vor allem anderen möchte ich heute allen leserInnen zunächst diesenkommentarvon "spuren4" nahelegen. lesen Sie ihn, lesen Sie ihn nochmal und nochmal und machen Sie sich inhalt und bedeutung dessen, was da steht, bewusst.
@"spuren4": erstmal vielen dank für den beitrag; ich hätte dazu einige fragen und würde mich freuen, wenn Sie michkontaktierenwürden, falls Sie lust haben.
(...) "Einer der es wissen muss, Drogenberater Richard Kingdon, spricht von einer alarmierenden Entwicklung. "Ich beobachte eine steigende Zahl von Leuten, die verschiedene Drogen nehmen, um mit den Folgen des Stresses in ihrem Berufsleben fertig zu werden", sagt der 42-Jährige. Er allein habe in den vergangenen zwei Jahren fast 100 Klienten betreut - von Alkoholabhängigen bis hin zu Ecstasy- und Kokain-Konsumenten.
Kingdon ist der Gründer des privaten Rehabilitationszentrums "City Beacon" (City Leuchtfeuer), das sich speziell um die Probleme von Beschäftigten in der Londoner City kümmert. Nach seinen Erfahrungen wird schon längst nicht mehr nach so genannten weichen Drogen wie beispielsweise Cannabis gegriffen. Kokain ist stattdessen das Rauschmittel der Wahl.
Das weiße Pulver ist in den vielen Bars und Pubs in der Londoner City erhältlich. Vertrieben wird es von professionellen Drogenhändlern, die die Bedürfnisse ihrer wohlhabenden Klientel kennen. Diskretion ist oberstes Gebot. Schließlich soll nicht gerade der Chef mitbekommen, wie sein untergebener Mitarbeiter mal schnell eine Linie zieht. Bezahlt wird in bar. Es soll sogar eine Art Partyservice geben, wo der Drogendealer am Wochenende ins Privathaus seiner illustren Kunden kommt." (...)
ich bin gerade zu faul, entsprechende berichte aus den letzten jahren herauszusuchen, muss aber bei dieser gelegenheit wieder einmal mehr feststellen, dass das gesamte thema "drogen" hier im blog eindeutig zu kurz kommt, was vielleicht auch etwas damit zu tun hat, dass ich mich in den jahren vor beginn des schreibens hier beruflich und privat in verschiedenen kontexten mit dem ganzen komplex ausführlich beschäftigt habe und diesbezgl. etwas übersättigt bin. ich gehe jedenfalls stark davon aus, dass die rolle von psychoaktiven substanzen aller art - ob "legal" oder "illegal" - gerade in der aktuellen gesellschaftlichen situation nicht zu unterschätzen ist und ähnlich wie dasölauf einer anderen ebene als schmierstoff für das ganze system unerlässlich ist (meine persönliche vermutung ist zb., dass hierzulande am schnellsten ein aufstand losbrechen würde, wenn man konsequent den alkohol vom markt nehmen würde, und zwar ohne jede möglichkeit für irgendwelche ersatzsurrogate.)
kokain und speed (amphetamine) jedenfalls passen perfekt zur diesen milieus - wie arsch auf eimer.
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zum kommenden samstag, dem 15.: inzwischen sind in über 70 ländern global proteste angekündigt, und es lässt sich eine gewisse eigendynamik beobachten. zum ganzen thema morgen mehr.
"Alle (...) schauen zu, geduldig und nett, wie wir postmodernen Menschen heute sind. Es ist viel zu ruhig.
Es ist längst Zeit, das Staunen über die irrwitzige Geschichte von den mehrfach gebündelten Schrottpapieren und den kriminellen Systemen, die ihre Verbreitung zum Geschäft gemacht haben, diesen Dealern mit gepanschten Finanzspritzen, zu überwinden und das ganze Ausmaß der sich gerade voll entfaltenden Weltkrise ins Auge zu fassen. Das monatelange öffentliche Kümmern um die Banken hat wenig gebracht und führt dazu, die akute Gefahr kommender sozialer Krisen zu vernachlässigen. Wir haben bald ganz andere Probleme, abstrakt war letztes Jahr: In Island führten Proteste der chronisch friedlichen Bevölkerung, die langen schlechten Zeiten entgegensieht, zum Sturz der Regierung, der auch nur ,abwiegeln‘ und ,weiter so‘ einfiel.
Die angesehene Zeitschrift „Foreign Policy“ hat nun die Liste der „nächsten Islands“ veröffentlicht, Staaten, bei denen sich totale Überschuldung, politisches und wirtschaftliches Missmanagement und ein kompletter Glaubwürdigkeitsverlust der Regierenden krisenhaft zuspitzen. Nicaragua ist dabei, alle anderen aber liegen in und bei Europa: Großbritannien, Griechenland, Lettland und die Ukraine. Deren wachsendes Elend wird nicht stumm bleiben. Abgesehen von Streiks, Demonstrationen, Unruhen und Plünderungen können wir rassistische Ausschreitungen gegen Migranten und Minderheiten, politische Instabilität, höhere Kriminalität und generell eine um sich greifende Gewaltbereitschaft und Radikalisierung erwarten. Diese Krise beschert uns zerfallende Gesellschaften in unserer Nachbarschaft: Wo noch die Republik war, herrscht bald die Mafia. Krise ist keine Frage von Blasen und Buchungen, da geht es um durchgeheulte Nächte. Anderswo, unter den chinesischen Wanderarbeitern und bei den Illegalen, die aus Afrika nach Europa wollen, wird die Krise Leben kosten."(...)
obiges zitat stammt aus einem bemerkenswerten text aus der "frankfurter allgemeinen" aus dem frühjahr 2009, und man kann ihn so, wie er da steht, auch als aktuelle zustandsbeschreibung lesen. die liste der "failed states" sowie die prognostizierten (anti-)sozialen folgen sind innerhalb der letzten jahre bis heute allesamt in mehr oder weniger großem ausmaß realität geworden- die august-riots in großbritannien, die seit monaten andauernden pogrome gegen sinti/roma vor allem in vielen osteuropäischen staaten sind ebenso wie die vielfältigen europäischen und us-amerikanischen "rechtspopulistischen" strömungen diejenigen "lösungen", die sich in elitären kreisen großer beliebtheit erfreuen. und nicht zuletzt deswegen habe ich denletzten beitragso formuliert, wie ich´s getan habe - denn das oben skizzierte ist die sehr wahrscheinliche variante dessen, was kommt, wenn jetzt nicht begonnen wird, zumindest potenziell emanzipatorische proteste, und letztlich auch massive und wirkungsvolle widerstandsoptionen, in die öffentlichkeit zu bringen, bekanntzumachen, zu diskutieren und umzusetzen. ich halte das dafür vorhandene zeitfenster für begrenzt und plädiere stark dafür, sich ein beispiel an dem derzeitigen breiten schweigen der sog. "tea party" in den usa im angesicht der regelrecht explodierenden occupy wallstreet-bewegung zu nehmen. solche und ähnliche aktionen und ziele sind genau das, vor dem die herrschaften am meisten angst haben.
markus gärtner, dessenwirtschaftsblogich bei der gelegenheit gleich mal neben den querschüssen empfehlen kann, schreibt in einem ausführlichenartikelim "manager magazin" speziell zu diesem punkt:
(...) "Dass die Bewegung so schnell Zulauf erhält und der Wall Street durch ihre Erfolge näherrückt, macht einige an den Finanzmärkten bereits nervös. Beim Gipfeltreffen der Geldbranche zum Thema Bankentechnologie in Phoenix in der vergangenen Woche sei Occupy Wall Street "ein siedend heißes Thema" gewesen, räumt das Fachmagazin "Bank Systems Technology" ein. Und der Hedgefondsmanager Jim Cramer, eine Fernsehlegende unter amerikanischen Kleinanlegern, sinnierte in der jüngsten Sendung, die Proteste seien "beunruhigend für die Geldinteressen" im Lande." (...)
möge die beunruhigung schnell der nackten panik weichen! die zeit dafür ist überreif.
