitung bis hin zu der und den globalen unruhe(n) liegenbleiben. was ich selbst mit am bedauerlichsten finde, aber die situation ist nun mal gerade so. ich wünsche Ihnen jedenfalls einen erträglichen restsommer, in dem sehr wahrscheinlich keine langeweile aufkommen wird.
ich muss mich wieder mal kürzer fassen, als es unter anderen umständen der fall wäre, darum gleich zu meinen kernpunkten:
1. das war definitiv kein amoklauf, wie es in vielen medialen beiträgen - am penetrantesten ist mir das bei der "tagesschau" aufgefallen - völlig sinnwidrig behauptet wurde bzw. wird (bei gleichzeitigem verzicht auf das anfänglich noch benutzte wort terrorismus , auf das es inzwischen anscheinend eine art "islamisches copyright" gibt, wenn wir den redaktionen der mainstreammedien folgen). die charakteristika von den als "amok" bezeichneten taten wie den school-shootings hierzulande und in den usa hatte ich in der vergangenheit schon ausführlich behandelt und auch ihre unterschiede zum "klassischen amok", wie er einmal ursprünglich begriffen wurde, dargelegt. die einzige gemeinsamkeit zwischen dem norwegischen terroristen und den amok-tätern lässt sich in ihrer gemeinsamen extremen empathielosigkeit feststellen.
2. letzteres führt gleich zum ebenfalls gerade viel auftauchenden begriff "psychopath", für den ich hier im blog aus gründen stattdessen den etwas präziseren begriff soziopath benutze. der kerl hat in seinem vorgehen eine extrem planende instrumentelle intelligenz an den tag gelegt - bombe auch als eine art ablenkung nutzen, in polizeiuniform auftreten, systematisches abschlachten seiner opfer über eine unfassbar lange zeit - , wie sie auch jedem intelligentem soziopathen ohne weiteres zuzutrauen ist. aber reicht das für diese wertung? ich würde aus gründen aufgrund des bislang vorliegenden materials schon sagen, dass sich auch dieser mann nicht nur bei seiner tat, sondern bereits eine lange zeit vorher überwiegend bis ständig in einem deutlich objektivistischen wahrnehmungsmodus befunden hat, was ihn dann zumindest funktional und temporär zu einer inneren struktur gebracht hat, die oberflächlich nicht groß von einem strukturellen soziopathen zu unterscheiden ist. ob er aber letzteres ist, könnte nur eine detaillierte und auch danach suchende psychiatrische diagnostik ergeben. "geisteskrank" im klassisch falschen und klischeebehafteten sinne ist er deutlich nicht, aber das schließt eine schwere psychophysische störung im objektivistischen spektrum eben keinesfalls aus.
3. was aber auch nicht völlig diese tat zumindest teilweise verstehbar machen würde - aber genau dafür hat er genügend material im netz hinterlassen. ich habe mir gerade mal das inzwischen nur noch schwer zu findende video betrachten können, welches sich als durchaus aufwendig und bildreich im "stürmer"-stil illustrierter demagogischer trailer zum schriftlichen"manifest"verstehen lässt. zu getragen-unheilvoller und irgendwie "mystisch" wirken sollender hintergrundmusik wird in vier teilen die "political correctness", die "islamisierung europas" sowie "widerstand" und "neubeginn" skizziert. was auffällt, ist der oftmalige bezug aufs europäische mittelalter bzw. diverse bekannte und unbekanntere christliche kreuzzügler, garniert mit symbolen und bezeichnungen, wie sie auch auf vielen vt-sites im netz zu finden sind - etwa die eu als "eussr" zu bezeichnen, die europaflagge mit hammer & sichel garniert, oder das logo der britischen bbc mit halbmond kombiniert. ebenfalls werden die am schluß die vier angeblich schlimmsten "genoziden ideologien" benannt, und zwar in der reihenfolge islam - kommunismus - nationalsozialismus und christentum (!). am ende werden die neuen " europäischen tempelritter" dann auf ihre konkreten ziele für den bis 2083 zu gewinnenden krieg gegen den islam verpflichtet:
dieses eigenartige programm weckt nicht zufällig erinnerungen an die us-amerikanische "tea party"; ebenfalls sind das durchaus ein paar essentials vieler jener "neurechten" bzw. rechtspopulistischen parteien und bewegungen, die sich in vielen europäischen staaten seit ca. zwei jahrzehnten deutlich beobachten lassen. im schriftlichen "manifest" werden diese punkte genauer ausgeführt; der "kulturelle marxismus" wird primär an der "frankfurter schule" festgemacht und diese u.a. wiederum mit leuten wie gramsci, marcuse, fromm, reich und natürlich adorno identifiziert. der von diesen verbreitete "kulturelle marxismus" ist in der logik die basis für die "political correctness", die wiederum den boden für die "islamische übefremdung" bereitet.