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bis es soweit ist, wird allerdings noch so mancher kampf zu fechten sein - so wurde heute morgen ein camp von occupy boston geräumt, wobei die cops gegen menschen und dinge wenig zimperlich vorgegangen sind - besonders die "veterans for peace", also jene ex-soldaten aus den kriegen von vietnam bis zum golf, wurden mittels prügeln traktiert, und es ist die rede von über 100 festnahmen plus etliches an zerstörtem (camp-)material.
so sah es da gestern abend aus...
...und das passierte in der nacht bzw. am frühen morgen:
ausführlicher und mit fotos ist das alles direkt beioccupy bostonnachzulesen.
aus eigenem erleben weiß ich, dass derartiges agieren der staatsgewalt nachdrückliche lerneffekte nach sich ziehen kann, und zwar nicht unbedingt im beabsichtigten sinne. und ich wüsste keinen grund dafür zu nennen, warum das - wenn solche bilder mehr werden - bei den menschen in den usa anders sein sollte.
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ich hatte im letzten beitrag vergessen anzumerken, dass sich am 15. in über 40 ländern weltweit etwas tun wird - die liste ist mittlerweile ellenlang: brasilien, indien, australien, so ziemlich alle europäischen staaten, die usa, kanada, chile, neuseeland, ägypten... es wird sehr interessant und lehrreich sein zu sehen, wie sich jeweils der protest äussern wird, was gefordert wird und wie die jeweiligen staatlichen reaktionen ausfallen werden. vielleicht können wir wirklich die geburtsstunde einerglobalen bewegungerleben.
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aus dem zitat vom anfang:
"Krise ist keine Frage von Blasen und Buchungen, da geht es um durchgeheulte Nächte."
das fand ich damals schon eine absolut nötige anmerkung, und auch in den jahren seit 2008 fanden sich bereits hier und da immer wieder meldungen wiediese:
"Die Wirtschaftskrise macht den Griechen zu schaffen - und das nicht nur finanziell. Laut einer neuen Studie zerfällt das staatliche Gesundheitswesen, die Zahl von Suiziden und Krankheitsfällen steigt rapide. Schon warnen Mediziner vor einer "griechischen Tragödie". (...)
auf dem ziemlich eindrucksvollen us-blog"we are the 99 percent"lässt sich anhand diverser schicksale nicht nur der us-amerikanischen mittelklasse nachlesen, warum es um durchgeheulte nächte geht, und was das unmittelbar mit bankbilanzen, börsenkursen und überhaupt dem ökonomischen system zu tun hat.
dabei fiel mir dann auch die eigene,sehr unvollständige liste von todesfällen im zusammenhang mit antisozialer politikein, die ich vor jahren erstellt hatte (ich weiß inzwischen von weiteren "fällen" nach 2006, schaffe das jedoch nicht, alles nachzurecherchieren). wir erinnern uns: in tunesien waren die "selbstmorde" von verzweifelten und verarmten letztlich das auslösende moment für den sturz einer diktatur; in den usa erkennen sich viele in den trostlosen geschichten der 99% wieder - nur hierzulande wird schamhaft gestorben, still und heimlich von der bildfläche verschwunden, und ebenso still vor sich hingelitten - und es dürfte da draussen genügend geben, die das auch ganz richtig so finden. ich fürchte, dass das so einiges über die tatsächliche menschliche qualität dieser gesellschaft hier aussagt.
seit dem letzten beitrag vom vergangenen sonntag haben sich die ereignisse nochmals beschleunigt - einerseits deuten die sich jagenden meldungen über "abgeratete" banken und staaten, gerüchte über immer wieder neue "rettungsschirme", die miesen ökonomischen indexe vieler staaten weltweit darauf hin, dass vieles, was bereits - nicht nur von mir hier im blog - seit 2008 befürchtet wurde, in dieser neuen krisenrunde realität wird und wir inzwischen am rande des abgrunds für das internationale finanzsystem wandeln. was ja an und für sich nicht nur nicht ein problem, sondern eigentlich eine erleichterung sein könnte, wären die absehbaren verwerfungen des finalen sturzes nicht so gewaltig. andererseits reifen auch die oppositions- und widerstandsbewegungen weltweit. und vermutlich nicht nur mich hat die geschwindigkeit und massivität überrascht, die sich im gefolge von occupy wallstreet beim protest in den usa zeigt - dargestellt zb. anhand einer schönenfotoserie.
mittlerweile gibt es ableger in so ziemlich allen relevanten us-städten, und erstaunlicher noch auch in einer vielzahl von dem, was sich mit fug und recht als provinzkäffer im hinterland der usa bezeichnen ließe. und es sind auch nicht mehr nur jeweils ein paar hundert, die da demonstrieren und zeltlager errichten. ebenfalls ist eine härter werdende gangart der - noch - jeweils verantwortlichen bundesstaatlichen repressionsorgane festzustellen - nicht nur in new york kam es zu verschiedenen terminen zu auseinandersetzungen mit den cops, sondern auch in seattle, san francisco u.a. metropolen. und so verwundern prognosen wie die folgende nicht - sandra navidi, wohl das "top-model" in broker-, börsen- und beraterkreisen, ehemals im team von roubini, inwischen mit eigener beratungsfirma im haifischbecken zugange, im interview auf n-tv:"Man wird hart durchgreifen". ihre ausführungen zur aktuellen ökonomischen lage sind dabei nicht halb so interessant wie ihre beobachtungen einer übung der us-army in downtown boston. 2008 gab es bereitsähnlicheszu vermelden; allerdings hielten sich die damaligen proteste in der folge dann doch in grenzen. was inzwischen anders aussieht.
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aber zum 15. oktober: ursprünglich und schon vor monaten als idee eines globalen aktionstages aus spanien gekommen, findet nicht nur diese idee aufgrund der aktuellen entwicklungen nahrung; inzwischen geht es vielmehr darum, den tag als beginn einer weltweiten und kontinuierlichen oppositonsbewegung zu nutzen, lose angelehnt und eindeutig inspiriert von denjenigen aktionsformen und auch forderungen, wie sie von ägypten über spanien und griechenland jetzt an der wall street zu sehen und zu vernehmen sind.
der bayrische (!) rundfunk beteiligt sich mit einem - ähm, mobilisierungsvideo...
...welches in seiner fixierung alleine auf die banken natürlich nur einen teil des problems benennt - aber es ist interessant, wie sich die stimmung, und zwar anders als noch 2008, auch medial vor allem gegen die banken zu wenden scheint. könnte auf ein gedachtes bauernopfer hinauslaufen, mit dem die anderen systemteile noch "gerettet" werden sollen. was natürlich nicht klappen wird und kann, weil die unterscheidung zwischen finanz- und "real"wirtschaft in letzter konsequenz nicht existiert. andererseits ist es keinesfalls verkehrt, sich zunächst den banken zu widmen und von da aus den ganzen rest gleich mit aufzumischen.
die im obigen video enthaltenen punkte könnten dabei eine art minimalkonsens darstellen, den ich richtig finde und auch gerne unterschreibe - "we are aware ... of unfair systems which boost egoistic and anti-social behaviour". oh yeah.
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zu diffuse, gar "falsche" forderungen? zuwenig programmatik, zu wenig vorstellungen über das, was nach diesem system folgt? illusionäre gedanken über "demokratie", mangelnde kenntnisse über das funktionieren des kapitalismus? personalisierte kapitalismuskritik mit offenen flanken hin zu antisemitischen stereotypen?
geh mir wech - all das und ähnliches war in den letzten jahren vor allem aus den mündern vieler hiesiger linker diverser coleur, ob "prominent" oder nicht, zu vernehmen, wenn es um proteste seit 2008 geht. und so richtig diese fragen aus einer bestimmten perspektive auch sind, so falsch und sogar irrelevant sind sie aus einer anderen. und noch nicht damit durch, die aufstandsbewegungen des arabischen frühlings zu begreifen, kommt es für die bedenkenträgerInnen jetzt knüppeldick - gegen die wall street? in den usa? sich ausbreitend? die leute wagen es, ohne die richtige theorie in der tasche das wort revolution zu benutzen? die passende erwiderung darauf steht imkommenden aufstand, auf seite 63 der im netz kursierenden und auch im beitrag verlinkten pdf-version:
"Es gibt keinen Grund mehr zu warten – auf eine Aufheiterung, die Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu warten ist Wahnsinn."
und letzteres habe ich in vielen diskussionen der letzten zwei bis drei jahre hier im blog im- und explizit immer vertreten. um es kurz zu machen: so tief, wie wir kollektiv tatsächlich in so ziemlich jeder hinsicht in der scheisse stecken, ist weiteres abwarten - und worauf überhaupt? - tatsächlich wahnsinn. das neue, was da kommen mag, entsteht nicht durch wohlformulierte theorien innerhalb heimeliger seminarzirkel, sondern in der direkten auseinandersetzung, der kommunikation und dem handeln auf der strasse. die risiken und gefahren eines solchen prozesses sind groß, was mir durchaus bewusst ist. wir gehen in den kommenden zusammenbruch auch mit den denkbar schlechtesten voraussetzungen, was v.a. das "bewusstsein" vieler menschen über sich selbst und ihre eigenen involviertheiten im system betrifft. und dennoch ist alles andere, als jetzt den prozeß - egal ob man ihn nun als transformation, revolution oder evolution begreift - zu beginnen, ein schwerer fehler. das zeitliche zusammentreffen der innerkapitalistischen widersprüche, manifestiert in einigen mechanismen, die zur ökonomischen krise beitragen mit den sich bemerkbarmachenden physikalisch-energetischen grenzen des planeten, symbolhaft im peak oil enthalten, mit der katastrophalen ökonomisch-psychosozialen lage von millionen von menschen weltweit und den ökologischen verwüstungen kaum mehr einschätzbarer dimension laufen allesamt auf einen punkt hinaus:
(eine anmerkung für bremen: occupy together vermittelt als treff für den 15. den domshof um 12.00 h, das 15october.net den bahnhofsplatz um 16.00 h. wenn sich das nicht noch klärt, empfielt es sich, beide termine zu besuchen.)
"Wütende Isländer haben ihre Parlamentsabgeordneten am Samstag mit Eiern beworfen. Über 1000 Menschen versammelten sich zum Auftakt der Sitzungsperiode vor dem Parlament in der Hauptstadt Reykjavik.
Von lautstarkem Trommeln auf Töpfen und Pfannen begleitet, forderten sie von der Regierung mehr Unterstützung für Haushalte, die nach dem Zusammenbruch der isländischen Banken 2008 und der anschliessenden Wirtschaftskrise hoch verschuldet sind." (...)
"Erstmals in der Amtszeit der Mitte-Rechts-Regierung ist es in Portugal zu Großkundgebungen gegen den Sparkurs gekommen. In Lissabon und Porto folgten mehr als 150.000 Menschen dem Aufruf der größten Gewerkschaft des Landes.
Auf Plakaten und Sprechchören protestierten die Demonstranten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung, die wachsende Armut sowie den Einfluss des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Gewerkschaft kündigte an, gegen weitere Kürzungen bei Löhnen und Renten zu kämpfen - notfalls auch mit einem Generalstreik." (...)
"Mehr als 700 Menschen sind in New York festgenommen worden. Sie haben auf der Wall Street gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise und die Macht der Banken protestiert." (...)
mittlerweile breitet sich die "occupy!"-bewegung rasant aus, in los angeles, washington, boston und vielen anderen größeren und kleineren städten quer durch die usa entstehen entweder ähnliche zeltlager auf öffentlichen plätzen oder aber finden andere aktionen statt, in einigen städten wie boston auch vermischt mit z.zt. ebenfalls aktiven initiativen speziell gegen die "bank of america", die sich gerade besonderer öffentlicher zuneigung erfreut. einen überblick gibt´s beioccupy together, und natürlich widmet sich dankenswerterweise einmal mehrmrs. mopdem geschehen im landoffreedomanddemocracy(TM). man kann sich lebhaft die schlagzeilen vorstellen, wenn es diese 700 verhaftungen in china oder auch dem iran gegeben hätte...
aktuell demonstrieren in manchester anlässlich des dortigen parteitags der britischen "konservativen" ca. 30.000 leute nicht nur gegen deren politik, sondern allgemein gegen das soziale elend auf der insel und weitere geplante "sparmaßnahmen". hinter dem link verbirgt sich ein liveticker.
"Die harten Sparmaßnahmen der Regierung und die Rückkehr der Troika nach Athen haben auch am Freitag zu diversen Demonstrationen und Protestaktionen geführt, darunter auch zu Besetzungen von Ministerien durch Angestellte. Am Freitagmittag traf sich die Troika-Delegation mit dem Finanzminister und stellvertretenden Regierungschef Evangelos Venizelos und mit dem Minister für Verwaltungsreform und E-Goverment Dimitris Reppas. Für den Abend war zudem ein Treffen mit dem Minister für Infrastruktur, Transport- und Netzwerke, Jannis Rangoussis, geplant. Besprochen werden sollten bei diesem Treffen die Liberalisierung der geschlossenen Berufe und Veränderungen im öffentlichen Nahverkehr. Weil der Eingang zum Transportministerium, das sich an der Athener Mesogion-Avenue befindet, von etwa 50 Angestellten des Ministeriums besetzt bzw. gesperrt worden war, musste dieses Treffen an einen anderen Ort verlegt werden.
Bereits zum zweiten Tag sind heute auch die Ministerien für Finanzen und Umwelt von aufgebrachten Beamten besetzt. Auch dort sollten geplante Treffen zwischen Venizelos und den Troika-Experten verhindert werden." (...)