falls Ihnen diese argumentationskette aus vergangenen öffentlichen "diskussionen" nicht nur hierzulande eigentümlich vertraut vorkommt, so ist das absolut kein zufall. ausgerechnet "spon" hat gerade einen ganz brauchbaren beitrag zu jenerideologischen matrix, in der sich nicht nur der täter bewegt. vor diesem hintergrund betrachtet, ist das massaker eine sehr bewusst geplante und ausgeführte aktion im sinne einer "propaganda der tat", für die ganz folgerichtig nach ihrer logik plausible angrifssziele, nämlich primär die als "kulturmarxistisch" identifizierte sozialdemokratische partei in norwegen, ausgewählt wurde.
ist es also auch insgesamt betrachtet wahnsinn, so hat es doch methode. der täter sah sich aus seiner perspektive letztlich "genötigt", zur entsetzlichen tat zu schreiten - der satz "es muss getan werden" taucht sinngemäß oft in dem kontext auf und erinnert daran, dass ausgefeilte ideologische konstrukte für das innenleben ihrer träger oft genug einen steigenden touch ins objektivistische produzieren können bzw. bereits ausdruck dieses letzteren sind. und das ist dann die basis für dieses quasi-soziopathische, was ich weiter oben beschrieben habe. der wahn dieses mannes (und vieler anderer) ist also durchaus als klinisch relevant zu begreifen, kann jedoch wie üblich in solchen fällen von der orthodoxen psychiatrie nicht als solcher erkannt werden - zu den gründen dafür gab´s ebenfalls ein früheren beiträgen schon einiges zu lesen.
insgesamt werden wir aber jetzt bei weiterem bekanntwerden der skizzierten hintergründe ein spektakel von vernebelung, desinformation und spurenverwischung erleben, welches in grundzügen schon an vielen stellen eingesetzt hat - der "irre amoklaufende einzeltäter" mit seiner "wirren gedankenwelt" hat eben viel zu viele bezugspunkte zu einigen starken europäischen " rechten politischen" (real: paranoiden und objektivistischen) strömungen, die sich bis in elitäre kreise wachsender aufmerksamkeit erfreuen, als das ein derartiges massaker die zukünftigen projekte der "rechtspopulisten" imagemässig nachhaltig beflecken darf. in diesem fall müssen sie sich allerdings ausnahmsweise einmal wirklich anstrengen.
der name des verantwortlichen autors, chris martenson, tauchte hier schon mal vor ein paar jahren in einer folge derkrisennewsauf, und meinem damaligen kurzstatement zu ihm habe ich erstmal nichts weiter hinzuzufügen. bekannt wurde martenson letztlich aber vor allem durch seinen crash course; ein versuch, die komplexität vieler der heute drängenden probleme - ökologisch, ökonomisch und energetisch - endlich einmal nachvollziehbar im zusammenhang darzustellen und den begriff der krisenkaskade anschaulich zu machen. trotz kritik an einigen seiner punkte und schlussfolgerungen halte ich das ganze vorhaben in wesentlichen teilen für gelungen und durchaus "didaktisch" geeignet, unser aller situation etwas besser zu begreifen. darum also meine empfehlung - Sie sollten sich dafür ca. zwei bis drei stunden zeit nehmen:
der link wurde in den letzten wochen zwar schon an etlichen stellen im netz veröffentlicht, aber ein weiteres mal kann nichts schaden.
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und kurz in eigener sache: ich bin weiterhin größtenteils offline; ein ende ist noch nicht abzusehen. von daher wird hier nur sehr, sehr sporadisch etwas neues erscheinen.