"In Chile haben am Donnerstag nach Angaben der Veranstalter erneut bis zu 150000 Schüler, Lehrer und Studenten gegen das herrschende Bildungssystem protestiert. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Die Hochschulbildung in Chile ist eine der teuersten der Welt. 80 Prozent der Kosten müssen von den Studierenden aufgebracht werden." (...)
und so ließe sich eine ganze reise rund um den globus veranstalten - es laufen aktuell und / oder sporadisch größere und kleinere aktionen gegen die jeweilige herrschende politik und vor allem die bisherigen krisenfolgen in derart vielen ländern, dass man glatt den überblick verlieren kann. und auch all die nordafrikanisch und arabischen staaten haben erst mehrheitlich begonnen, die erste phase eines ungewissen wegs in einen wirklich revolutionären übergang zu beschreiten - der sturz von diktatoren und autokraten ist dabei vermutlich sogar noch eine der im vergleich "leichtesten" übungen.
ich verkneife mir an dieser stelle jegliche anmerkungen zur hiesigen kollektiven sedierung, das würde dann doch nur in wilde und nicht druckreife flüche ausarten. in diesem land existiert keinerlei wirkliche opposition, erst recht und gerade nicht von "links". aber das ist ein anderes thema aka trauerspiel.
nachdem ich kürzlich schon einmal eine empfehlung für seinentext zu den britischen riotsauf den "nachdenkseiten" gegeben hatte, kommt nun eine weitere: klar, dass ich beidiesem titelaufmerksam wurde - auszug:
(...) "Die vom Markt propagierten und für ein erfolgreiches Agieren auf dem ökonomischen Parkett erforderlichen Eigenschaften und Haltungen sind inzwischen bis in die Poren des Alltagslebens vorgedrungen. Eine allumfassende Rücksichtslosigkeit, ein zur Egomanie gesteigerter Individualismus, Zynismus und Gleichgültigkeit prägen den zwischenmenschlichen Umgang. So geht das „Zeitalter des Narzissmus“ bereits mit der nächsten psycho-historischen Entwicklungsstufe schwanger. Das Innenleben des allseits kompatiblen und fungiblen Menschen, den Markt, Wirtschaft und Pädagogik propagieren, weist eine große Ähnlichkeit mit dem eines Menschentypus’ auf, den wir heute noch als „Psychopathen“ stigmatisieren und den Gefängnissen und forensischen Psychiatrien überantworten. Wenn hier vom „Psychopath“ die Rede ist, ist nicht die umgangssprachliche Bedeutung gemeint, die darunter einen „durchgeknallten, unberechenbar-brutalen Typ“ versteht, sondern eine psychiatrische Diagnose, die in jüngerer Zeit von den amerikanisch-kanadischen Psychiatern Cleckley und Hare formuliert wurde. Die Diagnosemanuale beschreiben den „Psychopath“ als zur Einfühlung in andere unfähig, oberflächlich charmant, anpassungsfähig, zynisch-kalt, bindungs- und skrupellos und ausschließlich an privater Nutzenmaximierung interessiert. Das sind genau die Eigenschaften, die die Hasardeure und Gurus der New Economy und der Finanzwelt aufweisen, die uns an den Rand des Abgrunds manövriert haben und weiter manövrieren.
Vor einigen Jahren haben Paul Babiak und Robert Hare unter dem Titel „Menschenschinder oder Manager“ (München 2007) ein Buch herausgebracht, in dem sie die Unternehmen und die Finanzwelt vor dem Vordringen von „Psychopathen“ in Führungspositionen warnten, weil ihre Skrupellosigkeit und grenzenlose Risikofreude ihnen langfristig großen Schaden zufügen würden. Eine Psychologie, die ihre Erkenntnisse ans Business verschachern will, muss die Systemfehler beim einzelnen Mitarbeiter suchen und nicht bei den Strukturvorgaben einer kapitalistischen Wirtschaft. Die akademische Psychologie ist auf dem gesellschaftlichen Auge blind und versucht deshalb, wie Peter Brückner bemerkte, „den Stand der Gestirne bei bereichsweise bedecktem Himmel zu bestimmen“. Sie kann nicht erkennen, dass die beklagten Phänomene eine Begleiterscheinung des neuen kapitalistischen Zeitalters darstellen, das sich im Abschied von der traditionellen „stakeholder value“- zugunsten der „shareholder value“-Orientierung Ende der 90er Jahre ankündigte. Die entfesselt und hemmungslos, also, wenn man so will, „psychopathisch“ gewordene Geldwelt zieht wie ein Magnet „psychopathische“ Menschen an und produziert sie." (...)
tja. ich weiß nicht mehr, wie oft ich mich in den vergangenen sechs jahren hier im blog u.a. genau diesen entwicklungen von verschiedenen seiten gewidmet habe. immerhin - und leider - werden diese trends zunehmend von anderen wahrgenommen. "leider" deshalb, weil ich mich am ende in diesen fragen ganz gerne geirrt hätte, auch wenn mir meine intuition ebenso wie meine objektivistische vernunft meistens deutlich etwas anderes sagt.
ich hatte gerade mal blogintern recherchiert, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich zu den erwähnten (nicht zitierten) entwicklungen innerhalb der diagnostischen modellwelt des manuals dsm, die eisenberg als aufhänger benutzt, nicht schon mal ein paar worte geschrieben habe, konnte aber nichts finden. tatsächlich habe ich schon vor monaten etwas über die geradezu als spektakulär zu bezeichnenden revisionen im "neuen" dsm gelesen und weiß noch, dass mir besonders die geplante streichung der narzisstischen persönlichkeitsstörung ebenso wie einige tiefgehende veränderungen (bzw: war´s nicht auch die völlige abschaffung der diagnose?) im modell der borderline-ps schwer zu denken gaben. in"wahnsinnige liebe" und die borderline-gesellschaft ist einiges von der veränderten psychiatrischen wahrnehmung besonders bei den beiden genannten störungen zu lesen, und im prinzip wird da bereits in anderen worten das formuliert, was eisenberg oben ausdrückt.
ich möchte seinen text ausführlicher kommentieren, werde da aber frühestens erst zum wochenende zu kommen. mehr dann an dieser stelle. aber schließlich können Sie sich selbst schon mal ein paar gedanken machen.
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letztere mache ich mir gerade auch über ein video, welches die britische bbc veröffentlicht hat und das sich seit ein paar tagen wachsender und großer öffentlicher aufmerksamkeit erfreut - unter dem titelgoldman sachs regiert die welthat das blog von cashkurs sowohl das video verlinkt als auch eine deutschsprachige übersetzung der gesamten geschichte. gerüchte, dass es sich bei dem interview um einen fake handelt, womöglich gar von den genialenyes meninitiiert, geistern ebenfalls durchs netz - aber bis jetzt konnte ich diesbezgl. keine wirkliche aufklärung finden. bis auf weiteres muss das interview also als authentisch angesehen werden. und solange das so ist, stellt es in gewisser weise eine aktuelle und sehr deutliche untermauerung genau des diagnostischen befundes dar, den eisenberg thematisiert. wobei: selbst als fake würde es der realität immer noch sehr nahe kommen, aber orginale aussagen der involvierten sind doch immer noch am aufschlußreichsten.
dann zum zuletzt erwähnten und weltweit wellen schlagenden interview mit rastani: letzterer ist zwar kein yes man, aber durchaus als hobbytrader und - vor allem -hochstapleranzusehen. allerdings werden seine aussagen dadurch nicht unbedingt weniger treffend.
und zum schluß: ich schlage mich gerade wieder anlässlich des eisenberg-artikels mit dem seit jahren mehrfach verschobenen, überarbeiteten und mehrfach neu begonnenem basis-beitrag "soziopathie" herum - ich verspreche jetzt aber mal nichts. überfällig wär´s allerdings.
nicht nur eine kleine diskussion in denkommentarenzum letzten beitrag bildet den anlaß zu diesem thema, sondern unabhängig davon sah ich gestern (oder war´s freitag?) im supermarkt von weitem die schlagzeile des papiernen totschlägers mit den vier buchstaben: "Volkskrankheit Burn Out - 9 Millionen Deutsche fragen sich: bin ich nur erschöpft oder schon ausgebrannt?". diese "plötzliche" themensetzung hat wie bei derlei medialen konjunkturen üblich ihren konkreten anlaß im rücktritt eines "prominenten" aufgrund eines erschöpfungssyndroms, in diesem fall des bundesligatrainers von schalke 04. ich möchte aber zu dieser speziellen sache eigentlich nur sagen, dass das einzig positive womöglich eine art vorbildfunktion ist, analog zu anderen prominenten fällen von burn out und depressionen, die es mehr menschen zukünftig vielleicht ermöglicht, in ihren jeweiligen umfeldern noch rechtzeitig die reißleine zu ziehen.
aber der rote faden, den ich jetzt verfolgen will, ist ein anderer und geht von einem satz von yurun aus, der in den oben verlinkten kommentaren zu lesen ist:
"so nah an der Seele ist das Öl nun wirklich nicht"
wirklich nicht?
*
zunächst zwei videos, die mir bis heute beide unbekannt waren - das eine stammt aus dem letzten jahr und ist ein beitrag des zdf-magazins "frontal":
wenn Sie die bisherigen beitrage im blog zu peak oil kennen, wird Ihnen das meiste davon vertraut sein. allerdings sind die erwähnten projekte sowohl der us-army als auch des schwedischen staates zwar bei näherer betrachtung wirklich spektakulär, aber hierzulande kaum thema. die statements aus dem hiesigen wirtschaftsministerium lassen auch erahnen, warum. im übrigen halte ich das für typische versuche der systeminternen "bewältigung" einer situation, die eben in diesem rahmen ganz und gar nicht mehr zu bewältigen sein wird. mehr und neue technik soll´s wieder mal richten - dieser ansatz kommt jahrzehnte zu spät und hätte das ende des ölzeitalters nur insgesamt etwas abfedern (was allerdings zukünftig als nicht unwesentlich empfunden werden könnte), aber nicht aufhalten können. was man von einer "grünen und ölfreien" luftwaffe halten soll, können eh nur zyniker am besten erklären, ähnlich beim "ölfreien" autoverkehr.
und dann ein video aus einer mir unbekannten quelle, welches sich bei yt unter dem keyword burn-out findet und dessen machart und vor allem symbolik ich interessant finde:
der ganze beitrag strotzt vor spachlich-bildlichen metaphern aus dem energiebereich: fahrende und stehende autos, ausgehende lichter, stromleitungen und vor allem das ausbrennen - kraft- und beziehungslosigkeit. nun braucht es sicher psychophysische energie, um überhaupt beziehungen leben können - energie, deren basis für uns heute zu großen teilen aus der nahrungsproduktion der industriellen landwirtschaft herrührt. aber das ist für mich gerade ein eher nachrangiger apspekt, eher erscheint es nötig, genauer zu fragen, wer da spricht und was für beziehungen eigentlich gemeint sind.
ich hatte ebenfalls im letzten jahr mal versucht, diebedeutung der fossilen brennstoffefür das leben in westlich ausgerichteten industriegesellschaften zu skizzieren, u.a. mit dieser liste:
"die rolle der fossilen brennstoffe lässt sich in ihrer ganzen bedeutung (...) kurz zusammenfassen: öl (und gas) haben
- wesentlich für eine unglaubliche zahl von bahnbrechenden wissenschaftlich-technischen fortschritten gesorgt
- incl. aller medizinischen fortschritte
- die industrielle landwirtschaft mit ihrer massiven produktivität ermöglicht
- darüber dann auch das wachstum der menschlichen bevölkerung global explodieren lassen
- für die heutigen stadtlandschaften gesorgt; incl. der mega-cities
- die mikroelektronische "revolution" mitsamt all ihrer ausprägungen - u.a. das internet - zu verantworten
- die kriegsführung bzw. die dazu verfügbaren mittel so tödlich wie nie zuvor gemacht
- natürlich auch für diverse kriege unmittelbar gesorgt
- die allgemeine mobilität in ungeahnte dimensionen getrieben
- vorher unbekannte ökologische zerstörungen globaler bedeutung ausgelöst (direkte ölverschmutzungen, müllprobleme, smog, klimaveränderungen, landschaftsversiegelung etc. etc.
- und natürlich auch die sog. globalisierung (der ökonomie) sowie die expansion des totalitären kapitalismus mitsamt seiner überproduktions- und sonstigen krisen erst möglich gemacht; in diesen
zusammenhang gehört auch die mittlerweile absolut unerträglich gewordene umverteilung gesellschaftlichen reichstums an eine in relation wirklich winzige minderheit incl. der damit verbundenen
machtungleichgewichte
- durch all das dann indirekt auch zur allgemeinen beschleunigung, zu stress und letztlich vielen schwer gestörten psychophysischen zuständen mit beigetragen"
ich schlage vor, den letzten punkt mal als eine art lupe zu nutzen und sich dadurch alle vorherigen punkte zu betrachten.
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dabei komme ich zu folgenden ergebnissen: erstens haben die erwähnte wissenschaftlich-technischen fortschritte massiv arbeitswelten und -bedingungen beeinflusst. stichworte sind hierbeschleunigung(nicht nur der produktion) sowie rationalisierung, u.a. mit der massiven konsequenz steigender erwerbslosigkeit - beides ganz direkt mit dem thema burn-out verbunden. zweitens ist die erwähnte entwicklung hin zu mega-cities eine, die insgesamt viel zu wenig reflektiert wird - es gibt begründete hinweise darauf, dass in zusammenballungen von millionen von menschen auf engstem raum das risiko für psychophysische störungen massiv steigt - hier ist das zentrale stichwort stress in allen formen. wir sind zwar sozusagen gruppentiere, aber die größe dieser gruppen dürfte idealerweise weit unter den heutigen maßen liegen. drittens sind die "fortschritte" in sachen kriegsführung, auch viele (öl-)kriege selbst, direkt mitverantwortlich für eine große zahl vonkriegstraumata- das gilt dabei sowohl für das militär als auch die zivilbevölkerung. viertens gibt es überzeugende indizien dafür, dass auch ökologische zerstörungen analoge psychophysische zerstörungen bei menschen anrichten. damit sind nicht primär direkte oder indirekte vergiftungen gemeint, sondern eher quasitraumatische prozesse, die über das ohnmächtige miterlebenmüssen der zerstörung der eigenen lebensräume sowie nichtmenschlichen lebens induziert werden. fünftens lässt sich das stichwort internet direkt als symbol für die schon oft thematisierte explosion virtueller und simulativer prozesse in unseren sozialstrukturen vor allem in den letzten zwei bis drei jahrzehnten ansehen - diese entwicklung ist ebenfalls nicht ohne handfest-materielle energieflüsse denkbar, die aus der sicht sozusagen auf dieser seite einiges von unseren heutigen kompensationsmöglichkeiten der negativen folgen eben dieser flüsse in anderen bereichen ermöglichen - stichwort flucht (vor unerträglichen psycho-sozial-ökonomischen realitäten) in virtuelle welten.
man könnte das sicher fortführen und weiter präzisieren, aber worauf ich hinaus will, sollte deutlich geworden sein. natürlich kann es nur so sein: wenn die fossilen brennstoffe die absolute und totalitäre basis unserer art der ökonomie darstellen, dann stellen sie auch die absolute und totalitäre basis aller materialität der heutigen "zivilisation" dar; und damit zwangsläufig auch die basis für alle anscheinend "immateriellen", "psychischen" und virtuellen prozesse, die heute unsere "normalität" darstellen. ich betone das "heute" deshalb, um missverständnisse dahingehend auszuschließen, dass sich das alles nur im ölzeitalter hätte abspielen können, was nicht stimmt. stresszustände zb. dürften solange eine rolle spielen, solange es die menschliche spezies gibt, und ich teile die ansicht, dass wir auf ein gewisses maß an stress nicht nur psychophysisch eingestellt sind, sondern ihn sogar als trigger für entwicklungen benötigen. aber auch hier macht die dosis das gift, und das ölzeitalter hat diese dosis zweifellos in unerträgliche höhen geschraubt.
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apropos gift: dabei fiel mir auch wieder jener beitrag mit dem titeldas schwarze giftein, bei dem ich damals schon ähnliche schlüsse gezogen hatte wie jene, die sich aus dem obigen aufdrängen:
"peak oil erweist sich unter solchen aspekten immer mehr als regelrechter segen - wenn diese sog. "zivilisation" sich angesicht des peaks und angesichts der schlichten normalen unerträglichkeiten bei der ölförderung und auch der verarbeitung als unfähig erweisen sollte, sich selbst zu transformieren, hat sie nichts weiter als den untergang verdient.
in den früheren beiträgen zu peak oil kam öfter mal das gleichnis mit einem junkie oder auch alkoholiker, die auf ihren stoff nicht mehr verzichten wollen und können. in beiden fällen hilft nur der konsequente entzug. das gilt auch für das öl, wobei das angesichts der rolle, die dieser basale rohstoff für die industriellen gesellschaften spielt, gleichzeitig ihr ende bedeuten wird. so oder so. das eine so steht für das (in peak oil-kreisen beliebte) "mad-max-szenario" - eine dystopie nach dem gleichnamigen film. das andere so wäre eine kollektive, rasche und bewusst eingeleitete abkehr vom ölzeitalter - mit allen konsequenzen auch des (scheinbaren oder realen) verzichtes, die das individuell und kollektiv mit sich bringen würde. ich muss wohl nicht mehr schreiben, welches so ich in der derzeitigen situation für wahrscheinlicher halte... der auf öl basierende kapitalismus wird aufgrund seiner inneren widersprüche und der äusseren grenzen des exponentiellen wachstums zur hölle fahren, aber er wird dabei vermutlich auch die eh schon schwer beschädigte menschliche sozialität an den rand des abgrunds bringen."
es ist ein vielleicht aussagereicher zufall, dass das störungsbild, welches medizinisch-psychiatrisch heute mit dem begriff des burn-out erfasst wird, inzwischen mehrheitlich als vorstufe zur depression angesehen (und derart diagnostisch von dieser abgegrenzt) wird. der gleiche begriff, der allgemein auch für den als schlimmsten angesehenen ökonomischen krisenzustand benutzt wird. und dieser letztere wird bei unserer weitgehenden kollektiven und hartnäckigen ignoranz des peaks folgerichtig eintreten. so, wie die persönliche depression ebenso bei ignoranz der persönlichen vorzeichen folgt.
ich bin von solchen analogien immer persönlich fasziniert, erwarte aber durchaus nicht, dass Sie mir bei dieser faszination folgen - aber warum ich hier eine andere meinung habe als kommentator yurun, sollte inzwischen klar geworden sein.
die global in allen industriellen gesellschaften verbreitete plage von zuständen wie depressionen und burn-out (andere psychophysische störungen spielen auch eine rolle; so lässt sich bspw. auch der vielbeklagte pathologische narzissmus aus dieser sicht als ölbefeuert betrachten, und soziopathen "lieben" eh prozesse der beschleunigung und des virtuellen) könnte man aus dieser perspektive ebenfalls als eine art peak betrachten, nämlich den der menschlichen anpassungsfähigkeiten an die durch die spezifischen energetischen eigenschaften des öls produzierte heutige menschliche welt. und passend zur erschöpfung der förderung auf vielen ölfeldern setzt auch die große erschöpfung in der menschlichen welt ein - in beiden fällen heißen die konsequenzen: zusammenbruch, u.a. durch die unfähigkeit bedingt, sich eine andere art & weise des lebens auch nur vorstellen zu können. dabei könnte die eine erschöpfung paradoxerweise die andere heilen helfen...
passend zu einigen beiträgen aus der letzten zeit findet sich in der "zeit" gerade ein interview mitjeremy rifkin, der mich in den frühen 1980er jahren mit seinem buch entropie - ein neues weltbild nachhaltig beeinflusste. und von allen seiner thesen und ideen finde ich diese immer noch persönlich am "nachhaltigsten". zusammen mit den begriffen exponentialität und energie liefert die entropie bzw. das dahinter stehende physikalische prinzip alle nötigen schlüssel, um die heutigen krisen zu begreifen, und zwar in ihren vollen konsequenzen zu begreifen.
ähnlich wie beim kürzlich intensiver vorgestellten"tipping point"hatte ich eine zusammenfassende arbeit zum entropiebegriff vor ein paar jahren schon mal kurz verlinkt, und krame die jetzt wieder raus:"Das Grundgesetz vom Niedergang - Ruiniert Arbeit die Welt?"ist als einstiegstext ganz gut geeignet, eine vorstellung von der bedeutung der entropie zu bekommen, auch und gerade in bezug auf unsere energetische basis sowie die art & weise der herrschenden ökonomie, speziell einen entscheidenden blinden fleck so ziemlich aller ökonomischen theorien, einschließlich der von marx.
(...) "Es geht um den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der als unerbittliches Weltgesetz alles auf Erden regiert und als Prinzip weit über die Thermodynamik und die Physik hinaus bedeutsam ist. Zu fragen ist vor allem nach dem Schicksal der Materie im Wirtschaftsprozeß, eine Frage, die bisher nur von den Rohstoffökonomen mit ihrer Fixierung auf die Reichweite von diesem oder jenem Metall oder Energieträger gestellt wurde. Aber ebenso wichtig ist das Problem der fortlaufenden Degradierung von Rohstoffen zu Abfall und die Frage nach den Grenzen des Recycling. Materie wird mit zunehmender Beschleunigung entwertet – ein Prozeß, der Wirtschaftswachstum heißt – und Materie steht für Natur. Wertschöpfung ist ein zweifelhafter Begriff, weil wir nur umwandeln, nicht wahrhaft schöpfen. Eine Schöpfung ex nihilo gibt es seit dem Urknall nicht mehr. Im Lichte des Entropiesatzes ist, was wir Wertschöpfung nennen, in Wahrheit Entwertung von Unwiederbringlichem.
Der Entropiesatz regiert alle Umwandlung von Energie und Materie, er ist aber in das ökonomische Denken nicht eingegangen, oder er wurde aus ihm verdrängt. Daraus entstehen Illusionen, und das Ziel „Qualitatives Wachstum" wird verfehlt, wenn sich diese Illusion in Beruhigungsformeln der Selbsttäuschung niederschlagen." (...)
in einem sehr grundsätzlichen sinne sind die heutigen krisen als laufende prozesse von steigender entropie und exponentialität anzusehen, und damit unter keinen umständen mehr innerhalb des herrschenden systems auch nur ansatzweise irgendwie noch kontrollierbar - darum ist der big bang nur noch eine frage der zeit und unmittelbar vor der tür stehend, ja eher schon gerade am eintreten. ich reite auf diesem fakt deshalb so herum, weil Sie sich zumindest mental auf das kommende vorbereiten sollten.
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aber ich will jetzt zum erwähnteninterviewkommen, und da besonders zu einem punkt, den ichneulichim zusammenhang mit peak oil zum wiederholten male erwähnt habe:
"noch ein interessanter absatz aus dem oben verlinkten artikel von peak-oil.com:
(...) "Die höchstverschuldeten EU-Staaten sind zugleich jene, deren Energieversorgung am stärksten vom Erdöl abhängt: Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien..."
das ist absolut kein zufall und unterstreicht die these, dass die seit 2008 offen laufende weltwirtschaftskrise bereits von peak oil getriggert wird - nicht nur hinsichtlich der energiekosten us-amerikanischer eigenheime, die im sommer 2008 ihre bisherigen höhepunkt erreichten."
dazu im interview:
(...) "Rifkin: Die Krise hat in Wahrheit im Juli 2008 begonnen. Damals stieg der Ölpreis auf ein neues Rekordhoch: auf 147 Dollar pro Barrel. Die Preise für Güter und Dienstleistungen gingen durch die Decke, die Kaufkraft sank, die Wirtschaft brach ein. Das war das eigentliche ökonomische Erdbeben.
ZEIT ONLINE: Für gewöhnlich datieren wir den Beginn der Finanzkrise auf den 15. September 2008. Damals brach die Investmentbank Lehman Brothers zusammen.
Rifkin: Ich argumentiere anders. Der Ölpreis ist in meinen Augen entscheidend. Steigt er über 75 bis 80 Dollar pro Barrel, steigen die Preise, ab 150 Dollar kollabiert der Welthandel. Wann immer sie versuchen, neues Wachstum zu erzeugen, werden sie es mit einem steigenden Ölpreis zu tun haben. Ein Teufelskreis, der uns immer neue Wirtschaftskrisen bescheren wird.
ZEIT ONLINE: Die Krise begann dennoch am Finanzmarkt, nicht am Gütermarkt.
Rifkin: Es kommt auf den Zusammenhang an. Weil das alte Wachstumsmodell nicht mehr funktionierte, hat man die Verschuldung der privaten Haushalte in den USA nach oben getrieben. Darauf basierte ein wesentlicher Teil des Wachstums der Weltwirtschaft im vergangenen Jahrzehnt. Die Immobilien waren wie Geldautomaten, mit Hypotheken haben wir das Wachstum finanziert. Dann liefen die unregulierten Finanzmärkte heiß." (...)
in den kommentaren vier und fünf unter dem artikel hat sich ein user die mühe gemacht, die damalige situation nochmals detaillierter auseinanderzudröseln:
"Das Irritierende ist: Lehman ging am 15. September pleite, was tatsächlich eine systemische Krise im Finanzsektor auslöste. Allerdings waren zu dem Zeitpunkt alle wichtigen Konjunkturindikatoren schon seit Wochen schockartig auf Talfahrt. In den USA schnellte die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosengeld in der letzten Juli-Woche plötzlich auf Rezessionsniveau – nicht Mitte September. Im August brach der Aufwärtstrend bei Aufträgen für US-Unternehmen ab, die Bestellungen fielen binnen einem Monat um vier Prozent. Die Industrieproduktion sank ebenso abrupt im Monat vor der Lehman-Pleite – nicht danach. Das Gleiche gilt für Amerikas Exporte, die vorher monatelang geboomt hatten.
Für den Rest der Welt lautet der Befund ähnlich. In der Euro-Zone begannen die Stimmungsindikatoren im Juni abzustürzen, mit Zuspitzung im Juli. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex beschleunigte seine Talfahrt abrupt schon kurz vor der Jahresmitte. In Japan brachen im August die Aufträge für Maschinen jäh um zwölf Prozent ein. Selbst in China gab es schon Wochen vor Lehman Anzeichen für einen ernsteren Konjunkturrückschlag.
Der Absturz vom Sommer 2008 fällt mit einem anderen weltweiten Phänomen zusammen: Im Juni und Juli 2008 spitzte sich der Anstieg der Ölpreise zu, die Kurse lagen erstmals fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Damals kostete Benzin fast 1,60 E. Dies löste zudem noch einen ebenso globalen Folgeschock aus: eine Inflationspanik, die dazu führte, dass just im Juni die Zinserwartungen hochschossen. Banken und Unternehmen mussten statt mit sinkenden auf einmal mit steigenden Zinsen rechnen, zumal die Europäische Zentralbank Anfang des besagten Monats plötzlich höhere Leitsätze ankündigte.
Es spricht viel dafür, dass beides einem Konjunkturschock gleichkam. In den USA sackten die Realeinkommen im Inflationsmonat Juni erstmals unter Vorjahr. Die inflationsbereinigten Löhne sanken unversehens um 2,2 Prozent. Zu dieser Zeit liefen auch die Steuerschecks aus, mit denen die Regierung im Frühjahr noch den Konsum gestützt hatte. Kein Wunder, dass just danach die Privatausgaben abstürzten.
Für die Ölschockthese spricht, dass der Umsatz mit Autos in den USA exakt zur Jahresmitte abstürzte. Mit dem Ölpreis ließe sich auch erklären, warum kein Wirtschaftszweig so kriselt wie die Autobranche. In der Euro-Zone brachen die Neuzulassungen von Juni auf Juli um 8,3 Prozent ein. Die deutsche Autoindustrie bekam fast 15 Prozent weniger Aufträge als im Vorjahr.Natürlich schwächelte die Konjunktur in den USA, in Deutschland deutete sich schon im April ein Abschwung an."
natürlich hatte der "lehman-moment" eine vorlaufende phase und ist als beginn der (zunächst) finanz- und bankenkrise lediglich in einem formalen sinne zu sehen. das peak oil für die ganze situation einen trigger darstellt, ist für mich eigentlich nicht zu bezweifeln; eher bleibt die frage, wie groß der anteil dieses triggers ist. wenn es um die strukturellen ursachen der systemkrise geht, ist seitens aktueller linker theorie bspw. das folgende vontomasz koniczzu vernehmen:
(...) "Hierzu ist ein adäquates Verständnis des Charakters der derzeitigen Systemkrise notwendig, das jenseits populistischer Sündenbocksuche (faule Griechen, gierige Banker, Juden, Marsmenschen) die Gründe der Krise des Kapitalismus zur Abwechslung in den Widersprüchen des kapitalistischen System verortet. Der Kapitalismus ist deswegen "defizitär" und nur noch vermittels ausufernder Verschuldung als globales System aufrecht zu erhalten, weil er gewissermaßen an seinem eigenen "Erfolg", an seiner eigenen Produktivität zugrunde geht. Die immer schneller um sich greifende Rationalisierung und Automatisierung führt seit der Mikroelektronischen Revolution der 80er und 90er Jahre dazu, dass immer mehr Waren in immer kürzerer Zeit durch immer weniger Arbeitskräfte hergestellt werden können. Neue Industriezweige in der Mikroelektronik und die Informationstechnik beschleunigen diese Tendenz. Diese neuen Technologien schaffen weitaus weniger neue Arbeitsplätze, als durch deren gesamtwirtschaftliche Anwendung wegrationalisiert wurden. Das System stößt an eine "innere Schranke" (Robert Kurz) seiner Entwicklungsfähigkeit.
Das an seiner Hyperproduktivität krankende System kann nur durch die zusätzliche kreditfinanzierte Nachfrage – durch Schulden – vor dem Kollaps bewahrt werden. Sobald die - private oder staatliche - schuldengenerierte Nachfrage wegbricht, setzt eine verhängnisvolle, sich selbst verstärkende Abwärtsspirale ein, in der Überproduktion zu Massenentlassungen führt, die wiederum die Nachfrage senken und weitere Entlassungswellen nach sich ziehen. Dies geschah nach dem Platzen der Immobilienblasen im Jahr 2008, bis die Staaten eingriffen und die Defizitfinanzierung des Kapitalismus mittels staatlicher Defizitbildung übernahmen. Fakt ist somit auch: Bevor die Staaten seit Krisenausbruch mit ihren kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen das System am Laufen hielten, taten dies jahrzehntelang die wucherungsartig expandierenden Finanzmärkte - bis zum Platzen dieser "globalen Kreditblase", wie es Paul Krugman formulierte." (...)
ich sehe einen solchen ansatz nicht unbedingt im widerspruch zur peak oil-these; allerdings erfüllt er meiner meinung auch nicht den impliziten anspruch, wirklich sozusagen bis zur tiefsten tiefe vorzudringen. die erwähnte explosion der (maschinisierten) produktivität betrachte ich als verifizierbar, nur darf dabei nicht die matrix vergessen werden, in der sich dieser prozeß abspielt - und diese matrix bilden eben jene physikalisch-energetischen bedingungen, oder besser: grenzen, die anfangs erwähnt sind. im prinzip beschreibt konicz aus dieser perspektive nichts anderes als eine rasante beschleunigung in richtung eines hochentropischen zustands, zuverlässig ablesbar u.a. am umfang von ökologischen schäden undmüllbergen. ebenfalls wird jede produktion innerhalb des systems durch die steigenden energiekosten ebenso zuverlässig teurer, mit allen daraus folgenden konsequenzen. wenn man sich nur die systeminternen ökonomischen prozesse betrachtet, erscheint die überproduktionskrise tatsächlich als ein basaler krisengrund; aber eine solche sichtweise ist aufgrund der untrennbaren physikalisch-energetischen basis für jedes menschliche system eigentlich unzulässig, da stark verzerrend. was konicz da beschreibt, unterstreicht allerdings sowohl die einzigartigkeit als auch den finalen charakter der laufenden krisenprozesse; die allgemeine verwirrung in sachen verständnis dieser prozesse ergibt sich meiner meinung zu einem guten teil daraus, dass uns sowohl einige der selbstproduzierten innerkapitalistischen widersprüche auf die füße fallen und gleichzeitig die absoluten physikalisch-energetischen grenzen für jede art von industrieller zivilisation erreicht sind. was wiederum jenes typische bild von überlagerungs- und rückkoppelungseffekten ergibt, welches das verständnis der situation so erschwert - intuitiv-emotional in jenem spontanen eindruck verkörpert, dass es inzwischen "an allen ecken und enden brennt".
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das gesamte interview von rifkin halte ich im übrigen für verharmlosend; ähnlich wie bei chris martenson kann ich mich des eindrucks nicht erwehren, dass beide gerade hinsichtlich peak oil jenes klischeebild des typisch us-amerikanischen optimismus´ verkörpern, für das ich in der realität keine gründe finden kann. und regelrecht belustigend finde ich das folgende:
(...) "Rifkin: Frau Merkel ist Physikerin, sie war Umweltministerin. Sie versteht die aktuelle Krise besser als viele andere." (...)
*lol* ähnliches ist auch an einigen anderen stellen im netz immer wieder zu lesen, und vielleicht ist das tatsächlich die derzeit abgedrehteste vt, die kursiert: das angela merkel sich über peak oil völlig bewusst ist und einen vollständigen masterplan in der tasche hat - *rofl*
aber gut, wer öfter in politischen us-foren liest, wird sich wahrscheinlich über die eigentümliche wahrnehmung der hiesigen politischen landschaft auch schon gewundert haben - der merkelsche "atomausstieg" wurde dort als "wegweisend" bejubelt, die deutschen zustände im allgemeinen als ebenso weltweit vorbildlich betrachtet wie merkel als (mindestens) sozialdemokratin, wenn nicht gar sozialistin gesehen wird. einer wie rifkin sollte es allerdings besser wissen. es könnte aber durchaus wahrscheinlich sein, dass sich zumindest teile der politischen und ökonomischen "eliten" über peak oil viel deutlicher im klaren sind, als nach aussen hin kommuniziert wird. immer noch bezeichnend finde ich die fast totale öffentliche stille zu der vermutlich wichtigsten rede, die barack obama jemals gehalten hat bzw. halten wird - jenerede aus dem juni 2010, in der er angesichts des "deep water horizon"-debakels im golf von mexico...
...meines wissens als erster und "gewichtigster" repräsent der westlichen politischen funktionseliten überhaupt die realität von peak oil in aller öffentlichkeit verkündet."
betäubendes schweigen bis heute, wie gesagt.
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auch noch thematisch passend zum schluß ein weiterernachschlagzu den am vergangenen sonntag erwähnten spannungen im östlichen mittelmeerraum rund um die griechischen pläne zur förderung dort vorhandener öl- und gasvorkommen. diese ganze entwicklung ist mehr als bauchschmerzerregend; sie ist aus vielerlei gründen schlicht fatal.
Die schottische Ölfirma Cairn Energy musste am 13. September bekannt geben, dass man vor der Küste Westgrönlands erneut eine Niete gezogen hatte. Die Probebohrung Gamma 1 habe sich als Fehlschlag ohne Ölfund erwiesen, meldet die britische Zeitung Guardian.
Schon einige Wochen zuvor war eine erste Bohrung in einem benachbarten Küstenabschnitt ohne Ergebnis geblieben. Die Bohrungen waren trotz der erbitterten Proteste der Umweltschutzorganisation Greenpeace durchgeführt worden. Etwaige Öllecks seien in dem Gebiet, das im Winter monatelang von Packeis bedeckt ist, praktisch nicht zu bekämpfen, warnen die Aktivisten." (...)
diese arktis-bohrungen sind eh der blanke wahnsinn, deshalb ist das tatsächlich eine sehr gute nachricht.